Trolliver!
Vielen Dank für Dein posting.
Genau so ist es.
Ich bemühe mich wirklich, alles mögliche zu verstehen, auch wenn meine Bedürfnisse oder Ansichten andere sind.
Und ich verkneife mir ein: wieso machst Du das und das nicht so und so.
Ich versuche mich hineinzuversetzen und weiß, dass es nichts bringt, wenn ich in Situation x, wenn es mich gerade nach dürstet, dies vom anderen zu verlangen.
Wenn ich etwas möchte, versuche ich, zuerst einmal bei mir zu überlegen, wie ICH das umsetzen kann. Ich sage nicht zum anderen: das ist Dein Part. Zumal die Einschätzung meiner zeitlichen Ressourcen einfach lächerlich ist.
Missverständnisse... ich hatte dieses Wort eher ad hoc gebraucht. Missverständnisse aber gerade auf der Kommunikationsebene.
Ich frage ja nach. Frage: „meinst Du das jetzt als Vorwurf?“ Oder: „ich empfinde das und das als verletzend.“
Und was geschieht? Eben nichts, womit man produktiv weiterarbeiten könnte. Kein: „ach so, ich meinte es aber so und so.“
Nein, es folgen erneute (in meinen Augen) „Vorwürfe“ in der Art: „immer fühlst Du Dich angegriffen. Immer siehst Du so etwas als Vorwurf. Darf ich nicht einfach sagen, was mir nicht passt?“
Aber ich habe auch schon mit anderen Leuten darüber gesprochen. Und wie er Dinge ausdrückt, kommen sie als Vorwürde rüber. „Nie kommst Du einfach spontan vorbei, immer musst Du planen“.
Ich bin aber nun erstens so ein Typ, zweitens habe ich schon oft die Erfahrung gemacht, dass es gut ist, wenn ich plane, weil ich nämlich sonst gar nichts von ihm hätte, weil in der Woche dies und das ansteht. Und ich allein zu Hause sitzen würde.
Zum anderen empfinde ich es als Freiheit jedes einzelnen, ob man nun diese Strecke (ja, fast 400km) zurücklegen möchte, um einen Abend miteinander zu verbringen oder eben nicht. Ich kann ja auch nicht einfach vom anderen etwas verlangen (es geht nicht ums bitten), was er eben als unsinnig betrachtet.
Ich bemühe mich derart.
Am Anfang haben wir uns so gestritten. Ein Wort gab das andere. Über Kleinigkeiten. Sicher die ersten zwei Jahre.
Und immer schon hat er sein Empfinden auf mich übertragen und wollte, dass ich so agiere, wie er es (theoretisch) tun würde.
Wenn ich aber sage, ich würde in einer Situation auf eine bestimmte Weise reagieren, wieso er es nicht täte, dann weißt er mich durchaus darauf hin, dass er eben nicht ich sei.
Deeskalierend, damit meine ich, dass ich eben nicht sage, was mir auf der Zunge liegt, weil ich weiß, was darauf folgert.
Ich bemühe mich, mein Muster zu durchbrechen, obwohl ich generell auch aufbrausend bin. Und wütend werde.
Jetzt meist nicht mehr, wie ein zahnloser Löse.
Ich sage nur noch das, in solchen Situationen, von dem ich glaube, dass es nicht noch mehr provoziert – und das obwohl ich gar nicht mit diesen Dingen anfange. Er steigert sich in schöner Regelmäßigkeit in diese Vermissen-Geschichte hinein.
Meist geht es darum, dass er sich sexuell unbefriedigt fühle. Und da muß ich ehrlich sagen, ich bin doch keine... na ja. Du weißt...
Er sagt immer, er sehe nicht ein, wieso seine sexuellen Bedürfnisse weniger wiegen würde, als mein Kommunikationsbedarf.
Und dabei sprechen wir für meine Bedürfnisse zu wenig (es ist wirklich nicht viel, hat sich stark dezimiert)- sprich, ich wäre de facto auch unbefriedigt. Das zählt aber alles nicht.
Was sollte zur Beschwichtigung beitragen?
Ich bemühe mich ja, zu beschwichtigen. Liefere keine Vorlage.
Erst, wenn gar nichts mehr geht, sage ich, dass es mir nicht paßt, und – da wären wir wieder beim Eingangsthema meines postings – dass es nicht funktioniert. Daß ich traurig bin.
Nur nützt mir das nichts.
Ich kann dann nicht schlafen, bin fix und fertig, müde, hilflos, zukunftsberaubt.
Und dennoch bin ich zu blöd, die verdammten Konsequenzen zu ziehen.
Ich komme mir schon nicht mehr normal vor.
Du schreibst, man könne das Gespräch verschieben... schön wär´s.
Es gibt hier, wie so oft, nur zwei Varianten.
Die eine ist, es tut ihm alles leid (wenn ich bei ihm bin), es war eine Momentaufnahme, es ist mit ihm durchgegangen, Überreaktion usw.
Die andere ist, er wird wütend, beharrt darauf, dass auch heute noch so und genauso zu empfinden. Ich sei die, die die Probleme in die Beziehung bringt und: Alles wäre anders, lebten wir zusammen.
Gerade aus diesen (und anderen) Erfahrungen heraus bin ich aber der Ansicht, dass es eben nicht funktionieren würde, wenn wir zusammen leben würden. Wie regi schon schrieb, das gibt ja noch mal Stoff für Unstimmigkeiten. Vor allem, wenn man jemanden (wie ich ihn) als sehr dominant und auf seinen Dingen beharrend, auf der anderen Seite aber streitunfähig und kommunikationsmüde empfinde.
Das abgefahrene ist, dass ich sonst das Alpha Tier bin.
Ich bin auch dominant. Ich bin auch stur.
Nur hier komme ich nicht dagegen an.
Ich fühle mich wirklich total hilflos (kann einfach kein anderes Wort finden), bemühe mich, etwas „devoter“ zu sein. Aber nichts klappt.
Ich denke, es würde gut harmonieren, wenn man mir das Gehirn rausnehmen und einen Sex- und Minimalkommunikationschip einsetzen würde.
Wenn ich mich auf ihn einstellen, die Dinge so machen würde, wie er sie braucht und weniger eigene Ansprüche hätte, die (in all der Zeit) sowieso nicht erfüllt wurden (“wenn wir zusammen wohnen würden...“), dann würde es funktionieren.
Die Frauen von Stepford lassen grüßen...
Das ist doch traurig, oder?
Ich auf jeden Fall bin es.
Danke Dir!
Frida