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Schreckliche Gefühle am Abend

Hallo ihr alle,

könnt ihr mir helfen?

Ich würde nicht sagen, dass ich eine schwere Depression habe. Ich komme morgens aus dem Bett, erledige meine Arbeiten, auch wenn sehr knapp, und treffe Leute. Ich studiere und arbeite. Nach außen bin ich fleißig und selbstständig.

Was niemand weiß, ich bin daran, das Ritzen zu stoppen. Und den Alkohol. Letzteres ist schwieriger, ersteres ist einfacher, wobei ich letztens immer mehr Lust darauf kriege, es wieder zu beginnen. Kontakte zu Menschen überfordern mich, Termine überfordern mich, Feste überfordern mich. Bald ist Ostern. Man hat mir eine schöne kurzärmelige Bluse geschenkt. Ich habe Angst, ich muss sie anziehen. Dann sieht man die Narben. Und nein, ich bin noch nicht bereit, sie zu zeigen.

Ich bin total unbeholfen Männern gegenüber, mein erster Kontakt mit ihnen fühlte sich angsterregend an, obwohl es objektiv total ok war. Nachts kann ich manchmal nicht schlafen, weil ich Gedanken kriege, dass ich mich am liebsten niedertrampeln lassen würde, oder fixieren. Ich kann dann stundenlang nicht schlafen; wenn ich versuche, diese Gedanken zu ignorieren und einfach still zu liegen, kriege ich so ein komisches, erregtes Gefühl. Es ist grässlich. Ich kann mich an kein Trauma erinnern und meine Familie war eigentlich zu lieb, um mir so etwas anzutun.

Aber das am Rande. Hauptsächlich geht es mir darum, dass ich Angst vor den Abenden habe. Ich sehe keinen Sinn im Leben, ich weiß nicht warum ich versuche, mit SVV aufzuhören, alles sieht langweilig und sinnlos aus. Jeder Abend derselbe, so schlimm, so einsam, obwohl ich mich gleichzeitig von den ganzen Leuten in meinem Leben überrannt fühle. Ich habe versucht, mich mit Alkohol zu betäuben, aber das kann es doch nicht sein, ohne irgendeinen Grund jeden Tag von Neuem aufzuwachen. Ich bin nicht selbstmordgefährdet.

Kann mir vielleicht jemand helfende Gedanken schreiben, oder Tricks, wie ich der Verzweiflung entkomme? Sport, Kunst, Freunde oder außerhäusliche Aktivitäten haben bisher nicht wirklich geholfen.

Ich bin in Therapie, aber der Thera ist zurzeit nicht da. Es sind so viele Tage bis zum nächsten Mal...

Lg
 

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OhneAusweg

Mitglied
Au Backe...da schleppste ja was mit dir herum! Zumindest wirkst du sehr selbstreflektiert...was schon viel wert ist. Offen umgehen tust du auch damit.
Für nicht betroffene Menschen ist es sicher schwer dazu etwas zu sagen. Es liest sich schon derbe...und wer damit keine Erfahrungen hat, wird wohl ehr nichts sagen...bevor es was falsches ist.
Deine beschrieben Probleme, bzw. Symptome müssen kein Trauma als Grund haben. Diese Formen von Erkrankung können zB auch Hirnorganisch sein, was letztlich mit der Biochemie im Gehirn zu tun hat. Diverse Botenstoffe können zB im Ungleichgewicht sein und den Hormonhaushalt beeinflussen. Aber vermutlich wirst du das selber wissen.

Deiner subjektiven Verzweiflung wirst du nicht entkommen können. Du wirst sie verdrängt bekommen, oder überlagert...aber den Grund dafür müstest du heraus finden und letztlich diesen dann be.- bzw. verarbeiten!

ich kenne auch Menschen...die an ähnlichen Problemem leiden und auch den Grund in der Körperchemie gefunden haben, mit Ärzten. Letztlich nehmen sie Medikamente und machen diverse Formen von Therapien. Zumeist an den Stellen, die ihnen Probleme bereiten. Zum Beispiel Beziehungsfähigkeit...

Mit substanziellem Mißbrauch solltest du dringend aufhören, oder nicht wieder anfangen. Die Selbstmedikation zur Symptomlinderung ist verständlich...aber sie wird sich mittel und langfristig nicht bezahlt machen!

