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Verlustängste trotz Verlobung

Elisabet

Mitglied
Hallo liebes Forum,
mein Problem ist Folgendes:
Ich bin, seit ich im letzten Sommer nach Köln gezogen bin, um dort meinen Freiwilligendienst anzutreten, in einer sehr innigen Beziehung mit einem Mann, der gut 10 Jahre älter ist als ich.
Wir haben uns damals in einer WG kennengelernt, in der wir beide gewohnt haben, aber da er bei meiner Ankunft frisch aus einer Beziehung mit der Tochter der Vermieterin kam, wurde es dort schnell sehr ungemütlich für uns. Ich bin nach einem Monat aus der WG ausgezogen, er hat danach einige Wochen lang halb bei mir, halb in seinem alten Zimmer gewohnt. Nach vier Monaten erhielt ich einen Studienplatz in Hamburg und habe ihm dann meine Wohnung, die ich gerade erst angemietet hatte, zur Untermiete überlassen. Ich bin in Hamburg aber durch die erste Zwischenprüfung gerasselt und habe mich aus diesem und einigen finanziellen und logistischen Gründen entschieden, das Studium abzubrechen, zurück nach Köln zu kommen und meinen Plan B umzusetzen: Lehramt zu studieren. Wir haben uns dann einige Monate lang meine Einzimmerwohnung geteilt, was aber gegen den Mietvertrag war und weshalb ich mich schließlich entschied, erstmal in eine andere WG zu ziehen. In all der Zeit haben wir eine Menge Probleme gehabt und sie gemeinsam gemeistert, haben uns sehr gut und nahe kennen gelernt und sind mittlerweile geistig quasi synchronisiert. Er ist dabei immer treu an meiner Seite geblieben, auch wenn ich anfangs befürchtete, dass ich wohl kaum mehr als ein Notnagel für ihn sein könnte.
Leider gehöre ich nun aber nicht zu diesen Menschen, die ein unerschütterliches Selbstvertrauen haben und es gibt immer wieder Momente, in denen ich ihn bitte, sich eine bessere Frau zu suchen.
Er ist unheimlich geduldig mit mir und erklärt mir immer wieder, dass er ja nun genug Zeit hatte, sich die Hörner abzustoßen und die beste Wahl für sich zu finden - und das sei ich. Das Ganze gipfelte darin, dass er mir am Heiligabend vor seiner gesamten Familie einen Heiratsantrag gemacht hat. Ich habe auch ja gesagt - allerdings befürchte ich eher deshalb, weil ich Angst habe, dass er mir sonst wegläuft. Ich meine, es ist erstens sehr früh, wir sind ja noch kein ganzes Jahr zusammen, und zweitens bin ich Anfang zwanzig und komme frisch von der Schulbank. Ich weiß, dass man das bei mir sehr oft vergisst, aber es ändert nichts daran, dass ich über dieses Thema noch nie so richtig nachgedacht habe. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir von Anfang an der Tragweite meiner Entscheidung bewusst war - auch wenn ich mir sicher bin, wenn ich jemanden heirate, wird das dieser Mann sein.
Jedenfalls habe ich immer noch Angst, dass ich ihn unglücklich mache, dass ich nicht ausreiche, dass er eine Bessere haben könnte, die schon eigenes Geld verdient, die hübscher ist als ich und mehr Lebenserfahrung hat. Und ich meine, dieser Typ sieht so gut aus, ist so einfühlsam und kann einem so unglaublich viel Sicherheit geben, er ist der beste Mensch, den ich kenne... Die ganze Frauenwelt schaut ihm hinterher. Warum sollte er Interesse an mir haben? Ich bin die meiste Zeit überglücklich, an seiner Seite zu sein, aber ich denke auch immer wieder, dass er doch irgendwann merken muss, dass ich nicht gut genug für ihn bin und ihn nicht verdient habe.
Er sagt dann immer, ich soll mich nicht immer vor ihm so klein machen, ob es mir denn Spaß machen würde, mich immer so negativ zu sehen? Die Wahrheit ist, dass ich diese Gedanken nicht loswerde. Auch wenn ich sie nicht haben will. Und deshalb kann ich ihm nicht wirklich vertrauen. Ich bin nicht eifersüchtig, aber ich rechne jeden Tag damit, dass er mich fallen lässt. Was kann ich tun?
 

