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Vergleich Alltag in der DDR und heute!

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Nein, Selah, das System ist nicht pauschal schlecht.

Es hat durchaus auch große Vorzüge. Es ist demokratisch und hat das kapitalistische Wirtschaftssystem, das dem des Sozialismus weit überlegen ist.

Aber dennoch gibt es Dinge in dieser Gesellschaft, die kritikwürdig sind.
 
Ja, ja, im Osten war alles besser... 🙄

Warum sind dann so viele unter Einsatz ihres Lebens geflohen? Warum sind bei den Montags-Demos mehr und mehr Menschen auf die Straße gegangen?

Ich kann diese Ostalgie nicht mehr hören.

Nostalgie ist die Sehnsucht nach einer Zeit, in der noch alles möglich war.

Und Melancholie ist die Einsicht, dass es diese Zeit nie gegeben hat.

© Thomas Schlapp

(*1956), Jurist und Aphoristiker
 
Nein, Selah, das System ist nicht pauschal schlecht. Es hat durchaus auch große Vorzüge. Es ist demokratisch und hat das kapitalistische Wirtschaftssystem, das dem des Sozialismus weit überlegen ist. Aber dennoch gibt es Dinge in dieser Gesellschaft, die kritikwürdig sind.
Sorry wenn dieses posting bei mir einen starken Würgereiz verursachte. Kapitalismus heißt Diktatur des Kapitals - und da sind wir bereits angekommen. Nix Demokratie und Überlegenheit. Zudem vergleichst Du Äpfel mit Birnen: Marktwirtschaft vs. Planwirtschaft und Kapitalismus vs. Sozialismus. Marktwirtschaft ist aber nicht automatisch und zwangsläufig ein kapitalistisches Wirtschaftssystem. Nur leider hat das bisher kaum jemand begriffen - auch nicht an verantwortlicher Stelle. Genauso wenig bedingt Sozialismus eine Diktatur. Aber auch das begreift wohl niemand. Und wenn ich die Berge an Gesetzeswerken vergleiche, frage ich: in welchem System wird wohl mehr diktiert? Allein das Steuerrecht ist so umfangreich, daß selbst die Finanzbehörden den Überblick verloren haben. -- Fest steht allerdings: in der DDR ging es mir wesentlich besser - trotz Stasi und Reisebeschränkungen damals und Job und "Freiheit" im Kapitalismus. Wie schon gepostet wurde: man hat auch die Freiheit vor die Hunde zu gehen - zynisch aber wahr. Wie menschlich ist so ein System der hoch gelobten "freiheitlich-demokratischen Grundordnung"? Wer nicht beide Systeme erlebt hat, kann nicht vergleichen. Deshalb finde ich das Gejammer über "Ostalgie" deplaziert und ehrverletzend gegenüber denjenigen, die sich die DDR eben nicht schlechtreden lassen. Auch dort wurde gearbeitet, aufgebaut und geforscht und das hier und da mit sehr viel Herzblut. Also etwas mehr Respekt vor den "Neubundesbürgern" halte ich da für durchaus angebracht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Marktwirtschaft ist aber nicht automatisch und zwangsläufig ein kapitalistisches Wirtschaftssystem. Nur leider hat das bisher kaum jemand begriffen - auch nicht an verantwortlicher Stelle. Genauso wenig bedingt Sozialismus eine Diktatur. Aber auch das begreift wohl niemand.

Stimmt. Die meisten Politiker können noch nicht mal Marktwirtschaft und Kapitalismus auseinanderhalten.
 
Hallo Wutbürger (furchtbares Wort find ich, aber ist ja wurscht😉);

Ich bin auch in der DDR geboren, war aber noch Kind als sie zusammenbrach. Ich lebe inzwischen wieder im Osten - und klar, so wie Du sehen das nicht wenige Leute, vor allem in der Generation meiner Eltern, also Leute, die heute zwischen 50 und 65 sind. Sie haben den größten Teil ihres Lebens in diesem Staat verbracht, sind dort sozialisiert worden - und zum Teil im "neuen Deutschland" nie ganz angekommen.

Da werden immer mal genau solche Vergleiche gezogen a la "Damals hatten wir Geld und es gab nix zu Kaufen, heute gibts alles zu kaufen, aber uns will kein Arbeitgeber, also haben wir kein Geld und können uns nix leisten".

Trotzdem lassen sich die Verhältnisse meiner Meinung nach nicht so einfach auf eine Vergleichsebene hieven. Es ist durchaus ein Unterschied, ob man für seine freie Meinungsäußerung schiefe Blicke erntet oder dafür im Stasi-Knast landet.

