Wie meinst du das mit dem Mülleimer für die seelischen Probleme?
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man dazu neigt, Gespräche zu suchen, in denen man dann über seine Probleme Zuhause oder ähnlichen Kummer redet, weil man so oftmals leicht Gehör verschafft bekommt. Viele Dinge in meinem Leben, speziell in der Kindheit und Jugend, verliefen ziemlich bescheiden und natürlich habe ich dies mit 16 auch meiner Lehrerin anvertraut, weil sie zuhörte und mir Zeit widmete. Einer so starken Vertrauensperson dann nach gewisser Zeit die Liebe zu gestehen, ist ein wahnsinniger Druck für sie. Meine Lehrerin hat damals eben überreagiert und wie erwähnt den Kontakt abrupt abgebrochen. Damals war ich natürlich zutiefst verletzt, heute kann ich ihr Verhalten besser nachvollziehen. In ihrer Lehrerrolle hat sie mir Hilfestellung geleistet und damit enorme Verantwortung übernommen. Wie man bei vielen hier lesen kann, liegen oftmals tiefe seelische Verletzungen vor und da sollte es nachvollziehbar sein, dass bei einem Liebesgeständnis die Angst oder Panik entstehen kann, bei einer Zurückweisung etwas falsch zu machen. Viele können mit diesen Situationen nicht umgehen und reagieren dann vielleicht kalt oder ignorant. Daher würde ich es generell vermeiden die Person meines Herzens zur Hauptvertrauensperson zu machen. Kann nur schief gehen...
Wie hast du das mit ihr angestellt? Hast du ihr deine Liebe gestanden oder wie ist es dazu gekommen ? Du schreibst,dass das schon einige Jahre andauert.Heißt das,dass du noch mit ihr zusammen bist? Wie hast du dich in der Schule ihr gegenüber verhalten,dass es nicht aufdringlich war? Und noch eine letzte Frage: woher wusstest du,dass sie auch Gefühle für dich hat?
So viele Fragen auf einmal
😉
Also ich habe schon den Kontakt gesucht. Vor allem habe ich einen Motivationsschub bekommen und mich in ihren Fächern angestrengt...also jetzt nicht strebermäßig oder schleimig (halt nicht zu viel, entsprechend gemäßigt), aber ich habe gezeigt, dass ich eben motiviert und zuverlässig bin, indem ich alle Aufgaben erledigt habe. Außerdem war ich sehr höflich (z.B. Türen aufgehalten) und freundlich (immer nett gegrüßt auf dem Gang). Eigentlich habe ich mich insgesamt ziemlich authentisch verhalten, wie ich mich sonst auch verhalten würde. Natürlich stand ich hin und wieder auch am Gang oder in der Nähe, da ich auch zu jeder Stunde wusste, wo sie gerade Unterricht hat. Jedoch habe ich mich manchmal auch dagegen entschieden, mich an Stellen zu positionieren, da es schließlich auch nicht auffällig peinlich wirken sollte. Man muss ein Maß finden und auch mal gehen oder fern bleiben - auch wenn man noch so gerne in der Nähe wäre. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass Sie mir Zeit widmet (ohne eben meine Probleme zu bereden) und wir über alles mögliche quatschen. Zudem hatten wir einen ähnlichen Humor (Humor ist oft der Schlüssel!
😉) und haben viel gelacht. Naja, man war jedenfalls immer mehr interessiert an dem anderen, die Gespräche wurden persönlicher und das Verhältnis wurde freundschaftlicher. Irgendwann haben wir privat eine Veranstaltung besucht, etwas zu viel getrunken und danach war klar, dass da mehr ist...ein Geständnis war nicht mehr nötig. Allerdings war es zunächst auch nicht unbedingt der Volltreffer, wie viele jetzt vielleicht denken würden, sondern da fing der Ernst des Lebens erst richtig an....sie bekam Panik, ich war peinlich berührt und zunächst dachten beide, dass es eine Affäre wäre - nicht mehr, nicht weniger. Erschwerend war, dass wir zu dem Zeitpunkt noch beide auf der Schule waren und somit viel auf dem Spiel stand. Ich war so loyal eingestellt, dass ich auch bei einer Zurückweisung, nicht für einen Moment den Gedanken an Rache verschwendet hätte. Für mich war es die Hölle, da ich alles mit mir selbst ausmachen musste und auch nichts falsch machen wollte...Jedenfalls dauerte es ca. ein Jahr bis wir uns sicher waren, dass es eine Beziehung werden könnte. Dies brauchte aber eben einen klaren Kopf und sehr viel Vertrauen ineinander.
Ich würde sagen, dass man merkt, ob man Zuwendung bekommt. Am besten ist es in diesem Fall, wenn es in Gesprächen für die Person X keinen Zwang gibt zu zu hören, sondern sie sich Zeit nimmt, weil man interessant ist. Und interessant macht man sich nicht, indem man überall auftaucht und winkt oder mit seinen Freunden auffällig laut redet und lacht, damit Person X irgendwelche "coolen" Geschichten von einem selbst mitbekommt (alles erlebt!
😉). Sich möglichst souverän und seriös verhalten (habe ich auch erst durch die Situation gelernt) und ansonsten eben so sein, wie man ist.
Wir leben inzwischen - nach vielen komplizierten Hürden - seit mehreren Jahren glücklich zusammen und haben gemerkt, dass wir einfach passen. Dennoch habe ich nachbetrachtend oft gemerkt, dass ich mir vorher manche Dinge in meiner Realität zu verträumt und anders ausgemalt habe. Man sollte es vermeiden einen Menschen, in den man verliebt ist, zu idealisieren, sondern versuchen zu sehen, dass dieser nicht unfehlbar und makelos ist. Ich denke, man muss die Situation (mit der "auserwählten" Person zusammenzukommen) jedoch erst einmal selbst erlebt haben, um dies nachvollziehen zu können.
P.S. ACHTUNG IRONIE: "Ich bringe mich um, wenn Du mich nicht liebst" ist der genau richtige Weg, um ein Herz zu erobern
😉