Hi ihrs,
ich denke wir haben einfach mehrere sich überlagernde Probleme.
erstmal denk ich auch dass die Chance auf einen neo-faschismus sehr groß ist. Wir haben ja real sicher 6-10millionen arbeitslose, erheblich mehr als 29/30.
Auch haben die Politiker von damals nichts gelernt: das Hauptproblem ist immer noch, dass sich die Politiker hinstellen und so tun als könnten sie die Wirtschaft spürbar beeinflussen. also positiv mein ich, negativ können sie es sicher, aber positiv kann sich die wirtschaft nur aus sich heraus entwickeln.
Dennoch haben sie, z.b. das Wirtschaftswunder der 60er, das nur aufgrund der nötigen Neuanschaffung zerstörter privater Güter (Möbel, Fahrzeug...) und der immensen Bereitstellung von amerikanischen Milliarden entstand, zu einem Erfolg ihres politischen Systems verklärt ("ehrhardsches WW",soziale Marktwirtschaft).
Das machen die Politiker um dem Volk vorzugaukeln, dass sie wirklich kompetent und wichtig in ihrer Bestimmerrolle sind.
Das Problem ist halt, dass sie indem sie dem Volk vorgaukeln dass es "ihr" Aufschwung ist, das Volk die Politiker auch für normale Abschwünge verantwortlich macht.
In den USA wurde schon 1930 die Wirtschaft unabhängiger, als in sich regulatives Prinzip gelesen, mit normalen Rythmen und hat nicht die Politiker für den Abschwung verantwortlich gemacht.
Überall in Europa hatten in Folge der Wirtschaftkrise '29 faschistische bewegungen konjunktur, in den USA nicht.
Das ist das eine Problem, man macht die Politiker verantwortlich für die wirtschaft und bestraft sie dann auch sehr leicht mal, wenns nicht so läuft (siehe rechte Erfolge in konjunkturschwachen Regionen in Ost UND West).
Das andere Problem ist Überalterung, ist nicht negativ gegen Alte gemeint, sondern rein soziologisch gesehen. Es ist nunmal eine Tatsache dass die meisten Menschen sich mit zunehmenden Alter immer weniger verändern, viele irgendwann stehenbleiben. Die meisten älteren stehen Veränderung eher scheu gegenüber, müssen sich langsam dran gewöhnen, neophobes verhalten sozusagen.
Das führt dazu, dass wenn die Mehrheit der Wähler älter ist, dass sich die Politik ihren Vorstellungen anpasst, und somit größere gesellschaftliche Veränderungen mit zunehmenden Durchschnittsalter immer schwerer werden. Man sagt ja auch so jungen Gesellschaften wie den arabischen gerade deswegen große revolutionsneigung nach.
Es droht also in gewisser Form gesellschaftlicher Stillstand (bzw. man hat die Anfänge in den letzten Jahren schon), weil die Politiker ihre Politik am immer älter werdenden veränderungsscheueren Wähler ausrichten, man will ja auch wiedergewählt werden.
Drittes Problem: durch die zwangsweise geöffneten Grenzen weltweit (ist ja nicht nur EU intern, die WTO macht ja auch Druck bezüglich freihandel), läuft erstmal ein riesiger Kapitaltransfer ab. Man geht einfach mit seinem Geld was man übrig hat, in die Länder wo man mehr dafür kaufen kann. Machen viele Urlauber und machen auch viele richtig Reiche.
Das gute daran ist, dass das Geld zumindest zu einem Teil immer in der Region hängenbleibt, und dadurch die Länder die arm waren langsam reicher werden (solange sie so stabile verhältnisse haben, dass sich niemand um sein eigentum sorgen muss). Naturgemäß fehlt das Geld dann irgendwo, bei uns nämlich, wo man für das gleiche Geld nur noch einen Bruchteil an wirtschaftlichen Aktivitäten ausführen kann. Wer in der Nähe einer Ostgrenze wohnt und da mal in ein Restaurant geht weiß was ich meine. Ich geh in Deutschland einfach nicht mehr ins Restaurant, in Tschechien aber immer.
Das ist einfach ne riesige Umverteilungsmaschine, von oben nach unten. und man trifft sich irgendwann in paar jahrzehnten/hunderten fast weltweit auf einem ähnlichen niveau (mit unterschieden wie zwischen Bayern und meck-pomm, oder so). Wenn man dann auf dem Niveau ist, haben die anderen Länder keinen Standortvorteil mehr, und die Transportkosten werden dann zum nächstmöglichen Sparpotential, wodurch wieder mehr wirtschaft in der nähe der verbraucher entstehen wird.
