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Warum gerate ich immer ins selbe Fahrwasser?

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Desperation

Gast
Der Titel sagt es schon, ich gelange leider beruflich immer wieder am selben Punkt an:

Ich neige schon seitdem ich arbeite dazu alles immer möglichst perfekt schaffen zu wollen und habe es nie gelernt einfach mal "NEIN" zu sagen. Stattdessen lass ich mir immer so viel aufhalsen, dass ich hinterher nicht mehr weiß wo mir der Kopf steht.

Aktuell sieht es bei uns im Büro so aus, dass unser Chef dabei ist die Aufgaben umzuverteilen, was für mich die ich eh schon einen 10 Stunden Tag habe, wahrscheinlich bedeutet dass ich demnächst dort übernachten kann.

Ich habe auch schon mit ihm darüber geredet, habe mich aber wieder von ihm klein reden lassen und hinterher sind mir noch tausend Sachen eingefallen die ich ihm hätte an den Kopf schmeissen können (hört sich jetzt kämpferisch an, es wären aber echt gute und sachliche Argumente gewesen um ihm meine Situation zu verdeutlichen).

Warum nur kann ich mich für meine Kunden bis aufs letzte einsetzen und wenn es um mich selber geht fehlt mir einfach der Biss?

Ständig werde ich an die Wand gefahren obwohl ich mich doch schon bis an meine Grenzen einsetze. Statt das mal zu honorieren, bekomme ich immer nur noch mehr aufgehalst.

Muss man den heute erst zusammenklappen (wie es einigen meiner Kollegen bereits passiert ist), bevor die Leistung anerkannt wird. Dann heißt es nämlich plötzlich: " Ist doch klar, sie hatte ja auch immer so hohe Ansprüche an sich". Aber sind das wirklich die eigenen Ansprüche wenn man einfach nur versucht ein immer größer werdendes Pensum zu bewältigen?

Wie kann man es lernen einem Chef seine Situation sachlich so zu schildern, dass er mich auch versteht und nicht nur versucht mit allen Mitteln seinen Standpunkt zu vertreten? Mir ist klar dass er immer das letzte Wort haben wird, aber ich arbeite nicht seit 12 Jahren um mich immer in die Ecke drängen zu lassen wie ein Azubi.

Schließlich kassiere ich nicht nur das Geld sondern die Firma ist auch auf meine Arbeitsleistung angewiesen. Wem nützt es was wenn ich permanent auf dem Zahnfleisch gehe und irgendwann auch ausfalle?

Kennt jemand diese Situation und weiss vielleicht einen Ausweg?

LG Desperation
 
Kennt jemand diese Situation und weiss vielleicht einen Ausweg?

Hallo Desparation,

ich traue mich mal die Gegenfrage, da DU ja diese Situation ganz genau und zur Genüge kennst: Ist dir denn irgendwann mal ein Ausweg aufgefallen und dir dann auch gelungen, ihn zu gehen?

Denn deine Lösungen sind ja wesentlich "passgenauer" als wenn ich dir meine schildere, oder?

Gruß, Werner

P.S. Okay, ich sag doch mal, wie ich ähnliche Situationen gelöst habe:
a) Überstunden bezahlen lassen, auch mal 18 Stunden am Tag arbeiten und dann auf die Wirkung der Gehaltsabrechnung setzen (hat geklappt)
b) alle Aufgaben mit Zeitaufwand versehen und dem Vorgesetzten vorlegen, um Priorisierung bitten
 
Storniere heimlich Arbeit. - Was ich damit meine: Lass einfach ein kleiner Teil des Arbeits liegen. Wenn Feierabend ist, dann sage dir, "Jetzt gehe ich. Mein Chef will auch eine ausgeruhte und engagierte Angestellte"

Setz' es um. Mit der Zeit, wird diese Disziplin, dir und dem Chef gut tun 🙂
 
Hallo Werner,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort.

Bezgl. Deiner Frage wegen eines Ausweges:

Ich hatte eigentlich gehofft, dass mein Chef aufgrund der 100 Überstunden die ich in den letzten vier Monaten machen musste, irgendwie mal selber auf die Idee kommen würde, dass da kein Platz für weitere Aufgaben ist.

Das habe ich ihm auch noch mal gesagt aber er hat lediglich die Belange der Abteilung in den Vordergrund gestellt und mir zu verstehen geben, dass ich das so oder so bewältigen muss.

Insofern sehe ich für mich nur den Ausweg mir auch das noch aufzuhalsen und die Ganze Sache dann an die Wand fahren zu lassen (das wird eh schon von alleine passieren, da das einfach kein Mensch ableisten KANN). Es werden also dann wohl oder übel Dinge hinten über fallen. Im Prinzip wird also genau das passieren was er eigentlich nicht will.

Vielleicht sollte ich zur Verdeutlichung der Situation noch erwähnen, dass eine Kollegin bei uns in der Abteilung dauernd krank ist. Dabei handelt es sich nicht um wenige Wochen im Jahr sondern sie fällt mehrmals jährlich für direkt mehrere Wochen aus. Deshalb hatte mein Chef jetzt die glänzende Idee dass ich mich in ihren Bereich auch noch einarbeiten solle (die Kollegin die sie eigentlich vertreten soll, schafft das alleine nicht). Und das obwohl ich die Kollegin mit der ich direkt zusammen arbeite dieses Jahr auch schon 4x vertreten habe, weil sie noch so viel Resturlaub vom letzten Jahr hatte (mein Chef streicht nämlich auch immer fröhlich Urlaub wenn er es gerade für nötig hält).

Wir können übrigens bis zu 90 Stunden abfeiern, alles was darüber ist wird gestrichen.

Ich habe mir auch schon ausgemalt wie ich meinem Chef sage, dass ich nicht bereit bin umsonst Überstunden zu machen. Von ihm kommt dann aber nur "Dann müssen sie halt mal früher gehen um Ihre Stunden zu reduzieren" (die Erfahrung haben andere Kolleginnen schon gemacht). Toller Witz, oder???? Ich sitze ja auch da rum weil ich gerade nix besseres zu tun habe?

Das Problem ist halt, dass von ihm nur immer abgedroschene Standardsprüche kommen und er entweder keine Lust hat oder nicht in der Lage ist das Problem wirklich zu lösen.

Aber was kann ich tun um bei so einem Menschen Gehör zu finden?

Mit der Priorisierung das habe ich mir auch schon mal überlegt. Aber so wie ich ihn mittlerweile kennengelernt habe kommt da garantiert auch nur wieder so ein Spruch wie "Dafür habe ich sie ja schließlich eingestellt um Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden".

Ich glaube genau diese Angst lähmt mich- ich denke mich nicht mit ihm messen zu können... Das liegt bestimmt nicht daran, dass mir die Fähigkeit fehlt mich auszudrücken, aber ich bin innerlich immer so angespannt, dass meine Stimme anfängt zu zittern und ich nur die Hälfte von dem herausbekomme was ich eigentlich sagen wollte.

Ich denke mir würde es helfen wenn ich mir eine Art Spickzettel machen könnte, damit ich keinen der Punkte vergesse. Andererseits komme ich mir blöde vor wenn ich vor ihm sitze und quasi meinen Standpunkt vorlesen muss. 😱

Arrrghhhhh- es ist zum verzweifeln....

LG


Desperation
 

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