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Trennung nach über 10 Jahren: Habe ich richtig entschieden? (Es geht nicht vor und nicht zurück)

Southstar89

Mitglied
Teil 1/5

Hallo liebe Forenmitglieder,

ich bin hier nicht ganz neu, ich lese seit 15 Jahren mit und war auch schon einmal angemeldet. Ich möchte mit euch ein Problem besprechen, welches wohl einer der größten Einschnitte in meinem bisherigen Leben war. Es könnte etwas länger werden, deswegen schon einmal danke für eure Zeit.

Ich habe mich im August 2025 von meiner Frau getrennt, wir nennen sie hier Lara. Wir sind beide Mitte/Ende 30 und waren 11 Jahre ein Paar.
Um das Ganze zu verstehen, muss ich euch einen Einblick in unsere Beziehung geben. 11 Jahre sind nicht wenig, deshalb werde ich ein wenig chronologisch vorgehen und Randinformationen ergänzen.

Aufgrund der Länge muss ich fünf Teile erstellen, gerne könnt ihr eure Antworten so verfassen, dass ihr auch auf Teil 1/2.... bezieht.

2014

Wir lernten uns 2014 kennen. Ich war sofort von ihr verzaubert und unser Anfang war klassisch romantisch und schön. Sie ist zwei Jahre älter als ich und eröffnete mir, dass ich ihr erster Freund bin. Zu diesem Zeitpunkt war ich 24 und sie 27 Jahre alt. Das wunderte mich etwas, da sie eine bildschöne und lustige Frau war, aber ich dachte nicht weiter darüber nach.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt meine erste „richtige Beziehung“ hinter mir, in der ich knapp zwei Jahre mit einer Frau zusammengelebt hatte. Diese Beziehung war zu diesem Zeitpunkt seit knapp einem Jahr beendet.

Lara lud mich ein, sie abends zu besuchen. Das war der Abend, an dem ich quasi nie wieder gegangen bin. Ich war fast jeden Tag bei ihr. Meine eigene Wohnung behielt ich aus Angst, dass es nicht funktioniert, aber noch ein Jahr parallel.
Am Anfang war alles harmonisch. Wir lachten viel, fühlten uns gut, und natürlich war da die rosarote Brille. Im Nachhinein gab es aber Anzeichen, die ich ignoriert habe.

Nach ein paar Monaten kam es zu einer ersten Meinungsverschiedenheit. Nichts Wildes. Ich wollte mit ihr darüber reden. Sie legte sich einfach ins Bett, drehte sich von mir weg, sprach kein Wort und ignorierte mich. Wenn ich mit ihr reden wollte oder sie anschaute, drehte sie sich erneut weg. Ich wusste damals nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich fragte oft nach, dachte, ich hätte falsch reagiert oder wäre unfair gewesen.

Ihr müsst wissen: Ich komme aus einem „Schreihaushalt“. Mein Vater hat meine Mutter und uns Kinder oft angeschrien. Deshalb bin ich bei Konflikten ruhig und sachlich, ich kann Geschrei nicht haben.

Dieses Verhalten zog sich in ähnlichem Stil durch unsere gesamte Beziehung. Es gab keinen zielführenden Dialog in Konfliktsituationen. Ich sprach, sie starrte an die Wand oder aus dem Fenster, ignorierte mich und ich führte ein Gespräch mit mir selbst. Danach wurde ich oft Stunden oder Tage ignoriert. Mir wurde Nähe und Liebe entzogen und das führte dazu, dass ich mich schlecht fühlte. Ich sah mich als Täter und sie als Opfer. Schlussendlich entschuldigte ich mich, egal ob ich in meinen Augen schuld war oder nicht, und tat alles, um „den Frieden“ wiederherzustellen.

Das gelang aber immer nur kurz und immer nur dann, wenn ich ihr etwas schenkte oder wir Urlaube und Kurztrips machten. Dann war sie für kurze Zeit glücklich und gab mir wieder etwas Liebe und Nähe.
Schlussendlich führte das dazu, dass ich in diesen 11 Jahren massive Konsumschulden (ca. 90.000 €) aufbaute, die ich jetzt noch die nächsten 5–7 Jahre abbezahlen werde.

Zur Klarstellung: Sie hat mich nie aktiv um Geld gebeten. Sie hat nie gesagt, dass ich ihr etwas kaufen soll. Als sie mich kennenlernte, hatte ich gerade meine Ausbildung abgeschlossen und verdiente 1.200 € netto. Sie hat sich also nicht aktiv nach einem „Goldesel“ umgesehen. Im Verlauf der Jahre bildete ich mich weiter und verdiente entsprechend mehr. Sie hat sich allerdings nie für unsere Finanzen interessiert. Sie äußerte eher Wünsche oder sagte, dass sie etwas schön findet. Und wenn es ihr schlecht ging oder ich den „Frieden“ wiederherstellen wollte, bin ich los und habe Wünsche erfüllt, um sie einmal kurz lächeln zu sehen.

