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Suche nach der Mutter

Lieber grisou,
Dein Leben ist ungewöhnlich. Du hast ein schwieriges Schicksal in diesem Leben. Die größten Seelen suchen sich die größten Schicksale...

Meine Geschichte und Kindheit ist nicht von so viel Grausamem geprägt, aber war gleichwohl auch ganz anders als das Leben der Schulkameraden.

Im Laufe meines Lebens wußte ich auch immer weniger, was real war und was Erzählung, Lüge, Einbildung. Je größer der zeitliche Abstand, desto irrationaler kam mir alles vor. Wie eine Aneinanderreihung von Anekdoten, irgendwie übertrieben und unglaubwürdig. Was war wirklich geschehen? Was wurde mir erzählt? Was habe ich als Kind falsch verstanden? Was habe ich mir zusammengereimt? Was habe ich vergessen? Ich neigte immer mehr dazu zu denken, das war doch alles vielleicht gar nicht so?

Aber es gab immer Anhaltspunkte, daß etwas nicht so war wie es üblich war. Warum durfte ich nie Freunde haben? Warum durfte kein Schulkamerad unser Haus betreten? Warum war ich so therapiebedürftig? Aber auch viele Gegenstände aus meinem Elternhaus waren real und bestätigten meine Erinnerung.
Im Rahmen der Therapie habe ich nach 30 Jahren wieder Kontakt zu meinem Vater aufgenommen. Er hat mir mit einem 8-seitigen eng beschriebenen Brief, einer Art Lebensbeichte oder seine Sicht auf unsere Familiengeschichte geantwortet.
Das erste, was ich nach dem Lesen des Briefes dachte: ok, ich habe jedes Recht verkorkst zu sein, das ist ja alles total schräg und unglaublich.
Vieles bestätigte meine Erinnerung, manches wußte ich nicht, anderes war noch extremer als ich es geglaubt hatte.

Und doch weiß ich weiterhin nicht sicher, was war real? Was stimmt an seiner Erzählung und was nicht? Was war nur seine subjektive Erinnerung? Wo lügt er, weil er sich selbst oder mich belügt? Wo übertreibt er? Was verschweigt er? Was beschönigt er? Wo erinnert er sich nicht richtig?

Die Wahrheit meiner Mutter ist noch einmal eine ganz andere als seine oder meine... Und gibt es auch noch andere Wahrheiten anderer Beteiligter?
Ich werde es nie erfahren und kann mir nie sicher sein.

Ich glaube, wir sind nicht die einzigen, bei denen das so ist. Vermutlich besteht das Leben vieler Menschen aus unterschiedlichen Wahrheiten, Mißverständnissen, verfärbten Erinnerungen und Erzählungen. In vielen Familien gibt es Geheimnisse und Dynamiken, diese zu verschleiern. Wenn die Erlebnisse, Erinnerungen, Erzählungen, psych Auswirkungen sehr extrem und vom Üblichen abweichend sind, dann fällt es eben mehr auf.

Ich kenne deine alten Threads, ich kenne Dich hier schon viele Jahre. Deine Entwicklung. Deine Persönlichkeit ist in sich immer stimmig über all die Jahre.
Ich erinnere mich vor allem wie kostbar die Erinnerung an Deine Mutter war. Wie Dich diese Erinnerung getragen hat und Dir Halt war. Ich weiß nicht, ob die Erinnerung real war, aber sie war ein Segen. Sie war ein Schatz. Sie hat einen eigenen Wert.
Was passiert, wenn diese Erinnerung auf die Realität trifft? Oder auf die vermeintliche Realität?

Dein Leben in den letzten JHren und Jahrzehnten ist ein eindeutiger Hinweis, daß dem Jungen der Du warst, vieles geschehen ist und er vieles gesehen, gefühlt und erlebt hat. Die Details mögen verschwimmen, aber die grobe Linie bleibt klar.

