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Sozialamt zahlt seit 5 Monaten keine Grundsicherung SGB XII - es wird Einkommen unterstellt

Es waren extrem "bewegte Zeiten", daher kann ich erst jetzt schreiben. Rückblickend muss ich zugeben, dass auch ich als Mensch trotz Therapeuten-KnowHow extrem unter Druck geraten bin.

Das ist die negative Macht des Geldes, also die, die du bei Geldmangel spürst. Der Blick auf Lösungsmöglichkeiten wird immer enger, so allmählich, dass man es nicht bemerkt. Zugleich steigt die Anspannung im Nervensystem hin in den Alarm-Zustand während die allgemeine körperliche Erschöpfung immer mehr zunimmt. --> BurnOut, später dann die Depression.

Ich fand "über fünf Ecken" einen Rechtsanwalt, der nach kurzem Gespräch definitiv die Sache nicht anfassen wollte. Zu aufwendig und schon zu vermurkst das Ganze, meinte er. – Schließlich war ich im Gespräch mit ihm dann so weit, dass ich ihn fragte, ob eine Privat-Insolvenz bei gleichzeitiger völliger Aufgabe der Praxis und dann Neubeantragung von Grundsicherung für mich eine Lösung sein könnte.
Er schaute noch mal kurz in die abschließende Begründung der Beschwerde-Ablehnung und meinte dann, dass selbst dann das Sozialamt weiterhin bezweifeln würde, dass ich auch tatsächlich keine Einnahmen (in Form von Bargeld / Schwarzgeld) hätte und daher weiterhin nicht zahlen würde.

Er meinte, dass sogar der berechtigte Einwand, dass ich ja keinen Beweis erbringen könnte für etwas, das es nicht gibt (Einkommen), hier nicht mehr greifen würde oder wenn, dann vielleicht in der "höchsten Instanz". Bis dahin wäre ich verhungert. Und oberhalb Landessozialgericht ist alles anwalts- und kostenpflichtig. Mit anderen Worten, der Staat hat die Möglichkeit, dir die elementarsten Rechte – nämlich das auf Überleben mit Grundsicherungs-Leistungen – zu verweigern!!!
Der Anwalt riet mir dringend, irgendwie in ein anderes Bundesland umzuziehen und dort Grundsicherung zu beantragen. – "Irgendwie" ist ja echt toll! Ohne Mittel?

Wie es dann weiter ging:
Der Vortrag war zwar gut gelaufen, brachte aber keine neuen Interessenten. Ein Klient erfuhr von meinen Schwierigkeiten und sprach einen Vertriebs-Spezialisten darauf an, ob es denkbar sei, dass eine Psychotherapiepraxis so schlecht angenommen würde. Der Spezialist gab einer Freundin meine Webadresse und bat um ihre Meinung. – Das Ergebnis war vernichtend!
Der Spezialist hatte aber selber ein psychisches Problem und wollte einfach mal ausprobieren, ob ich ihm helfen könnte. So lernte ich ihn kennen. Er fand meine Arbeit / Leistung sehr gut und entschloss sich spontan, mir bei einer kompletten Neu-Aufstellung in Marketing und Werbung zu helfen. Nachdem wir einige Maßnahmen diskutiert und als tragfähig erkannt hatten und ich zustimmte, diese umzusetzen, wenn ich denn Geld dafür hätte,
da geschah das Unglaubliche! Er bot mir an, diesen Neustart zu finanzieren!

Und er hat ja vollkommen Recht: Ich bin alles aber nur kein Verkäufer! Und so geht es sehr vielen Therapeuten.

Nach diesem Ergebnis, diesem wahren Wunder, habe ich erst mal 11 Stunden am Stück geschlafen. Und ich begriff zutiefst, wie Armut und Geldmangel zu psychischen Schäden führen: Ängste, der immer mehr eingeengte Blick für Lösungsmöglichkeiten, dazu die skandalös / kafkaeske ungerechte Behandlung durch die Behörden, dazu die Belastung durch die Ex-Partnerin in der gleichen Wohnung....

Jetzt habe ich wieder gute neue Aussichten, passend zum Jahresbeginn!

Danke an alle, die mir hier geantwortet haben und sich damit für mich engagiert haben. Allen hier wünsche ich von Herzen ein friedliches, angenehmes und erfolgreiches Jahr 2026.
 
@jonnie Danke für deine Tipps. Eine Insolvenz möchte ich unbedingt vermeiden. Denn die psychotherapeutische Tätigkeit möchte ich später wieder fortsetzen. Sie bringt Sinn und Erfüllung in mein Leben.
Betreffend den Mietvertrag: Die Kündigung wird über den Vermieter der Wohnung erfolgen, indem er uns beide kündigt und mit ihm sofort einen neuen Vertrag schließt.
Solange wie aktuell das Beschwerdeverfahren läuft, vermeidet das Sozialamt anscheinend jegliche Bescheid-Erstellung. Auch über die Einstellung der Leistungen ab Anfang Juni gab es keinen Bescheid, obwohl ich den mehrfach angefordert hatte. Das Ganze mutet inzwischen wie ein kafkaesker Kriegsschauplatz an. Da kann ich wohl nur verlieren, oder?
Die Krankenkasse hatte ich mehrfach bereits kontaktiert. Ich erhalte immer die sehr freundlich und verständnisvoll geäußerte Auskunft, dass sie gesetzlich gezwungen sei, ab dem zweiten ausstehenden Beitrag die Zwangsvollstreckung zu betreiben. Da hätten sie keine Wahl.
Hast Du denn damals überhaupt einen Weiterbewilligungsantrag gestellt??? Ohne Weiterbewilligungsantrag wird die Zahlung automatisch eingestellt und es kommt auch kein entsprechender Bescheid. Wenn du überhaupt keinen Weiterbewilligungsantrag gestellt hast, sieht es sehr schlecht für Dich aus und Du musst dann auch die Kosten für Anwalt und Co der Gegenseite zahlen. Eigentlich hätte Dich jemand darüber informieren müssen, dass Du einen Weiterbewilligungsantrag stellen muss, aber eigentlich erhält man diesen rechtzeitig vor Ablauf des Bewilligungszeitraumes vom Amt automatisch. So war es jedenfalls früher. Wie es jetzt aussieht weiß ich leider nicht, da ich schon ewig keine Leistungen mehr beziehe.
 

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