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Könnts nich besser ausdrücken als du, TE! Ich fühle mich auch "unsichtbar" - aber im Gegensatz z dir ist es für mich gut so. Ich verlasse das Haus kaum noch und verbringe die meiste Zei im Bett oder auf dem Sofa.
 
Bei mir spreche ich ja von sozialen Störungen.
"Soziale Störungen" finde ich gut. Genau festzulegen was es ist ist schwer.
Ich selbst habe immer an Schüchternheit und Introvertiertheit sowie sozialer Unangepasstheit gelitten, was ich auch nicht 100% eingrenzen konnte.
Wichtig allein ist das man trotzdem versucht etwas zu tun und raus zu gehen. Das allein ist viel Wert.
 
Wieso Therapie wenn du keine offizielle Diagnose hast?
Zitat: (ich arbeite in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung).
Was hast du denn für Defizite, Körperlich oder Psychisch?
Um in eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen (WfbM) aufgenommen zu werden, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.
Dazu gehören unter anderem ein Grad der Behinderung von mindestens 50 und eine volle Erwerbsminderung, was bedeutet, dass Arbeit nicht mehr als drei Stunden pro Tag ausgeführt werden kann.
Da wird ja nicht nur gearbeitet, der Fokus liegt ja auf Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt.
Gibt da viele Angebote um dich in deiner beruflichen und persönlichen Entwicklung zu unterstützen und ihre Teilhabe am Arbeitsleben zu fördern.
Was deine Mitarbeit erfordert, für Menschen mit seelischer Behinderung oder psychischer Erkrankung gibt es teilweise besondere Angebote.
Was nutz du davon, was tust du um das zu erreichen was du dir wünscht.
Manches geht eben nicht, auch für Menschen ohne Behinderung.
Ich antworte jetzt mal in mehreren Post... bin gerade am PC und gehe mal etwas genauer auf manches ein. Ich habe sowohl körperliche als auch psychische Behinderungen und bin seit 2019 in einer WfbM, genauer gesagt in einer inklusiven Redaktion, die an eine WfbM angegliedert ist. Mein GdB liegt bei 60, die neuen Wirbelsäulendiagnosen sind darin noch nicht berücksichtigt. Psychisch habe ich mehrere komplexe Traumafolgestörungen u.A. durch Gewalt, emotionale Vernachlässigung uvm. seit jüngster Kindheit. Vieles ist durch intensive Verhaltenstherapie und Hilfsnetze inzwischen gut stabilisiert, geblieben sind vor allem diese quälenden sozialen Ängste. Was mir wohl fehlt ist eine abschließende Traumatherapie und Sozialtherapie oder Gruppentherapie.

Von außen wirkt es oft so, als würden WfbM automatisch fördern und auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereiten. In der Praxis ist das leider häufig deutlich komplizierter. Das sehe nicht nur ich so. Auch mein Chef und andere bei uns sprechen offen und kritisch über das System. Es ist nicht ideal, teilweise veraltet und entwickelt sich derzeit eher rückschrittig. Selbst die Mitarbeiterin, die mich inzwischen bei Bewerbungen unterstützt, beschreibt die Strukturen als sehr kompliziert.

Solange ich in diesem System bin, gelte ich automatisch dauerhaft als nicht voll erwerbsfähig, trotz eines voraussichtlichen 1,2er-FOR und obwohl ich mir Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt inzwischen zutraue. Mein größtes Hindernis ist nicht meine Leistungsfähigkeit, sondern die Angst, diese Schritte tatsächlich zu gehen. Deshalb sehe ich auch die Aussage kritisch, Menschen mit Behinderung hätten eben bestimmte Grenzen. Natürlich gibt es Einschränkungen. Viele Grenzen entstehen aber auch erst durch gesellschaftliche Barrieren, fehlende Unterstützung und dadurch, dass Menschen zu wenig zugetraut wird. Viele meiner Kollegen waren intern in der WfbM wahnsinnig unglücklich. Ihnen wurden Arbeiten zugeteilt, die überhaupt nicht mit ihrer Behinderung vereinbar waren und ich sage Dir, das sind keine Einzelfälle. Das System muss sich ändern. Aber das ist alles ein anderes komplexes Thema und zudem zu politisch für hier.
 
