Vorab, ich bin NICHT für eine Einführung der Todesstrafe. Aber ich möchte denjenigen, die hier so sachlich klar und in ihren Augen so wahnsinnig eindeutig argumentieren, was vor Augen halten.
Das Statistiken eben auch "nur" Statistiken sind. Und das man jedes Argument von zwei Seiten betrachten kann.
Hier sei eine kleine Berichtigung angebracht:
Bei Mord gibt es eine Rückfallquote von 2%.....
Wenn man also alle verurteilten Mörder "für immer" einsperren würde, wären darunter 98% die nicht wieder rückfällig werden.
Warum sperrt man denn dann die Mörder überhaupt ein, wenn sie eh nicht rückfällig werden? Welchen Sinn hat das dann?
Wie lange muss denn jemand eingesperrt sein, um nicht mehr rückfällig zu werden? Kann man das messen?
Wäre es dann überhaupt nötig, diese Menschen 15 Jahre einzusperren?
Beruht unser Gesetzeskatalog mit den jeweiligen Strafmaßnahmen tatsächlich auf dem Hintergrund, wie lange es dauert, bis jemand nicht mehr rückfällig wird??
Die einzigen Menschen, die immer zum Tode verurteilt werden sind arm, Mitglieder von Minderheiten, geistig krank oder geistig behindert.
Dieses Argument wird ja sehr oft vorgetragen. Aber ich finde es als Argument gegen die Todesstrafe total unbrauchbar.
Denn es lässt sich ohne weiteres übertragen auf andere Strafe, die in jenem Lande ausgesprochen. Auch dort trifft es vermehrt (es sind im Übrigen nicht die Einzigen, auch reiche, weiße Menschen werden hingerichtet) die Minderheiten, die Schwächeren, die Ärmeren - nicht nur bei der Todesstrafe.
Das Argument müsste also sein, das Verfahren der Verurteilungen INSGESAMT fairer zu gestalten.
Oder ist es okay, wenn arme, schwarze Menschen 10 Jahre in den Knast gehen, während der reiche, weiße wegen seinem guten Anwalt für dieselbe Tat Bewährung bekommt?
Nein, also das hat nix mit der Todesstrafe an sich zu tun. Wenn ich jemanden verurteile, dann darf ich zwar seinen Background berücksichtigen, aber eben nicht sein Portmonee oder seine Hautfarbe.
Die Häftlinge mit ihren 18 und 2o Jahren Todeszelle
saßen übrigens unschuldig !!!!
Ja, das kommt vor. Ist das wirklich ein Argument, eine Strafe zu verbieten?? Weil es vorkommen kann, dass jemand zu Unrecht dort sitzt?
Dann dürften wir niemanden mehr in den Knast schicken, denn auch dort sitzen LEute zu Unrecht. Was ist mit denen? Denen wird auch ihr Leben versaut.
So, jetzt kommt sicher das Argument, aber für eine Haft kann man entschädigt werden, aber der Tod ist unwiderruflich.
Aber das sind dann diejenigen, die auf der anderen Seite argumentieren, dass eine lebenslange Haft ja viel wirkungsvoller sei als die Erlösung durch den Tod. Also ist dann vielleicht sogar schlimmer, jemand unschuldig für mehrere Jahre in den Knast zu schicken, weil er sein ganzes Leben drunter leidet, als ihn einfach zu erlösen??
Das ist jetzt alles sehr provokant - und eigentlich will ich auch keine Antworten drauf, die diese Argumente widerlegen. Denn die gibt es natürlich. Und dann könnte man die nächsten 20 Seiten philosophisch Argumente hin und her schieben, die einen aber nicht weiter bringen...
Mir geht es darum, dass es nicht um die Entscheidung "Todesstrafe" ja oder nein gehen kann. Weil das nicht das Problem ist. Die Zahl derer, die tatsächlich getötet werden, ist vergleichsweise sehr gering.
Das Problem ist doch, dass wir was in der Gesellschaft verbessern müssen:
- Prävention von Gewalttaten
... Aufklärung, Angebote für Pädophile (wie in der Charite), Betreuung von Familien, Unterstützungsangebote in Städten, etc.
- Verbesserung des Justizsystems
... ich halte unser System noch für besser als das in Amerika, aber auch hier kann man sicher einiges verbessern. Auch hier hat der soziale Status teilweise was mit dem Strafmaß zu tun. Hier läuft aber auch noch vieles schief, was den Umgang mit potentiellen Opfern betrifft (die einen verurteilen sehr schnell, die anderen nehmen das Opfer nicht ernst). Und ich denke, dass hier auch an den jeweiligen Strafen überlegt und verbessert werden sollte.
- Schutz
... ich denke, es ist eine Sache zu sagen, ein Straftäter erhält nochmal eine Chance. Es ist aber eine andere Sache zu überlegen, wie man eine solche Chance gestaltet und wie man Schutzmöglichkeiten und Sicherheit organisiert. Das erscheint mir teilweise doch unzureichend. Wenn ich einen Straftäter habe, der bereits Kinder sexuell missbraucht hat, dann kann er ja frei kommen, aber eben mit strengen, harten Auflagen - z.B. eine Fußfessel, mit der kontrolliert werden kann. Da sollte man kreativer werden...
Sori