Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Verluste

Hallo Mickey Mouse,

schau mal hier: Verluste. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Eine 24h-Betreuung ist als Berufstätige überhaupt nicht machbar.
Deswegen ist meine Mutter nach ihrem Schlaganfall und seit ein paar Wochen in der Langzeitpflege. Wir haben das Pflegeheim so gewählt, dass es 1. einen guten Ruf hat, 2. so liegt, dass auch ihre Freundinnen noch Kontakt zu ihr halten können (zudem liegt es direkt gegenüber der Wohnung meiner Schwester). Meine Schwester schaut jeden Tag bei ihr vorbei und ich fahre am Wochenende hin. Seit dem Schlaganfall im Februar liegt unser Privatleben komplett brach und wir gehen beide auf dem Zahnfleisch. Wäre noch heftiger, wenn wir uns 24/7 um sie kümmern müssten. Das über mehrere Jahre durch zu halten, geht in meinen Augen eigentlich nicht, ohne das eigene Leben komplett aufzugeben.
Macht euch schlau, was ihr unternehmen müsst, um eine Pflegestufe für euren Vater zu bekommen. Sucht mit ihm (vielleicht) gemeinsam eine entsprechende Pflegeeinrichtung, in der er sich wohl fühlen könnte. Gite Einrichtungen haben oft lange Wartelisten.
Und ich glaube, dass hatte ich schon geschrieben, such nach Vorträgen für Angehörige von Demenzkranken. Im Pflegeheim meiner Mutter werde solche offenen Vorträge relativ regelmäßig angeboten.
 
Ja, viele sprechen von Pflege und Pflegeheimen, Pflegegrad. Aber wie erkläre ich einem Mann, der sich selbst als rüstigen Rentner empfindet, dass jetzt der Gutachter von der Pflege kommt?
Mein Vater kauft ein, kocht, putzt, wäscht Wäsche, fährt Fahrrad, geht ins Freibad, unterhält sich mit Leuten die er trifft unauffällig (ich war ja dabei). Er konnte mir aufs Detail aufzählen, was im Kühlschrank ist und wusste über 3 Tage, dass er am Montag Spaghetti mit Garnelen kochen will. Das hat er gemacht und zwar wie am Schnürchen. Duschen, Körperpflege auch kein Ding. Dass er zeitliche Abstände durcheinander bringt, Termine vergisst, Gespräche wiederholt, die nächtlichen Ausbrüche, … das merkt er selbst oft garnicht. Zwar sagt er, manche Dinge kommen ihm vor, als hätte er sie geträumt, aber er wird mich für verrückt erklären, dass da jetzt eine Pflege kommen soll.
Im Moment bräuchte er vor allem für Struktur, Medikamenteneinnahme überprüfen, kurz gemeinsam den Tag sortieren, welche Termine anstehen, vielleicht auch Begleitung zu wichtigen Terminen, wenn etwas kompliziertes besprochen und nicht schriftlich festgehalten wird. Und vielleicht jemanden am Abend, der einfach mit ihm zusammen sitzt und den Tag ruhig ausklingen lässt. Und ihm das Bierglas wegnimmt.

Ich bin seit 3 Tagen auch total neben der Spur und merke, was für einen krassen Einfluss das hat. Er hat zwar definitiv Demenz, aber ich hab im Moment noch Hoffnung, dass doch auch ein Teil wieder besser wird, wenn er emotional mehr gehalten wird, er sich gut aufgehoben fühlt, der emotionale Stress nachlässt. Unser Verhältnis war über viele Jahre angespannt, ich hatte keinen Kontakt zu meiner Schwester, darunter hat er gelitten und das haben wir jetzt bereinigt. Seine Exfreundin geht in morgen besuchen, mal sehen ob das positiv ist oder nur stresst.
 
Im Moment bräuchte er vor allem für Struktur, Medikamenteneinnahme überprüfen, kurz gemeinsam den Tag sortieren, welche Termine anstehen, vielleicht auch Begleitung zu wichtigen Terminen, wenn etwas kompliziertes besprochen und nicht schriftlich festgehalten wird.
Also, das kommt mir ja durchaus machbar vor..
Gäbe es vielleicht jemanden im Ort, den ihr kennt, der sich vielleicht ein bisschen was dazuverdienen will und so jeden Morgen eine Tasse Kaffee trinken und vielleicht für eine Stunde oder halbe Stunde kommen möchte?
Könnte er sich das finanziell leisten?
Wenn nicht, wäre Pflegestufe natürlich wichtig (ich weiß aber nicht, wie das in Deutschland gehandhabt wird)
Der Vorteil, wenn man sich selbst jemanden sucht, ist natürlich, dass das Ganze persönlicher ist, vielleicht ein guter Kontakt besteht, mehr Kontinuum..
Aber anders mit Pflegekräften geht es natürlich auch!

Vielleicht reicht das ja im Moment.

Das wäre natürlich schon gut, dass jemand immer ein bisschen im Blick hat, wie es ihm geht und diese Tätigkeiten mit ihm macht, was du, finde ich, sehr gut beschrieben hast! Auch gemeinsam einen schriftlichen Kalender führen, in dem er selbst immer nachschauen kann, wäre wahrscheinlich wichtig.