Du hast viele Aufzeichnungen in Deinem alten Threads, ja sie sind gelöscht, aber noch einigen von uns iin Erinnerung, Du hast Micha, der vieles weiß und miterlebt hat. Lebt eigentlich Dein erster Therapeut noch? Er kannte das Milieu und die Umstände aus denen Du kamst. Es gibt auch Gerichtsakten und Ermittlungen. Es gab hier im HR einen jungen Mann, der in einer Pflegefamilie aufwuchs und Medizin studierte, er war schon als Kind oder Jugendlicher im HR lange bevor Du hier schriebst. Er glaubte mal, Du könntest sein Bruder sein. Es passte aber nicht von den Zeiten Er war schon als Kind rausgekommen. Er wußte auch nicht eindeutig was die Wahrheit seiner Geschichte war. Aber er erkannte Zusammenhänge in Deiner Geschichte. Ihm war einiges plausibel, was Dir vielleicht gar nicht zugänglich war, obwohl auch er keine echte .Übersicht und Klarheit hatte..

Ja vielleicht macht es Sinn eine DNA-Datenbank einzubeziehen. Vielleicht gibt es Familie. Aber ich glaube weder durch sie noch durch Deinen Adoptivvater wirst du die eine wahre Wahrheit erfahren. Wie viel würden sie aus Scham verschweigen? Wie sehr wäre ihre Erinnerung getrübt oder eine Aneinanderreihung von Anekdoten? Wo würden sie lügen und aus welchem Grund?

Deine Erinnerungen sind Deine Wahrheit und Deine Wahrheit hat Dein Leben geprägt. Wird das weniger wahr, wenn Dir jemand etwas anderes erzählt? Und wäre das dann wahr?

Ich habe aufgehört, nach der einen Wahrheit zu suchen. Ich akzeptiere auch die Lüge und die Anekdote. Alles macht mich zu dem, was ich heute bin und an welchem Punkt im Leben ich heute stehe. Und das ist mir wichtig, das Leben das heute stattfindet. Alles andere diente dazu, daß ich jetzt und hier bin, so wie ich jetzt und hier bin.
Und Du bist der der Du heute bist. Und Dein heutiges Leben und Deine Emotionen und die Zuneigung deiner schwiegerfamilie sind real. Und was Du erreicht hast im den letzten Jahren auch.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich danke euch allen sehr für eure klugen Beiträge. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe die letzten Tage mich viel mit dem Thema beschäftigt.

mir ist klar geworden, wie sehr sich alles verändert hat in den letzten jetzt elf monaten. wie sehr mich die arbeit verändert hat. ich bin erwachsen geworden. und ganz besonders Micha ist erwachsen geworden. und er fängt an, sich mit seiner Mutter anzunähern. in all den fast zwanzig jahren war ich das bindeglied zwischen den beiden. ich freue mich, dass da wieder mehr kontakt ist, aber ich fühle mich auch zur seite gedrängt.

als Micha 16 war, wurde er Vater und hat seinen Sohn zur Adoption freigegeben. Ohne dass seine Familie davon wusste. Vor ein paar Jahren hat sein Sohn Kontakt zu ihm gesucht, aber das hat sich irgendwie auf einmal im Jahr reduziert. Im letzten Jahr ist mein Micha Großvater geworden. Und plötzlich fängt er an, Verantwortung zu übernehmen. Er hat im Sommer seiner mutter gesagt, dass sie nicht nur einen Enkel hat sondern auch einen Urenkel. Und sie hat die beiden getroffen. Es ist nicht die große Familienzusammenführung, aber alle haben mehr Kontakt als vorher. Und ich finde mich da nicht in die Rolle. Ich finde den Kleinen ja niedlich, aber Micha darf gerne alleine den Großvater spielen. Ich fange mein Leben gerade erst an. Damit komme ich nicht klar.

Vielleicht ist das der Wunsch, nach meiner eigenen Familie zu suchen.