Es ist also meine eigene Schuld, dass ich finanziell so dastehe wie heute.
 
Teil 2/5

2016


2016 sind wir in unsere erste gemeinsame Wohnung gezogen. Ab da fingen die Probleme richtig an. Lara hatte ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter und ihrem Bruder. Durch eine Situation kam es zum Bruch, der Kontakt zur gesamten Familie wurde abgebrochen. Ihr Vater bezog keine Stellung und auch der Kontakt zu ihm brach ab. Ab diesem Zeitpunkt hatte sie nur noch Kontakt zu ihrer Oma, zu der sie ein sehr inniges Verhältnis pflegte.
Auch der Kontakt zu Freunden wurde minimiert und letztendlich abgebrochen. Ab diesem Zeitpunkt wurde auch meine Familie immer mehr ignoriert. Ich war derjenige, der versuchte, das Band zu halten.

Einmal kam ich von der Arbeit nach Hause und Lara lag im Bett und weinte. Sie sagte, sie wolle ein Kind haben, weil sie „etwas zum Liebhaben will“.

Dass das nicht die normale Art ist, mit seinem Partner einen Kinderwunsch zu besprechen, kam mir nicht in den Sinn. Auch dass sie vorher immer sagte, sie wolle keine Kinder, machte mich nicht nachdenklich. Stattdessen fuhr ich los, holte einen Verlobungsring und machte ihr einen Antrag, um ihr zu zeigen, dass ich das Thema Familie angehen möchte. Dazu bildete ich mich nebenberuflich weiter, um eine Grundlage zu schaffen, und fing an, mich im Job hochzuarbeiten.

2016–2019


In diesen Jahren ging es komplett bergab. Laras Unzufriedenheit wurde immer größer. Dazu kam der Rückschlag, dass wir keine bzw. nur unter sehr schwierigen Bedingungen Kinder bekommen können. Dieses Thema hat uns gespalten. Sie wollte aus meiner Sicht auch ein Kind, um dazuzugehören, sich mit anderen vergleichen zu können und eigene Themen zu kompensieren.


Wir haben uns nie richtig zusammengesetzt und wie erwachsene Menschen über dieses Thema gesprochen. Leider musste ich immer den Part einnehmen und uns in den Realismus zurückholen: dass ein Kind in eine stabile Partnerschaft geboren werden sollte, bei Menschen, die stabil sind. Dass wir keine Rücklagen haben. Dass ihre Wünsche wie Eigenheim, Urlaub, Lebensstandard und ein Kind gleichzeitig nicht realisierbar sind. Dazu kamen die Kosten für eine künstliche Befruchtung und die psychische Belastung, wenn es nicht klappt. Die Chancen waren sehr gering. Dieses Thema zog sich bis zuletzt wie ein roter Faden durch alles.
Schlussendlich war sie unzufrieden mit unserer Wohnung, also zogen wir um.

 

Teil 3/5

2019–2023


Auch in der neuen Wohnung setzte sich alles fort. Ich versuchte immer wieder mit ihr zu sprechen, wollte helfen, doch je mehr ich tat, desto schlimmer wurde es. Ich bat sie mehrfach, Therapien zu machen und sich helfen zu lassen. Sie wurden teils begonnen und dann abrupt abgebrochen.

Typische Aussagen von ihr waren:

"Ich mag die Therapeutin nicht."
"Das hat eh keinen Sinn."
"Das bringt mir nichts."

Medikamente wurden eigenständig abgesetzt oder falsch eingenommen.

In dieser Zeit bekam ich massive gesundheitliche Probleme. Ich litt unter anfallsartigem Herzrasen und Herzstolpern, vor allem nachts. Das ging so weit, dass ich mehrfach ins Krankenhaus kam und schließlich eine Herzablation durchgeführt wurde. Danach hatte ich lange Probleme mit Schwäche und Kreislauf. Noch heute läuft mein Herz in manchen Zeiten nicht richtig. Mittlerweile glaube ich, dass viel davon auch psychisch bedingt ist.

In dieser Zeit hätte ich ihre Unterstützung wirklich gebraucht, bekam sie aber nicht. Ich hatte sogar das Gefühl, ich sei ihr lästig, sobald ich nicht funktionierte.

