Mittlerweile kann ich über diese schon hundertmal durchgekaute Diskussion nicht mal mehr mit den Augen rollen, weil es so alte Kamellen sind.
Sprache verändert sich, so wie sich die Gesellschaft und das Leben mit der Zeit ändert. Das war schon immer so und das wird immer so bleiben, ob wir es wollen oder nicht.
Die meisten Veränderungen sind uns nicht einmal bewusst oder fallen erst auf, wenn man in Filmen oder irgendwelchen anderen Aufnahmen sieht, wie vor zwanzig, dreißig, vierzig,... Jahren gesprochen wurde. (Neulich habe ich nen Ausschnitt aus einer alten Löwenzahn-Folge aus den, glaube, 90ern gesehen. Kein Mensch mehr sich heute mehr so ausdrücken, genauso wenig wie sich die Menschen in den 90ern nicht mehr ausgedrückt haben wie in den 60ern und die in den 60ern nicht, wie die in den 30ern, usw. usf. Voll okay, ist einfach stinknormale Entwicklung.)
Wir hätten eine sehr komische Welt, wäre Sprache in Stein gemeißelt, während sich alles andere laufend verändert, seien es demographische Strukturen, technische Entwicklungen oder auch viel Banaleres wie (Pop-)Kultur, Mode, Trends, usw. Vollkommen ausreichend, sich alte Fotos von sich selbst angucken und festzustellen wie sehr man sich selbst und das ganze Drumherum (Klamotten, Frisuren, usw.) verändert hat.
Klar bleibt Sprache da nicht außen vor. Das geht gar nicht anders. Mein Mann, der in den 80ern Teenager war, erzählte neulich, dass Ausdrücke wie "cool" oder "sich zoffen" oder "Klamotten" für Kleidung in der Schule oder bei Großeltern nicht gern gehört waren, weil damals typischer und ziemlich verpönter Jugendslang. Heute ganz selbstverständlich im Sprachgebrauch integriert, kein Mensch findet es seltsam oder unpassend, wenn jemand Klamotten kaufen geht oder sich mit jemanden gezofft oder etwas Cooles erlebt hat.
Dieses bockige, rückwärtsgewandte Fußgestampfe ist einfach nur albern. Klar, kann man ruhig machen, für mich persönlich passt das gut mit Leuten zusammen, welche neben Gendern die EU-verordneten, befestigten Deckel an PET-Flasche für die größte Freiheitseinschränkung unserer Zeit halten.
Zum Glück wird Sprache vor allem von jungen Menschen geprägt. Meine Kinder zwischen 8 und 19 gendern selbstverständlich, das ist so normal für sie, dass es eigentlich gar nicht mehr auffällt (- und dennoch so wichtig bleibt). Mir ist auch noch nie untergekommen, dass das zu Verständnisproblemen geführt hätte.