Und wenn ich mich dann erlebe, so kompetent, diesen Verein zu organisieren, jetzt mit Assistentin und Praktikant. Und heute hatte ich ein Klientengespräch, das war merkwürdig. Sie ruft mich verzweifelt an, weil Arzt und Therapeutin ihr nicht helfen können, sie eher noch mehr runterziehen. Keiner kann ihr eine befriedigende Antwort geben. Wir telefonieren nicht mal eine dreiviertel Stunde und sie sagt, jetzt ist alles gut. Jetzt hat sie wieder den Durchblick, ist voller Tatendrang, freut sich auf die Herausforderungen, die kommen. Letzte Woche hatte ich eine Klientin, sie hat bei Therapeuten und Ärzten nicht das richtige Verständnis gefunden. Ich quatsche eine Stunde mit ihr im Katzencafé und krieg zwei Tage später eine Postkarte, jetzt hat sie wieder Mut, die ganzen Veränderungen in ihrem Leben anzugehen. Ich hab nichts gemacht, ich habe Katzen gestreichelt.

Das sind meine ersten Schritte in der großen weiten Welt und ich glaube, ich hab einfach Sehnscuht nach meiner Mama. Nicht irgendeine, sondern meine, eine die nur mir gehört. So fühlt sich das gerade an. Da ist viel Unsicherheit. Verwirrung. Es ist alles gerade ungewohnt.

Ich hoffe, ich komme heute Abend noch dazu, auf eure Beiträge näher einzugehen, wollte aber schon mal meine jetzigen Gedanken mit euch teilen.
 
Grisou,

ich finde deine Beiträge unglaublich wertvoll und möchte Dir auf deinem Weg eine gute und bereichernde Erfahrung wünschen, wie auch Dir lieber Shorn! Es wäre ein Stück mehr auf der positiven Lebenswaage!
 
Ich bin seit zwei Wochen krank und schon die letzte Woche war ich krank geschrieben, jetzt auch noch mal diese Woche, weil die Entzündung zwar besser wird aber noch lange nicht weg ist. Und mich fordert das psychisch sehr. Gerade am Sonntag ging es mir fies, als klar war, ich kann am Montag nicht ins Büro. Ich muss noch eine Woche zuhause bleiben.

Letzte Woche habe ich eigentlich nur geschlafen oder hatte höllische Schmerzen, aber langsam kann ich mich wieder dem Thema beschäftigen. Ich wollte auf eure Beiträge noch eingehen.


Die Frage nach deiner Mutter ist wahrscheinlich tiefergehend. Ist es eine Frage nach deiner eigenen Identität?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube, das Thema ist gerade so wichtig, weil sich so viel verändert und ich zum ersten Mal im Leben tatsächlich authentisch sein kann. Ich hatte nie eine Identität sondern habe mich immer angepasst. Und jetzt wird das Thema "Wurzeln" für mich zum ersten Mal wichtig.

Daher frage dich einmal selbst: Ist es wichtig für dein Leben, mehr über deine Herkunft und deine Eltern zu erfahren?
Eigentlich wäre die Frage dann, was ändert sich dadurch in meinem jetzigen Leben. Und darüber muss ich wohl nachdenken.

(und diesen Quatsch kann man leider getrost vergessen. Ist alles gestellt. Das ist Geschäftemacherei, die exakt mit diesen Emotionen spielt!)
Bei den Sendungen denke ich das auch.

Ich werde nicht im Detail darauf eingehen, aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass was dir im TV gezeigt wird, muss nicht die Realität sein. Meine Erfahrung. Man ist sich, trotz Blutsverwandtschaft fremd.
Ich habe niemandem, der mit mir Blutsverwandt ist. Und vielleicht romantisiere ich das Thema auch ein wenig.

Irgendwann würdest Du dich ärgern.
Ich habe lange über diesen Satz nachgedacht und finde ihn so wichtig, weil mir aufgefallen ist, eigentlich bin ich gerade an einem Punkt, wo ich merke, ich möchte gar nicht mehr neue Leute in mein Leben lassen. Ich ziehe mich sehr zurück, wenn ich Menschen kennen lerne und ich das Gefühl habe, da baut sich Nähe auf. Ich arbeite gerade so viele Verletzungen auf. Und vielleicht liegt da dieses Romantisieren. Als wäre das bei Blutsverwandten anders. Aber das ist es nicht.

