Sigi, bei dir gibt es einen entscheidenden Punkt der die Diskussion völlig überflüssig macht. Du kennst dich wirklich gut mit Religionssachen aus, aber nicht mit Wissenschaft.
Stimmt, ich bin kein Wissenschaftler und kein Gelehrter auf dem Gebiet. Aber ich bin auch nicht völlig unbelesen oder nur von Allround-Medien betropfelt. Muss man ausgebildeter Wissenschaftler sein, um sich eine Meinung zu erlauben?
Die Argumente die du wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber stellen willst, beruhen auf religiöser Apologie.
1. Wissenschaft und Atheismus sind zwei unterschiedliche paar Schuhe.
2. Versuchst du einen Raum zu beanspruchen der entweder bereits geschlossen ist oder mit der Sache gegen die du argumentierst nur entfernt was zutun hat.
Welchen Raum glaubst du, dass ich beanspruche? Ich habe das Gefühl, den genauer definieren zu müssen, ehe wir uns verstehen. Bildlich steht zuviel "Gerät" zwischen uns, und ich glaube auch, dass es deswegen schwer ist, überhaupt zu verstehen, was der andere meint.
Klar ist Wissenschaft dazu da, zu erklären, wie alles gemacht ist. Sie versucht, sie kann und will erklären wie alles abläuft, ob es nun von selbst entstand, entsprechend verschiedener Theorien oder ob Gott Anstoß oder gar mehr dazu gab, gilt es für uns, die wir darüber keine Einzelheiten wissen, zu forschen. Ist ja o.k.
In den Ungewissheiten, die die wissenschaftliche Forschung hinsichtlich einger Theorien noch hat, sehe ich Raum, Raum zu theoretisieren, wie es denn wäre, wenn man die Entstehung des Lebens und der Arten durch einen knowhow-Geber erklären würde. Diese Theorie stößt natürlich bei der Wissenchaft auf Widerstand, weil sie, so wie sie gebildet wurde schon wieder aufhört und nicht weiter überprüfbar ist. Aber ich denke, sie, die Lücke, lässt Raum dafür, dass Glaubende hier einsetzen können. Nicht um die Wissenschaft zu ersetzen und keineswegs, um ein besseres wissenschaftliches Modell zu liefern, das wollte ich auch nie. Die Bibel liefert keine hochwissenschaftliche Ersatztheorie, wenngleich sie einen Fahrplan enthält, der äußerst grob und einfach gestaltet ist, aber nicht nach frühmenschlichen Humbug klingt, nur aufzählt, wie ein Schöpfer er Reihe nach vorgegangen sein könnte, das eine auf das andere aufbauend. Ich behaupte nirgends, dass das ein wissenschaftlicher Gegenentwurft ist, ich würde nur stutzig, wenn diese Aufzählung so absolut unmöglich wäre, dass sie lachhaft wird.
Der Glaube an Gott wird durch Glaubensbeweise gestützt, die völlig außerhalb der Suche der Wissenschaft nach dem Wann, Wie und Warum ist. Er ersetzt diese Suche nicht.
Da die Wissenschaft bisher nur lückenhaft erklären kann, und eigentlich nur ständig Beweise sucht, eine Theorie aufzufüllen, die nun mal gesetzt ist, müssen doch Zweifel an der Evolutionsltheorie erlaubt sein? Unzweifelhaft ist etwas doch nur, wenn es wie ein von allen anerkanntes Naturgesetz abgesichtert ist und niemand dazu eine andere Theorie auf den Tisch legen dürfte, ohne sich zu blamieren. Es gibt aber in allen Bereichen Wissenschaftler, die zu Funden z. B. anderer Meinung sind, abgesehen von der Vorstellung, wie das Leben überhaupt entstand.
Klar könnte man sich ärgern, dass Gläubige hier das Gebiet der Wissenschaft verlassen und Platz anmelden, für einen Gottesglabuen, der ganz anderen Beweisen unterliegt.
Aber darf man deshalb alle Gläubigen als Fanatiker oder ähnliches bezeichnen und sie verbieten oder lächerlich machen?
Viel geschrieben, hoffentlich nicht, um weitere Missverständnisse aufkommen zu lassen.
Ich würde es schätzen, wenn die beiden Sprachen, die wir offensichtlich führen, kompatibel gemacht weden könnten, um irgendwo einen Nenner zu finden, der gegenseitigen Respekt zur Folge hat oder Richtigstellung wo sie nötig ist, um überhaupt erstmal den Punkt zu finden, ab dem die Meinungen auseinandergehen und jeder etwas anderes für möglich hält oder "glaubt".
Sigi
3. und der wohl wichtigste Punkt religiöser Gegenargumente ist die Unwissenschaftlichkeit. Diese Argumente gehen völlig an Wissenschaft vorbei.
Wissenschaft erklärt WIE die Dinge sind und nicht DAS sie sind und WARUM sie sind. Religiöse Argumente bestehen aus der Grundformel die da heißt - Ihr könnt da was nicht nachweisen deswegen steckt da eine höhere Macht dahinter.
Der entscheidende Punkt ist wie gesagt nicht ob es Gott gemacht hat oder nicht, sondern WIE Gott es gemacht hat falls es einen gibt. Genau mit diesem WIE beschäftigt sich die Wissenschaft und genau das fehlt in jedem bisher gebrachten Gegenargument von religiöser Seite.
Das ist übrigens auch der Grund warum sich Wissenschaft und Religion nicht ins Geheege kommen. Es gibt aber noch genügend Gläubige die mit "Gott war es" gegen Wissenschaft argumentieren, obwohl es völlig aneinander vorbei geht.
Unabhängig von Wissenschaft und Religion gibt es ganz simple Dinge wo man aneinander vorbei redet. Das geht schon los bei der Definition von Wörtern der eigenen Sprache.
Fast jeder weiß wie man solche Begriffe wie "Zufall" oder "Leben" zu bewerten hat. Leben hat ja ein hohen Stellenwert. Die meisten haben auch eine gewisse diffuse intuitive Vorstellung der Begrifflichkeiten, aber die wenigsten können die Begriffe definieren. Wenn man sich dessen erstmal bewusst ist kommt man sich richtig doof vor.
Und es gibt auch Anlass zum schmunzeln wenn man feststellt das die Phrase "Gottes Wege sind unergründlich" und der Begriff "Zufall" zwar unterschiedlich bewertet werden, aber völlig identisch darin sind wenn es darum geht einen Sachverhalt bzw Ereignis zu erklären.