Heidenade, ich kann dein Pamphlet auf die so oft anzutreffende geballte negative Energie nur zu gut verstehen. Ich werde es auch nie verstehen, warum das Streiten und das Beharren auf die Meinungen, die Ausgrenzung so viel wichtiger ist als die Diskussion auf Augenhöhe, wirklicher Austausch und das Miteinander, wie es der menschlichen Natur auch viel eher entspräche. Zweifelsohne leben wir meiner Meinung nach auch immer noch in einem sehr dunklen und destruktiv geprägten Zeitalter. Fakt ist, irgendetwas in der Geschichte muss da falsch gelaufen sein, denn es müßte nicht so sein.
Altmeister Goethe hatte einmal gesagt:
"Das Land, das die Fremden nicht beschützt, geht bald unter"
Ich denke, es ist auch klar, dass die Intoleranz niemals auch nur auf nur eine Minderheit beschränkt bleiben kann, weil es auch keine homogene Masse geben kann. Ind wenn es erst Dominanz über andere und eine Verachtung anderer gibt in großen Maße, dann muss eine Gesellschaft auch innerlich davon ausgehölt und zersetzt werden. Goethe hatte es sicherlich auch so verstanden.
Zumal die Vorurteile den Vorteil haben, dass man das Recht zum Urteilen und zum Verurteilen hat, denn nichts anderes wollen die Vorurteile, blind ausgrenzen und den Urteilenden in ein gerechtes Licht erheben. Wie wenig oft dahinter steht an wirklichen Wissen, das ist schon immer sehr krass gewesen. Denn bei den Vorurteilen geht es nie um das Wissen, sondern um das Aufstacheln von blinden und fehlgeleiteten Emotionen, die kein Wissen brauchen, die ihre Ursachen ganz woanders haben. Wer stets getreten wird, der tritt auch weiter, Vorurteile geben jedem die Gelegenheit dazu.
Man schaue sich diese Fakten mal an, die jemand mal gesammelt hat, wie leicht doch so manche Vorurteile mit echten Wissen zu wiederlegen sind:
Ausländer in Deutschland Fakten gegen Vorurteile
Aber, ich wiederhole mich, es geht am wenigsten um Wissen, es geht um Ressentiments, die flehentlich um Unterstützung buhlen. In der Masse ist der Ohnmächtige stark Woher der heimliche Groll eigentlich kommt, das ist den meisten ja nicht wirklich bewußt.
Um mal etwas Positives dem entgegenzustellen, es gab erst in jüngster Zeit eine Entdeckung, die einen revolutionären Charakter annehmen könnte, was das Wissen um die "bösen" Eigenschaften der Menschen angeht, und was man darunter versteht. Um die Jahrtausendwende ist in Peru auf dem Hochland der Anden eine ca. 5000 Jahre alte Stadt entdeckt worden, mit dem Namen Caral. Sie ist sogar älter als die Pyramiden von Gizeh. Diese Stadt hat ganze 1000 Jahre existiert, und sie ist heute erst völlig unzerstört unter dem Wüstensand wieder zum Vorschein gekommen. In dieser alten Stätte hat man die Spuren einer erstaunlich friedfertigen Zivilisation entdeckt, die völlig ohne Krieg, Zerstörung oder Mißtrauen untereinander auskam.
Es gab in Caral 1000 Jahre lang keinerlei Mauern, keine Waffen, keine Zerstörung, ja nicht einmal Türen zwischen den einzelnen Wohnungen. Stattdessen gab Handel in Hülle und Fülle, mit Gütern, die in Europa erst nach Kolumbus im Handel auftraten. Und vor allem auch ein reichhaltiges Kulturleben. Ist das unvorstellbar? Nein, spätestens seit der Entdeckung der Stadt Caral ist es das in der Tat nicht mehr. Diese Entdeckung wirft momentan so manches Weltbild der Archäologen über den Haufen. So auch die vorherrschenden Thesen der Befürworter der Kriegstheorie, die meinen, dass die Gründung von Zivilisationen in erster Linie damit zusammenhängt, dass die Menschen Schutz gesucht haben vor anderen "bösen" Menschen und Eroberern. Viel mehr scheint das eine Entwicklung innerhalb der neueren Zeit gewesen zu sein, dass die Menschen übereinander herfallen müssen, dass es Grenzen, Mauern, Krieg und Intoleranz geben muss.
Es gibt überhaupt keinen Grund für unsere kulturelle Arroganz, das ist einzig ein Luftgebäude, an dem sich viele verzweifelt klammern, obwohl wir uns nicht mal selbst gut tun können... Das müssen wir mit unserer ganzen gelebten Destruktivität immerhin längst ahnen. Denn im Grunde ist es eher so, dass wir uns in der Tat heute eher wie die Barbaren verhalten, die alles niedermähen, was für den Menschen eigentlich wichtig wäre, inklusive seiner wichtigsten Lebensgrundlagen. Kurzsichtig, einseitig und abgehoben, daran ist wohl nicht nur Rom gescheitert, das wird immer wieder scheitern.
Wer das mit der Entdeckung von Caral gerne mal nachlesen möchte, hier ist ein guter und umfangreicher Artikel dazu:
Archäologie: Amerikas zweite Entdeckung | Wissen | ZEIT ONLINE
Es gibt auch bereits zwei gute Dokumentationen darüber, die mehr als beeindruckend waren, die sehr viele Fragen zurück lassen...