Es gibt Plattformen dafür, versuch es da mit dem Wissen das Du hast!
Aber eigentlich habe ich ja kein Wissen. Nur Vermutungen, vielleicht auch nur ein Haufen Lügen.


Mir geht es ähnlich, ich suche sie nun bzw. lasse suchen da es bei mir ein wenig kompliziert ist
Da wünsche ich dir gute Erfahrungen. Wie immer die für Dich aussehen.

Wenn dir Klarheit über deine Vergangenheit wirklich wichtig ist, versuch einen Weg zu einem DNA-Test zu finden.
Ich denke, das ist für mich wohl der einzige Weg, meine DNA in so eine Datenbank einspeisen und sehen, was passiert. Und letztendlich muss ich ja mit niemandem Kontakt aufnehmen, aber vielleicht würde es mir wenigstens ein paar Fragen beantworten.

Und sollte dein Adoptivvater wirklich dein Vater sein - tja, dann wäre es eine erwachsene Haltung, diese Tatsache zu akzeptieren. Du musst ihn ja nicht mögen!! Lebt er noch, hast du Kontakt mit ihm?
Das ist sehr kompliziert. Er hat mir immer gesagt, er möchte einen Erben, jemanden, der sein Imperium weiter führt und versucht mich nach seinem Vorbild zu formen - mit sehr viel Gewalt. Er lebt noch, ist im Gefängnis. Und ich habe keinen Kontakt mehr zu ihm. Womit sich das mit der DNA auch erledigt hat. Ich habe seine gar nicht.

Also ist deutsch nicht deine Muttersprache? Welche Sprache hast du denn gesprochen?
Und wie lange liegt das alles zurück?
Deutsch ist nicht meine Muttersprache. Aber ich habe keine Erinnerung mehr daran. Ich habe eine Ahnung, eine Affinität für Irland. Und lange war ich davon überzeugt, aber mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher.

Hast du schonmal geschaut ob es Unterlagen und Dokumente gibt.
Ich bin mit ca. 20 vor meinem Vater geflohen. Ich habe keinen Zugang mehr dazu. Und damals habe ich nichts gefunden.

Es gibt ja verschiedene kostenlose Suchdienste oder Vereine die darauf spezialisiert sind, Familie und Herkunft zu klären.
Ich glaube, ich muss mich damit mal näher beschäftigen, was da alles möglich ist und wen es da gibt. Danke.

Gibt es dazu schon etwas neues? Wollte dich schon die ganze Zeit fragen. Kannst mir ja PN schreiben.
Ich glaube, ich bin noch nicht so weit, eine Entscheidung zu treffen. Also nicht nur, weil ich krank bin. Darüber muss ich noch eine Weile nachdenken, mit meinem Partner reden. Ich möchte niemanden verletzen, wenn ich plötzlich anfange, nach meinen Wurzeln zu suchen.

Weil dann wärst du ja ein entführtes Kind gewesen und könntest demzufolge eine Anzeige machen. Oder gibt es offizielle Adoptionsunterlagen?
Lebt denn dieser Adoptivvater noch?
Es gibt Unterlagen, aber die sind gefälscht.

Als ich meinen Adoptivvater angezeigt habe, ist viel überprüft worden, aber ehrlich, mir ging es damals so mies, ich habe nicht wirklich einen Überblick, wie ernsthaft die Polizei nach meiner Identität gesucht hat. Aber eine gute Idee, ich kann meinen Partner fragen, was er mitbekommen hat.

Mein Adoptivvater ist im Gefängnis und er ist schwer krank. Ich will auch keinen Kontakt zu ihm.

keine Ahnung, ob die was taugen, aber es gibt genetische Tests, mit denen man sich auf ethische Herkunft testen lassen kann (beim googlen bin ich prompt auf Sonderangebote für 49 - 99€ gestoßen).
Danke dir, das werde ich mir anschauen. Ich merke, da gibt es viel mehr Möglichkeiten, als ich mir vorgestellt habe und ich kann vielleicht auch erst mal einfach damit anfangen, dass ich schaue, was ist überhaupt möglich.

