Ich esse Fleisch und ich tue es gerne. Aber ich achte sehr darauf, was ich esse und wie viel davon. Ich kann nicht völlig auf Fleisch verzichten, aber ich nehme wenig davon zu mir. Meine Eltern kaufen auch nur teures Fleisch vom Biobauernhof, wo man weiß, woher das Tier kommt. Das kostet zwar zehnmal mehr, als im Supermarkt, ist es aber wert.
Auf Milch und Eier kann ich auch nicht verzichten. Ich habe es mal versucht, aber es hat nicht geklappt. Und ich liebe Käse dafür einfach viel zu sehr. Und eine schöne große Portion Rühreier nach einer durchgefeierten Nacht, mit einer großen Tasse Kaffee und frischen Brötchen ist für mich einfach immer noch unvergleichlich 😉.
Dafür bemühe ich mich, Kosmetik und Hygieneartikel zu benutzen, die frei von Tierversuchen sind. Geht ganz schön ans Geld, aber das ist es mir wert. Selbst wenn da teilweise das zehnfache dafür draufgeht, als bei anderen. Dafür lese ich auch regelmäßig nach, welche Hersteller keine Tierversuche machen.
Die Ernährungsumstellung ist denke ich bei einer veganen Lebensweise sehr groß. Und die Gesellschaft ist leider noch nicht so richtig darauf eingestellt, sieht man ja schon in Restaurants. Zu einer Mangelernährung kann es aber immer kommen. Die gibt es unter Fleischessern, Veganern und Vegetariern. Veganer müssen nur das ausbalancieren, was sie weg lassen, aber genau da liegt oft der Knackpunkt. Es ist auch ein schwieriges Modell, wenn man in einer Großfamilie lebt und dann eines der Kinder z. B. sich dazu entschließt, Veganer zu werden. Und dass da viele Mütter sagen, sie haben nicht den Nerv, gesondert noch zusätzlich für einen Veganer zu kochen, kann ich verstehen. Aber zwingen sollte man gleichzeitig auch niemanden, gegen seine gewünschte Einstellung zu leben.
Aber wie einige schon angesprochen haben, das Thema "moralisch korrekt" ist weitreichender: Chemisch gespritztes Obst und Gemüse, abgezockte Bauern und Tierversuche. Ich kenne eine Veganerin, die jeden als nicht politisch korrekt hinstellt, der Fleisch isst, aber dann benutzt sie Kosmetik- und Hygieneprodukte, bei denen bekannt ist, dass die Tierversuche machen und kauft ihre Kleidung von Anbietern, bei denen auch bekannt ist, dass die nicht so politisch korrekt sind und die Menschen, die die machen, abgezockt werden. So eine Haltung wie besagtes Mädel hat, ist naiv und irgendwie dumm. Sorry für die harten Worte.
Ich hasse es, wenn man als unmoralisch hingestellt wird, nur weil man nicht Vegetarier ist oder vegan lebt. Ich beziehe das übrigens jetzt nicht auf den Thread hier, sondern ganz allgemein, weil ich leider schon viele Vegetarier und Veganer kennen lernen durfte, die aus gemütlichen Film- oder Spieleabende ganze Diskussionen gestartet haben, bei denen dann am Ende jeder säuerlich war, weil die nicht aufhören konnten und wo die einen hingestellt haben, als wäre man ein Ungetüm. Aber dann eben gleichzeitig Billigklamotten kaufen und "politisch unkorrekte" Kosmetik benutzen. 🙄
Ich sehe das so: alles was mein Körper verwerten kann und nach dem er Hunger hat, ist gut für mich, wenn ich es natürlich in der richtigen Menge und bedacht esse.
Ich zolle meiner Nahrung Respekt. Ich weiß, dass dahinter Arbeit und Leben steckt. Gemüse und Obst ist auch schon Leben.
Wenn ich sterbe und mich nicht verbrennen lasse, dann werde ich ja für die Bakterien und für die Maden auch wieder Nahrung.