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G

Gast

Gast
die frage ist, ob er gut genug für dich ist.

du machst dich wirklich sehr klein. warum eigentlich?

was macht er denn beruflich?

kann er sich keine eigene wohung leisten, dass er in wg-zimmern oder bei dir zur untermiete wohnen muss?

warte mit der heirat noch. warum hat er es überhaupt damit so eilig?

du schreibst von problemen, die in eurer kurzen beziehung bereits auftraten. was waren das für probleme?
 
G

Gast

Gast
liebe elsbeth.

mit dem heiratsantrag wurdest du überrumpelt.

willst du mit 20 schon heiraten?

warum fühlst du dich neben ihm so klein?

und woher rührt deine verlustangst? hat er dir grund zum misstrauen gegeben?

warum hat er bei dir zur untermiete gewohnt? hat er keine eigene unterkunft. was macht er beruflich?
schreibe doch mal etwas mehr über deinen freund.
 

Elisabet

Mitglied
Oh, viele Fragen.
Er ist Rettungsassistent beim Roten Kreuz, hat aber seine Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr gemacht, und jetzt, wo er ein Jahr lang Einsatzerfahrung gesammelt hat, möchte er seine Ausbildung zum Brandmeister bzw. Oberbrandmeister machen. Vorher war er Sanitätssoldat in Afghanistan und hat außerdem eine abgeschlossene Kaufmannsausbildung.
Da Lebensretter bei Hilfsorganisationen einen Monatslohn von knapp 1500€ haben und er durch den Tod seines Vaters vor 5 Jahren einen ziemlichen Berg Schulden geerbt hat, sieht das finanziell momentan mau aus für ihn. Wenn er kein Auto hätte, wäre eine eigene Wohnung drin, aber das Auto braucht er, weil er ja auch zu Uhrzeiten arbeitet und heimkommen muss, wenn keine Straßenbahnen fahren.
Das erste Problem, mit dem wir uns herumschlagen mussten, war, dass seine Exfreundin ihn urplötzlich wiederhaben wollte und sich ihre Mutter, unsere Vermieterin, eingemischt hat - wäre ich nicht ausgezogen und hätten wir unsere Beziehung nicht so lange geheim gehalten, hätten wir beide am Monatsende auf der Straße gesessen.
Danach kündigten beim Roten Kreuz fast zwanzig Lebensretter, die entweder ihren ersehnten Studienplatz erhalten oder ihre Brandmeisterausbildung begonnen hatten, und der Personalmangel musste durch die verbliebenen Assistenten wieder ausgeglichen werden. Mein Freund schob teilweise zwei bis drei Schichten nacheinander und ich sah ihn für mehr als zwei Wochen gar nicht. Als sich die Lage endlich wieder entspannte, klappte er zusammen. Ich erschrak, als ich in seine Wohnung kam - der Mann, den ich stolz, selbstsicher und muskelbepackt kannte, wog zu dem Zeitpunkt noch 49kg. Diagnose: Magengeschwür. Ich habe ihn wieder aufgepäppelt und mittlerweile ist er, glaube ich, auf einem guten Weg, was seine Gesundheit angeht, auch wenn das Magengeschwür noch nicht abgeheilt ist.
Nur wenige Wochen später erhielt ich eine Zusage aus Hamburg für mein Pharmaziestudium; ich konnte diesen Studienplatz unmöglich ablehnen, schließlich war es eine der besten Unis der Republik und das Fach, von dem ich immer geträumt hatte! Er hatte Verständnis dafür, teilte mir aber mit, dass es ihm große Angst mache, nach gut drei Monaten eine Fernbeziehung mit mir führen zu müssen. Kaum hatte ich die Orientierungswoche hinter mir, erhielt ich eine Mail von meinen Eltern, zu denen ich seit meinem 17. Lebensjahr keinen Kontakt mehr hatte, dass sie mich nicht weiter finanziell unterstützen würden. Mein Freund nutzte seine Rechtsschutzversicherung, um mir einen Anwalt an die Seite zu stellen, der für mich die Unterhaltsdebatte klären würde. Während die Klage gegen meine Eltern lief, erfuhr ich, dass es bereits drei Wochen später ein Kolloquium über unser erstes Seminar "Analytische und Anorganische Chemie für Pharmazeuten" geben würde, das darüber entschied, ob wir ins Labor durften und somit die letzte Klausur des Semesters würden schreiben können - wenn nicht, mussten wir ein Jahr lang auf die Wiederholung des Seminars und des zugehörigen Kolloquiums warten.