Dann würdest du dich ja auch sicherer fühlen, und könntest mit der Person Rücksprache halten über seinen Verlauf.

Hat er Freunde, die ihn vielleicht öfters mal am Abend besuchen könnten?

Und wäre natürlich interessant, welche Prognose nach dem MRT der Neurologe sieht!
(Aber auch das muss nicht unbedingt bei jedem eintreffen)

(Bei meiner Mutter war es ein sehr krasser Verlust von Kurzzeitgedächtnis. Dieser Verlust ist schon schleichend immer stärker geworden.
Darüber ist es aber zeit ihres Lebens fast nie hinausgegangen (also abgesehen von einzelnen Einzelfällen). Also sie konnte eigentlich immer klar denken, reden, hat natürlich jeden erkannt, ist auch nicht herumgeirrt,..)

Also für mich klingt das im Großen und Ganzen eigentlich recht positiv bei deinem Vater, wenn ihr immer ein bisschen schaut, was er gerade so braucht und das neurologisch begleitet.
Ich glaube nicht, dass du deswegen deine Lebensplanung aufgeben solltest (Partner, Kinder, wenn ich mich richtig erinnere, was auch immer,..😉
Und ich kann mir auch nicht vorstellen, so selbstständig, wie du deinen Vater beschreibst, dass er das wollen würde..😉

Ich denke - auch später - das, was er gerade brauchen wird an Pflege, das könnt ihr ihm eben organisieren.
(Was natürlich irgendwann auch ein Pflegeheim einschließen könnte, falls es jemals nötig sein sollte.
Bei meiner Mutter war es zwar gegen 90 dann so weit, aber auch aus körperlichen Gründen.
Irgendwann davor hätte ich sie gerne zu mir genommen, aber das wäre aus anderen Gründen leider nicht gut gegangen, deshalb habe ich mich dann dagegen entschieden.)
 
Zuletzt bearbeitet:
Danke @enola für die Schilderung. Ich denke deine Mutter war dann schon so in ihren 80ern als das losging? Ich hab von Erzählungen den Eindruck es macht einen Unterschied, ob man mit Mitte 80 dement wird oder Mitte 70. Dass das langsamer geht, wenn man älter ist, und manchmal weniger gravierend verläuft. Aber keiner hat eine Glaskugel und kann in die Zukunft schauen.

Gestern haben wir wieder telefoniert und erst denkt man 15 Minuten lang, dass doch alles ok ist und dann wiederholt sich etwas oder er fragt etwas, das man erst besprochen hat. Am Freitag war er beim MRT und hat alle Unterlagen dort liegen gelassen. Mich macht das ganz verrückt, dass er so chaotisch vor sich hinwurstelt.

Ich komme mit der Situation irgendwie überhaupt nicht klar, bin seither ehrlich gesagt ziemlich depressiv und verbringe meine Zeit auf dem Sofa oder im Bett, schaue Löcher in die Luft, drehe mich gedanklich nur darum. Alles liegt wie Blei auf mir, dabei muss ich jetzt tatkräftig sein.
Und auch hier investieren. Wisst ihr, ich denke es ist ein Unterschied ob man selbst schon fest im Leben steht oder wie ich … leider noch immer mit 38 … noch so wenig verankert ist in der Welt. Ich bin vor 1,5 Jahren in eine neue Stadt gezogen und mein soziales Umfeld ist noch nicht stabil. Ich müsste mich mit Fremden treffen, zu Veranstaltungen gehen, unter Menschen, in Vereine, anders geht es ja nicht. Aber ich habe 0 Kapazität dafür jetzt. Meine Aufgabe ist es jetzt mich um meinen Vater zu kümmern und gleichzeitig auch noch um mein Leben, damit daraus eventuell doch noch was wird und ich nicht nur als so eine Einzelperson vor mich hin existiere.

Ich hab mir viel über Resilienz angeschaut und 37 Grad Doku über eine Frau, die viele Schicksalschläge hat. Die erste Antwort ist immer: meine Kinder haben mir geholfen. Für meine Kinder da zu sein, meine Kinder um mich zu haben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es tut mir leid, dass dich das jetzt so niederdrückt!;(
Das ist doch eine neue schwierige Situation und das braucht wahrscheinlich einige Zeit, bis man das 'verarbeitet' und sich daran gewöhnt.

Gestern haben wir wieder telefoniert und erst denkt man 15 Minuten lang, dass doch alles ok ist und
Eine Freundin hat auch gesagt, dass sie jeden Tag in der Früh mit ihrem Vater telefoniert hat, um ihm und seinem Tag Struktur zu geben (er hat dann auch in seinen Kalender eingetragen währenddessen) und auch selbst eine gewisse Übersicht über sein Leben zu haben.

Bzgl. dass er manche Leute plötzlich mit Sie anspricht - könnte es sein, dass er schlecht sieht?
Auch wenn das vllt unwahrscheinlich wirkt, aber wenn er schon längere Zeit nicht beim Augenarzt war, sollte er das vllt mal machen!
Ich denke deine Mutter war dann schon so in ihren 80ern als das losging?
Ende 70/Anfang 80
 

Anzeige (6)

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben