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Todesstrafe

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Kann ich mir nicht vorstellen, weil ja oftmals das Motiv eines Mordes gar nicht eindeutig definierbar ist. Außerdem muß man ja in langen Zeiträumen denken.
 

Hallo mikenull,

schau mal hier: Todesstrafe. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Doch - falls man Täter therapieren will, muss man bei Sexualmorden ja schon anders vorgehen als bei Raubmorden, und ich denke, dass in jedem Mordprozess ein Gutachter zugezogen wird, weil die Motive ja auch für die Höhe des Straf-Masses ausschlaggebend sind.

Naja, wir kennen keine solche statistische Differenzierung, es wird sie aber geben. Gehört aber nicht mehr zum eigentlichen Thema Todesstrafe. Und da bin ich der Hoffnung, dass das Rad der Zeit in der EU nicht mehr auf so etwas archaisches und sinnloses noch dazu zurückgedreht wird.

Peter
 
[SIZE=+2]Die Wahrheit – und nichts als die Wahrheit?[/SIZE]
Untersuchungen des amerikanischen Todesstrafensystems enthüllen immer wieder, dass viele Staatsanwälte weit mehr daran interessiert sind, die Verurteilung eines Angeklagten um jeden Preis zu erwirken – selbst die Verurteilung zum Tode – als sich an die Wahrheit und an die Gesetze zu halten. Ob ein Angeklagter schuldig oder unschuldig ist, spielt dabei kaum eine Rolle. Amerikas "Kampf gegen das Verbrechen" entwickelt sich immer mehr zu einem Kampf gegen die Rechte seiner Bürger. Eine dunkle Seite des Rechtssystems sind Staatsanwälte, die betrügen, die "Beweise" erfinden und die den Gerichten ganz bewusst gefälschte Beweismittel oder Falschaussagen von Zeugen präsentieren. Andere halten entlastende oder sogar eindeutige Unschuldsbeweise von den Gerichten und den Geschworenen fern.
Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 wurden 102* Unschuldige aus Amerikas Todestrakten entlassen. Dass bereits Unschuldige hingerichtet wurden, wird inzwischen selbst von Richtern des Obersten Gerichtshofs der USA nicht mehr angezweifelt. Noch immer setzen sich Anti-Todesstrafengruppen, Rechtsanwälte, Menschenrechtsorganisationen, Familienmitglieder und Freunde für Verurteilte ein, die stets ihre Unschuld beteuerten, aber dennoch zum Teil bereits vor Jahren auf dem elektrischen Stuhl, in der Gaskammer oder durch die Giftspritze starben. Wieviele Unschuldige tatsächlich bereits hingerichtet wurden, kann wohl niemand genau sagen, da viele Verurteilte nicht die Möglichkeit oder einfach nicht mehr die Zeit hatten, ihre Unschuld zu beweisen, bevor der Staat sie tötete.