Als ich noch in Köln gewohnt habe, hat mein Freund mir immer eine Menge Stabilität gegeben, da ich dazu neige, etwas hysterisch zu werden, wenn ich mich überfordert fühle. Jetzt war er nicht mehr da, ich war komplett auf mich allein gestellt und bemerkte zu allem Überfluss zusehends, dass ich mich gar nicht so sehr für Pharmazie interessierte wie gedacht und noch dazu eine Menge nachzuholen hatte, was die Fächer Chemie und Mathematik anbelangte, da ich einen sprachlichen Schwerpunkt in der Oberstufe gewählt hatte.
Tagsüber beschäftigte ich mich also damit, den von der Versicherung gewählten, in Köln ansässigen Anwalt zu kontaktieren und herauszufinden, ob und wann ich den Semesterbeitrag würde zahlen können, nachts lernte ich. Ich habe knapp vier Wochen lang nicht eine Nacht länger als drei Stunden geschlafen und wurde immer dünner. An dem Wochenende vor der Prüfung beschloss ich, für zwei Tage zu meiner "Ersatzmama" zu fahren, eine enge, ältere Freundin, die sich meiner angenommen hatte, nachdem meine Eltern und ich uns überworfen hatten, und bat sie um Rat. Mit ihr zusammen lotete ich meine Möglichkeiten aus, und mein Freund musste sich am Telefon alle meine Sprüche und Crashs anhören, so Marke: "Die hassen mich alle, ich komm auf mein Leben nicht klar, ich bin dumm, ich bin hässlich, ich kann das alles nicht..." Und das vier Wochen lang täglich. Er hat sich das alles gegeben, obwohl ihn das teilweise selbst halb in den Wahnsinn getrieben hat. Ich beschloss, erstmal wieder auf die Beine zu kommen und dann ein anderes Studium zu beginnen. Am Montag bin ich, nachdem ich in der Prüfung gesessen hatte und kein Wort herausbrachte, zurück nach Köln gefahren und habe von da an auf 23qm mit meinem Partner zusammengelebt, und zwar für knapp zwei Monate. Er hat in der Zeit die Miete allein gezahlt, da ich nur mein Kindergeld zum Leben zur Verfügung hatte. Wann immer er daheim war, hat er sich um mich gekümmert und ist dageblieben, obwohl ich noch mehrere Nervenzusammenbrüche hatte, in denen ich versuchte ihn davon zu überzeugen, dass es eine schlechtere Wahl als mich nicht geben könne. Jeder Typ, vor allem in meinem Alter, hätte irgendwann das Weite gesucht.
Ich fing an, an einer Gesamtschule zu arbeiten und bewarb mich zum Sommersemester an der Uni Köln um einen Studienplatz für das Lehramt. Seit Mitte Dezember wohnen wir wieder getrennt, ich bin auch ganz froh, wieder in meinem eigenen Chaos zu leben und nicht in seinem. Aber mein Freund versucht mich jetzt immer wieder davon zu überzeugen, dass wir im Sommer zusammenziehen sollen.
Also, das halte ich für eine Menge Probleme...
Ich halte ihn für den besten Menschen der Welt, weil er so viel Geduld hat, weil er so einfühlsam ist und sich so um mich kümmert, und keine Frage, ich will ihn heiraten und ich will auch mit ihm zusammenwohnen, aber dann bitte in zwei Zimmern und nicht in einem. Nur habe ich noch nie darüber nachgedacht, wann das alles sein soll. Ich bin ja mein Leben lang davon ausgegangen, dass ich irgendwann einsam irgendwo sterben würde, und keiner würde es merken. Ich weiß nicht, ob ich mit 21 schon bereit bin zu heiraten und ob unsere Beziehung dafür schon gefestigt genug ist. Ich weiß, dass er der Mensch ist, der mich am besten kennt, und ich würde meinen, ich kenne ihn mittlerweile auch ganz gut. Aber ob der das wirklich ein Leben lang mit mir aushält? Keine Ahnung. Ich merke vor allem immer wieder, dass ich einfach noch nicht so viel Lebenserfahrung habe wie er. Das ist einer der Gründe, weshalb ich zu ihm aufschaue, auch wenn es mir anfangs Angst gemacht hat. Ich meine, der Mann ist in Afghanistan gewesen. Wenn man mit sowas noch nie zu tun hatte, ist das ganz schön verunsichernd. Und ich weiß halt nicht, ob er wirklich so ein "halbes Kind" heiraten will. Viele schätzen mich älter und vergessen, dass ich eigentlich nur eine kleine Studienanfängerin bin. Und ich glaube, er gehört dazu. Das ist es, was mir Sorgen macht.
 