Sozialphobie geht nicht, ohne bestimmte Erfahrungen ausgefasst zu haben, wie z Mobben, oder fallen gelassen werden, enttäuscht zu werden usw. - Sozialphobie geht aber auch nicht, ohne sich "ein Bild zu machen"- ob dieses Bild falsch oder richtig ist, Furcht vor anderen ist doch, anderen Arges zuzutrauen, oder?
Du bist sofort sehr interessiert und empathisch auf Gesagtes von mir eingegangen, das ist doch alles andere als scheu gewesen, ganz im Gegenteil! Das kann damit zu tun haben, dass wir uns nicht gegenüber stehen. Nachdem du erzählt hast, dass du körperlich beeinträchtigt bist, wirst du als erstes sicher Beurteilung, Verurteilung fürchten, zumindestens ein Prüfen- das kann mitbeteiligt sein, dass du aus Angst vor diesen Blicken schon scheu bist.
Ich wünsche dir bestmöglichste neue Erfahrungen, die die anderen übermalen können, oder sogar löschen können.
In meinem Leben gabs irrsinnig viele Begegnungen, weil ich aus dem Gastgewerbe bin, wegen dem alleine schon- da waren einige dabei, dir mir geholfen haben, mich zu ändern- zb, einem vorschnellem Urteil nicht sofort zu glauben, das weiß ich inzwischen, dass das sehr täuschen kann.
Sozialphobie ist meiner Meinung nach berechtigt, sie ist wichtig. Vorsichigkeit ist klug und angebracht.
Das haben wirklich die anderen ebenso, nicht nur du. Dein Partner- warum ist er so wenig offen, zugänglich, das wird eine Vorsichtshaltung sein.

Ich glaube, wir meinen an einigen Stellen tatsächlich Ähnliches, nur aus etwas unterschiedlichen Perspektiven. Bei mir sind es allerdings nicht einfach normale Enttäuschungen, sondern traumatische Erfahrungen, aus denen bestimmte Schemata entstanden sind. Dadurch habe ich zum Beispiel Angst zu sprechen, für meine Bedürfnisse einzustehen oder mich wirklich mitzuteilen.

Vieles davon ist durch Therapie schon besser geworden. Schwierig sind für mich vor allem engere Beziehungen und Freundschaften. Ich habe schnell das Gefühl, andere merken, dass bei mir „etwas nicht stimmt“, und wenn dann Ablehnung oder Ignorieren kommt, trifft mich das sehr. Rational weiß ich natürlich, dass niemand von jedem gemocht werden kann. Aber da gibt es bei mir einen Unterschied zwischen dem erwachsenen Anteil, der das versteht, und einem jüngeren Anteil, der sich einfach wünscht, okay sein zu dürfen.

Deshalb finde ich deinen Gedanken mit den positiven Erfahrungen sehr passend. Genau das wurde mir in Therapien auch oft gesagt: Gute Begegnungen, selbst wenn sie nur kurz sind, können langfristig etwas verändern. Deshalb gebe ich das auch nicht auf. Und vielleicht ist mir Empathie anderen gegenüber auch deshalb so wichtig, weil ich selbst lange zu wenig davon erlebt habe.

Und schüchtern bin ich eigentlich gar nicht so sehr, ich kann sehr offen sein mit den richtigen Menschen und nach kurzem Auftauen. Schreiben ist für mich aber soooo viel leichter als direkt zu sprechen. Sozialer Kontakt kann mich innerlich so anstrengen, dass ich danach sogar körperlich erschöpft bin oder Kopfschmerzen bekomme. Schreiben ist schon immer mein Kanal gewesen, meine Art mich mitzuteilen, mich auszudrücken.