In der Corona-Pandemie verstarb dann ihre Oma. Das hat ihr noch einmal einen massiven Schlag versetzt. Sie liebte ihre Oma aufrichtig, aber der Kontakt war in den letzten 1 bis 2 Jahren sehr anstrengend. Die Oma machte ihr oft ein schlechtes Gewissen, weil Lara nicht zwei Mal pro Woche ins eine Stunde entfernte Heim fahren konnte. Wir hatten uns in den letzten Jahren vor ihrem Tod viel um sie gekümmert. Ihre Oma übte viel emotionalen Druck aus, was alles toxisch machte. Ich verstand mich mit ihr immer gut, ließ mich aber nicht auf diese Spielchen ein. Die beiden hatten eine komplizierte Beziehung.

Auch der Kontakt zu meiner eigenen Familie wurde schlussendlich gemieden. Meine Schwester wurde ein rotes Tuch, denn sie hatte ein Haus, ein stabiles Leben, Kinder und Geld. Ebenso wurden Freunde, die mehr hatten oder Kinder hatten, zu stillen Feindbildern. Auch Arbeitskollegen. Ich traute mich sogar kaum, ihr von der zweiten Schwangerschaft meiner Schwester zu erzählen. Einer meiner besten Freunde hat in den letzten Jahren zwei Kinder bekommen. Das weiß sie bis heute nicht, weil ich irgendwann alle Trigger fernhielt, um Ruhe zu haben.

Auch in dieser neuen Wohnung fühlte sich Lara irgendwann nicht mehr wohl und drängte auf einen weiteren Umzug, obwohl ich sagte, dass es kein guter Zeitpunkt sei. Ich schloss 2021 meine Weiterbildung ab und wir zogen 2023 um.

2023–2025


Ich sagte Lara, dass dieser Umzug das Letzte meiner Kraft und unserer Ressourcen verbraucht hat. Dass sich jetzt Dinge ändern müssen. Dass wir hier zur Ruhe kommen müssen. Dass wir unseren Neuanfang hier starten. Ich sagte ihr, dass ich erschöpft bin und von ihr auch einmal Unterstützung brauche. Ich wünschte mir Liebe, Wärme, Nähe und ein Miteinander. Ich sagte ihr, dass wir Probleme gemeinsam angehen müssen und uns zusammenraufen sollen.

Sie stimmte zu und eine Zeit lang wurde es etwas besser. Wir heirateten schließlich noch 2023. Ich dachte, wenn wir unsere Liebe auf dieser Ebene besiegeln, wird alles besser. So war es aber nicht. Es wurde schlimmer als jemals zuvor. Ihre Unzufriedenheit mit sich und der Welt wurde größer.
Wenn ich nach Hause kam, wurde ich nicht mehr begrüßt. Wenn wir zusammensaßen, war ihr Handy wichtiger als ich. Es ging nur noch um sie und nur noch in Formulierungen wie: "Ich möchte...".

2024 wechselte ich meinen Job, um im Homeoffice arbeiten zu können. Dadurch wollte ich mehr für sie da sein. Davor arbeitete ich oft 10 bis 12 Stunden am Tag. Sie arbeitete Teilzeit, da sie durch Endometriose schnell erschöpft ist. Sie machte den Haushalt größtenteils alleine. Als ich ins Homeoffice wechselte, unterstützte ich sie, indem ich einkaufte, kochte und den Garten machte.

Irgendwann sagte sie, dass sie mich weniger liebt. Es stand sogar mehrfach die Frage im Raum, ob sie sich eine eigene Wohnung suchen solle. Ich verneinte das immer. Irgendwann zog ich mich selbst zurück. Ich suchte keine Nähe mehr, wurde schnippisch, blieb abends bis 22 oder 23 Uhr im Büro, bis sie schlafen ging.

Sex und körperliche Nähe strauchelten schon seit Jahren und gab es nur noch, wenn sie es wollte. Irgendwann hatte ich auch keine Lust mehr, sie auf Abruf in den Arm zu nehmen, nur weil sie es gerade brauchte.

Zum Jahreswechsel 2025 begann sie erneut mit Themen wie den Nachbarn, dem Wunsch ländlicher zu wohnen, Unzufriedenheit mit allem. Es wurde wieder aufgewärmt. Ich merkte, dass ich nicht mehr konnte und auch nicht mehr wollte. Ich sagte es ihr auch. Ich ging nochmals los, um mich bezüglich des Kinderwunschs untersuchen zu lassen und bei mir wurde Azoospermie festgestellt. Ab da wurde es noch schlimmer. Später sagte sie, dass sie sehr wütend auf mich gewesen sei, weil ich ihr indirekt ihren Kinderwunsch zerstört hätte. Ihre Frauenärztin habe ihr früher gesagt, sie könne Kinder bekommen. Für sie war es meine Schuld.