In der Nacht kommen die Schatten, die Gedanken, die Ängste...der Körper kommt zur Ruhe, die Reizlage nimmt ab, keine Ablenkung...- leider ist das so! Vermutlich wirst du vor allem lernen müssen, dich in diesen Situationen selber zu regulieren...um den Stress damit klein zu halten.

Literatur...ist reizarm. Keine Akustik, keine optischen Reize...Glotze aus und gute Bücher her. Schlaffördernde Tees, gedämmte Beleuchtung und in den Inhalt der Bücher stürzen. Lesen lenkt ab...Glotze bombardiert hingegen mit zu vielen Reizen. Hörbücher gehen auch gut...und dann darauf einlassen. Du brauchst ein Medium, das dich mit einer sanften Reizlage aus de Gedankenspirale holt, bzw. dich nicht hineinrutschen lässt - probier das doch mal aus...

viel Erfolg dabei, gute Besserung...und nicht vergessen: immer einmal mehr aufstehen, als man hinknallt...aufgeben gibt es nicht!
 
Hallo OhneAusweg!

Danke für deine Antwort. Sie ist sehr nett und einfühlsam und sehr inhaltsreich.

Deine Anmerkung, dass es was Hirnorganisches sein kann, ist interessant. Ich habe an die Möglichkeit schno mal gedacht, aber sollten dann die ganzen Symptome nicht schon viel früher auftauchen? Ich fühle mich erst seit ein paar Jahren so.

Danke nochmal für den Tipp, mit Selbstmedikation aufzuhören. Es hilft, das immer wieder zu hören. Ich habe inzwischen eingesehen, dass sie mir langfristig nichts nützt, was schon mal ein Fortschritt ist. Nur, wenn ich länger nichts in der Richtung mehr gemacht habe, staut "es" sich einfach auf, ich sehe dann keinen anderen Weg mehr. Skills helfen für den Moment, aber kurze Zeit später ist die Anspannung wieder da. Im Moment mache ich all die schlechten Gewohnheiten seltener, höchstens ein paar Mal im Monat. Im Moment brauche ich das noch, aber ich bin zuversichtlich, dass es besser werden wird.

Ich werde den Spruch mit dem Aufstehen beherzigen (er ist sehr schön :) ) und versuche dann mal tatasächlich, die Glotze(n) öfters auszuschalten.

Viele Grüße!
 

L13

Mitglied
Hi Entenblümchen,
mir geht es ähnlich wie bei dir nach dem was du schreibst. Ich kenne das Gefühl wenn man sich fragt wozu man am nächsten Tag wieder aufwacht wenns eh alles wieder das selbe ist.
Gespräche mit Frauen an zu fangen oder auch bei den ersten Treffen aufrecht zu erhalten ist für mich extrem schwer und anstrengend. Meine Hoffnung ist das sich das letztere von alleine gibt wenn ich genug Geduld habe und es oft genug probiere.
Gegen die Gedanken hilft bei mir Musik machen. Je nach Art der Gedanken Klavier oder Gitarre spielen und wenns zu schlimm wird hilft spazieren gehen oder Rad fahren.
Die Ruhe, die hier nachts ist hilft den Kopf frei zu bekommen, ohne zu Alkohol zu greifen.

Ich hoffe ich kann dir damit ein bisschen helfen.

LG Lars
 

OhneAusweg

Mitglied
Hallo OhneAusweg!

Danke für deine Antwort. Sie ist sehr nett und einfühlsam und sehr inhaltsreich.

Deine Anmerkung, dass es was Hirnorganisches sein kann, ist interessant. Ich habe an die Möglichkeit schno mal gedacht, aber sollten dann die ganzen Symptome nicht schon viel früher auftauchen? Ich fühle mich erst seit ein paar Jahren so.

Danke nochmal für den Tipp, mit Selbstmedikation aufzuhören. Es hilft, das immer wieder zu hören. Ich habe inzwischen eingesehen, dass sie mir langfristig nichts nützt, was schon mal ein Fortschritt ist. Nur, wenn ich länger nichts in der Richtung mehr gemacht habe, staut "es" sich einfach auf, ich sehe dann keinen anderen Weg mehr. Skills helfen für den Moment, aber kurze Zeit später ist die Anspannung wieder da. Im Moment mache ich all die schlechten Gewohnheiten seltener, höchstens ein paar Mal im Monat. Im Moment brauche ich das noch, aber ich bin zuversichtlich, dass es besser werden wird.