Was du aus deiner Zeit im Gastgewerbe erzählst, finde ich deshalb spannend. Gerade zu lernen, dem ersten negativen Urteil nicht sofort zu glauben, ist etwas, das mir sicher auch helfen kann. Mein Partner ist dagegen einfach anders gestrickt und braucht soziale Kontakte viel weniger als ich. Deshalb möchte ich jetzt selbst mehr rausgehen und Menschen kennenlernen. Ich glaube, auch das Schreiben hier im Forum ist schon ein kleiner Teil davon. 🙂

Ich verlasse das Haus kaum noch und verbringe die meiste Zei im Bett oder auf dem Sofa.
Und geht es dir damit soweit gut? Bei mir war das früher ähnlich und ich kann das nicht mehr so weiter. Nach vielen Jahren Isolation habe ich immer mehr gelitten. Der Weg nach vorne ist auch schmerzhaft... Aber wenn es dir damit gutgeht, dann ist das völlig gut so. Jeder braucht da etwas anderes, denke ich?
Ich selbst habe immer an Schüchternheit und Introvertiertheit sowie sozialer Unangepasstheit gelitten, was ich auch nicht 100% eingrenzen konnte.
Was hat dir denn geholfen bisher?



GROßES POSITIVES UPDATE 🙂 :
Gestern habe ich mich tatsächlich überwunden und eine alte Freundin angerufen, die ich noch aus meiner Zeit in der Jugendwohnhilfe kenne. Unser Kontakt ist über die Jahre immer wieder eingeschlafen und sie hat mich früher auch öfter versetzt, weshalb ich irgendwann Abstand genommen hatte. Trotzdem haben wir uns spontan getroffen und es war wirklich schön, wenn auch etwas anstrengend. Von der ganzen OP-Situation habe ich bewusst noch nichts erzählt. Für nächsten Samstag sind wir wieder verabredet. Ich freue mich, habe aber natürlich auch etwas Angst, dass sie wieder absagt oder nicht kommt.

Heute war ich außerdem bei meinem Psychiater und bin wirklich erleichtert. Er hat sofort verstanden, dass mein jetziger Einbruch kein genereller Rückschritt ist, sondern mit den neuen Diagnosen, den Risiken und meiner enormen Angst vor den Operationen zusammenhängt. Ihm ist auch klar, wie sehr mich die Vorstellung belastet, was danach auf mich zukommt. Allein die Halo-Traktion mit den Schrauben im Kopf ist für mich Horror. Danach folgt die große Versteifung der Wirbelsäule und eine lange Reha. Ich werde vermutlich vieles neu lernen müssen, möglicherweise sogar wieder neu laufen. Genau davor habe ich wahnsinnig Angst.

Er hat deshalb direkt einiges organisiert. Ab sofort bekomme ich psychologische Gespräche über die Institutsambulanz, die erste Betreuung kommt schon Freitag zu mir. Bei akuten Panikattacken kann ich mich dort wohl ebenfalls melden. Meine Medikation wird vorübergehend leicht erhöht und die Termine bei ihm finden nun alle 14 Tage statt. Nach meinem Schulabschluss möchte er außerdem Ergotherapie organisieren, damit ich wieder mehr unter Menschen komme. Auch eine Tagesklinik ist eine Möglichkeit. Sein Ziel ist, mich bis zur OP so gut aufzufangen, dass ich möglichst nicht stationär muss. Falls es doch nicht mehr geht, würde er mir aber auch dabei helfen. Umso trauriger finde ich es, dass er im Februar aufhört.

Parallel suche ich weiter nach einem Psychotherapieplatz und habe am 03.09. zum Glück ein Erstgespräch. Morgen habe ich außerdem einen Termin bei einer neuen Orthopädie, die am Telefon sehr nett wirkte. Ich hoffe sehr, dort jemanden zu finden, der mich auch vor und nach der OP begleitet. Eine weitere Wirbelsäulenchirurgie prüft gerade meine Befunde für eine Zweitmeinung.

Es ist gerade unglaublich viel, aber heute fällt mir trotzdem ein großer Stein vom Herzen. Mittwoch geht es erstmal in die Sauna und schwimmen, einfach etwas runterkommen. Und Donnerstag wartet dann noch eine Art Vorstellungsgespräch auf mich. Davor habe ich auch ziemlich Angst, aber das werde ich irgendwie schaffen. 🙂 Also, heute ist schon was besser.. aber die Panik und Angst kommt auch eher in Schüben....
 
"Soziale Störungen" finde ich gut. Genau festzulegen was es ist ist schwer.
Ich selbst habe immer an Schüchternheit und Introvertiertheit sowie sozialer Unangepasstheit gelitten, was ich auch nicht 100% eingrenzen konnte.
Wichtig allein ist das man trotzdem versucht etwas zu tun und raus zu gehen. Das allein ist viel Wert.
Ja, da bin ich bei Dir.
 
