Andreas900
Sehr aktives Mitglied
Zitat: "ach da ist wieder jemand neidisch.selber nie was geschafft im leben?",
Für mich ist diese Art dder "Argumentationsführung" schon ziemlich "tief", allein schon deshalb weil ich es für total primitiv und einseitig halte wenn Lebenserfolg als Synonym für materielle Güter benützt wird. Die meisten Religionen haben als zentrales Thema für ein gutes Leben, die gelungene praktische Umsetzung von Gerechtigkeit.
Dabei spielt die soziale Verantwortung beim Umgang mit materieller Ungleichheit und daraus abgeleitete (göttliche ?) Vorschriften für das Zusammenleben in einer friedlichen Gemeinschaft eine wesentliche Rolle. Materielle Güter sind in den monotheistischen Religionen also immer an einen"Verantwortungsvorbehalt" gebunden, der den Armen einen göttlich-rechtlichen materiellen überlebenssichernden Mindestanspruch zugesteht.
Die christliche Option für die Armen wird rein praktisch durch ein Zinsverbot, dass die "pax christiana " aber im Laufe der Jahrhunderte an die Juden "outgesourced", und später ganz vom Kirchenprogramm gestrichen hat, umgesetzt, um die Pauperisierung der besitzlosen Gruppen zu verhindern.
Das orthodoxe Judentum hatte zu diesem Zweck "Jubeljahre", das waren die Jahre in denen im 7-Jahresrhythmus armen Schuldner ein Schuldenschnitt gewährt werden musste.
Auch der Islam kennt ein strenges Zinsverbot, das heutzutage durch besondere "Rechtsverträge" umgangen wird.
Inwieweit ererbtes Vermögen oder Privilegien ein echter persönlicher Verdienst sind sei dahingestellt. Interessant finde ich hierbei, dass hier sehroft mit zweierlei Maß gemessen wird. Das materielle Erbe der Vorfahren und die damit verbunden Rechte anerkennen alle, das "immaterielle" Erbe, das oft in ethisch fragwürdigem Verhalten und zweifelhaftem Rechtsethos besteht, ohne die das materielle Erbe aller Wahrscheinlichkeit nach oft gar nicht existent wäre, lehnen die allermeisten ab.
Ich finde Deinen Beitrag sehr interessant. Wir sollten wirklich nicht vergessen, dass Erbe und Zinsen nur bedingt etwas ist, das man "selber geschafft" hat, deswegen wird es auch oft geneidet. Genau genommen gibt es sehr wenige Selfmade Reiche 😀
Auch wenn ich Anfangs bei dem Wort "Religion" schon zu unrecht Glaubenspredikten von Dir befürchtete, ist der Hinweis "was geschafft im Leben" ist NICHT gleich "materieller Besitz" sehr angebracht.