Ja, ruhiger war das Leben damals für viele Leute mit Sicherheit. Man KONNTE seinen Job quasi nicht verlieren, selbst wenn man da nicht viel leistete oder mittags schon die Bierflasche geöffnet hat (was ich Dir ausdrücklich NICHT unterstelle, aber sowas gab es eben auch). Mit der Wende kam das Leistungsprinzip, man war selbst für seinen Erfolg verantwortlich. Ist das nun schlecht?
Die Freiheit, die die politische Wende für den Osten brachte, schließt auch die Freiheit zu Scheitern ein. Wie jede Freiheit übrigens. Für alle, die - aus welchen Gründen auch immer gescheitert sind - ist das System daher oft pauschal "schlecht".

Wiedervereinigung bzw. Globalisierung hin oder her - das ändert nichts daran, dass man als Einzelner selbst seinen Weg meistern muss. Mir ist klar, dass über 50-Jährige, die das gern tun wollen, oft am Arbeitsmarkt scheitern. Das ist ohne Frage bitter. Trotzdem: beim Vergleich zwischen dem DDR-Alltag und der heutigen Zeit muss einem auch auffallen, wie schizophren Ersterer teilweise war. Normale Alltagsartikel als Bückware? Mieten von 30 Mark pro Monat? Altstädte, die buchstäblich zusammenfielen? Für einen politischen Witz den Kopf riskieren? Leere Riten a la Fahnenappelle und Strammstehen in der Schule? Auch das war Alltag in der DDR. Ich würd ihn nicht wiederhaben wollen.

Ja, deshalb sind wir auf die Straße gegangen, weil wir nicht alles gut fanden und vieles ändern und reformieren wollten. Weil wir demokratische Wahlen wollten und Meinungsfreiheit. Die Menschen, die diese Revolution begonnen hatten, wollten jedoch nicht alles wegwerfen.
 
Nun ja, ich habe zwar 34 Jahre in der DDR gelebt, aber die Stasi hat mich niemals geschlagen oder eingesperrt.

Ganz anders jedoch das Finanzamt dieses Staates.

Ich wurde nach der Wende aufgefordert, rückwirkend Kirchensteuer zu entrichten oder nachzuweisen, wann ich aus der Kirche ausgetreten bin.

Das konnte ich jedoch nicht, da ich nicht getauft wurde und niemals Kirchenmitglied war, was ich ihnen auch mitgeteilt habe.

Daraufhin hat das Finanzamt Erzwingungshaft beantragt und wollte mich in den Knast stecken.

Und das war keineswegs meine einzige negative Erfahrung mit den heutigen Behörden.

In der DDR wurde ich niemals derart unverschämt behandelt, obwohl ich jedes Jahr einen Ausreiseantrag in den Westen gestellt hatte, um meinen Vater in München zu besuchen.

Da hat sich der Staat zum billigen Erfüllungsgehilfen der geldgeilen Kirchen gemacht. Du hast nicht allein diese Erfahrung machen müssen, für etwas abgezockt zu werden, was Deine Eltern Dir ahnungslos (über ihre eigene Kirchenmitgliedschaft) "vererbt" haben. Weil nämlich in West-D jedes Kind von Kirchenmitgliedern "automatisch" mit deren Religion erfaßt wird, außer es tritt explizit aus, und darauf haben sich die Kirchen "rechtmäßig" berufen.

Prügel also nicht die Finanzämter dafür, die folgten nur ihren Anweisungen, sondern die Verursacher, die zuständige Kirche.

P.S. Wie bist Du aus der Sache rausgekommen?
 
In der DDR hatte jeder Arbeit, Sozialangst war unbekannt.
Die ärztliche Versorgung war komplett kostenlos und flächendeckend, keine Wartezeiten beim Facharzt.
Der Lebensunterhalt war gesichert durch gestützte Grundnahrungsmittel. Die Mieten betrugen nur etwa 10 % des Einkommens.
In der DDR gab es viele "Beschaffungsprobleme", die Brötchen am Samstag, der Schinken zu Weihnachten, Südfrüchte. Heute ist alles da, viele können das Überangebot nicht bezahlen, können sich nichts leisten.
Heute kann man überall hin reisen, nur wenige können es sich leisten.
In der DDR hatte man Angst vor der Stasi, heute vorm Finanzamt, auch wenn man nichts getan hat. Man ist heute gläsern geworden, der Staat weiß alles von dir, kann sich dein Konto anschauen.
In der DDR gab es keine Angst vor Altersarmut, heute ist diese bereits real.
Ist jemand arbeitslos, muss er erst alles verbrauchen, was er sich zur Altersversorgung angeschafft hat.
In der DDR haben Staat und die Medien den Bürger belogen, heute ist es ebenso, Beispiel nur die Arbeitslosenzahlen.
In der DDR wurden durch das politische Strafrecht Andersdenkende verfolgt,
heute werden Andersdenkende von der Gesellschaft verfolgt, angegriffen und gemobbt, siehe Sarrazin.
In der DDR bewegte sich alles in EINER sozialen Schicht bis auf die paar SED-Bonzen, die es aber kaum besser hatten, in Wandlitz eingemauert. Heute klafft die Schere immer weiter auseinander zwischen arm und reich, die Mittelschicht bricht weg.
Mein Alltag früher war ruhiger, ohne Angst, die Probleme waren klein, heute geht es ums nackte Überleben. Selbst den Zahnarzt kann ich mir nicht mehr leisten, der soziale Absturz ist nicht aufzuhalten. Die Suizide mehren sich.
Der Westen stand 1989 ebenso vorm Absturz wie der Osten. Der Anschluß brachte ihm aber einen neuen Markt, es ging weiter. Einige haben sich daran eine goldene Nase verdient, nun ist der Staat aber ganz am Ende. Nicht etwa durch die Wiedervereinigung, sondern durch die Globalisierung, durch die Euroeinführung, heute zahlt Deutschland die Zeche.