 

Teil 4/5

2025 Trennung – 2026 heute


Wir haben ja schon jahrelang aneinander vorbeigelebt. Ich bin alleine zu allen Events und Treffen gegangen, egal ob Freunde oder Familie. Ich war mit meinen Problemen alleine und bekam zusätzlich ihre dazu. Die ganzen Jahre drehte sich mein Leben darum, ihr gerecht zu werden. Sie missachtete ständig meine Grenzen. Für mich fühlte es sich an, als wäre ihr egal, was ich wollte. Nichts war gut genug. Egal was ich tat, ich reichte nicht. Das Gefühl, nicht zu genügen, wurde ein ständiger Begleiter.

Irgendwann brach ich aus und sagte ihr alles. Ihre Antwort war wieder, dass sie mich weniger liebt. Das war der Punkt, an dem ich sagte, dass ich mich trennen werde. Ich packte meinen Koffer und ging. Sie sagte, sie wolle die Trennung nicht, aber für mich war es zu spät.

In den ersten Wochen und Monaten musste ich mich wüsten Beschimpfungen der übelsten Art aussetzen. Ich wäre ein Versager, ich hätte mich einfach verpisst, ich würde es mir leicht machen. Ich hätte sie im Stich gelassen und würde alles leichtfertig wegwerfen. Die ganzen Gespräche, die ich mit ihr geführt habe (vielmehr mit mir selbst), schienen vergessen. Die ganzen Chancen, die ich gegeben habe, wurden nicht gesehen. Dass ich jahrelang getragen, gehalten, gehofft und geliebt habe, schien keine Bedeutung zu haben. Sie forderte eine weitere Chance ein, weil ich es ihr schuldig sei.

Das alles hat mich sehr getriggert und es ging mir extrem schlecht.
Ich musste die Frau verlassen, die ich über alles geliebt habe, weil ich erkannt habe, dass Liebe allein nicht reicht. Dass wir beide kaputt gehen, wenn wir zusammenbleiben. Und dass ich bereits kaputt bin.

Ihre Worte trafen mich. Ich fühlte mich wie ein illoyaler Versager, der seine kranke und schwache Frau zurücklässt, weil er es nicht mehr schafft. Der Satz „Ich habe versagt“ kreiste oft in meinem Kopf.
Irgendwann wurde es wellenartig. Sie schrieb mir freundlich, versuchte mich in die Wohnung zu locken, nutzte unsere Katzen als Vorwand, um Schuld zu erzeugen. Sie schickte mir über WhatsApp extrem emotionale Botschaften. Ich merkte, dass sie sehr genau wusste, was bei mir funktioniert und was mich aktiviert. Im Nachhinein schockiert mich das.

Es gab auch indirekte Botschaften mit Inhalten wie „Ich will nicht mehr sein“. Auf diesen Teil kann ich hier nicht näher eingehen, er ist für mich immer noch sehr belastend. Aber bis heute sitzt der Gedanke in mir: „Was, wenn sie sich etwas antut? Dann bin ich schuld.“

Ich reduzierte den Kontakt und sie begann sich langsam zu bewegen. Sie geht nun zur Therapie (leider erst einmal im Monat), knüpft wieder Kontakte, nimmt ihre Medikamente, ist allgemein aktiver und hat mehr Stunden im Job übernommen. Dieser Prozess hat fast sechs Monate gedauert. Ich habe die Wohnung weiter bezahlt, während ich seit einem halben Jahr in einem einzelnen Zimmer lebe, weil ich mir keine eigene Wohnung leisten kann. Ich wollte ihr keinen Druck machen, da sie genug Baustellen hat.

Leider hat diese Veränderung den Beigeschmack, dass sie es für mich tut und nicht für sich. Sie hat noch nicht verstanden, dass sie diese Dinge für sich tun muss.
Auf einmal ist nun alles möglich, was ich jahrelang vermisst habe.

Sie will Kontakt zu meiner Familie und zu Freunden aufbauen.
Sie will Filme schauen, die ich mag. Früher hasste sie fast alles, was ich geschaut habe, inklusive meiner Musik.
Sie will mit mir an Intimitäten arbeiten. Die letzten 7 bis 8 Jahre war Sexualität nur noch Pflichtübung und das hat man gemerkt.
Der Kinderwunsch besteht nicht mehr. Sie hat nun verstanden, was es damit auf sich hat.

