Du kannst ihm nicht helfen. Er ist süchtig. Wenn du ihm Geld gibst, hilfst du ihm nicht. Alles, was du so erreichen kannst ist deine Ko-Abhängigkeit.
Das ist mir bewusst und ich sage es ihm jedes mal, wenn er Geld geliehen haben will. Aber meine Meinung interessiert ihn nicht (mehr), da ich seiner Meinung nach nur noch negative Kommentare abgebe und ihn runtermache. Ausserdem argumentiert er dann, daß das Geld nur geliehen ist und was er damit macht, kann mir egal sein, solange er er zurückzahlt (was er auch bisher immer getan hat). Ein richtiger Freund hilft ohne Fragen zu stellen und ohne Diskussionen. Wenn er genug Geld hat und nur zu bequem ist, mit dem Bus zur Platte zu fahren, sind wir allerdings nur noch lockere Bekannte und verstehen uns nicht ansatzweise mehr so gut wie früher....
Du kannst ihm auch aus einem anderen Grund nicht helfen: du kannst nicht nein zu seinen Wünschen sagen.
Wenn dieser junge Mann dich darum bittet, gibst du ihm Geld für Drogen und Zigaretten und Alkohol, auch wenn du weißt, dass es ihm gesundheitlich schadet.
Zigaretten bzw, Tabak kauft er sich schon seit längerer Zeit selber und Alkohol trinkt er auch keinen mehr, seitdem er Heroin konsumiert. Sein Magen ist sehr empfindlich geworden, auch was essen angeht...
Geld für Drogen habe ich ihm tatsächlich nur hin und wieder geliehen, wenn er stark auf Entzug war und und er sehr hartnäckig fast schon darum gebettelt hat. Das eine mal als ich nein gesagt habe, ist er ja direkt wieder ausgetickt und stellt es jetzt so dar, als hätte ich immer bewusst so lange gewartet, bis er am Boden ist, bevor ich ihm nach endlosen Diskussionen endlich Geld gegeben habe, damit es ihm wieder gut geht. Er ist ja schliesslich so krank....
Seinem anderen "richtigen" Freund gegenüber reagiert er scheinbar nicht so hart, aber dieser kann auch nicht wirklich nein sagen und an seiner Freundschaft scheint ihm auch mehr zu liegen als an meiner.
Seine Oma weiss nicht einmal, wofür er das ganze Geld ausgibt, das er sich ständig bei ihr "leiht".
Ich habe den Eindruck, das ich noch mit derjenige bin, der ihn am wenigsten finanziell unterstützt, alleine schon deshalb, weil er keine Lust auf diese Diskussionen hat und bei den anderen leichteres Spiel.
Wenn er dich darum bittet, machst du Aktionen mit deinem Auto, die fast (?) dazu geführt haben, dass du den Führerschein verloren hast.
Ich hatte 1 1/2 Jahre keinen Führerschein, aber es war nicht alleine seine Schuld,
Du verhältst dich ihm gegenüber nicht wie ein Vater oder älterer Bruder oder wie ein guter Freund.
Sein Vater ist schon lange tot. Zu seiner Mutter hat er den Kontakt abgebrochen, aufgrund ihrer Reaktion, als sie erfahren hat, daß er nach dem Kokainentzug, wobei sie ihn sehr unterstützt hat, mit Heroin angefangen hat. Was genau vorgefallen ist, hat er mir nie erzählt, aber ich vermute, daß sie es nicht mehr eingesehen hat, ihn irgendwie zu unterstützen, insbesondere finanziell. Sein älterer Bruder wäre zwar immer für ihn da, aber Geld bekommt er von ihm auch nicht und deshalb ist der Kontakt ziemlich eingeschlafen. Sein Leben dreht sich nur noch um Beschaffung und Konsum von Drogen.
Gute Freunde hat er gar keine mehr. Ausser mir nur noch diesen einen, von dem er des öfteren Geld bekommt. Ob diese Freundschaft bestand hätte, wenn bei ihm auch nichts mehr zu holen wäre, kann ich nicht sicher sagen, da er zeitweise auch sehr abfällig über ihn geredet hat, aber mittlerweile unternehmen sie auch andere Dinge ausser bei ihm zu Hause zu sitzen und Drogen zu konsumieren.
Zu mir sagte er einmal, daß er sich fast nicht mehr dazu zwingen kann, Zeit mit mir zu verbringen, nur damit ich ihn irgendwo hinfahre oder ihm Geld leihe. Andere Dinge wie Kleider etc. würde ich ihm ja eh schon länger nicht mehr kaufen und das will er auch gar nicht mehr, seitdem er selber Geld verdient.
Du hast auch eurem Verhältnis in der Vergangenheit irreparabel geschadet, indem du auf seine Avancen eingegangen bist, als er stark alkoholisiert war und mit ihm Sex hattest.
Ja das stimmt leider. Es geht ihm bis heute noch nach und er hasst sich dafür, daß er es damals so wollte. Wenn er sich in Rage redet und sagt, daß wir uns nicht mehr verstehen und er mich eigentlich nicht mehr leiden kann, kommt er meistens irgendwann auf dieses Thema, den "größten Fehler seines Lebens", für den er sich am meisten schämt. Deshalb muss er auch immer Drogen konsumieren, wenn wir uns treffen, sonst kann er meine Anwesenheit nicht ertragen. Und deshalb muss er natürlich auch den Kontakt abbrechen, wenn er clean ist, damit er durch meine Anwesenheit nicht wieder rückfällig wird. Das er schon lange bevor wir uns kannten, harte Drogen konsumiert hat, scheint er vergessen zu haben. Und daß er längere Zeit clean war, als wir uns näher kennenlernten und auch täglich Kontakt hatten, als er mehrere Monate in der Suchtklinik war, scheinbar auch.