Heute schon an der Tankstelle gewesen? Bei uns Benzin 1,52 €.

Ein Wutbürger


**Wutbürger ist wohl eher als Unwort zu sehen, aber so kann man Leute gut in eine Kiste stecken und abkanzeln.


Es ging den Leuten in West-Deutschland vor 1990-91 auch besser, das Leben war irgendwie leichter und Sorgenfreier. Obwohl in den 80zigern hatten wir auch schon in den Großstädten Wohnungsnot, aber nicht Ansatzweise vergleichbar mit den Zuständen von Heute.

Es fing in den 90zigern ein radikaler Kahlschlag bei den Sozialfunktionen an in Deutschland. Ich kann mich noch gut erinnern als im Bundestag debattiert wurde und einer gesagt hat dass wir in Zukunft in Deutschland den Leuten wieder die Armut am Gebiss ansehen können, weil sie sich den Zahnersatz nicht mehr leisten können werden. Da hat der Norbert Blüm damals aber betroffen drein geschaut. Ich hatte den Eindruck dass der soziale Kahlschlag sich beschleunigte unter Gerhard Schröder, das ist aber eine lange Geschichte die wir hier nicht wiedergeben müssen.

Die großflächige Enteignung durch die Hintertür kam dann mit der Einführung des Euro, die deutschen hätten niemals freiwillig ihre D-Mark aufgegeben, wenn darüber demokratisch abgestimmt worden wäre. Es gibt Leute die haben behauptet der Euro sei eine "Erfolgsgeschichte", fragt sich nur für wen?? Im Umfeld der Griechenlandkrise durfte man dann lesen das auf der EU-Ebende Berater von Goldman Sachs aktiv waren, da braucht sich natürlich dann keiner mehr zu wundern…

Na ja und die EU ist ja nun auch nicht wirklich ein demokratisches Gebilde, wenn man mal schaut wie die EU-Kommission entstanden ist, auch historisch betrachtet, geht ja zurück auf die Montanverträge. Die Briten wissen schon warum die da raus wollen.

Ich kann schon auch konkret nachvollziehen warum viele inzwischen "Heimweh" haben …
 
Ich kann schon auch konkret nachvollziehen warum viele inzwischen "Heimweh" haben …
Aber wonach haben die Leute konkret "Heimweh"? Nach der Mauer, nach der Trennung zwischen Ost und West, nach Stasiknast und Transit West-Berlin, etc.?

Sosehr man die Gegenwart auch kritisieren kann (auch mir gefällt vieles nicht), würde ich mir dennoch diese konkrete Vergangenheit trotzdem nicht zurückwünschen (und wenn doch, dann zugegebenermaßen eher die West-Variante).
 
Da hat sich der Staat zum billigen Erfüllungsgehilfen der geldgeilen Kirchen gemacht. Du hast nicht allein diese Erfahrung machen müssen, für etwas abgezockt zu werden, was Deine Eltern Dir ahnungslos (über ihre eigene Kirchenmitgliedschaft) "vererbt" haben. Weil nämlich in West-D jedes Kind von Kirchenmitgliedern "automatisch" mit deren Religion erfaßt wird, außer es tritt explizit aus, und darauf haben sich die Kirchen "rechtmäßig" berufen.

Prügel also nicht die Finanzämter dafür, die folgten nur ihren Anweisungen, sondern die Verursacher, die zuständige Kirche.

P.S. Wie bist Du aus der Sache rausgekommen?

Der Beitrag stammte nicht von mir. Wie ist das passiert?

edit: nicht nur der Beitrag stammt nicht von mir, in dem verlinkten Beitrag steht nicht einmal der zitierte Text??

@topic
Natürlich geschieht auch in der BRD genug Unrecht und wenn das so war, dann war das auf keinen Fall fair oder rechtmäßig (moralisch gesehen).

Das macht das DDR-Unrecht aber nicht besser. Dass der Beitragsverfasser nie mit der Stasi zu tun hatte oder ihm nie ein Unrecht geschah, kann Zufall, Angepasstheit oder festes Augen-Zukneifen gewesen sein.

Meine Erfahrungen waren andere.
 
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