Laut ihrer Aussagen sei nun alles möglich. Sie sei ein anderer Mensch. Sie wolle sich um mich kümmern. Alles sei denkbar.
Natürlich macht das etwas mit mir. Es löst den Impuls aus, es noch einmal zu versuchen. Aber es gibt eine Stimme in mir, die sagt: „Lass es. Es war zu viel. Du bist nicht mehr derselbe.“

Und so ist es. Sie würde sich monatelang bemühen und ich wäre der König. Aber genau das will ich nicht. Eine Bindung auf Augenhöhe ist für mich nicht möglich. Ihre Themen, die sie schon vorher hatte, verschwinden nicht in ein paar Monaten. Ich bin nicht mehr bereit, jahrelang durch einen Prozess zu gehen. Jahrelang habe ich darum gebeten, etwas zu ändern, aber als ich noch da war, war es nicht wichtig. Jetzt, wo ich gehe, ist auf einmal alles möglich. Ich glaube ihr sogar, dass sich etwas in ihr bewegt, aber ich empfinde es als unfair, dass es so spät platziert wird.

Dazu habe ich immer noch den Impuls, sie zu retten, weil ich diese Rolle jahrelang hatte. Ich verliere ja nicht nur meine Ehefrau, sondern einen Lebensabschnitt, meine beste Freundin, mein Zuhause, alles, was wir aufgebaut haben, unsere Tiere und am schlimmsten: Lara als Mensch.

Auch ich habe Fehler gemacht. Ich war vermutlich zu viel weg und habe sehr viel gearbeitet, um uns eine Grundlage zu schaffen. Oft wollte ich Probleme lösen, anstatt einfach zuzuhören. Ich habe keine Grenzen gesetzt, als ich sie hätte setzen müssen. Wäre ich früher gegangen, hätte es vielleicht eine Chance gegeben. Ich fühlte mich aber machtlos. Ich war jung, als ich in diese Beziehung ging. In Zeiten der Frustration war ich auch nicht nett zu ihr und verlor Geduld.

Sie hat mir viel beigebracht und mich in manchen Bereichen zu einem besseren Menschen gemacht. Wir hatten viele gemeinsame Interessen und haben viele schöne Dinge erlebt. Sie hat tolle Eigenschaften und Talente und ich bewundere sie auf mehreren Ebenen. Sie ist die schönste Frau, die ich jemals gesehen habe, und sie wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Lara ist meine große Liebe, aber ich kann nicht mit ihr leben und das schmerzt sehr.
Ich konnte bei ihr in vieler Hinsicht nicht ich selbst sein. Ich musste mich viel verbiegen. Sie hat vieles in meinem Leben verpasst, weil sie kein Teil davon sein wollte. Ich hätte mir immer gewünscht, dass sie überall an meiner Seite ist.

Jeder, der von dieser Geschichte weiß, sagt mir, dass es richtig war, mich zu lösen. Ich bin einerseits erleichtert, andererseits fühle ich mich miserabel. Lara sagt selbst, sie hätte nicht geglaubt, dass ich gehe. Sie hat mich nicht ernst genommen.
Sie sagt auch, ich müsse bedenken, dass es ihre erste Beziehung war. Sie schickt auch ihre Krankheiten vor (nicht diagnostiziert außer Depression). Ein Großteil ihrer Zeit hat sie damit verbracht, negatives Verhalten zu rechtfertigen durch Sätze wie:

"Du weißt, dass ich auch Zeichen von Autismus habe?"
"Dir ist schon klar, dass ich Borderline habe?"
"Du weißt schon, was meine Eltern früher mit mir gemacht haben?"

Negatives Verhalten wurde stets darüber gerechtfertigt. Verantwortung wurde nicht übernommen. Jetzt sei es angeblich anders.

Für mich sind solche Aussagen keine Rechtfertigung, einen Menschen, den man liebt, jahrelang schlecht zu behandeln. Alles, was sie aktuell fühlt, wie Einsamkeit, Verlustangst, Liebeskummer und Ohnmacht, hatte ich jahrelang, während sie neben mir saß.
Sie sagt, ich habe sie im Stich gelassen. Aber sie hat mich schon vor Jahren hängen lassen und sieht es nicht.

Nicht vor und nicht zurück

Dieser Teil fällt mir schwer. Ich fühle mich dadurch wie ein schlechter Mensch.

Ein paar Wochen nach der Trennung traf ich zufällig eine alte Bekannte wieder. Wir verabredeten uns auf einen Kaffee. Sie hatte eine 14-jährige Beziehung hinter sich, in ähnlichem Stil. Sie ist seit drei Jahren getrennt, hatte danach eine kurze Beziehung und war seitdem allein mit ihren Kindern. Früher mochten wir uns, aber nicht in Richtung Romantik. Dieses Mal war es anders. Wir fühlten uns zueinander hingezogen und trafen uns oft. Es gab keine rosa Brille. Es war offen und ehrlich. Wir können miteinander sprechen, wir können wir selbst sein, wir wissen, dass nicht alles leicht ist. Wir haben ähnliche Sichtweisen, sind uns aber auch unserer Unterschiede bewusst. Wir sind uns nähergekommen und es fühlte sich schön an. Sie weiß über meine Situation Bescheid, hat keine Erwartungshaltung und beeinflusst mich nicht. Sie selbst ist damals noch einmal zu ihrem Exmann zurückgegangen und hat nach drei Monaten gemerkt, dass nichts wie vorher war.