GROßES POSITIVES UPDATE 🙂 :

Nicht nur das mit der Freundin, deine ganze Geschichte klingt nach Aufwärts-Trend.
Irgendwas muss der Auslöser dafür gewesen sein.

Bei mir gab es wegen einer sehr miesen, lang anhaltenden Phase von jemanden den Tipp, einen Heilpraktiker aufzusuchen, bei dem ist offenbar ein Stein ins Rollen gekommen, es gab dann eine Einschreibung für Taekwondo, das war der nächste wichtige Schritt, zu jener Zeit buchte ich auch einen Kurs für Keramik, bei dem lernte ich mich wie neu zu fühlen, ich lebte wieder, ich spürte wieder Leben in mir, eins ergab das andere- dann kam ein furchtbarer Crash, auch dieser Zusammenbruch brachte etwas Altes zum Einstürzen und half mit, mich zu lösen von einem Muster, das nicht gut war.
Alles zusammen war eigentlich, wie wenn ein Konstrukt sich auflöste, um einem neuen Leben Platz zu schaffen.
Das war nicht von mir so geplant, das ergab sich irgendwie ab einem Moment, wo ich um Hilfe gebeten habe, damals zu diesem Heilpraktiker ging...?? Ich beschwerte mich damals oft, aber getan hat sich erst etwas, als ich zum Handeln ansetzte, statt zu Klagen. Taten zählen....nun hast du deine Freundin angerufen, das war eine Tat, eine Handlung. Vom Wunsch zur Verwirklichung... eigene Initiative.. liegts an dem?
Viele klagen und tun nichts, daher bleibts gleich.

Übrigens, habe ich das nun schon erwähnt, auch mir wurden Schrauben in den Kopf gebohrt, zwei in die Stirn, zwei in den Hinterkopf, um den Halofixateur zu befestigen, der meinen Halswirbelbruch damals stützen musste- gleichzeitig saß ich wegen zertrümmertem Bein im Rollstuhl, das war heftig...konnte Monatelang nur halbsitzend schlafen..Hals und Beinbruch, ggg, das sagt man ja oft, wenn man jemanden Glück wünscht. Das gabs damals auch, zwei Jahre nach dem anderen Crash, mir wurde auch da von allen Seiten geholfen, sogar mein Ex zog wieder für eine Weile ein, um mich zu unterstützen.
Heute wandere ich stundenlang herum in der Bergwelt, alles ist wieder gut. Oder sagen wir, was auch immer nicht gut ist, das wird ignoriert, angesichts dieser vorigen "Härtefälle" nehme ich das weniger Gute als Klacks hin...heute... weil ich so dankbar bin, rein deshalb, weil ich nicht vom Hals weg gelähmt wurde, wie von den Ärzten angenommen zuerst, weil ich noch lebe, das alles ist einfach das, was ich sehr, sehr schätze jetzt.
 
Nicht nur das mit der Freundin, deine ganze Geschichte klingt nach Aufwärts-Trend.
Irgendwas muss der Auslöser dafür gewesen sein.

Bei mir gab es wegen einer sehr miesen, lang anhaltenden Phase von jemanden den Tipp, einen Heilpraktiker aufzusuchen, bei dem ist offenbar ein Stein ins Rollen gekommen, es gab dann eine Einschreibung für Taekwondo, das war der nächste wichtige Schritt, zu jener Zeit buchte ich auch einen Kurs für Keramik, bei dem lernte ich mich wie neu zu fühlen, ich lebte wieder, ich spürte wieder Leben in mir, eins ergab das andere- dann kam ein furchtbarer Crash, auch dieser Zusammenbruch brachte etwas Altes zum Einstürzen und half mit, mich zu lösen von einem Muster, das nicht gut war.
Alles zusammen war eigentlich, wie wenn ein Konstrukt sich auflöste, um einem neuen Leben Platz zu schaffen.
Das war nicht von mir so geplant, das ergab sich irgendwie ab einem Moment, wo ich um Hilfe gebeten habe, damals zu diesem Heilpraktiker ging...?? Ich beschwerte mich damals oft, aber getan hat sich erst etwas, als ich zum Handeln ansetzte, statt zu Klagen. Taten zählen....nun hast du deine Freundin angerufen, das war eine Tat, eine Handlung. Vom Wunsch zur Verwirklichung... eigene Initiative.. liegts an dem?
Viele klagen und tun nichts, daher bleibts gleich.

