Ich finde es ungewöhnlich, daß das Thema Nacktheit für Dich als Theaterschauspielerin so eine Bedeutung hat, daß du es bisher vermieden hast. Und es Dir auch wichtig ist, daß Dein Körper gut aussieht dabei. Und Dich niemand sieht, der Dich kennt.
Ich kenne das eher so, daß die meisten - gerade auch die vorwiegend an Theatern arbeitenden - Schauspieler ihren Körper egal ob bekleidet oder unbekleidet, egal ob hübsch oder häßlich hergerichtet in erster Linie als Handwerkszeug sehen, das sie für ihr Spiel einsetzen und das sie der Regie anvertrauen.
Sehe ich auch so.
Allerdings gibt es auch den dahingehenden Missbrauch von Regisseuren, die persönliche Lage der Schauspieler ausnutzend, "Nein zu sagen". In einer Situation der Arbeitslosigkeit ist etwas anderes, als in einer Lage der finanziellen Stärke.
Das sollte es nicht geben, jeder müsste sich ohne Druck des Geldes entscheiden können.
Schau einfach mal, was so bei Dir und Deiner Einstellung zu Deinem Körper und Deinem Handwerk geschieht durch die nackte Darstellung. Vielleicht wird das ja eine interessante Erfahrung für Dich.
Womit du jedoch jetzt unterschwellig andeutest, dass seine Einstellung zum Körper nahezu zwangsläufig mit sich bringen müsste, sich als Schauspieler nackt zu zeigen?
Ich denke da verwechselst du, sich die Würde eines Menschen wahren, mit dem vermeintlichen Zwang eines Schauspielers zum Exhibitionismus.
Ich warte nur noch auf den Tag, wo die alljährliche penetrante Oldykiste "Dinner for one", Miss Sophie zum Abschluss, nackt versteht sich, in der Kiste mit Butler James, zeigen wird.
Und unter dem tosenden Beifall und Anfeuerungsrufen des Publikums, zu James hauchen wird, der dem Herzinfarkt allerdings recht nahe erscheint: "The same procedure as every year, James!"
Dinner for one, ok, doch Dinner ohne, no! 🙂
Ich finde Nacktheit auf der Bühne übrigens völlig unspektakulär und in keinster Weise erwähnenswert. Der Schauspieler ist da ja nicht privat, sondern agiert im Sinne des Stückes.
Ja richtig, wobei sich halt die Frage stellt, inwieweit es notwendig ist, einen Voyeurismus zu befriedigen.
Wer meint mit Nacktheit als Regisseur zu punkten, der irrt.
Ich habe selbst schon eine Szene inszeniert, in der die Nacktheit des Schauspielers und die unmittelbare auch räumlich nahe Konfrontation der Zuschauer mit dieser Nacktheit aus meiner Sicht als Regisseurin absolut erforderlich war (der Kaiser ohne Kleider). Ich hätte mich gewundert, wenn der Schauspieler das anders gesehen hätte.