Wilbert Lee und Freddie Pitts wurden gemeinsam beschuldigt, zwei Männer ermordet zu haben, obwohl keine direkten Beweise vorlagen, die sie mit der Tat in Verbindung brachten. Die beiden beteuerten ihre Unschuld, aber dennoch verurteilte Florida sie zum Tode aufgrund der Aussage eines angeblichen Augenzeugen. Zwölf Jahre später wurden die beiden wieder in die Freiheit entlassen, nachdem der wahre Täter die Morde gestand und der Staatsanwalt zugeben musste, dass er entlastende Beweise zurückgehalten hatte.
Charles Fain verbrachte 18 Jahre unschuldig im Todestrakt von Idaho, verurteilt wegen angeblicher Entführung, sexueller Belästigung und Ertränken eines 9-jährigen Mädchens. Ein Gerichtsmediziner des FBI sagte aus, dass ein Haar, das an der Kleidung des Opfers gefunden wurde, von Charles Fain stammen könnte. Ein nach Jahren durchgeführter DNA-Test bewies jedoch, dass es sich nicht um sein Haar handelte. Damit erwies sich auch die Aussage eines Zeugen des Staatsanwalts als Lüge, der behauptet hatte, Fain hätte ihm gegenüber den Mord gestanden.
Peter Limone sollte auf Massachusetts' elektrischem Stuhl sterben, wurde jedoch 33 Jahre nach seiner Verurteilung wieder in die Freiheit entlassen. Der Staatsanwalt ließ einen angeblichen Zeugen vor Gericht aussagen, der später zugab, den größten Teil seiner Aussage gegen Peter Limone frei erfunden zu haben.
Unter den Schlägen der Polizei gestand der obdachlose Ronald Jones, eine Frau vergewaltigt und ermordet zu haben. Bevor die Geschworenen von Illinois ihn zum Tode verurteilten, beschrieb der Staatsanwalt ihn als einen "kaltblütigen, brutalen V***", der "das Tageslicht nie wieder sehen sollte". Zehn Jahre später bewies ein DNA-Test Jones' Unschuld.
Curtis Kyles wurde in Louisiana zum Tode verurteilt. Erst 14 Jahre später erlangte er seine Freiheit wieder, nachdem sich herausstellte, dass der Staatsanwalt Kyles' Anwalt und den Geschworenen entlastende Beweise vorenthalten und ihnen verschwiegen hatte, dass seine den Angeklagten belastenden Informationen von einem bezahlten Informanten stammten, der vermutlich sogar selbst der wahre Täter war.
Der Bundesstaat Texas klagte Ricardo Aldape Guerra des Mordes an einem Polizeibeamten an und verurteilte ihn zum Tode. Sämtliche Beweise gegen ihn waren erfunden. Mit den Worten, das Vorgehen der Polizei und Staatsanwaltschaft sei "empörend, absichtlich und böswillig" gewesen, hob Richter Kenneth Hoyt das Todesurteil 15 Jahre später auf und Guerra wurde in die Freiheit entlassen.
Verneal Jimerson verbrachte 11 Jahre unschuldig im Todestrakt von Illinois. Um seine Verurteilung zu erwirken, nutzte der Staatsanwalt die Aussage einer geistig zurückgebliebenen Frau, die verschiedene Versionen des angeblichen Tathergangs erzählte, Verneal Jimerson anfänglich jedoch nie erwähnte. Sie widerrief später alle ihre Aussagen und gab zu, dass die Polizei sie gezwungen hatte, zu lügen.
Nach 10 Jahren im Todestrakt von Oklahoma sah das Gericht Adolph Munsons Unschuld schließlich als erwiesen an. Auch in seinem Fall hatte der Staatsanwalt entlastende Beweise bewusst zurückgehalten. Außerdem hatte der Staat die "Expertenmeinung" des Gerichtsmediziners Dr. Ralph Erdmann hinzugezogen, der wegen wiederholter Falschaussagen bereits traurige Berühmtheit erlangt hatte. Dr. Erdmann wurde schließlich wegen Missinterpretationen in sieben weiteren Fällen selbst verurteilt und ihm wurde seine Lizenz entzogen.
Es gab keine direkten Beweise, die Joseph Burrows mit der Ermordung eines Mannes in Verbindung brachten. Nach 5 Jahren wurde er aus dem Todestrakt von Illinois entlassen, nachdem zwei Hauptzeugen des Staatsanwalts ihre Aussagen zurückzogen und einer der beiden sogar zugab, den Mord begangen zu haben, für den Joseph Burrows nach Ansicht des Staatsanwalts sterben sollte.
Auch der 16-jährige schwarze Johnny Ross gestand unter den Misshandlungen durch Louisianas Polizei die Ermordung einer Weißen. Sechs Jahre später bewies ein Bluttest seine Unschuld.
Walter McMillian verbrachte 5 Jahre unschuldig in Alabamas Todestrakt. Der Staatsanwalt präsentierte dem Gericht drei Zeugen, die McMillian belasteten; die Aussagen mehrerer Alibizeugen wurden von den Geschworenen ignoriert. Schließlich recherchierten Reporter der Fernsehshow "60 Minutes" den Fall und enthüllten, dass alle drei Belastungszeugen Meineid geleistet hatten und der Staatsanwalt den Geschworenen zudem noch entlastende Beweise vorenthalten hatte.
Sechs Jahre nach seiner Verurteilung wegen Mordes wurde Jesse Keith Brown aus dem Todestrakt von South Carolina entlassen. Der wahre Mörder war der Belastungszeuge, dessen Aussage der Staatsanwalt genutzt hatte, um das Todesurteil gegen Jesse Brown zu erwirken.
[SIZE=-1]Quelle: Death Penalty Information Center/National Association of Criminal Defense Lawyers[/SIZE]
 
Doch - falls man Täter therapieren will, muss man bei Sexualmorden ja schon anders vorgehen als bei Raubmorden, und ich denke, dass in jedem Mordprozess ein Gutachter zugezogen wird, weil die Motive ja auch für die Höhe des Straf-Masses ausschlaggebend sind.

Naja, wir kennen keine solche statistische Differenzierung, es wird sie aber geben. Gehört aber nicht mehr zum eigentlichen Thema Todesstrafe. Und da bin ich der Hoffnung, dass das Rad der Zeit in der EU nicht mehr auf so etwas archaisches und sinnloses noch dazu zurückgedreht wird.