Ich habe sehr großen Respekt vor Leuten, die es schaffen, vegan zu leben und vielleicht auch noch andere moralische Aspekte des Lebens bei Hygiene, Kosmetik, Kleidung und anderen Dingen beachten. Solche kenne ich auch und ich versuche von ihnen immer meinen Horizont erweitern zu lassen und mir Input zu holen. Diese Leute machen aber auch kein großes Tamtam um ihre Lebenseinstellung und müssen Anderslebende nicht zurechtweisen oder mit dem moralischen Zeigefinger kommen. Es gibt nunmal leider auch diese Schwätzer und die das fast zum Trend verkommen lassen. Ist zumindest bei einigen Leuten mein Gefühl.
Ich habe mal einen interessanten Artikel über das Thema gelesen (ist schon länger her) und da hat der Schreiber die Theorie aufgestellt, dass Vegetarier-sein für manche "out" ist und weniger rebellisch als früher und das Veganertum nun dafür herhalten muss, weil man sich dadurch abhebt. Und wenn ich mir besagte Leute in meinem Umfeld ansehe, bringt mich das sehr zum Nachdenken. Die denken manchmal kaum ganzheitlich und glauben oft, wenn man auf Fleisch, Milch, Eier etc. verzichtet, ist es damit getan. Und dann müssen sie es ständig betonen und breit treten.
Es ist in meinen Augen nicht okay, wenn jemand vor mir steht, der sich jeden Tag unmengen von Billigfleisch reinzieht, ohne darüber nachzudenken, woher es kommt. Aber da hat jeder andere Grundsätze und Grenzen. Der finanzielle Aspekt spielt nunmal leider auch eine Rolle. Gutes, nahrhaftes und vollwertiges Essen ist einfach teurer.
Ich verstehe nur nicht, warum man gerade Menschen phasenweise bestimmte Vorwürfe macht. In der freien Natur jagen Raubtiere sich auch ihre Beute und denen ist es gleichgültig, ob es dabei Schmerzen hat oder stirbt und manchmal verspeisen sie nur die Hälfte davon. Es liegt in ihrer Natur. Ob es nun auch wirklich in der Natur des Menschen liegt, sei dahingestellt, aber Fakt ist, man kann Fleisch essen, es verdauen und einige haben ein gewisses Verlangen danach.
Ich kenne sogar zwei Veganer, die ganz offen sagen, dass sie auf Fleisch verzichten, weil ihnen die Tiere leid tun, sie aber Fleisch an sich gerne mögen und essen. Auf Milch und Eier können sie schon leichter verzichten. Ich denke, es gibt nicht umsonst diese ganzen Tofu-Würstchen, und Tofu-Schnitzel usw.
Und dann treffe ich Hundebesitzer, die ihre Hunde allen ernstes mit Tofu ernähren. Ja. 🙄 Oder vor einiger Zeit (kann auch schon Jahre her sein) haben irgendwelche Aktivisten versucht, irgendein Raubtier mit Tofu zu ernähren, um zu beweisen, dass es theoretisch möglich wäre, was dann aber kläglich gescheitert ist. Und nein, ich rede hier nicht von dieser gewissen Futurama Folge 😀.
Das ist dann so ein Punkt, der mich richtig nervt. Die Hunde sahen übrigens richtig übel aus und später wurden sie zum Glück den Besitzern weg genommen. Wenn mir jemand nicht zuvor gekommen wäre, hätte ich was getan.
Aus reinem Interesse hier gefragt: Eine Veganerin meinte mal zu mir, dass es "Abstufungen" gibt. Also auch die Stufe, die z. B. nichts isst, was gekocht oder weiterverarbeitet wurde. Und die Stufe drauf sind dann die Vertreter, die nur Sachen essen, die die Natur ihnen geschenkt hat, also z. B ein Apfel, der vom Baum erst runtergefallen ist. Wenn man den vom Ast pflückt, wäre das für diese Vertreter nicht okay. Sind dass dann diese "Rohköstler"? Das war jetzt auch kein Scherz von dieser Veganerin oder so, die hat mir das ernsthaft erklärt und es interessiert mich, ob das stimmt, weil sie es auch nicht genau wusste.