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Wann kündigen?

Jusehr

Aktives Mitglied
Angeregt durch die Threads anderer User, die sich mit der Frage beschäftigten, wie man eine Kündigung seinem Arbeitgeber beibringt, möchte ich die Frage stellen, nach welchen Kriterien man sich überhaupt zur Kündigung durchringt.

Dabei kann man vielleicht zwei Fälle unterscheiden: Kündigung aus der Probezeit oder aus einem schon länger bestehenden Arbeitsverhältnis heraus.

Wann ist der Zeitpunkt oder eine bestimmte Lage erreicht, wo man sagen muss: bis hierher und nicht weiter? Wie lange sollte man durchhalten und wann macht es keinen Sinn mehr? Man kann sich ja auch im Übermaß quälen und ein Arbeitsverhältnis zu lange aufrechterhalten, bis zB die Gesundheit den Bach runter geht (man beachte zB die bekannten Burnout-Syndrome!). Man kann es sich aber auch zu leicht machen und mit einer zu frühen Kündigung Schwierigkeiten und Hindernissen aus dem Weg gehen wollen, die man eigentlich noch (viel) länger ertragen sollte. Arbeit muss ja nicht immer Spaß machen.

Was sind also die Kriterien, die einem aus Vernunftgründen sagen: jetzt wird es Zeit, die Zeltpflöcke herauszureißen und zu kündigen?
 

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777

Mitglied
Irgendwann kommt man an dem Punkt, an dem die Arbeit keinen Spaß mehr macht bzw. an dem einen die Arbeit auch bis nach Hause verfolgt und sich quält hinzugehen. Wenn das der Fall ist und keine Aussicht auf Besserung besteht, sollte man den Job wechseln.

Ich habe bisher drei Mal gekündigt.
Beim ersten Mal habe Ich es leider länger ertragen (müssen) als Ich gerne wollte. Es war ein mittelständisches Familienunternehmen mit etwa 120 Mitarbeitern. Zuletzt waren Großvater, Vater und Tochter in der Geschäftsführung, was für ordentlich "Spannung" gesorgt hat. Jeder hatte andere Vorstellungen und hat andere Arbeitsanweisungen gegeben. Als Mitarbeiter wusste man nicht mehr was man machen soll, außer so zu arbeiten, dass möglichst der eine Chef nicht merkt, dass man es nicht so macht, wie der andere es will. Ansonsten hat man sehr "direktes Feedback" bekommen. Eine Besserung war nicht in Sicht. Das war in dieser Zeit der Grund für viele meiner Kollegen zu kündigen. Innerhalb von zwei Jahren haben fast alle Personen in der Verwaltung, die nahezu täglich damit konfrontiert wurden, das Unternehmen verlassen, teilweise nach 20-25 Jahren Betriebszugehörigkeit. Ich war einer der letzten der gegangen ist, da Ich parallel noch eine berufsbegleitende Weiterbildung absolviert habe, die Ich erst beenden wollte bevor Ich in einem neuen Job angefangen habe.

Die zweite Kündigung lief anders ab. War ein größeres Unternehmen, etwa 300 eigene Mitarbeiter, eine Mischung aus Industrie und Großhandel. Der Geschäftsführer hat die Firma innerhalb eines Jahrzehnts zu einem der bedeutendsten seiner Branche geführt, allerdings in den letzten Jahren durch Stillstand und Fehlentscheidung maßgeblich dazu beigetragen, dass das Unternehmen in Schieflage geriet. Die Geschäftsführung hat dann gewechselt und man musste natürlich erstmal "sparen". In meiner Abteilung waren 6 Mitarbeiter, zwei davon mussten gehen. Ich habe damals schon gesagt, dass das auf Dauer nicht funktionieren kann. Die verbleibenden Mitarbeiter mussten die Arbeit auffangen, Überstunden waren an der Tagesordnung, zeitweise 20 Überstunden/Woche. Nach einigen Monaten hat man dann noch einen Teil meiner Abteilung, der an einen externen Dienstleister ausgelagert war, zurück zu uns geholt. Das hat noch mehr Arbeit bedeutet, die dann selbst auch mit Überstunden einfach nicht mehr machbar war. Zu dem Zeitpunkt hatte Ich nochmal ein Gespräch mit der Geschäftsleitung, allerdings ohne Erfolg. Daraufhin habe Ich gekündigt, da Ich dieses Mal nicht so lange warten wollte wie beim letzten Mal.

