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Schwierige Persönlichkeit

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Gast

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Hallo Leute,

ich bin männlich, 23 Jahre alt, und habe vor einigen Jahren festgestellt, dass ich eine äußerst schwierige Persönlichkeit habe, mit der die meisten Leute, denen ich so im täglichen Leben begegne, absolut gar nix anfangen können.

Ich fange mal von vorne an:

Damals, so mit 12-15 Jahren lag mein Interessenspegel, was die Schule anbelangt, bei glatten 0%. Ich hab auch wirklich nie etwas für die Schule gelernt, hatte trotzdem akzeptable Noten. Wobei mir absolut egal war, ob ich jetzt
eine 1 oder eine 5 im Zeugnis stehen hatte. Meine Mutter hat mein Dasein einige Zeit beobachtet, bevor sie mit mir
zu einem Psychiater ging. Meinen ersten Kontakt mit dem Psychiater hatte ich mit 17 Jahren. Der hat dann bei mir
eine anankastische Persönlichkeitsstörung bei mir festgestellt. Als diagnostische Kriterien nannte er mir u.a.

1) Ständige Beschäftigung mit Details, Planung, Ordnung, Regeln,...
2) ständiges streben nach Perfektionismus
3) Starrheit und Eigensinnigkeit
4) Vernachlässigung von zwischenmenschlichen Beziehungen
...

Ich fand es damals erstaunlich, dass ich all seine Punkte, die er mir damals aufgezählt, zu 100% bei mir selbst feststellen konnte. Desweiteren fanden wir heraus, dass ich eigensinnig und stur im Denken bin. Ich überlasse nur ungern anderen Leuten Aufgaben, die irgendwie, wenn auch um 5 Ecken, irgendwie mich betreffen können. Ich wirke schroff und unterkühlt, distanziert und manchmal auch arrogant wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht.

Von meiner Mutter weiß ich, dass ich schon sehr früh lesen konnte, und selbst kann ich mich noch erinnern, dass ich immer die Hausaufgaben von meinem 3 Jahre älteren Bruder mitgemacht habe, meine eigenen selbst aber nie angerührt habe.


Selbst fühle ich mich sehr stark von meiner Umwelt isoliert, ich habe auch keine Freunde. Was mir auch noch aufgefallen ist, dass ich andere Leute ständig in meinem Kopf kritisiere, egal um was es geht. In Sachen zwischenmenschlichen Beziehungen bin ich eine glatte 6, mir fällt es extrem schwer, normale Gespräche mit Leuten zu führen.

Mein Psychiater hat mich davor bewahrt, komplett dem Autismus zu verfallen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mir Zahlen angesehen habe, und innerhalb weniger Hunderstel die aufsummierte Quersumme im Kopf hatte. Dieser Zwang der Quersummenbildung hat sich aber mittlerweile wieder gelegt.

Ich passe einfach gar nicht in die Typenbeschreibung, die man für die Menschen in meinem Alter wählen würde. Ich habe noch nie geraucht, noch nie Alkohol getrunken, hasse Ausgehen, finde Smalltalk zum kotzen und kann mit Gesprächen, wie sie meine Altersgenossen führen, gar nichts anfangen.

Meine Interessen passen einfach gar nicht ins Bild normaler "junger Erwachsener".

Von meiner Familie habe ich mich auch jahrelang (ist z.T. jetzt noch so) unverstanden gefühlt, weshalb meine Eltern das Bild eines frechen Jungen von mir hatten. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass meine Familie bis heute noch nicht wirklich verstanden hat, wie ich wirklich ticke.

Das Gymnasium habe ich ab ca. 16 Jahren nach dem Min-Max-Prinzip abgefertigt. Aufgrund von fehlender Interesse war mein Anspruch, mit Minimalaufwand das Maximale an Noten herauszuholen. D.h. ich habe meistens
am Vortag einer Klausur von 10 Uhr abends bis 3 Uhr früh gelernt, aber es war fast nie der Fall, dass ich mal länger als 2-3 Tage für Klausuren gelernt habe. Das hat dann für ein Abi von 1,13 gereicht.

Zur aktuellen Situation:

Ich studiere jetzt Medizin und Physik. Studienmäßig läuft alles hervorragend, doch Sozialkontakte existieren so gut wie gar nicht. Ich kann nichts mit dem oberflächlichen Gerede meiner Mitstudenten anfangen, wirke (wie schon erwähnt) schroff und unterkühlt im Auftreten, manchmal wohl auch arrogant.

Der Grund, wieso ich diesen wohl ziemlich zusammenhangslosen Text hier schreibe, ist derjenige, weil ich wieder einmal alleine in meiner Wohnung sitze und mich einsam, unverstanden und auch ein Stück weit traurig fühle.

Wie anfangs schon erwähnt, wollen sich 99,9% der Leute, die sich in meinem Umfeld bewegen, nicht die Mühe machen, mich wirklich kennenlernen zu wollen.