Peter
eben und diese differenzierung kann eben nicht gegebn werden wenn man angehörigen und betroffenen mitspracherecht zuspricht
 
Angehörige und Betroffene können hier als Zeugen bei Gericht auftreten, aber doch nicht als Schöffen. So eine Bananenrepublik sind wir nicht, und drohen es auch nicht zu werden.

Peter

PS: rei - ich will deutsche Staatsanwälte nicht mit amerikanischen vergleichen. Machtgeilheit sollte jedenfalls kein Kriterium für so einen Job sein - ob und wie da geprüft wird, bevor jemand dazu berufen wird, kann ich nicht abschätzen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Warum ich zwar gegen die Todesstrafe, aber auch gegen die Freilassung von Tätern, die Kinderseelen gemordet haben bin, könnt ihr hier im Forum selbst nachlesen, sofern ihr den Thread nicht schon kennt. Solche Täter zu therapieren halte ich für ausgeschlossen.

Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Was mich an der amerikanischen Todesstrafe neben den Verurteilungen Unschuldiger am meisten stört ist die Tatsache, dass man in Amerika in einigen Staaten vom Grundstückgseigentümer völlig legal erschossen werden darf, wenn man dessen Grundstück ohne Genehmigung betritt, wobei es egal ist, ob man das absichtlich oder unabsichtlich getan hat. Ich halte dieses Rechtssystem allgemein schlichtweg für pervers. Da wird völlig willkürlich gemordet und getötet, aber auf der anderen Seite Mord mit Mord beantwortet...
 
Vorab, ich bin NICHT für eine Einführung der Todesstrafe. Aber ich möchte denjenigen, die hier so sachlich klar und in ihren Augen so wahnsinnig eindeutig argumentieren, was vor Augen halten.
Das Statistiken eben auch "nur" Statistiken sind. Und das man jedes Argument von zwei Seiten betrachten kann.



Hier sei eine kleine Berichtigung angebracht:
Bei Mord gibt es eine Rückfallquote von 2%.....
Wenn man also alle verurteilten Mörder "für immer" einsperren würde, wären darunter 98% die nicht wieder rückfällig werden.

Warum sperrt man denn dann die Mörder überhaupt ein, wenn sie eh nicht rückfällig werden? Welchen Sinn hat das dann?
Wie lange muss denn jemand eingesperrt sein, um nicht mehr rückfällig zu werden? Kann man das messen?
Wäre es dann überhaupt nötig, diese Menschen 15 Jahre einzusperren?

Beruht unser Gesetzeskatalog mit den jeweiligen Strafmaßnahmen tatsächlich auf dem Hintergrund, wie lange es dauert, bis jemand nicht mehr rückfällig wird??

Die einzigen Menschen, die immer zum Tode verurteilt werden sind arm, Mitglieder von Minderheiten, geistig krank oder geistig behindert.

Dieses Argument wird ja sehr oft vorgetragen. Aber ich finde es als Argument gegen die Todesstrafe total unbrauchbar.
Denn es lässt sich ohne weiteres übertragen auf andere Strafe, die in jenem Lande ausgesprochen. Auch dort trifft es vermehrt (es sind im Übrigen nicht die Einzigen, auch reiche, weiße Menschen werden hingerichtet) die Minderheiten, die Schwächeren, die Ärmeren - nicht nur bei der Todesstrafe.
Das Argument müsste also sein, das Verfahren der Verurteilungen INSGESAMT fairer zu gestalten.
Oder ist es okay, wenn arme, schwarze Menschen 10 Jahre in den Knast gehen, während der reiche, weiße wegen seinem guten Anwalt für dieselbe Tat Bewährung bekommt?

Nein, also das hat nix mit der Todesstrafe an sich zu tun. Wenn ich jemanden verurteile, dann darf ich zwar seinen Background berücksichtigen, aber eben nicht sein Portmonee oder seine Hautfarbe.


Die Häftlinge mit ihren 18 und 2o Jahren Todeszelle
saßen übrigens unschuldig !!!!