Übrigens, habe ich das nun schon erwähnt, auch mir wurden Schrauben in den Kopf gebohrt, zwei in die Stirn, zwei in den Hinterkopf, um den Halofixateur zu befestigen, der meinen Halswirbelbruch damals stützen musste- gleichzeitig saß ich wegen zertrümmertem Bein im Rollstuhl, das war heftig...konnte Monatelang nur halbsitzend schlafen..Hals und Beinbruch, ggg, das sagt man ja oft, wenn man jemanden Glück wünscht. Das gabs damals auch, zwei Jahre nach dem anderen Crash, mir wurde auch da von allen Seiten geholfen, sogar mein Ex zog wieder für eine Weile ein, um mich zu unterstützen.
Heute wandere ich stundenlang herum in der Bergwelt, alles ist wieder gut. Oder sagen wir, was auch immer nicht gut ist, das wird ignoriert, angesichts dieser vorigen "Härtefälle" nehme ich das weniger Gute als Klacks hin...heute... weil ich so dankbar bin, rein deshalb, weil ich nicht vom Hals weg gelähmt wurde, wie von den Ärzten angenommen zuerst, weil ich noch lebe, das alles ist einfach das, was ich sehr, sehr schätze jetzt.
Danke, dass du mir das erzählt hast. Gerade deine Geschichte mit dem Halofixateur macht mir tatsächlich etwas Mut, auch wenn ich selbst davor gerade wirklich große Angst habe. Bei mir soll der Halo ja für die Traktion vor der großen Wirbelsäulen-OP eingesetzt werden und allein der Gedanke an die Schrauben im Kopf macht mir ziemlich Angst.

Wie war das Einsetzen bei dir? Hat das sehr wehgetan? Und wie war es danach mit dem Halo – Schmerzen, Schlafen, Waschen und einfach dieses Gefühl, die Schrauben die ganze Zeit im Kopf zu haben? Gewöhnt man sich daran irgendwann ein bisschen? Und sind Narben zurückgeblieben?

Auch vor der Zeit danach und der OP selbst habe ich große Angst und frage mich oft, wie ich das alles schaffen soll. Deshalb tut es mir gerade wirklich gut zu lesen, dass du nach so einer heftigen Zeit heute wieder stundenlang wandern kannst. Danke, dass du mir davon erzählt hast.
 
Ich hatte heute das Meeting bei der Krankenkasse und fand es ehrlich gesagt nicht so toll. Aber nicht wegen mir – ich finde tatsächlich, dass ich das trotz meiner Ängste überraschend gut gemacht habe und bin ziemlich zufrieden mit mir, wenn man bedenkt, dass mir sprechen Angst macht.

Was ich schwierig fand, war deren Umgang mit Inklusion. Sie werben damit, aber bei mir kam davon wenig an. Schon als ich gesagt habe, dass ich einen Arbeitgeber suche, der den Mut hat, mich aus der Werkstatt heraus auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu begleiten und zu fördern, kam ziemlich abweisend: „Ja, da muss man dann mal schauen, ob das überhaupt geht.“ Auch als ich am Ende nach ihren Erfahrungen mit schwerbehinderten Azubis gefragt habe, war die Reaktion ähnlich: Das könne man so gar nicht beantworten, es gäbe gute und aber auch viele schlechte Fälle usw.

Ich fand das irgendwie seltsam, weil sie bei den anderen Teilnehmern viel offener reagiert hat. Die waren alle zwischen 15 und 20, teilweise waren die Eltern dabei, manche hatten wesentlich höhere Abschlüsse oder sogar schon ein Studium. Das tut manchmal schon weh. Ich bin mit 33 teilweise auf einem ähnlichen Stand, weil andere Menschen mir Dinge angetan haben, deren Folgen ich bis heute tragen muss. Nicht weil ich den anderen irgendwas nicht gönne. Aber dass man dann wegen genau dieser Folgen wieder irgendwie sozial aussortiert wird, macht mich schon wütend.