Hmmm,..für den Anfang reicht das wohl.

Würde gerne Meinungen, Äußerungen, etc. anderer Leute hören.

Viele Grüße
 
Mir fällt es sehr schwer, mich auf andere Leute einzulassen. Ich habe in der Vergangenheit viele schlechte Erfahrungen gemacht, wenn ich mich gegenüber anderen Leuten mal ein bisschen geöffnet habe.

Als Beispiel hatte ich in der Schule 5 Jahre lang ein paar "gute Freunde", denen man natürlich gerne hilft, wenn sie Probleme in bestimmten Fächern haben. Es war sehr häufig der Fall, dass ich diese Leute dann zu mir eingeladen habe, und ihnen ohne jegliche Gegenleistung sehr oft und intensiv geholfen habe. Naja,....Schule vorbei, nie mehr wieder was von den "Freunden" gehört.

Als aktuelles Beispiel habe ich letztens einen Mitstudenten kennengelernt, der mir sympathisch erschien. Er fragte mich dann, ob wir uns denn zum gemeinsamen Lernen treffen können. Ich willigte ein, kam überpünktlich zum vereinbarten Ort, und wartete 90 Minuten vergeblich auf meinen Mitstudenten.

Solche Situationen festigen dann wieder meinen Willen, gar keine Leute kennenlernen zu wollen, und das ist echt schade.

Ich habe festgestellt, dass ich es mir wesentlich leichter fällt, mich mit älteren Personen zu unterhalten, weil da auch tiefgründige Gespräche zustande kommen, und nicht nur oberflächliches Getue, wie ich das bei meinen Mitstudenten immer feststelle.

Die Frage, was ich tun würde, damit andere mich verstehen, ist für mich schwer zu beantworten. Ich will mich auf jedenfall nicht verstellen, nur um anderen Leuten zu gefallen. Darin liegt wohl das Problem.
 
Hey Big Bang

Ich wollte nur sagen das ich dich sehr gut verstehe weil es mir mit den meist oberflächilichen Gesprächen ähnlich geht würde mich gerne mal weiter unterhalten um zu wissen über welche tiefgründigen sachen du gerne redest.
Ausserdem hat bandit recht (gut gesagt bandit😀)

Kater
 
Hey, ich bin es mal wieder.


Also ich selbst will mich ja auch nicht verstellen. Aber ich merke halt immer wieder, wie ein Großteil der Leute, nachdem sie sich erst seit 10 Minuten kenn, so tun, als wären sie dickste Freunde. Und wenn ich dann sehe, dass Leute über 100 Freunde auf Facebook haben, erscheint mir das doch alles sehr oberflächlich.

Es gibt nicht viele Leute wie dich Bandit, die auch wirklich mal genauer hinsehen, und auch wirklich jemanden verstehen wollen.

Das mit dem gemeinsamen Lernen in der Schule würde ich aber jedoch schon eher als hinterfotzige Aktion beschreiben. Ich habe bei dem gemeinsamen Lernen ja keinen Benefit gehabt. Ich war immer bestens auf die Matheklausuren vorbereitet, konnte alles wirklich sehr sehr gut, und das schon Tage vor der Klausur. Aber wenn es dann Ernst geworden ist, also sprich die letzten Tage vor der Klausur, kamen die Leute immer an, und wollten natürlich ein Stück vom Kuchen haben, und das ganz ohne Gegenleistung. Naiv wie ich war, hab ich das natürlich gemacht.

Oder z.B. auch eine ehemalige Schulkollegin. Seit Jahren hat mir die nichts mehr geschrieben. Und wenn ich sage Jahre, dann meine ich auch echt so 5-6 Jahre. So lange habe ich nichts von ihr gehört. Und nach 6 Jahren dann, als sie an der Uni anfing zu studieren, hat sie sich dann gemeldet, mit den Worten: Hey, ich brauche Hilfe in Mathe, kannst du mir helfen?

Hmmm....

Hallo Einsamer Kalter, danke für deine Antwort,

Also ich selbst liebe Astronomie, sitze sehr häufig mit meinem Teleskop draußen und mache Beobachtungen.

Außerdem sehe ich mir sehr gerne Filme an, und diskutiere darüber. Aber ich mein jetzt nicht solche abgeklatschten Schinken wie SAW oder ähnliches. Z.T. mag ich auch sehr gerne ältere Filme, von mir aus auch 20-30 Jahre alt. Diskutiere dann sehr gerne darüber, was der Regisseur mit dem Film sagen will, oder versuche Intentionen und Handlungen von den Charakteren zu interpretieren.

Spiele in letzter Zeit auch wieder häufiger Poker im Internet. Aber dafür hab ich aufgrund des Lernaufwandes nicht oft die Zeit.