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G

Gast

Gast
dein freund sollte zuerst seine finanzen regeln , bevor ihr an heirat denkt.

er hätte das erbe seiner eltern ablehnen können. daher kommt es mir etwas komisch vor, dass er deshalb schulden hat.

lerne ihn erst besser kennen bevor du eine ehe eingehst.fixiere dich vor allem nicht so auf ihn. bau dir dein eigenes leben auf. du bist noch sehr jung.
 
G

Gast

Gast
dass ich über dieses Thema noch nie so richtig nachgedacht habe.
Nur über dies Thema oder auch nicht über deine bisherige Lebenshaltung?
Das Leben funktioniert wenn man Erwachsen ist nicht von allein / Automatisch.
Wie geht " leben " was hast du da mitgekriegt von deinen Eltern?
Kinder Versuchens einfach, machen viele Fehler, lernen aber daraus!
Durftest du Kind sein und so lernen, ,Fehler machen, oder mußtet du was ( leisten,, ohne Fehler sein ) um geliebt zu werden ?
Sind wir einfach überfordert,, oder haben wir dadurch einfach nur zu hohe Erwartungen an uns selbst?
Warum klappt nicht alles von allein, warum geht alles schief, kann man sich auf niemand mehr verlassen.#
So dein Denken , da fragst du dich noch, ob du die richtige bist für IHN ?
Ist das positives Denken, Selbstvertrauen, ich kann, ich will, ich mache es.
Nicht : ich werde irgendwann, vielleicht, hat noch Zeit, ich weiß nicht, könnte ja schiefgehen, wenn ich Rentner bin hole ich alles nach....
Nein, das ist Phantasielose naive Erwartungshaltung.
Fang mal an zu leben!
 
G

Gast

Gast
hm... du scheinst jemanden zu vermissen, der sich um dich kümmert. siehst du deinen freund als ersatz für deine familie mit der du den kontakt abgebrochen hast?

ihr solltest unabhängig voneinander, euer eigenens leben aufbauen.

bei ihm scheint auch einiges nicht zu stimmen.

wenn ihr beide gefestigt seid könnt ihr immer noch an eine gemeinsame zukunft denken.