Ich weiß nicht, wann ich mich zuletzt gleichzeitig so gut und so schlecht gefühlt habe. Es fühlt sich wie Verrat an und als hätte ich nicht das Recht, mich gut zu fühlen.
Ein paar Monate vor Lara hatte ich etwas mit einer anderen Frau. Sie war sehr lieb zu mir, alles hat gepasst, aber ich habe sie weggestoßen. Es war zu schön, um wahr zu sein.

Immer wenn ich es hätte leicht haben können, habe ich mich selbst sabotiert. Keine Ahnung warum. Die Ursache liegt wahrscheinlich tiefer. Ich hatte immer Partnerinnen mit markanten Verhaltensmustern.
Selbiges fühle ich jetzt. Es ist ständig in meinem Kopf, dass ich nicht so fühlen darf. Dass ich die Person, die mir gerade guttut, nicht in meinem Leben haben darf. Dass ich Lara helfen muss, weil sie mich braucht.

Gleichzeitig möchte ich den anderen Pfad gehen und mutig, vielleicht egoistisch handeln.
Ich schäme mich, Gefühle für zwei Menschen gleichzeitig zu haben. Ich habe das nie verstanden und bei anderen verurteilt. Niemals hätte ich gedacht, dass mir das passieren kann.

Das meine ich mit nicht vor und nicht zurück können.

Diese Zerrissenheit kommt jetzt stärker, wo die anfängliche Wut immer mehr abnimmt. Ich weiß nicht genau, wer ich gerade bin und wohin ich will. Aber ich spüre, dass ich Veränderung brauche.

Wenn es jemand bis hier geschafft hat: Danke.
 
Teil 5/5

Fragen an euch


• Wie kann man Schuldgefühle einordnen, wenn man eine Beziehung aus Erschöpfung und Selbstschutz beendet?
• Was ist eure Erfahrung damit, wenn ein Partner erst nach der Trennung zu Veränderungen bereit ist?
• Kann eine Beziehung nach einem solchen Muster überhaupt wieder auf Augenhöhe funktionieren?
• Ist eine Rückkehr in solche Dynamiken realistisch oder eher eine romantische Illusion?
• Wie unterscheidet man zwischen echter Veränderung und Verlustangst-bedingter Anpassung?
• Wer von euch ist aus einer sehr langen Beziehung gegangen, obwohl Liebe noch da war? Wie ging es euch danach?
• Wer ist zurück zu seinem alten Partner gegangen und wie hat es sich entwickelt?
• Wer hat es bewusst nicht getan und warum?
• Wer hat nach einer schweren Beziehung erstmals eine leichte, gesunde Nähe erlebt? Wie seid ihr damit umgegangen?
• Hat jemand von euch sich nach einer Trennung zu jemand anderem hingezogen gefühlt und gleichzeitig Schuld empfunden?
• Wie lange hat es gedauert, bis ihr euch innerlich frei gefühlt habt?
• Darf man wieder glücklich sein, auch wenn der ehemalige Partner darunter leidet?
• Ab welchem Punkt hat man genug getan?
• Wie habt ihr euch von der Rolle des Rettens gelöst?
• Muss man warten, bis der Ex stabil ist, oder darf man seinen Teil der Verantwortung zurückgeben?
• War es falsch zu gehen, obwohl Liebe da war?
 
Ich verliere ja nicht nur meine Ehefrau, sondern einen Lebensabschnitt, meine beste Freundin, mein Zuhause, alles, was wir aufgebaut haben, unsere Tiere und am schlimmsten: Lara als Mensch.

Echte Freunde interessieren sich für dich, wann hat Lara das getan?
Du warst doch nur ihr Bedürfnisbefriediger, "ich möchte ..."

Ich pick mir mal ein paar Fragen raus:
• Was ist eure Erfahrung damit, wenn ein Partner erst nach der Trennung zu Veränderungen bereit ist?
Dann war es vorher nicht wichtig genug. Du warst ja da und hast dich gekümmert. Wie es dir dabei ging, war ihr ziemlich egal.

• Kann eine Beziehung nach einem solchen Muster überhaupt wieder auf Augenhöhe funktionieren?
War das denn jemals wirklich auf Augenhöhe? Bei Problemen hat sie dich doch immer auflaufen lassen.