Ja, das kommt vor. Ist das wirklich ein Argument, eine Strafe zu verbieten?? Weil es vorkommen kann, dass jemand zu Unrecht dort sitzt?
Dann dürften wir niemanden mehr in den Knast schicken, denn auch dort sitzen LEute zu Unrecht. Was ist mit denen? Denen wird auch ihr Leben versaut.
So, jetzt kommt sicher das Argument, aber für eine Haft kann man entschädigt werden, aber der Tod ist unwiderruflich.
Aber das sind dann diejenigen, die auf der anderen Seite argumentieren, dass eine lebenslange Haft ja viel wirkungsvoller sei als die Erlösung durch den Tod. Also ist dann vielleicht sogar schlimmer, jemand unschuldig für mehrere Jahre in den Knast zu schicken, weil er sein ganzes Leben drunter leidet, als ihn einfach zu erlösen??

Das ist jetzt alles sehr provokant - und eigentlich will ich auch keine Antworten drauf, die diese Argumente widerlegen. Denn die gibt es natürlich. Und dann könnte man die nächsten 20 Seiten philosophisch Argumente hin und her schieben, die einen aber nicht weiter bringen...

Mir geht es darum, dass es nicht um die Entscheidung "Todesstrafe" ja oder nein gehen kann. Weil das nicht das Problem ist. Die Zahl derer, die tatsächlich getötet werden, ist vergleichsweise sehr gering.

Das Problem ist doch, dass wir was in der Gesellschaft verbessern müssen:

- Prävention von Gewalttaten
... Aufklärung, Angebote für Pädophile (wie in der Charite), Betreuung von Familien, Unterstützungsangebote in Städten, etc.
- Verbesserung des Justizsystems
... ich halte unser System noch für besser als das in Amerika, aber auch hier kann man sicher einiges verbessern. Auch hier hat der soziale Status teilweise was mit dem Strafmaß zu tun. Hier läuft aber auch noch vieles schief, was den Umgang mit potentiellen Opfern betrifft (die einen verurteilen sehr schnell, die anderen nehmen das Opfer nicht ernst). Und ich denke, dass hier auch an den jeweiligen Strafen überlegt und verbessert werden sollte.
- Schutz
... ich denke, es ist eine Sache zu sagen, ein Straftäter erhält nochmal eine Chance. Es ist aber eine andere Sache zu überlegen, wie man eine solche Chance gestaltet und wie man Schutzmöglichkeiten und Sicherheit organisiert. Das erscheint mir teilweise doch unzureichend. Wenn ich einen Straftäter habe, der bereits Kinder sexuell missbraucht hat, dann kann er ja frei kommen, aber eben mit strengen, harten Auflagen - z.B. eine Fußfessel, mit der kontrolliert werden kann. Da sollte man kreativer werden...


Sori
 
Eigentlich müsstest Du jetzt von einer Dunkelziffer sprechen, um eine Statistik "unbrauchbar" oder zumindest anrüchig zu machen, nicht wahr? Das geht bei Morden aus verständlichen Gründen aber nicht, leider.
Was also soll der Hinweis auf die "andere Seite der Statistik"? Was ist diese andere Seite???

Man sperrt Mörder ein, weil es Haftstrafen gibt. ( Ja, so einfach ist die Welt manchmal! ) Lebenslänglich ist die Haftstrafe für Mord. ( und keineswegs "15 Jahre" ) Nach 15 Jahren kann zum erstenmal geprüft werden, ob der Täter noch eine Gefährdung für die Allgemeinheit darstellt und eventuell auf Bewährung entlassen werden kann. Ich glaube die durchschnittliche Haftzeit der Mörder beträgt knapp 20 Jahre. Strafen haben offenkundig nichts mit der Rückfälligkeitsquote zu tun. Sonst müßte jeder Rotlichtsünder lebenslang bekommen. Denn da scheint die Rückfallquote extrem hoch.
Ich denke mir aber, das sich kluge Köpfe mit diesem Aspekt befasst haben und dies mit der Veränderung des Menschen über eine lange Zeitspanne zu tun haben wird.

Zum anderen ist es völlig klar, und wurde auch hier schon stistisch niedergelegt, das in den USA der Anteil der Hingerichteten an Farbigen um vieles größer ist als ihr Anteil an der Bevölkerung. Und zu der "relativ" wenigen Zahl der Hingerichteten kam gestern Abend eine stabile Zahl:
Allein in China wurden in den letzten Jahren jedes Jahr gut 10 000 Menschen hingerichtet. Im letzten Jahr haben es die Chinesen auf "nur" 8000 reduziert.
 
Allein in China wurden in den letzten Jahren jedes Jahr gut 10 000 Menschen hingerichtet. Im letzten Jahr haben es die Chinesen auf "nur" 8000 reduziert.

Vielleicht ist die Nachfrage nach Spenderorganen rückläufig!

Dank der neuen Gentechnologie, wo man ja Organe im Reagenzglas züchtet.
 
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