Ich verstehe dass du etwas unglücklich darüber bist, dass du nicht genau weißt, wo du herkommst. Aber du weißt, wo du jetzt bist und wo du hin willst und das ist doch auch schon viel wert.
Das ist für mich eigentlich das Beste. Ich habe so lange um diese Identität gekämpft, darum, dass ich authentisch sein kann.


@NezukoChan
@Splitterbunt
@reisend
Danke für Eure lieben Wünsche.
 
Lieber grisou,
Dein Leben ist ungewöhnlich. Du hast ein schwieriges Schicksal in diesem Leben. Die größten Seelen suchen sich die größten Schicksale...
Ja, das hat mein Therapeut auch immer gesagt.

Und ich sage immer, ich suche mir ständig die Lektionen für Fortgeschrittene raus. Ich mache es mir nie einfach. Das Leben macht es mir nie einfach.

Aber ich habe alles geschafft und langsam kommt Ruhe in mein Leben. Ich bin so viel ruhiger geworden. Ich kann zu einer Herausforderung auch mal "nein" sagen. Das ist schon ein großer Erfolg.

Im Laufe meines Lebens wußte ich auch immer weniger, was real war und was Erzählung, Lüge, Einbildung. Je größer der zeitliche Abstand, desto irrationaler kam mir alles vor. Wie eine Aneinanderreihung von Anekdoten, irgendwie übertrieben und unglaubwürdig.
Ich erinnere mich an deine Beiträge und dass ich sehr beeindruckt war, dass du dich Deiner Vergangenheit stellst. und ich merke jetzt, irgendwann ist das wohl ein Punkt auf dem Genesungsweg, wo man die Vergangenheit zu einem Teil des Lebens macht, indem man sie abschließt. Ich denke, ich hatte einfach auch nie eine Chance, meine Kindheit abzuschließen. Ich hatte in diesem Sinne keine Kindheit.

Es gab eine Zeit, mit 17/18, wo ich angefangen habe, für meinen Vater zu arbeiten. Das war auf seine Art eine coole Zeit. Ich habe funktioniert damals, aber ich habe eben verdammt gut funktioniert. Als ich dann mit 20 von ihm weg bin, hatte ich das gefühl, in dieser Welt draußen finde ich mich nicht zurecht. Und ich bin von einer Krise in die andere. 20 Jahre meines Lebens. Und jetzt erlebe ich die gleiche Kompetenz wie damals. Auch ein wichtiger Punkt, dass ich mich von diesem alten Ich abgrenzen muss. Das war im grunde ein hilfloses Kind in zu großen Schuhen.


Aber auch viele Gegenstände aus meinem Elternhaus waren real und bestätigten meine Erinnerung.
Das stimmt. Ich hänge nicht ganz im luftleeren Raum. Von der damaligen Zeit kenne ich niemand mehr - und will auch keinen Kontakt mehr - aber mein damaliger Therapeut, ich denke, mit dem kann ich noch mal Kontakt aufnehmen und Micha hat ja auch viel mitbekommen.

Das erste, was ich nach dem Lesen des Briefes dachte: ok, ich habe jedes Recht verkorkst zu sein, das ist ja alles total schräg und unglaublich.
Wie sehr wir alle um dieses Recht kämpfen 🙂. Ich erlebe das oft, wie Betroffene die Bestätigung von außen suchen. Ich denke manchmal auch immer noch, ach, so schlimm war das doch alles nicht.


Und doch weiß ich weiterhin nicht sicher, was war real? Was stimmt an seiner Erzählung und was nicht? Was war nur seine subjektive Erinnerung? Wo lügt er, weil er sich selbst oder mich belügt? Wo übertreibt er? Was verschweigt er? Was beschönigt er? Wo erinnert er sich nicht richtig?
Das ist ein guter Punkt. Ich sollte mir darüber klar werden, was ich erwarte. Und wie gehe ich damit um, wenn ich nicht die Antworten finde, die ich haben möchte.