überstürze nichts.
 

-sofia-

Sehr aktives Mitglied
Auch, wenn er in Afghanistan war, musst du nicht ehrfürchtig zu ihm aufblicken.

Ihr wart doch beide füreinander da, nicht nur ER. Du, als er sein Magengeschwür hatte und ER bei deinen Studienproblemen.

Wie will er überhaupt eine gemeinsame Wohnung finanzieren, wenn er so verschuldet ist?
Mir kommt es seltsam vor, dass er Schulden für seine verstorbenen Eltern zahlt, obwohl er sein Erbe ausschlagen konnte. Ob alles so stimmt, was er dir erzählt?

Führt erstmal eure Beziehung in getrennten Wohnungen weiter und lernt euch besser kennen. Lass dich nicht unter Druck setzen.
Du bist erst 20 und hast genügend Zeit um zu heiraten.
Bevor er nicht schuldenfrei ist, würde ich mich auf so einen Deal gar nicht einlassen.
Mach dein Studium erst zu Ende.
Deinem Freund müsste klar sein, dass du 10 Jahre jünger bist und dein ganzes Leben noch vor dir hast. Bau dir auch ein Leben neben ihm auf. Arbeite vor allem daran, dein Selbstbewusstsein zu stärken.
 
G

GirlOnFire

Gast
Hallo Elisabet,
ich denke deine Zweifel rühren mehr daher, dass du dir unsicher betreffend dieser Beziehung bist. Das kann ich nachvollziehen. Du bist 20 und eine Heirat würde dich fest an ihn binden. Scheinbar fühlst du dich noch nicht so weit. Ich kann dir nur raten dich selbst nicht unter Druck zu setzen oder dich unter Druck setzen zu lassen.

Sprich mit deinem Partner darüber. Er wird deine Zweifel sicherlich verstehen können. Sag ihm, wenn es dir zu schnell geht. Lass dir Zeit und überstürze nichts.

Übrigens finde ich nicht, dass du dich an seiner Seite nicht minderwertig fühlen musst. Du stehst noch am Anfang deines (beruflichen) Lebens.

LG,
GOF
 

Nordrheiner

Urgestein
Liebe Elisabeth,

Glückwunsch zur Verlobung. Ich sehe in ihr nichts Schlechtes, auch wenn Du Dich etwas überrollt fühlst. Immerhin ist sie ein deutliches Zeichen dafür, dass dieser Mann Dich liebt. Und dagegen gibt es keine Argumente.

Wenn zwei Menschen Probleme haben, dann haben sie die gemeinsame Basis „wir gegen den Rest der Welt“. Es ist einfach toll, einen guten Mitkämpfer an Deiner Seite zu wissen. Und umgekehrt wird er froh sein, Dich an seiner Seite zu wissen.

Wir können aus der Ferne nicht wissen, ob die o.g. von Problemen gekennzeichnete Basis für eine Ehe ausreicht oder nicht. Das kann wohl niemand.

Ein Grund für Deine Verlustängste ist nicht klar ersichtlich. Daher halte ich sie für unberechtigt. Sie erscheinen mir irreal zu sein. Möglicherweise sind sie aber lediglich ein „Bauchgefühl“ – bezogen auf die bevorstehende Hochzeit und sagen lediglich so etwas wie „zu früh“. Es ist kein grundsätzliches „Nein“, es ist lediglich ein Gefühl, welches sich gegen ein „zu früh“ richtet.

Aber wann könnte denn der richtige Zeitpunkt für eine Hochzeit sein?

