Eben dadurch, dass das gehirn tausend mögliche interpreatationen anbietete und ich mich verliere und verhasple und dann lieber ne standartantwort gebe oder ein "aha"... damit eckt man schnell an.
Genau das ist bei mir auch der Fall. Da stecke ich derart viel Energie in den Denkprozess unwichtiger und banaler Dinge, dass ich mich meistens in Gedanken verliere und stark abwesend wirke. Beim Autofahren ist das auch sehr schlimm. Ich fahre z.B. auf eine Kreuzung zu, sehe ein "Vorrang geben" - Schild bei der kreuzenden Strasse, betrachte die Umgebung und die Situation und schon geht es los in meinem Kopf. Was wäre wenn... ..., da stelle ich mir dann unglaublich viele Szenarien vor, die eintreten könnten, und wie ich darauf reagieren würde. Gerade beim Autofahren ist das gefährlich, weil ich dadurch nicht wirklich auf den Strassenverkehr konzentriert bin.
Oder auch zuhause, wenn jemand in einen anderen Raum geht, und plötzlich höre ich ein Geräusch, welches die andere Person im anderen Raum verursacht hat, dann fange ich auch an zu denken, was macht der da gerade, was hat er vor, was könnte dieses Geräusch verursacht haben, und und und.
Dabei konzentriere ich mich auch immer sehr stark auf das Visuelle, erstelle Bilder in meinem Kopf und achte dabei immer sehr stark auf die Details.
Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich Informationen aus der Umwelt regelrecht aufsauge und dabei wirklich Kleinigkeiten und Details mitbekomme, die den meisten anderen Menschen gar nicht auffallen.
Dadurch passiert es mir sehr häufig, dass ich vorrausschauend handeln kann, und vorrausschauend die Gedankengänge anderer Menschen konstruieren kann, eben weil mir diese Fülle an Informationen zur Verfügung stehen. Sehr häufig brauchen Personen nur einen Satzanfang zu sagen, und ich weiss schon genau, was sie mir sagen oder was sie tun wollen.
Aus diesem Grund kommt es auch häufig vor, dass mir Personen etwas erzählen, was ich auch schon längst realisiert habe, und ich dann oft mit "Ich weiss", oder "Genau das habe ich mir vorhin auch schon gedacht" antworte. Dabei wurde mir auch schon mehrmals unterstellt, dass das arrogant klingt.
Darum tue ich mir auch so schwer bei der Frage, was ich mir gerade denke, oder was in meinem Kopf vorgeht. Das ist nichts konkretes, das kann ich nicht genau benennen. Das ist einfach die komplette Bandbreite an Informationen, die auf mich reinfällt, und ich ständig alle Möglichkeiten und Eventualitäten abarbeite.
:
Es wäre wohl so, dass ich auf die Frage, was ich gerade denke, je nach Situation z.B. so antworten würde (bezogen auf das Beispiel mit der Kreuzung):
Ich habe mir gerade vorgestellt, was wäre, wenn jetzt ein Autofahrer diese Strecke schon 10 Jahre lang fahren würde, und gar nicht mehr auf dieses "Vorrang geben" Schild auf der kreuzenden Strasse achten würde, weil er ja weiss, das es da ist, und dieses "Vorrang geben" Schild plötzlich vom Verkehrsamt weggenommen wird, und auf seiner Strasse aufgestellt wird, sodass er jetzt eben Vorrang geben müsste. Aber aufgrund dessen, dass er die Strecke eben schon seit 10 Jahren fährt, und dieses Schild immer da stand, wo es eben stand, und somit eigentlich er Vorrang hat, und er jetzt einfach so in die Kreuzung reinfährt, ohne auf die anderen Autos zu achten. Jedoch aufgrund der neuen Situation kommt jetzt ein anderes Auto auch in die Kreuzung geschossen, welches nun eigentlich Vorrang hätte, und die Beiden krachen zusammen. Was würde ich dann tun? Wem würde ich zuerst helfen? Wo würde ich mein Auto abstellen? Wo wäre mein Handy, sodass ich gleich während ich auf die Unfallstelle zulaufe, die Rettung anrufen kann.
Die meisten würden mich dann wohl blöd anschauen, und fragen, ob ich denn komplett bescheuert bin.
Und diese Denkprozesse ziehen sich bei mir dann durch den ganzen Tag, wenn ich halt nicht gerade voll aufs Lernen konzentriert bin. Wobei es da auch manchmal vorkommt, dass ich mich in Gedanken verliere und alle Möglichkeiten versuche durchzuarbeiten, eben weil ich auch dieses anankastische an mir habe, und ich ständig nach Perfektion strebe, und somit auf alle möglichen Fälle und Situationen vorbereitet sein will.
Natürlich tue ich mir dann beim Einschlafen auch immer sehr schwer. Ich habe immer einen Laptop an meinem Bett stehen und schaue mir jeden Tag die gleichen Serien an. Ich kenne meine Lieblingsserien mittlerweile in- und auswendig, und trotzdem schaue ich sie mir jeden Tag immer wieder beim Schlafengehen an, weil ich das einfach brauche, dieses Vertraute, um mein Gehirn grösstenteils abschalten zu können.
Danke für den Buchtipp, werde ich mir mal anschauen.