Ich werde den Spruch mit dem Aufstehen beherzigen (er ist sehr schön :) ) und versuche dann mal tatasächlich, die Glotze(n) öfters auszuschalten.

Viele Grüße!
Die Thematik Hirnorganisch liest sich nicht immer schön und wirft Fragen auf...allerdings veändert sich der gesamte Stoffwechsel ein Leben lang immer wieder...wenn im Gehirn...als Organ...etwas biochemisch nicht in Ordnung ist, sein sollte...kann das auch in einer Auswirkung irgendwann im Leben losgehen. Schilddrüse, Nebennieren...soviele Faktoren die den Botenstoffmix beeinflussen. Diese Faktoren können auch (ohne Befunde bezogen auf das Orgin im Kopf) Probleme darstellen...viele Faktoren, viele Wechselwirkungen und Abhängigkeiten...! Der gesamte Chemiebaukasten "Körper" ist hoch komplex...was Stimmungen angeht - bei Fraue oft noch komplexer - was nicht wertend gemeint ist!

Eventuell - wenn nicht schon erfolgt - könnte ein kompletter Gesundheitscheck gemacht werden!? Labore können viel finden, wenn sie grob wissen...wonach sie suchen müssen. Bei meiner Frau war es lange Zeit sehr kompliziert noch ein "richtiges" Verhalten ihr gegenüber zu finden. Jeder Tag konnte ein Sprengsatz sein, oder auch nicht...was in der Früh ok schien, war es am Abend nicht mehr...bis heraus kam, das ihre Schilddrüse (als ein Faktor von vielen) total ausgeflippt ist. Im Zusammenspiel mit allen anderen körperlichen Faktoren, die seid Jahren unrund laufen...war das schon ein riesen Schritt im Finden von Lösungen und einer Verbesserung der Befindlichkeit...

oft wenn man sich fragt...woher man die Kraft nehmen soll, entgegen jeder empfundenen Sinnlosigkeit noch weiter zu machen...gibt es einfach keine passende Antwort. Es gibt leider nur eine Leitlinie - immer weiter machen, sich nicht aufgeben...und wenn es nur das Gefühl erzeugt, den Kampf mit sich selber nicht aufgegeben zu haben! Es ist eine riesen Baustelle...wenn man in Sich ein Problem hat, das kaum Ressourcen für andere Baustellen über lässt. Erfolge kann man dann - meiner Meinung nach - am ehsten erzielen, wenn man der Last der inneren Baustelle nicht nachgibt.
Therapie, Ärzte, Medikamente...egal was es braucht, um wieder stabil zu werden...um dann auch wieder die umgebenden Baustellen und Projekte des Lebens in Angriff nehmen zu können.

Sicher sind meine Ideen und Beiträge hier nicht von allgemeiner Gültigkeit und kein Patentrezept. Ich habe grade so eine Phase hinter mir...Sackgassendenken, Gedankenspirale, emotionale Festgefahrenheit...Frust, Trauer..."OhneAusweg" war nicht ohne Grund der Nick, mit de ich mich in einer Nacht angemeldet habe. Ich bin da wieder raus gekommen...war nicht einfach. Es gilt den Weg zu finden...Du schaffst das auch...!!!
 

Ultimo

Mitglied
Hallo Entenblümchen!

du hast ja geschrieben das der Therapeut nicht da ist. Ich habe auch ein Angstproblem und besuche deswegen schon länger eine Selbsthilfegruppe. Die tut mir sehr gut. Ich hatte am Anfang sehr große Angst da hin zu gehen aber jetzt habe ich dadurch sehr viel lernen können und habe auch viele liebe Menschen kennen gelernt.

Wäre sowas für dich vielleicht was? dadurch bekommt man auch abseits von Therapien Hilfe und das tut der Seele sehr gut. Woher kommst du denn so ca? Man könnte ja mal schauen ob es da so eine Gruppe gibt.

LG
 

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