Also ich glaube schon, dass ich nicht von meinen Instinkten abhängig bin, um zu denken.
Und woher weisst du, dass es nicht ein Instinkt ist, der dich das glauben lässt?
😛
Was verstehst du unter Instinkt? Reden wir aneinander vorbei?
Wie gesagt - für eine Grundsatzdiskussion kenne ich mich nicht gut genug aus. Aber ich kenne ein Beispiel:
In den ersten Lebensmonaten entscheidet sich, wie zuversichtlich ein Mensch in seinem späteren Leben sein wird. Wenn ein Baby ein Bedürfniss spürt, z.b. Hunger, dann kann es sich nicht selbst helfen, es kann nur schreien. Normalerweise werden die Befürfnisse von den Eltern erfüllt. Es kann aber auch sein, dass die Eltern sich nicht kümmern, oder gerade Krieg oder eine Hungersnot herrscht.
Bei Babys, deren Bedürfnisse erfüllt werden, bilden sich andere Strukturen im Gehirn, als bei Babys die leiden müssen. Diese Strukturen bestimmen, wie die Babys im späteren Leben ihre Erfolgsaussichten einschätzen werden:
Wenn ein erwachsener Mensch eine Aufgabe gestellt bekommt, dann wird im Gehirn ein unbewusster Impuls gesendet - und zwar
bevor ein bewusster Gedanke zu irgendwelchen Lösungsmöglichkeiten gefasst wird. Dieser Impuls veranlasst vormals unzufriedene Babys die Dinge skeptischer zu bewerten, als vormals zufriedene Babys.
Dieser Mechanismus ist sinnvoll - im Krieg überlebt man länger, wenn man skeptisch ist. Im Frieden ist man dagegen erfolgreicher wenn man zuversichtlich ist. Traurig ist natürlich, wenn jemand im Frieden unnötig misstrauisch ist, weil er als Baby schlecht behandelt wurde.
Was ich mit dem Beispiel erklären will, ist dass dieser Mechanismus im Unterbewusstsein abläuft,
bevor wir bewusst nachdenken. Wir bemerken davon nichts und können uns darum nicht einfach so entscheiden, wie wir die Welt sehen. Möglicherweise kann man diesen Mechanismus langfristig durch neue Erfahrungen relativieren - aber trotzdem sind wir sehr stark durch unser Unbewusstes geprägt.
Die Instinkte sind nun angeborene Verhaltensweisen, die im Gehirn noch tiefer sitzen, als das Unterbewusstsein. Darum ist es da noch weniger möglich sich willentlich zu beeinflussen.
Was man natürlich machen kann, ist lernen mit den Instinkten angemessen umzugehen. Wenn eine Frau weiß, dass sie das Interesse an einem Mann um so mehr verlieren wird, je mehr sie ihn zähmt, dann kann sie darauf achten ihn nicht zu abhängig zu machen - wenn sie aus einer bewussten Entscheidung heraus Interesse hat die Beziehung zu erhalten.
Ich glaube aber, dass sich dieser vernünftige Umgang weniger auf der Ebene der Instinkte abspielt, sondern mehr im Unterbewusstsein. Dort wo es um persönliche Eigenschaften geht, wie Ängste, Neurosen, angeknackstes Selbstwertgefühl, etc. Ein angeknackstes Selbstbewusstsein kann man ja durchaus aufpäppeln - aber zu versuchen z.b. den Sexualtrieb selbst zu beseitigen wird kaum gehen. Bei so einem Versuch wird man eher erst recht neurotisch werden.
Durch Defizite um Unterbewusstsein entstehen meiner Meinung nach auch die meisten Probleme in Beziehungen. Wir haben ja alle mehr oder weniger die gleichen Instinkte. Trotzdem gibt es glückliche und unglückliche Beziehungen. Der Unterschied wird daher mehr im Unterbewusstsein der Menschen liegen.
Wenn z.b. eine Frau mit einer unbewussten Angst vor Nähe und ein Mann mit angeknackstem Selbstwertgefühl aufeinandertreffen, können die Instinkte den Mann zu zähmen und die Frau zu erobern ja so weit fehlgelenkt werden, dass es zu wüsten Machtkämpfen kommt und die beiden sich gegenseitig zu Tode manipulieren, ohne dass es überhaupt jemals zur Fortpflanzung kommt.
Oh Mann - langer Text. Ich glaub für mich reichts heute. Ich werd jetzt mal ein bischen meinen Instinkten folgen und mich entspannen.