Ich bin mir ziemlich sicher,dass diese Fragen durchaus ihren Sinn hatten, auch wenn sie dir sinnlos vorgekommen sind. Ich bin kein Psychologe, aber ich könnte mir vorstellen, dass z.B. die Wahl des Sitzplatzes durchaus als Spiegelbild dessen gewertet wird, wo du dich selbst in der Gesellschaft einordnest. Sowas wie "Wer sich einen Platz ganz am Rand sucht, der möchte eher der außenstehende Beobachter des Geschehens sein.". Ich habe letztes Jahr eine stationäre Akuttherapie in einer Klinik gemacht (auch wegen Depressionen), wo solche Verhaltensweisen genau analysiert wurden. Das fing bei der Sitzplatzwahl bei Gruppentherapien an...das wurde bei jeder Sitzung genau festgehalten, ob sich jemand unbewusst als Teil der Gruppe sah, indem er sich mitten zwischen die anderen Teilnehmer hockte oder sich eher abseits hinsetzte. Auch bei sowas wie der "Ausdruckstherapie" wurde man genau beobachtet. Da sollte man tatsächlich Bilder malen, wie es einem gerade geht und es wurde beispielsweise festgehalten, ob man erst länger drüber nachdenkt, wie es einem geht oder ob man sich dessen sofort bewusst ist und man daher sofort losmalt. Auch in der Freizeit stand man unter Beobachtung: sucht man den Kontakt zu den Mitpatienten oder sitzt man lieber alleine usw.. "Verwurstet" wurde das Ganze dann in den Einzelgesprächen mit dem Psychologen.
Letztendlich muss man sich von einer Sache schnell verabschieden: Von dem Gedanken, nach Abschluss der Therapie als "geheilt" entlassen zu werden. Eher sollte man die Therapie als "Hilfe zur Selbsthilfe" sehen,d.h. man kriegt Tips, wie man selbst besser mit seinen Problemen über die Runden kommt und sie dadurch vielleicht früher oder später überwindet. Mir persönlich hat die Therapie in erster Linie dahingehend geholfen, selbst zu verstehen, warum ich mich in bestimmten Situationen immer gleich verhalte und dass gewisse Reaktionen mitnichten irgendwas mit Miesmacherei zu tun haben (was Depressionspatienten gerne mal von ihrem Umfeld angedichtet wird), sondern ganz natürliche Schutzreaktionen der Psyche sind. Eins muss ich auch ganz offen eingestehen: Wenn man sieht, mit welchen Problemen andere Leute in die Klinik gehen und sich Hilfe suchen, dann merkt man, dass es wohl nicht falsch war, sich selbst ebenfalls Hilfe zu holen.