Potentielle Freunde habe ich leider immer noch nicht kennengelernt. Und ich meine jetzt nicht 100 Freunde auf Facebook, sondern ich fände es toll, wenn ich 1-2 oder auch 3 Leute hätte, von denen ich behaupten kann, dass sie wirklich wahre Freunde sind. In großen Gruppen fühle ich mich ohnehin nicht sehr wohl.

Gerade gestern habe ich von meinem Fenster aus wieder eine Gruppe von Leuten gesehen, die draußen gegrillt, gelacht und Musik gehört haben. So etwas macht mich traurig, weil ich dieses Gefühl von Freundschaft und Zusammensein einfach nicht kenne.

Jetzt im Moment empfinde ich wieder diese Traurigkeit.


Es gibt hier einen Professor an der Uni, der mich sehr stark an mich selbst erinnert. In den Arbeitsgruppen, wo dieser Professor der Übungsleiter ist, wirkt er auch distanziert, sachlich, klar und etwas unterkühlt. Er beschränkt sich, im Gegensatz zu vielen anderen Professoren, nur auf das Wesentliche, und kann mit oberflächlichem, schleimigem Getue vieler meiner Mitstudenten auch nicht viel anfangen, im Gegensatz zu vielen anderen Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern etc.
Das Problem ist halt, dass ich einem Professor von mir nicht einfach sagen kann, dass ich seine Persönlichkeit und sein professioneles Auftreten klasse finde.

Es ist mir schon öfter passiert, dass ich Leute als interessant empfinde, aber einfach keinen Zugang zu ihnen habe, wie oben beschrieben z.B. aufgrund des Professor - Studenten - Verhältnisses.
 
Noch kurz ein Punkt zu meiner Person, der vielleicht mehr über mich erzählt:

Ich versuche immer alles in meinem Kopf zu klären, bin ständig im Denkprozess, ohne auch nur einmal auf meinen Bauch zu hören.

Ich glaube ich kann das auch gar nicht, eine Entscheidung aus dem Bauch heraus zu treffen.


In der Schule wurde ich immer stark wegen meiner Kleidung gemobbt. Alle hatten sie damals teure Markensachen an, ich war der einzige in der Klasse, der das nicht hatte. Sogar mein angeblich bester Freund hat sich damals gegen mich gestellt.
Schon als Jugendliche waren damals alle so oberflächlich mit dem Motto "hast du teure Klamotten an, so bist du auch wer". Ich fands natürlich S****...

Im Nachhinein habe ich dann halt festgestellt, dass mir bezüglich Intelligenz und Erfolg keiner aus meiner ehemaligen Schulklasse das Wasser reichen kann. Ist vielleicht ein netter Nebeneffekt, mehr aber auch nicht. Freunde habe ich deswegen auch keine.

Jetzt im Moment bin ich sogar zu traurig zum lernen, obwohl ich es eigentlich müsste.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hast Du "nur" eine schwierige Persönlichkeit oder bist Du tatsächlich autistisch?
Wurde bei Dir die Diagnose Autismus gestellt?
 
@ Bandit:

Na toll, und woran merkst Du, dass Menschen sich verstellen?
Angeblich kann man es an ihrer Körpersprache merken, wenn sie nicht authentisch rüberkommen.
Ja, aber woran sieht man das?
Sieht man es den Augen an, wenn gelogen wird?
Ich stelle erst immer im nachhinein anhand der Fakten fest, dass sich mal wieder jemand verstellt und mir etwas vorgemacht hat. 🙄
 
Also Autist bin ich glaub ich keiner, ist aber auch nie konkret getestet worden glaub ich. Es hieß nur einmal vor einigen Jahren, dass ich mich "am Rande zum Autismus" bewegt habe. Mehr weiß ich aber auch nicht.

Außerdem kenne ich das Krankheitsbild Autismus zu wenig, um mich selber da jetzt genau einschätzen zu können.

Ich wirke halt im Beisein von anderen Personen sehr schüchtern, befinde mich sehr oft in meiner kleinen Welt in meinem Kopf, spreche innerlich sehr häufig mit mir selbst, kateorisiere Leute, kommentiere innerlich ihr Verhalten. Sozusagen befinde ich mich in sehr enger Beziehung mit meinem Inneren Ich.

Was aber auch kein Wunder ist denke ich, wenn man den ganzen Tag niemanden zum Reden hat, und immer alleine ist. Da fängt man wahrscheinlich irgendwann mal an, mit sich selbst zu reden.

In meinem Kopf drehen sich eigentlich immer die Rädchen. Sachen, die eigentlich aus dem Bauch heraus entschieden werden, oder Dinge, bei denen man nach Gefühl geht, all das versuche ich in meinem Kopf rational zu erfassen und eine Entscheidung zu treffen.

Mir fällt es auch extrem schwer, mich zu entspannen, einfach weil sich in meinem Kopf eigentlich immer die Rädchen drehen.
 

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