Also ich werde als Deutscher gerne ärmer, und gehe gerne auch als augebildeter für 4-5euro/netto die Stunde arbeiten, wenn dadurch in ärmeren Ländern die Leute mehr Chancen kriegen.
Das fiese ist halt das die meisten Menschen nicht kapieren, dass kein Politiker der Welt was gegen diese Entwicklung machen kann.
Das nächste Problem ist, dass man eine Wahrheit nicht in den Mund nimmt, dass in ein paar Jahren die Leute in der Wirtschaft fehlen werden, auch wenn wir ab jetzt leicht schrumpfen würden jedes Jahr. Es scheiden immer mehr aus der Wirtschaft aus, und es kommen immer weniger nach, und irgendwann wird man naturgemäß, irgendwoher die fehlenden Arbeiter herkriegen müssen (so 2010-15 rum), ich denke zuerst wird man versuchen mehr frauen zu integrieren, die dadurch nötig werdenden Betreuungsplätze haben ja noch den Effekt, auch den Frauen die eh berufstätig sind mehr möglichkeiten für Kinder zu geben.
dann wird man entweder an die Langzeitarbeitslosen ran, oder die Renteneintrittsgrenze anheben, ich schätze erstmal ersteres, sind einfach mehr Rentner Wähler, die wollen sicher ihre schöne Freizeit behalten. (wobei ich mir auch denke, wenn ich 70jährige topfit auf Fahrrädern sehe "na toll, für dich bezahlen wir noch 20 Jahre" 😉 )
Auch eine Sache ist einfach, dass wir im Moment einfach zu produktiv sind für die Nachfrage nach Produkten, wären alle Menschen in Jobs würden mehr Sachen produziert als gekauft werden. Also entweder fangen alle Deutsche an wie die Amis, nie mehr wirklich zu sparen, am besten noch etliche dinge auf pump kaufen, und am besten noch alles kaufen was es so gibt, egal ob mans braucht, oder wir müssen damit klar kommen, dass ein Teil der Menschen im Moment einfach nicht in der produzierenden Wirtschaft gebraucht werden.
Und für mich gibts ab da nur ein paar Wege,
erstens brauchts ein Lebensgrundeinkommen, find ich HartzIV ehrlich gesagt hoch genug, kann man, wenn man nicht alleinerziehend ist, gut mit auskommen,
zweitens muss man den Wert des Menschen unabhängiger von seiner wirtschaftlichen Tätigkeit definieren, viele fühlen sich ja überflüssig ohne Arbeit, lebensunberechtigt (grad im Osten wo es ja ein Grundrecht auf Arbeit gab, ein menschenrecht zum nützlich fühlen praktisch), arbeit muss in der wichtigkeit im leben mehr hobbycharakter kriegen, und nicht dass man als zweitwichtigste beschreibung eines menschens nach dem geschlecht sofort den beruf angibt. Man sollte persönlichkeit-entwickeln und nicht die arbeit zum lebensinhalt machen.
Drittens ist natürlich unter den Reichen immer noch genug Eigentum wo die Menschen die Verpflichtung daraus anscheinend vergaßen. Bloß macht man sich vom Umfang immer falsche Vorstellungen, entweder man versucht richtig viel da weg zu nehmen, und damit den kompletten Staatshaushalt zu sanieren, dann hauen die aber einfach ins Ausland ab, mit Kohle ist das ja auch leicht, und ne Mauer um Deutschland wird ja wohl keiner errichten wollen, um die vaterlandslosen gesellen von der Republikflucht abzuhalten, mit Schießbefehl sobald er mehr als ne Million mitnimmt. Oder man nimmt ihnen weniger, was aber das Kraut nicht sehr fett machen wird. Die Probleme bleiben.
Der Ausweg daraus, dass die Reichen sich aus der Verantwortung stehlen, die per Steuer und Sozialabgaben versucht wird zu errichten,und man nicht den kleinen Mann in so nem Netz lassen kann, ist freiwillige Verantwortung. Die Reichen zahlen eh kaum Steuern(durch gegügend Steuerschlupflöcher), warum also die mittleren und ärmeren Einkommen? Ich bin da eher für minimalen Staat(nur noch ein Standarteinkommen auf ALG2 Niveau für alle die nicht arbeiten) und dann eine Form von Gewissensappell an die Reichen, die Kirche hat sie früher ja auch mit ein bißßel Drohung mit der Hölle zum zahlen gekriegt.