• Ist eine Rückkehr in solche Dynamiken realistisch oder eher eine romantische Illusion?
Die Dynamik wäre ganz schnell wieder da und du wieder unglücklich. Ganz unromantisch.

• Wie unterscheidet man zwischen echter Veränderung und Verlustangst-bedingter Anpassung?
Es war ihr vorher scheißegal und sobald du wieder da wärst, bestimmt auch bald wieder.

• Wer ist zurück zu seinem alten Partner gegangen und wie hat es sich entwickelt?
Ich hatte mal so ein On/Off-Ding, nichts hat sich geändert und wir waren in kürzester Zeit wieder am selben Punkt (da waren wir aber beide dran schuld).

• Darf man wieder glücklich sein, auch wenn der ehemalige Partner darunter leidet?
Ja. Deine Ex leidet ja nicht darunter, dass du als Person nicht mehr da bist, sondern an der fehlenden Rundumversorgung.

• Ab welchem Punkt hat man genug getan?
Du hast schon viel zu viel getan und es wurde nicht geschätzt.

• Muss man warten, bis der Ex stabil ist, oder darf man seinen Teil der Verantwortung zurückgeben?
Nein, muss man nicht, sie ist ein erwachsener Mensch und kann sich um sich selbst kümmern.

• War es falsch zu gehen, obwohl Liebe da war?
Ist es wirklich Liebe, wenn man bleibt, sich bemüht und endlos kümmert, obwohl so wenig zurückkommt?

Du brauchst keine Schuldgefühle zu haben, du hast genug Energie reingesteckt, aber man keine Beziehung führen, wenn sich nur einer bemüht.

Dass ich die Person, die mir gerade guttut, nicht in meinem Leben haben darf.
Doch, das darfst du.
 
Bist du sicher, dass es Liebe ist, die du für Lara empfindest?
Sie hat dich nicht gut behandelt, dich abgewiesen, immer darauf bedacht, ihre eigenen Wünsche erfüllt zu bekommen.

Du hast dir ihre Zuneigung versucht, zu erkaufen mit Geschenken und dem Erfüllen ihrer Wünsche und hast dich dabei finanziell übernommen. Selbst das hat nichts an ihrem Verhalten geändert. Du bist über diese Beziehung/Ehe krank geworden und warst nicht glücklich.
Was braucht es noch für dich, um endgültig einen Punkt zu setzen?

Du bist nicht mehr verantwortlich für sie, du hast sehr viel versucht und bist bis an deine Grenzen gegangen. Die hättest du besser ihr gesetzt.

Jetzt möchte sie alles anders und besser machen. Das wird nicht lange fruchten, wenn du ihr wieder ihren Wunsch erfüllst.

Du hast ein Recht auf deine physische und psychische Gesundheit, auf ein zufriedenes Leben und auch auf eine neue Partnerschaft. Letztere solltest du nur intensivieren, wenn du mit Lara endgültig abgeschlossen hast. Ein schlechtes Gewissen solltest du nicht haben müssen, wenn du dabei bist, dein Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Du hast jedes Recht dazu.
 
Ich glaube du hast in all den Jahren sehr viel mehr getan, als die meisten anderen in deiner Situation getan hätten. Leider wurde es aber null wertgeschätzt sondern eher noch ausgenutzt.

Mir scheint Lara nicht wirklich beziehungsfähig zu sein und das hat sich schon sehr früh gezeigt.

Was überhaupt liebst du denn an dieser Frau? Was macht sie liebenswert?

Meiner Meinung nach solltest du bei deiner Entscheidung bleiben und nicht zurück in diese Beziehung. Dafür ist schon viel zu viel vorgefallen und viel zu viele Chancen, etwas zu ändern, wurden von deiner Frau nicht genutzt. Ziehe einen Schlussstrich und denke endlich mal an dich. Du hast jedes Recht der Welt, glücklich zu sein.
 