Die dritte Kündigung war während der Probezeit, da Ich ein deutlich besseres Angebot bekommen habe.
 

Eisbart

Mitglied
Offen gesagt kommt es meiner Meinung nach sehr auf den Kontext an. Ich arbeite gern und viel (wobei Arbeit beileibe nicht das Einzige im Leben sein sollte), aber mir ist auch bewußst, dass so ein Arbeitsleben nun einmal ein Weilchen dauert ;) Und jahrzehntelang in einer Firma oder einem Job zu arbeiten, der absolut keinen Spass macht, ist sicher keine angenehme Vorstellung.

Aber: wenn du weißt, dass du -aus welchen Gründen auch immer- schlecht einen anderen Job bekommst, dann würde ich vermutlich an deiner Stelle die Zähne zusammenbeißen. Denn nicht zu wissen, woher man das Geld für die nächste Miete bekommen soll, ist ebenfalls keine angenehme Vorstellung. Die Gründe dafür, keinen anderen Job zu bekommen, können sehr unterschiedlich sein: deine Kompetenzen sind ziemlich auf deinen Arbeitgeber zugeschnitten und außerhalb auf dem Markt nicht gefragt, du hast sowieso einen Beruf, der momentan nicht wirklich nachgefragt wird ...

Ich würde es definitiv davon abhängig machen. Am besten ist aber sowieso, sich zunächst um einen neuen Job zu bemühen und erst dann zu kündigen, wenn man schon eine Zusage hat.
 

Jusehr

Aktives Mitglied
Danke Euch beiden für die Eindrücke :)!

Mein Interesse liegt natürlich auch bei den Kündigungsgründen. Interessant finde ich aber auch den Zeitpunkt der Entscheidung.

Stress, unterschiedliche Erwartungen der Führungsetage, "direktes Feedback", Überarbeitung. Das sind in Kurzform die KündigungsGründe Eurer Beiträge.

Mir stellt sich dabei die Frage, wie lange man den Druck aushält, wie oft man sich ein "direktes Feedback" gefallen läßt, bis man die Reissleine zieht. Wann legt man (vernünftigerweise) den Schalter um?

Ich denke auch, dass das "liebe" Geld wichtig sein kann. Andererseits fühlt es sich auch nicht richtig an, wenn man seine Gesundheit riskiert und wohl "innerlich gekündigt" dennoch aushält. Ist es dann nur noch eine Abwägungsfrage? Aber mehr interessiert mich die Frage nach dem Zeitpunkt, nach der Grenze.
 

Eisbart

Mitglied
Hallo Jusehr,

ich schätze, darauf wirst du keine zufriedenstellende Antwort bekommen. Dafür sind wir Menschen zu unterschiedlich. Der eine hält es länger aus, der andere weniger lang. Ich glaube nicht, dass es einen Zeitpunkt gibt, der als vernünftig gelten kann.

Ich habe einmal schon während der Probezeit gekündigt, weil ich da schon wusste, bei diesem Arbeitgeber werde ich nicht glücklich. Bei einem anderen war ich drei Jahre, bevor es mir zu blöd wurde.

Irgendwann habe ich sozusagen vollständig dem Angestelltendasein gekündigt und mich selbständig gemacht. Jetzt stehe ich ein wenig auf der anderen Seite als Arbeitgeber. Manches sehe ich nun mit anderen Augen. In manchen Dingen bin ich noch genauso wie vorher - bei mir gibt es keine Konkurrenzkämpe auf Kosten anderer, sondern nur ein Team. Ich mache keine Mitarbeiter für Fehler rund, sondern schaue auf den Grund, um den Fehler künftig zu vermeiden.

Nun ja, das hilft dir alles nicht sehr :) Ich glaube aber kaum, dass du eine seriöse Antwort bekommen wirst, die dir vorgibt, wann eine Kündigung vernünftig sei.

Daher auch meine vorherige Antwort: es kommt sicher drauf an. Insofern beeinflussen die Gründe den möglichen Zeitpunkt. Und daher meine ich tatsächlich, dass es immer (auch) eine Abwägungsfrage ist.

