Na ja, wenn die Antwort darauf klar wäre, wärst du ja nicht hier 😉
Wie wäre es mal mit neuen Hobbies, einen neuen Lebensinhalt schaffen? Man kann ja auch vieles alleine machen.
Das sagt mein Mann auch ständig. Er macht mir 1000 Vorschläge. Ich kann mich nur nicht dazu motivieren. Ich habe erst letztens hier als Zitat diesen Spruch gelesen: Ich fühle mich tot, tief in mir drin, nur der Schmerz lässt mich wissen, dass ich noch am Leben bin. Besser hätte ich das nicht beschreiben können. Ist das zu fassen? Ich schäme mich dafür. Ich habe einen Mann, der mich liebt, zwei gesunde, zuckersüße Kinder und ich will einfach nur sterben. Die Tage war ich wieder so unfassbar traurig. In so Momenten möchte ich am liebsten einfach nur raus und nie wieder kommen. Ich kann das nicht kontrollieren. Ich falle einfach in dieses Loch. Das einzige was mich abhält sind wirklich nur die Kinder.
Bei mir läuft von morgen bis abends der Fernseher. Da ist eine Serie, die schon 20 Jahre alt ist, aber ich schaue sie rauf und runter, weil es das einzige “stabile“ ist, was mich seit 20 jahren begleitet.
Meine Gedanken erschrecken mich manchmal.
Hast du einen Migrationshintergrund?
Ja, habe ich. Und leider hast du recht, dass es nach wie vor Menschen gibt, die einem aus diesem Grund ausschließen. Aber ich bin doch nicht die einzige Ausländerin. Alle anderen haben doch auch Freunde und ein Sozialleben. Allein meine Schwester oder auch meine Mutter, die können sich vor Freunde nicht retten. Sie sind schon vollkommen genervt, weil ständig irgendjemand etwas mit ihnen unternehmen möchte.
Ich bin ja allein wegen den Kindern zwangsläufig mit anderen Menschen konfrontiert. Ich bette schon immer zu Gott, dass ich niemanden sehe, wenn ich die Kinder weg bringe oder abhole. Es kostet mich so unheimlich viel Kraft immer Smalltalk zu halten. Ich hasse es. Kein Mensch möchte wissen, wie es dir wirklich geht. Immer dieses blabla… daher ist allein der Gedanke, sich eine Gruppe anzuschließen, unerträglich für mich. Das wäre, als würde ich den Menschen noch mehr Grund zu geben, mich abzulehnen. Ich ertrage das nicht mehr. Ich habe mit meine Große ssooooo viele Kurse besucht, dann Kindergarten, dann Schule. Keiner der Eltern wollte etwas mit mir zu tun haben. Gott weiß, wie oft ich nach so einem Kurs nach Hause kam und mir die Augen ausgeweint habe, weil die Leute so taten, als wäre ich gar nicht da. Manche haben sogar ihre Kinder von meine Tochter weggezogen, damit sie nicht miteinander spielen, sonst hätten sie sich ja noch wo möglich mit mir unterhalten müssen. Kannst du dir vorstellen wie sehr sowas wehtut? Vor allem habe ich mich am meisten dafür gehasst, weil meine Tochter wegen mir sowas erleben musste. Wie erklärt man ein Kleinkind, dass es nichts mit ihr zu tun hat, dass die Kinder nicht mit ihr spielen dürfen? Wie soll ich meinem Kind erklären, dass keiner sie zu sich zu Hause einlädt, weil keiner etwas mit mir zutun haben möchte? Gott sei dank, ist sie jetzt in einem alter, wo sie sich allein drum kümmern. Es war die Hölle. Und jetzt sehe ich das bei meinem kleinen auch auf mich zu kommen. Ich bin fast schon dankbar, dass es wegen Corona nicht mehr so extrem ist, also mit treffen usw. Ich habe immer die Erfahrung gemacht und machte sie leider nach wie vor, dass alle Menschen gleich sind. Dass die Menschen böse und gemein sind. Dass die Welt schlecht ist.
Natürlich versuche ich das von meinen Kindern fern zu halten. Meine Kinder kommen bestens zu recht und haben auch Freunde. Aber für mich ist es einfach nur schrecklich.