Hallo Southstar89,
Ich bin eigentlich gern Eine die sich frauensolidarisch zeigt, aber nachdem ich deine lange Geschichte eurer Beziehung gelesen habe, sind meine Sympathien eindeutig auf deiner Seite.
Du bist ein sehr reflektierter Mensch, und versuchst ständig immer gute Gegebenheiten zu schaffen, also für euch beide, und sah die ganze Zeit wenig Wertschätzung von ihr für dich, und dein Tun.
Sie will dich jetzt nicht verlieren, Beziehungen zu beenden ist auch zumeist nie wirklich schön, auch wenn man nicht mehr kann, oder sie jetzt merkt, daß du dich wichtig nimmst, und sie halt auch sich vor diesem endgültigen Verlust scheut.
Man verliert immer etwas und das ist eben auch traurig.
So wie du es beschreibst hast du ingesamt keine Energie mehr, und deshalb würde ich dir raten Abstand zu schaffen um wieder zu Kräften zu kommen, ich glaube du brauchst sehr viel Abstand von ihr, was schon allein deine viele Energie zeigt die du beim Schreiben investiert hast.
Es dreht sich sehr, sehr viel in deinem Leben um sie, und man merkt beim Lesen, wie es dir immer mehr Energie raubt, und nimmt, bist du eben so erschöpft bist wie du es jetzt bist.
Natürlich kann dir niemand sagen was du tun sollst, weil du ja für dich entscheidest, aber etwas in dir ist auf Distanz gegangen, weil du wahrscheinlich das Gefühl hast, daß du völlig untergehst wenn es so weiter läuft.
Diese Gefühle würde ich sehr ernst nehmen. Ich würde mir irgendwie eine Auszeit nehmen, wo du wieder etwas im Leben findest, was dir Freude macht, und du wieder ein Mensch bist, der alleine stehen kann, und keine so komische Symbiose, die dich völlig aufzulösen scheint...das wünsche ich dir.
Vielleicht auch mal eine psychologische Anlaufstelle für dich selber in Anspruch nehmen oder ähnliches?
Ich dachte auch lange Zeit ich kann eine Liebesbeziehung in eine Freundschaft umwandeln, und es hat lange gedauert, bis ich dann doch merkte, auch dies geht nicht, und ich finde es auch immer noch traurig einerseits, aber da ich auch traurige Gefühle zulassen kann, und es auch immer wieder dann nur zu gleichen Schallplattenartigen Dialogen kam zwischen uns und die Liebe eben gestorben, war ich irgendwann froh, einen Schlußstrich gezogen zu haben.
Da gibt es ein neues Lied von Luna, wo sie die Trennung einer Liebe beschreibt, und singt es ist besser so, und dann auch: Mir gehts jetzt besser so!
 
• Wie kann man Schuldgefühle einordnen, wenn man eine Beziehung aus Erschöpfung und Selbstschutz beendet?
Du brauchst keien zu habne, hast eh viel zu viel gemacht. Warum hast du dich so aufgeopfert?
• Was ist eure Erfahrung damit, wenn ein Partner erst nach der Trennung zu Veränderungen bereit ist?
zu spät, zumindest, wenn es eine derartige Vorgeschichte gibt. Die Frage hätte sich in der Bezeihung vor Jahren ergeben sollen
• Kann eine Beziehung nach einem solchen Muster überhaupt wieder auf Augenhöhe funktionieren?
Nein
• Ist eine Rückkehr in solche Dynamiken realistisch oder eher eine romantische Illusion?
Illusion. Du setzt diese Frau noch heute auf einen Thron. Da gehört sie nicht hin, so wie sie dich behandelt hat
• Wie unterscheidet man zwischen echter Veränderung und Verlustangst-bedingter Anpassung?
Spielt keine Rolle
• Wer von euch ist aus einer sehr langen Beziehung gegangen, obwohl Liebe noch da war? Wie ging es euch danach?
Schlecht. Musste dennoch sein.
• Wer ist zurück zu seinem alten Partner gegangen und wie hat es sich entwickelt?
Wir versuchen es gerade. Kann man nicht vergleichen. Weil die Trennung gerade erst ausgesprochen wurde. Wir allerdings nur einen Bruchteil der Problem hatte, die ihr hattet
• Wer hat nach einer schweren Beziehung erstmals eine leichte, gesunde Nähe erlebt? Wie seid ihr damit umgegangen?
Verstehe ich nicht
• Hat jemand von euch sich nach einer Trennung zu jemand anderem hingezogen gefühlt und gleichzeitig Schuld empfunden?
Ja
• Wie lange hat es gedauert, bis ihr euch innerlich frei gefühlt habt?
Jahre
• Darf man wieder glücklich sein, auch wenn der ehemalige Partner darunter leidet?
Ja
• Ab welchem Punkt hat man genug getan?
Muss jeder für sich selbst entscheiden. Du wurdest jedoch ausgenutzt in allen Bereichen. Du hast bereits viele zu viel getan.
• Wie habt ihr euch von der Rolle des Rettens gelöst?
War ich nie
• Muss man warten, bis der Ex stabil ist, oder darf man seinen Teil der Verantwortung zurückgeben?
Nein
• War es falsch zu gehen, obwohl Liebe da war?
Kann das Liebe gewesen sein oder warst du so eine Hilfefuzzi, der sich daraus irgendwas Positives rausziehen konnte?
 

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