LG, Eisbart
 
Zuletzt bearbeitet:

Jusehr

Aktives Mitglied
Ich glaube nicht, dass es einen Zeitpunkt gibt, der als vernünftig gelten kann.
Der Zeitpunkt kann individuell ja unterschiedlich sein. Wenn zB jemand sagt: ich kündige aufgrund von bestimmten körperlichen Symptomen, dann kann dies bei einem nach fünf, bei jemand anderem nach 50 Monaten Betriebszugehörigkeit geschehen.

Zeitpunkt wird dann nicht konkret definiert, sondern im Sinne von "als ich erkannte, dass ..., war für mich klar, dass ich kündigen mußte ". Hier geht es dann vielleicht doch wieder mehr um die Kündigungsgründe.
 

Starlight Milkyway

Aktives Mitglied
Also ich würde aller spätestens kündigen, wenn meine Gesundheit auf dem Spiel stünde. Andere relativ kruzfristige Kündigungsgründe wären für mich die Bevorzugung der Kollegen, permanente (ungerechtfertigte) Kritik aufgrund Antipathien - also im Sinne von Mobbing. Handgreiflichkeiten oder sexuelle Andeutungen wäre für mich ein fristloser Kündigungsgrund.

Langfristige Kündigungsgründe wären: Langeweile bei der Arbeit, keine Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln, keine Gehaltserhöhung innerhalb mehrerer Jahre und schlechte Kollegen (kein Teamgeist).
 

Jolina87

Aktives Mitglied
Idealerweise wenn die "Lebenslauf"-Kriterien passen also ein Folgejob besteht und man mindestens 2-3 Jahre im Unternehmen war. Dann darf es auch gerne aus langeweile, fehlender Perspektive, besserem Gehalt usw. sein.

Nach wenigen Monaten mit Folgejob wen es persönlich nicht passt und nicht zu oft passiert.

Nach wenigen Wochen/Monaten und ohne folge Job nur wenn es absolut nicht anders geht.
 

RepedeStar

Mitglied
Kündigungen habe ich schon eingereicht, wegen einer Beziehung, ich bin kein Mensch von Fernbeziehungen und wollte auch die Nähe zum meinem Partner haben. Am Ende wurde daraus leider nichts. Bereuen tue ich aber nicht. Es war eine Erfahrung wert, auch wenn der Partner nichts gelernt hat, bin ich froh, das ich daraus was entnommen habe.

Die andere Kündigung war weil mir die Vorgesetzten auf die Nüsse gingen, das Unternehmen war neu, aber ich merkte das jede neue Führungskraft immer an irgendwas auszusetzen hatte, jeden Tag kamen immer neue Regelungen. Der eine Chef wollte es so, der andere hat es so und nicht anders gesagt, dann kommt die Bezirksleitung sagt dann komplett was anderes, und irgendwann war mir das dann zu blöd. Die Struktur im Unternehmen war nicht da, und es wirkte sehr unorganisiert. Ich habe mich mehr aufgeregt als wirklich die Arbeit zu machen. Es war kein Spaß mehr, keine Freude, und den Mitarbeitern ging´s ähnlich. Haben sich auch auf der Schlachtbank besser gefühlt. Vielleicht bin ich ein wenig wählerisch beim Arbeitgeber, aber ich möchte auch einen Job machen, der mir auch Spaß macht, und ich ein gewisses "Zuhause" merke.

Die dritte Kündigung war, das ich ein besseres Angebot bekommen hatte. Im altem Unternehmen war ich Aushilfskraft, wollte unbedingt mehr arbeiten, aber die Stelle war nicht da. Ich habe mir das gesagt, ständig auf Aushilfe arbeiten, ist scheiße, das war auch nicht mal mehr ein 450€ Job. Habe mich woanders umgeschaut und eine Teilzeitstelle mit 120 Std bekommen, da kann man auch nicht meckern.

Kündigen sollte man wirklich nur, wenn man schon lange gearbeitet hat und man auf ALG 1 setzen kann, damit man auf jeden Fall eine finanzielle Sicherheit und auf jeden Fall genug Zeit zum Bewerben hat, andersfalls solange arbeiten bis man irgendwo ein besseres Angebot bekommt und dann im altem Unternehmen kündigen.
 

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