Ich kenne deine alten Threads, ich kenne Dich hier schon viele Jahre. Deine Entwicklung. Deine Persönlichkeit ist in sich immer stimmig über all die Jahre.
Ich erinnere mich vor allem wie kostbar die Erinnerung an Deine Mutter war. Wie Dich diese Erinnerung getragen hat und Dir Halt war. Ich weiß nicht, ob die Erinnerung real war, aber sie war ein Segen. Sie war ein Schatz. Sie hat einen eigenen Wert.
Was passiert, wenn diese Erinnerung auf die Realität trifft? Oder auf die vermeintliche Realität?
Danke dir. Ich merke, das habe ich tatsächlich verdrängt. Vergessen. Ich habe in mir einen starken Halt gefunden.

Dein Leben in den letzten JHren und Jahrzehnten ist ein eindeutiger Hinweis, daß dem Jungen der Du warst, vieles geschehen ist und er vieles gesehen, gefühlt und erlebt hat. Die Details mögen verschwimmen, aber die grobe Linie bleibt klar.
Da kommen mir schon die Tränen, muss ich sagen. Das ist so lieb. Danke. Das gibt ein Stück Hoffnung. Ich merke, ich habe auch in den letzten Jahren so viel verloren, so viele Menschen. Und auch das ist ein Stück meiner Trauer, dass ich zurück gehe in meine Kindheit und irgendwie wenigstens etwas halten will.

Aber es stimmt. eigentlich wird die grobe Linie für mich immer klarer. Ich fange an, rauszufinden, wer ich bin. Innerlich bin ich so viel freier.

Wie ich letzten November von einer Tagung zurück gekommen bin und zu Micha sage: Ich habe die anderen wieder totgequatscht. Ich rede immer so viel. Und der guckt mich an mit großen Augen. so richtig die Fragezeichen in seinen Augen. Natürlich hat er die Entwicklung mitbekommen, aber ich denke, ich habe es nie so deutlich auf den Punkt gebracht. Ich war ja berühmt dafür, mich so unsichtbar machen zu können, dass niemand wahrgenommen hat, dass ich bei der Veranstaltung war. Immer still und leise, immer Kopf eingezogen. Und jetzt kriege ich meinen verdammten Mund nicht zu 🙄. (Es ist nicht ganz so schlimm. Also ich rede schon nur dann, wenn ich was zu sagen habe, aber ich habe so oft was zu sagen.)

Dein erster Therapeut noch?
Und den muss ich auch unbedingt mal kontaktieren. Mal ganz freundlich anfragen, ob er auch Leute therapiert, die zu viel reden 😆. Ich m uss ihm unbedingt erzählen, dass ich jetzt arbeite und was ich arbeite und wie ich die ganze Welt verändere. Jedenfalls meine Welt. Wie glücklich ich bin, wie gut es mir geht. Und dass Micha und ich noch immer zusammen sind. Wobei ich glaube, das wird ihn nicht wundern.

Aber er erkannte Zusammenhänge in Deiner Geschichte. Ihm war einiges plausibel, was Dir vielleicht gar nicht zugänglich war, obwohl auch er keine echte .Übersicht und Klarheit hatte..
Daran erinnere ich mich auch noch. Was ich hier im HR an Lebenszeit verbracht habe. So viele Jahre. Und ich habe diese ersten Beiträge noch im Kopf. Wie verängstigt ich war. Wie verletzt. Wie durcheinander. Wahnsinn. Das war ein anderes Leben.

Danke für die Erinnerung.

Deine Erinnerungen sind Deine Wahrheit und Deine Wahrheit hat Dein Leben geprägt. Wird das weniger wahr, wenn Dir jemand etwas anderes erzählt? Und wäre das dann wahr?
Es ist meine Geschichte. Sie macht mich aus und macht mein Leben rund. Das stimmt. Und ich erinnere mich, dass mein Therapeut damals ähnliches gesagt hat. Ich hatte vor zwanzig Jahren schon gesagt, was ist, wenn das alles nicht wahr ist. Und er hat gesagt, es ist deine Geschichte, es ist das, was dich ausmacht und wir arbeiten damit.

