Hi,
ich habe mir tatsächlich mal die Mühe gemacht und alle 31 Seiten dieses Strangs gelesen. Ich finde regelrecht entwürdigend, was du alles tust, nur damit deine Frau nicht wieder ein Haar in der Suppe findet, das ihr Grund gibt, dich mit Missachtung zu strafen. Widert es dich nicht an, diesen Menschen immer wieder in den Arm zu nehmen, sie zu streicheln, wo sie - wenn sie dich auch (noch) nicht wegstößt - dir nur allzu deutlich zu verstehen gibt, dass sie diese Gesten weder wertschätzt, geschweige denn genießt?
Du lässt dir zu allem Mumpitz (sorry!) von ihr ein schlechtes Gewissen machen, Schuld einreden, rechtfertigst und erklärst dich dann , statt einfach mal mit der Faust auf den Tisch zu hauen und zu sagen "Hast du keine anderen Probleme?! oder "Jetzt ist Schluss! So geht das nicht mehr weiter!"
Du magst sie gekränkt haben mit deiner Narzissmus-Diagnose. Aber soll ich dir etwas sagen? Ihr Verhalten ist de facto nicht normal, sie reagiert nicht "normal" - und vermutlich ist tatsächlich die Erfahrung aus der Kindheit mindestens mit Schuld. Ob du mit der Diagnose als Solcher recht hattest, mag dahin gestellt sein. Aber da ist ein abnormes Verhalten, das dir jedes Recht der Welt gibt, es auch einmal auszusprechen.
Ich sage nicht, dass ich es toll finde oder dass ich dir Respekt zolle - ich finde es allerdings absolut erstaunlich, dass du all dies schon über Jahre ausgehalten hast. Ich glaube, ich hätte da schon die Segel gestrichen oder wäre zumindest früher aktiv geworden, um eine Änderung herbeizuführen.
Und ja, es war mehr als richtig, dir Hilfe von Außen zu holen. Diese arbeitgeberseitigen Angebote sind Gold wert, denn es ist nicht ganz einfach, schnell einen Therapeuten zu finden, bei dem man sich mal alles von der Seele reden kann. Ich hätte dir nur gewünscht, du wärst dabeigeblieben und hättest nicht - nur weil es deiner Frau nicht gefiel - die Sitzungen abgebrochen.
Sie hat vermutlich Angst, dass dir die Fachleute die Augen öffnen über ihre Störung. Daher sucht sie auch den Weg der Vermeidung, denn womöglich gäbe es ja eine fachlich fundierte Diagnose, dass sie diejenige ist, die "falsch" und "unpassend" reagiert.
Eure Beziehung basiert auf Schuldzuweisungen und zweifelhaften -eingeständnissen deinerseits. Lösungsansätze kommen darin nicht vor. Einseitige Forderungen wie von deiner Frau vorgebracht können aber die Lösung nicht sein. Nicht nur du bist gefordert, jeder von euch muss seinen Beitrag leisten.
Um mal das Beispiel mit der Butterbrotdose zu nennen hätte ich sie wohl eher gefragt, ob sie keine echten Probleme hätte. Und wenn sie dann meint, dir dein Butterbrot schmieren zu müssen, hätte ich sie das tun lassen und garantiert nicht fast schon devot nachgefragt, ob du es nicht doch lieber tun sollst, da dir ja dieser "Fehler" unterlaufen sei. Hätte sie sich anschließend beleidigt zurückgezogen hätte ich sehr wohl gesagt, dass das eine sehr unreife Reaktion sei und einer Erwachsenen nicht würdig.
Sie reagiert in diversen Situationen völlig über. Auf dieser Basis lässt sich auf Dauer keine Beziehung führen. M. E. musst du ihr das klar machen. Ohne zunächst auf Details aus der Vergangenheit einzugehen würde ich sie zu einem Gespräch bitten; für Details ist viel zu viel passiert; ihr würdet euch verzetteln. Ich würde ihr dann sagen, dass du für dich die Erkenntnis gewonnen hättest, dass du die Beziehung so, wie sie derzeit sei, nicht weiterleben wolltest. Du wärst auch nicht länger bereit, dich abstrafen zu lassen durch Ignoranz - so etwas sollte in einer Beziehung keinen Platz haben.
Dann würde ihr sagen, dass du sie trotz allem noch liebst und für die Beziehung kämpfen wolltest Dass du dich nicht trennen möchtest, aber eben auch nur wenn ihr gemeinsam die Kurve kriegt. Dass es aber nicht sein könnte, dass nur einer von euch - und zwar du - einen Beitrag leistest. Ihr wärt hier beide gefordert, denn auch du hast Bedürfnisse nach einem respekt- und vertrauensvollen Miteinander, was am Ende dann auch wieder zu einem liebevollen Umgang führen würde. Da würdest du gerne wieder hinfinden und zwar gemeinsam mit ihr. Ihr seid keine Experten. Und dass ihr das alleine nicht hinkriegt haben die letzten Jahre gezeigt. Du leidest - und auch ihr könnte diese Art des Miteinanderes doch nicht gefallen. Ihr bräuchtet beide Hilfe - sie vermutlich aus einem anderen Grund als du. Es ginge dabei nicht um Schuldzuweisungen und es ginge auch nicht um eine Gewichtung, wer größeren Anteil an den Problemen habe, sondern darum Lösungen zu finden, damit wieder eine Beziehung auf Augenhöhe und mit einer gemeinsamen Zukunft möglich wäre. Und ich würde ihr sagen, dass du den Weg mit ihr gemeinsam gehen möchtest, für eure beiden Kinder, aber auch für euch als Liebespaar, das ihr ja mal wart. Du würdest dir das wünschen und sie darum bitten.
Sollte sie das ablehnen würdest du das akzeptieren, würdest den Weg dann alleine gehen müssen, um für dich Klarheit zu bekommen. Wünschen würdest du dir, dass ihr das gemeinsam angeht.
Gib ihr dann ein paar Tage Bedenkzeit - sie kann ja nicht gut mit Konflikten umgehen und womöglich würde sie eine sofortige Antwort überfordern. Vielleicht flüchtet sie auch zunächst wieder in ihren Trotz. Dann halte dem Stand, sei freundlich zu ihr, aber bitte, bitte nicht mehr so unterwürfig und zieh dich dann auch etwas zurück.
Wenn es ihr so schwer fällt, mit dir in Interaktion zu treten, um dir ihre Entscheidung mitzuteilen, dann kannst du dir auch ein Symbol überlegen, mit dem sie dir signalisiert, dass sie an eurer Beziehung ebenfalls arbeiten möchte. Bei Thalia gibt es z. B. kleine Herzen aus Porzellan (glaube von der Fa. Räder) mit liebevollen Botschaften. Kaufe zwei, gib ihr eines davon. Leg deines in ein Schälchen, das euer gemeinsames Leben symbolisiert (von Räder gibt es auch kleine Porzellanhäuser) - und sag ihr, wenn sie weiter Teil deines Lebens sein möchte und mit dir gemeinsam daran arbeiten, dass ihr wieder zueinander findet, dann solle sie ihr Herz ebenfalls in die Schale o.ä. legen. Sie kann das dann jederzeit tun, auch unbemerkt - vielleicht fällt ihr das einfacher. Es ist ein Versuch, kein Garant für eine Lösung - aber ich denke, du solltest ihr eine Brücke bauen und gleichzeitig zeigen, dass du nicht mehr alles mit dir machen lässt.