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Verluste

Hallo BaItar,

schau mal hier: Verluste. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Er hat laut den Nachbarn kürzlich auf einem Fest plötzlich Leute mit "Sie" angesprochen, die er ewig kennt. Er kann sich kaum mehr merken, wo er das Auto abstellt. Er vergisst Termine. Wir sind zur Sparkasse gegangen und haben nach einer Vollmacht gefragt. Die Frau sagte zum ihm, dass sie ihm schon zweimal gesagt hat, dass er dafür einen Termin ausmachen muss. Davon wusste er nichts. Wir waren zusammen beim Neurologen, er soll ein MRT machen. Meiner Schwester hat er nach dem Termin geschrieben, es gäbe nichts Neues. Seine Schwester kommt im Herbst aus den USA, sie wollte erst eine Rundreise machen, das ist aber schon lange abgesagt. Er kann sich das nicht mehr merken, denkt immer wieder diese Rundreise findet statt. Nun hab ich heute vom Nachbarn erfahren, dass er ca. 1x in der Woche nachts wie im Wahn herumschreit, sodass die Nachbarn aufwachen.

Ich hab die Hoffnung, dass dahinter eine Depression steckt aufgeben müssen. Da mache ich mir was vor. Es ist viel schlimmer, als ich dachte. Und ich bin die Bezugsperson. Da kommt jetzt etwas ganz Gewaltiges auf uns und mich und mein Leben zu.
 
Für die Bankvollmacht muss eigentlich kein Termin gemacht werden. Bei meiner Sparkasse reicht es, wenn der Bevollmächtigte eine Kopie des gültigen Personalausweises plus Steuer-ID per Mail schickt. Die Unterschrift kann zu einem späteren Zeitpunkt hinterlegt werden. Sprich noch einmal mit der Bank.
Und dann sucht schon mal nach entsprechenden, möglichen Unterbringungsmöglichkeiten für euren Vater.
Ich gehe davon aus, dass ihr beide (deine Schwester und du) noch arbeiten müsst. Und die Pflege Angehöriger wird nun mal nicht wirklich gut bezahlt. Empfinde ich zudem als problematisch. Als Kinder hat man ja immer noch das Bild der gesunden Eltern im Kopf und professionellen Abstand zu wahren, ist entsprechend schwierig. Ich ziehe meinen Hut vor jedem, der das schafft.

Schau mal, ob es in deiner Nähe Anlaufstellen gibt, die Infoabende für Angehörige von Demenz-Erkrankten anbieten. Im Pflegeheim, in dem meine Mutter derzeit ist, finde solche Abende z.B. relativ regelmäßig statt.
 
Ich habe eine Vorsorgevollmacht mit ihm gestern unterzeichnet. Er hat eingewilligt. Das war schon mal wichtig.

Morgen bin ich etwas klarer im Kopf aber heute Nacht muss ich noch etwas Selbstmitleid loswerden. Ich bin jetzt 38, ich bin vor 1,5 Jahren in eine neue Stadt gezogen, wollte jetzt nochmal einen ernsthaften Anlauf starten einen Partner zu finden, da ich Single bin und kinderlos. Jetzt sehe ich, dass meine Aufgabe die nächsten Jahre mein Vater sein wird. Das ist eine Wahnsinnsaufgabe, die meistens Ehepartner oder eben "ältere Kinder" übernehmen, die schon selbst in den 50ern sind und eine abgeschlossene Familienplanung haben. Ich hab echt große Angst vor dem was kommt. Ich kann von zu Hause aus arbeiten, rein theoretisch könnte ich bei ihm einziehen.
 
Wenn die Demenz fortschreitet, braucht ein demenzkranker Mensch 24 Stunden am Tag jemanden, der auf ihn aufpasst.
( Selbst in der Nacht , können sie aufstehen und durch das Haus wandern, gefährliche Sachen machen....)
Das ist für eine einzelnde Person, die zusätzlich arbeiten muss, kaum oder nicht zu schaffen.
Nicht ohne , sich selbst kaputt zu machen.

Jetzt wäre es vllt noch eine Lösung zu ihn zu ziehen, aber für wie lange das noch funktionieren würde, weiß keiner.

Erwartet dein Vater , dass du zu ihm ziehst?
 
Der Verlauf einer Demenzerkrankung ist wie ich finde dramatisch. Die Menschen verlaufen sich, irren nachts herum, Gespräche sind irgendwann nicht mehr richtig möglich, Haushalt, soziale Kontakte auch nicht. Es gibt kaum Krankheitseinsicht, daher wird Hilfe abgelehnt. Und das Ganze passiert ja nicht auf einmal, wie wenn jemand stürzt und nicht mehr aus dem Bett kommt und dann ins Heim muss, ein klarer Schnitt. Der schleichende Prozess bringt ständig neue Einschränkungen und erfordert neue Entscheidungen und Maßnahmen, ständige Ungewissheit, was als nächstes kommt. Das ist – vor allem wenn niemand mit im Haus lebt und kein großes Netzwerk da ist – über viele Jahre enorm belastend.

Ja leider trinkt er Alkohol und sieht nicht ein, es zu lassen.
 
Ich weiß nicht, ob es gut ist, immer an das 'später' zu denken und wie schrecklich es noch werden kann..
Nimm einmal das Heute, so, wie es jetzt ist, und versuch dafür Lösungen zu finden, ev. auch gute medikamentöse Einstellung.
Das kann auch noch sehr viele Jahre bzw. überhaupt so bleiben auf ungefähr demselben Level - war meine Erfahrung mit meiner Mutter!

Aber natürlich ist jeder Fall anders und hängt auch von der Diagnose ab.
Aber selbst, wenn es später einmal schrecklicher werden sollte, wäre es, glaube ich, besser zu versuchen, im Heute zu bleiben..
Sonst verliert man irgendwie die noch relativ unbeschwerten Jahre..
 
Zuletzt bearbeitet:
Danke @enola, du hast sicherlich sehr recht mit dem was du schreibst. Ich versuche das zu beherzigen, denn genau das passiert gerade: Ich bürde mir Sorgen auf die im Moment noch nicht aktuell sind und in der Realität fährt mein Vater ins Freibad und kocht.

Hat deine Mutter alleine gelebt oder bei euch oder deinem Vater? Mir macht so Sorge, dass er alleine lebt und es so schwer ist mitzubekommen, was sich so den ganzen Tag abspielt.
 

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