Wäre ich Dein Verlobter, so würde ich Dich vermutlich jetzt nicht heiraten wollen. Meine Entscheidung würde sich nicht gegen Dein Aussehen oder gegen Deine bisherigen Mißerfolge richten. Auch meine mangelnden Erfolge wären nicht der zwingende Grund, Dich jetzt noch nicht zu heiraten.

Meine Entscheidung – „jetzt noch nicht“ – basiert auf folgenden Überlegungen:

1) Du hast Ängste. Und ein Mensch, der unter starken Ängsten leidet, neigt zu dem Verhalten, sich von seinen Ängsten raten zu lassen. Angst ist bekanntlich ein sehr schlechter Ratgeber. Ich würde als Verlobter nicht wollen, dass Angst bei einer Entscheidung für eine Hochzeit irgendwie mitredet. Weder bei einem „dafür“ noch bei einem „dagegen“. Daher würde ich solange abwarten wollen, bis Angst keinerlei Einfluß auf Dein Entscheidungsverhalten hat. Die Angst loszuwerden, sollte neben einer Berufsausbildung (Studium) Deine Hauptaufgabe sein. Das könnte der Fall sein, wenn Du erfolgreich den Sprung in einen Beruf geschafft hast, der Dich zufrieden stellt. Erfolge machen sicher.

2) Dein Verlobter und Du habt als gemeinsame Basis auch dieses „wir gegen den Rest der Welt“ oder „wir helfen uns gegenseitig bei der Bekämpfung unserer Probleme“. Das ist einfach klasse. Aber wer wirst Du sein, wenn Du nur noch Aufgaben, aber keine (Angst-) Probleme mehr haben wirst? Und wer wird Dein Verlobter sein, wenn er seine größten Probleme erfolgreich bekämpft haben wird?

Die Antwort auf diese beiden Fragen halte ich für entscheidend wichtig. Wir lesen von Dir, wie gut ihr zusammen passt, solange große Probleme für beide vorhanden sind. Wir wissen jedoch alle nicht wie der Mensch „aussieht“, wenn keine Probleme mehr vorhanden sind.

Der Löwe im Problemkäfig beißt niemanden. Wenn er jedoch problemfrei ist, handelt er als Löwe. Nach der Freilassung erst sieht man, ob man einen Löwen frei lies oder einen gutmütigen Bernhardiner.

Wenn ihr so gut zusammenpasst in eurer beidseitig problematischen Situation, dann ist es durchaus möglich, dass ihr noch besser Eure Zweisamkeit geniessen könnt, sobald die Probleme beendet sind.
Beispiel: Keine Ängste mehr – und weg ist der schlechte Ratgeber.

Meine Empfehlung ist, dass ihr Eure Verlobungszeit geniesst und dafür nutzt, Euch immer besser kennenzulernen vor allem auch ab dem Zeitpunkt, an dem es keine Probleme mehr gibt, die als Grund für die Zweisamkeit herhalten könnten.

Sprich mit Deinem Verlobten und schiebe einen Hochzeitstermin so weit auf, bis eben eine problemfreie Phase erreicht ist. Und wenn es 3-4 Jahre dauert, ist doch egal. Niemand drängt Euch.

Alles Gute,
Nordrheiner

PS. Was ich nicht verstanden habe, ist Deine Aussage, dass Dein Verlobter einen Berg von Schulden geerbt hat. Sowas ist z.B. möglich, wenn Du ein abbruchreifes Haus im Wert von z.B. 50.000 € erbst, welches mit Grundschulden in Höhe von z.B. 500.000 € belastet ist. Als Erbe würde ich keinen Grund sehen, das Erbe anzutreten. Ich würde ein solches Erbe ausschlagen und bliebe so schuldenfrei. Nur ein sehr unwissender Mensch würde so ein Erbe akzeptieren. In der Sache solltest Du Dich schlau machen… da fehlen Deinerseits Infos um die Erbschaft verstehen zu können. Das ist kein wichtiger Punkt, aber klärungsbedürftig ist er schon.
 

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