Den Eignungstest habe ich zugeschickt bekommen und werde ihn wohl auch machen. Aber mittlerweile denke ich: Eigentlich möchte ich dort sowieso nicht arbeiten. Trotzdem war es die Erfahrung wert. Und ich glaube, genau diese Erkenntnis stärkt mich gerade sogar ein bisschen. Ich muss nicht alles annehmen. Ich darf genauso schauen, ob ein Arbeitgeber wirklich Interesse an mir hat und ob ich mich dort überhaupt wohlfühle.

Ansonsten ist es bei mir gerade sehr schwankend. Solange ich mich ablenke, geht es meistens besser, und auch mein Psychiater hilft mir sehr. Aber sobald es ruhig wird und ich merke, da ist gerade niemand und ich bin allein, fängt mein Kopf wieder an zu rattern und dann geht es mir schnell schlechter. Ich mache mir weiterhin große Sorgen wegen meines Rückens. Mein Hausarzt macht sich ebenfalls Sorgen und inzwischen auch wegen meines Gewichts. Ich habe durch den ganzen Stress wohl zu viel abgenommen und muss langsam wirklich aufpassen. Das versuche ich gerade auch als Signal zu nehmen, wieder mehr auf mich zu achten und mehr für mich zu tun. Generell ist es schwieriger nach dem Magenbypass mit dem Essen also für viele. Es ist nicht so, dass ich jetzt nicht essen möchte oder kein Genuss empfinde, aber es tut häufig weh wenn das Essen rutscht. Ich überlege deshalb nochmal ins Adipositaszentrum zu gehen, wenn alles etwas ruhiger ist.

Gestern waren wir schwimmen und in der Sauna. Das tat wirklich gut. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass es mir diesmal viel schwerer fiel als sonst, dort vollkommen runterzukommen. Mein Kopf ist einfach permanent am Denken, weil gerade so viel los ist.

Und dann ist da momentan noch mein Partner. Er ist leider immer weniger wirklich anwesend und zockt zunehmend mehr. Die letzten Tage haben wir deshalb auch öfter gestritten, weil er teilweise sogar weiterspielt, während ich ihm etwas erzählen möchte, und nicht mal eine Sekunde davon wegschaut. Gleichzeitig macht er viel im Haushalt und kümmert sich um vieles. Ich weiß deshalb selbst nicht so richtig, wie ich das einordnen soll. Aber mir fehlt gerade einfach jemand, der mit mir redet. Der mir wirklich zuhört, mit dem ich auch mal tiefgründigere Gespräche führen kann und bei dem ich das Gefühl habe, dass wir zusammen durch diese Zeit gehen. Gerade jetzt fehlt mir das sehr und macht mich ziemlich traurig.
 
allein der Gedanke an die Schrauben im Kopf macht mir ziemlich Angst.

Hatte ich auch, noch dazu meinte der Chirurg, ich habe das noch nie gemacht, als er ansetzte...

Ich habe alles gelöscht, was ich dir erzählen wollte- erstens, meine Geschichte ist eine andere- der Halswirbel verrutschte beim Bruch, ich war fünf Wochen im künstlichen Tiefschlaf, während dieser Zeit verknorpelte der Wirbel und ist nur an einem Eck jetzt zusammengewachsen, das wollte man korrigieren mit dem Halofixateur in einem anderen Krankenhaus... bei meiner Erstversorgung soll viel schief gelaufen sein, unter anderem war der Gips am Bein zu eng, es gab beinahe eine Amputation, es gab einen Dekubitus am Hinterkopf und etliche Wochen weitere Aufenthalte in verschiedenen Krankenhäusern, wegen der Schäden, die zusätzlich auftauchten.
Mir selber war das nicht bewusst zu dieser Zeit, ich erlebte das irgendwie wie im Halbschlaf und war zu dieser Zeit gerade furchtbar verliebt, das sedierte mich komplett, der Unfall passierte auf der Fahrt zu meiner Fernliebe damals. Bei so vielen Glückshormonen im Blut ist alles leicht erträglich.
 

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