Und Du bist der der Du heute bist. Und Dein heutiges Leben und Deine Emotionen und die Zuneigung deiner schwiegerfamilie sind real. Und was Du erreicht hast im den letzten Jahren auch.
Danke. Was jetzt ist, das ist wichtig. Eigentlich habe ich eine Geschichte und damit kann ich mich identifizieren. Ich sollte mir sehr genau überlegen, ob ich die aufs Spiel setzen möchte und wofür.


ich finde deine Beiträge unglaublich wertvoll und möchte Dir auf deinem Weg eine gute und bereichernde Erfahrung wünschen
Danke schön.

Ich finde es ein wenig traurig, dass du das Forum verlassen hast, aber ich hoffe, Du bleibst uns als Gast erhalten. Für mich sind Deine Beiträge wertvoll.
 
In letzter Zeit beschäftigt mich etwas, was ich gerne thematisieren möchte. Ich weiß gar nicht warum, aber vielleicht hilft es mir, andere Perspektiven dazu zu lesen.

Ich bin bei einem Mann aufgewachsen, der sagen wir behauptet hat, er ist mein Adoptivvater und hat mich meiner Großmutter abgekauft für er sagte immer für ein Schwein und einen Apfel. Ich erinnere mich nur, irgendwann bin ich in einem fremden Land mit einer fremden Sprache aufgewachsen und er sagte, er ist jetzt mein Vater.

Ich habe ein paar Erinnerungen, weiß aber nicht, ob er mir das erzählt hat oder ob ich mich wirklich erinnere und die Bilder verblassen immer mehr und ich kann immer wieder unterscheiden, ist das echt oder hat er das erzählt.

Dass ich kein deutsch gesprochen habe, weiß ich, hab einfach lange genug Prügel dafür bekommen. Und ich kann mich sehr dunkel an einen Großvater erinnern, da ist ein warmes Gefühl. Aber keine Ahnung, ob wir wirklich oft zusammen spazieren waren. Ich weiß, ich habe eine besondere Beziehung zu Irland. Aber ob ich von dort komme. Keine Ahnung. Ich weiß einfach gar nichts mehr. Ich habe das lange geglaubt und fange langsam an zu verstehen, dass alles, was mein Vater mir erzählt hat, eine Lüge sein kann.

Irgendwann kamen bei Youtube diese Videos, wo Menschen, die als Baby ausgesetzt wurden, ihre Eltern über DNA-Tests gesucht haben. Und irgendwie sieht das dann immer noch großer toller Familienzusammenführung aus. Und ich überlege, vielleicht habe ich noch irgendwo Familie und vielleicht komme ich nicht aus so einer total kaputten Familie, wie mein Vater mir gesagt hat. Vielleicht ist meine Mutter nicht bei meiner Geburt gestorben, wegen meiner Geburt gestorben. Vielleicht sucht sie nach mir und ich muss nur meine DNA in so eine Datenbank eingeben.

Aber erstens kann ich mir das nicht wirklich leisten und zweitens habe ich jetzt das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Ich habe meine Ersatzfamilie. Meine Schwiegerfamilie behandelt mich wie einen eigenen Sohn.

Ich glaube, am meisten Angst habe ich davor, dass am Ende rauskommt, dass mein Adoptivvater tatsächlich mein richtiger Vater ist. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Aber ich frage mich oft, warum er ausgerechnet mich gerettet hat. Als ich noch Kind war, habe ich mitbekommen, dass bei uns Kinder durchgeschleust worden sind. Später nicht mehr. Ich weiß nicht, ob er irgendwann sich auf andere kriminelle Dinge fokusiert hat oder ob er mich mit Recht davon ferngehalten hat.

Es würde mir weh tun, wenn irgendwo da draußen meine Mutter nach mir sucht und ich zu blöd bin, mal Laut zu geben.

Keine Ahnung, das macht mich einfach traurig.
299 Euro kostet so ein Test. Schnapp Dir ein Haar von Deinen Stiefvater und sende es mit einem Haar von Dir ein. Dann weißt Du mehr.
 

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