Und bevor Bismarck die soziale Frage mit staatlichen Mitteln löste, und den Staat damit für die Menschen zum lebensnotwendigen Ernährer, gegen den man am besten nicht revoltiert, machte, gab es ja etliche ansätze, auch von den Industriellen(meist christlichen), Gewinne fair unter ärmeren zu verteilen.
Ich denke man könnte das auch so lösen, einfach eine gewisse Form von Geberkultur, Gewissenszwang aufbauen, jeder der dann nicht karitativ seine Gewinne und Vermögen nutzt und verteilt wird einfach schief angeschaut, gesellschaftlich geächtet.
also im Endeffekt sollte man die Reicheren einfach moralisch mehr in die verantwortung nehmen,(damit meine ich auch jede Familie mit Zweitwagen und jährlichen Urlaub, den kann man auch aller zwei Jahre machen), mit ihrem Geld einfach mehr soziale Arbeitsstellen zu bezahlen, in Altenpflege, Familien-, Armen- und sozialkranken Unterstützung. Zwingen wird man sie nicht mehr können in einer Welt als Dorf und mit schon seit Jahrhunderten offenen Grenzen.
Und das letzte Problem ist, dass die politischen strukturen den wirtschaftlichen in der Zeit hinterherhängen, erst gab es die Zollunion(1832) und dann die währungsunion in Deutschland, und erst 40 Jahre später(1871) wurde das dt. Reich gegründet. erst gab es eine europäische Wirtschaftsunion und erst langsam wird sie zur europäischen Regierung, und zuerst gibts einen welt(frei)handel, langsam vergrößerte weltzollunion, und erst später kommt die weltregierung. Wodurch die ganze Globalisierung ein schönes Antlitz kriegt, dadurch wird die Weltrepublik auf Dauer unausweichlich, dadurch irgendwann weltweiter Frieden möglich.
Erst ab der wirtschaftlichen Vereinigung 1832 wurde es unmöglich dass deutsche kleinstaaten krieg gegeneinander führen, haben sie ja 2Jahrzehnte vorher bei napoleon noch gemacht; erst durch die europäische wirtschaftsunion wird es unmöglich dass Deutsche und Franzosen z.B. nochmal Krieg führen, und erst durch die Globalisierung wird es irgendwann, durch die weltweite verflechtung unmöglich noch krieg mit irgendjemand zu führen.
Dafür kann man etwas ärmer werdende Deutsche schon in Kauf nehmen, Krieg würde zu viel größerer Armut führen.
Mein Tip an jeden dem die Löhne in Deutschland zu schnell sinken in Zukunft, einfach ab in westliche und nördliche Ausland, wenn die Ukrainer für die Polen arbeiten und die Polen für die Deutschen, was hindert die Deutschen für andere, reichere zu arbeiten.
Max
PS: Die Darstellung das die Deutschen nie einen Aufstand wagten kann ja nur von einem Wessi kommen! '89 war eine lupenreine Revolution, die erste erfolgreiche in Deutschland die von unten kam. Wie wichtig das war, dass die Deutschen auch mal revolutionär waren und damit praktisch ihre nation von unten nochmal neu schufen, wird man denk ich erst im nachhinein beurteilen können.
Gewagt haben sie es schon früher, obwohl halt 1848 und 1918 die bürger die unteren Schichten allein ließen. ("Wer hat uns verraten?-Sozialdemokraten!")
"WEnn wir in Deutschland umweltschutz betreiben", hihi. Das was wir zu kyoto beitrugen schafften wir nur, weil 1990 noch die ostindustrie stand und jetzt nicht mehr, daher kommen unsere einsparungen in der kohlendioxidbilanz, der westen pustet sogar mehr in die luft als damals. die amerikaner haben aber z.B. relativ zu der Menge der produzierten Waren co2 eingespart, also im endeffekt wirklich was für die umwelt gemacht. reicht ja nicht nur kraftwerke abzustellen und betriebe zu schließen und weniger zu produzieren, damit soviel einzusparen, dass die übriggebliebenen betriebe in westdt. mehr als vorher in die luft blasen können. ist ne fiese verarsche die man nicht so leicht durchschaut