Das ist keine deutsche Unart.
Das Streben nach mehr, nach Perfektion ist in uns allen verankert.
Das Streben nach mehr, wenn es nichts kostet oder jemand anders die Drecksarbeit machen muß, dann ja. Sonst nicht zwangsläufig, weil dann oft die Faulheit und Bequemlichkeit obsiegt.
In Afrika z. B. gibt es in manchen Ländern ein ausgeprägtes Schmarotzersystem, wo jeder, der einen der seltenen bezahlten Arbeitsplätze findet, postwendend den ganzen Familienklan mit durchfüttern und finanzieren muß. Und dieser Familienklan denkt dann natürlich gar nicht daran, sich selber Bildung und Arbeit zu suchen. Wer es wagt, den Schmarotzern die kalte Schulter zu zeigen, ist beim gesamten Klan unten durch und braucht sich in dem Dorf nie wieder blicken zu lassen, da wird also konkret massiver sozialer Druck ausgeübt.
Arbeitgeber, insbesondere europäische Investoren, haben in diesen Gegenden natürlich schweres Spiel, wenn bei Einstellung einer einzigen Arbeitskraft auf die Befindlichkeiten von vielleicht hundert oder zweihundert weiteren Personen Rücksicht genommen werden soll - die alle von der einen Arbeitskraft leben (sprich schmarotzen) wollen. Einige Arbeitgeber lösten das Problem durch eine rigorose Umquartierung, indem der Arbeiter von seinem schmarotzenden Klan kurzerhand getrennt wurde, indem er in einem weit entfernten anderen Teil des Landes eingesetzt wird und nur einmal pro Halbjahr (oder so) zu Besuch zuhause vorbeischauen darf. Die Chinesen, die sich in letzter Zeit in Afrika breitmachen wegen der Rohstoffe, machten das Spiel gar nicht mit, die holten sich eigene pflegeleichtere Arbeitskräfte aus Indien und anderswo, weil bei den Chinesen die Afrikaner sowieso als chronisch faul gelten. (Und die Schmarotzer bestätigen dieses Vorurteil ja auch.)
Was die genannten Afrikaner vom Europäer unterscheidet, ist das Maß an Arbeitsethos, und das hängt wiederum ab vom --- Klima. Ja, richtig gelesen.
Die Europäer sind seit Besiedlung des Kontinents dazu gezwungen, in der warmen Jahreszeit zu säen und zu ernten, weil der nächste Winter gnadenlos kommt, und wer dann keine Vorräte hat, der verhungert und erfriert einfach. Südländer mit ihrem dauerhaft milden Klima haben dieses Problem nicht, da kann das ganze Jahr über gesät und geerntet werden, anstelle von Kälte hat man allenfalls eine befruchtende Regenzeit.
Deswegen sind Südländer generell "relaxter", was "Perfektion" oder "streben nach mehr" angeht, weil bei ihnen eben nicht im Erbgut drin steckt, daß jemand, der weniger hat als die anderen, deswegen gleich verhungern könnte. Wo doch das ganze Jahr hindurch die Früchte einfach in die Hand hinein wachsen, oder so...
und deshalb regiert auch in Sachen "Perfektion" eher mal das Laissez-faire, sprich die Faulheit, das "laß doch die anderen machen".
Hochkulturen bildeten sich in der Vergangenheit immer da, wo das Leben nicht ganz so einfach ist. Ägypten zum Beispiel, im jährlichen Wechselspiel von Fruchtbarkeit (Nilüberschwemmung) und Wüstendürre, analog zum europäischen Winter. Genauso wie in Mesopotamien, zwischen Fluß-Fruchtbarkeit und umliegenden kargen Hochlandgebieten. Oder die amerikanischen Hochkulturen. Wo das Leben zu einfach ist und die Früchte direkt ins Maul wachsen, entwickeln sich keine großartigen Kulturen, weil sie einfach nicht gebraucht werden. Wo es dauerhaft zu schwer ist, übrigens ebenso nicht (Indianer Patagoniens).
Deswegen würde ich Dich berichtigen, HESBACK: nicht das Streben ist verankert, sondern nur der Wunsch. Streben bedeutet nämlich, daß man sich selber anstrengen müßte - oder einen Dummen findet, der die Arbeit macht. Wer das erste nicht will und das zweite nicht kann, bleibt auf seinem Wunsch sitzen und schaut Löcher in die Luft.
Könnte natürlich jetzt sein, daß Du Dich selber damit angesprochen fühlst...
🙄