wai;1213714]Ich habe schon ein bisschen in der Schule gelernt. Lesen und Schreiben zum Beispiel. Findest du das auch nutzlos?
Hallo Wai,
Lesen, schreiben und rechnen zu können finde ich total wichtig und sehr nützlich!!
🙂 Praktisch betrachtet, man kommt OHNE halt nicht oder nur sehr schwer durch. Das alleine macht aber leider noch keinen "vernünftigen" Menschen.
Ich weiß nicht ob Du Kinder hast, ich hab zwei. Eine Tochter, 16, die in der 11. Klasse ist und einen Sohn, 12, der in der 7. Klasse ist. Und ich kann Dir sagen WAS die armen Hascherls streckenweise für einen völlig unnützen Kram lernen müssen. Ich selbst genoss auch viele Jahre Schule, habs sogar aufs Gymnasium geschafft - aber wirklich Nützliches gelernt habe ich nicht. Was ich gelernt habe ist: wenn´s ne schlechte Note gibt, gibts Ärger!
Ich sehe Schule mittlerweile als eine "Anstalt zur Bücklingshaltung", Kopf runter in Arschhöhe..........
🙄
Um noch kurz völlig OT bei Schule zu bleiben, dann hätte ich z.B. für den Mathematikunterricht ein paar Vorschläge zu machen, die was wären:
"Wie funktioniert Geld, Zinsen, Börse?"
"Warum braucht man einen Dreisatz?"
"Wie liest man Statistiken richtig?"
"Warum braucht man Mathematik überhaupt?"
Die Kinder -so meine Erfahrung- bekommt irgendeinen Stoff "aus heiterem Himmel" präsentiert, ohne jeglichen Zusammenhang. Es heißt nur: DA, zack peng, irgendwelche Formeln auswendig lernen und dann damit rumrechnen. Wozu diese Formeln gut sind sagt anscheinend Niemand.
Hinzu kommt ein übler Konkurrenzkampf zwischen den Schülern, der Leistungsstress, der Notenstress und die Lehrer geben den Kindern den Rest indem sie ausdrücklich betonen, dass sie OHNE Abitur NICHTS sind.
Obs generell so ist weiß ich nicht, aber meine Tochter erzählt mir das so.
Der Spruch: "Für unser Leben lernen wir" empfinde ich als Hohn.
Wir werden "geformt", SO wie es gesellschaftlich gebraucht und benutzt werden kann.
War OT - ich weiß. Note 6 - setzen.
🙄
Es gibt nämlich Leute, die das nicht können und wenn, nur fehlerhaft.
Und das nicht, weil sie Legastheniker sind, sondern weil sie in beschissenen Elternhäusern aufwachsen, die sich um solche elementaren Dinge nicht kümmern, warum auch immer.
Die gibt es, aber liegts immer am Elternhaus?
Ich muss gestehn, dass meine Kinder völlig selbständig ihre Schule absolvieren. Ich häng mich da kaum rein. Gut, ich hab Glück, weil sie recht intelligent geraten sind, aber wie ich schon sagte: nicht jeder hat solche Voraussetzungen.
Der Halbbruder meiner Kids (gleicher Vater) hat im dritten Anlauf die Mittlere Reife nicht geschafft. Er rechnete in der 4. Klasse immernoch im 10er-Bereich, manchmal auch bis 100, aber nur mit Hilfe und mit Fingern. Aber der arme Kerl kann nix dafür. Er ist halt so. Jetzt ist er 25 und versucht sich als Künstler, auch mehr schlecht als recht.
Natürlich gibts auch Leute bei denen das Umfeld einfach S**** ist und so was färbt ab. Aber grundlegend kann man Menschen nicht ändern.
Deswegen geht es nicht um den Satz des Pythagoras oder physikalische Gesetze, sondern darum, überhaupt eine Grundlage zu schaffen, damit diese Leute im Leben auch Perspektiven haben. Dafür ist Lesen und Schreiben unabdingbar. Und das macht Schule SEHR wichtig.
Die Grundlagen-Messlatte liegt heutzutage viel höher als noch vor 20 Jahren. Durch die Computertechnik hat sich so Vieles grundlegend verändert, da gibt es nunmal Menschen die da nicht mitkommen. Deshalb sag ich immer: es müssen einfache Arbeiten her die Jeder machen kann.
Vor ca. 25 Jahren war es einer alleinerziehenden Mutter -so wie ich- noch möglich ganz simple Arbeit zu finden und damit sich und Kinder zu ernähren, trotz nur 70 DM!!! Kindergeld. Eine Bekannte meiner Mutter fand z.B. einen Arbeit bei der sie Brillen zusammenbastelte, Andere fanden Arbeit in Nähereien, Büglereien und Viele ernährten sich mit Putzen. Ich finde besonders für Frauen die alleine sind wirds immer schlimmer. Aber das war ja schon immer so, dass Frauen die Arschkarte ziehn. Selbst heute noch: durchschnittlich ca. 20% weniger Lohn für gleiche Arbeit im Vergleich zu Männern.
Auch Ot - aber es blubbert grad so raus aus mir. Mein Frust.
Notwendig ist das natürlich nicht. Sie können auch ohne solche grundlegenden Fähigkeiten “Mensch sein”, wie du es nennst. Nur will ich, jetzt mal ganz überspitzt und mit Vorurteilen, solchen Leuten auf der Straße begegnen? Die mich anpöbeln mit falscher Grammatik und dann vielleicht auch noch ein Messer ziehen? Nö.
Der Halbbruder ist geistig wirklich kein Überflieger, aber dennoch pöbelt er nicht rum. Er ist ein feiner Mensch, passt aber nicht ins Leistungssystem.
Ich glaube der Grund für die Pöbelei, für das Daneben-Benehmen liegen woanders. Mehr im Herzen.
Die muss man gesellschaftsfähig machen
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Was bedeutet denn gesellschaftsfähig? Lieb und brav?
Gestern traf ich aufm Markt -wir essen dort zu mittag- einen Mann der hochgebildet ist. Mediziner und Professor. Ich trag mein Herz eigentlich immer recht locker auf der Zunge und komme mit Jedem ins Gespräch (wenn ich das will). Dieser Mann ist Mitgründer des Tibethauses in Frankfurt, fliegt jedes Jahr nach Indien zu buddhistischen Studienzwecken, ein wirklich intelligenter Mensch....und dennoch: er lebt seit 1 Jahr in Trennung und wie er das so schilderte....um es kurz zu machen: ein A*******.
Aber halt ein "unauffälliges" A*******. Verstehst Du.
Und das geht, beim Nullpunkt angefangen, am besten, indem man ihnen lesen und schreiben beibringt und ihnen in der Schule ein paar wichtige Werte vermittelt. Das verstehe ich unter Bildung. Und wenn man Glück hat, zieht man sich so kritische Denker heran, die halbwegs reflektiert durch die Welt laufen. Und die nicht irgendwann gewalttätig werden und im Gefängnis landen.
Nicht jeder unkritische Mensch wird gewalttätig, aber jeder kritische Mensch "könnte" gewalttätig werden.
Was für WERTE haben wir hier in Deutschland?
Ich musste als Kind noch einen Knicks machen, wehe wenn nicht, das war schon fast ne Revolte.
Die von dir erwähnten Kfz-Mechaniker oder sonstige Leute beziehe ich übrigens ganz und gar NICHT mit ein in die “Asozial”-Kategorie. Das sind ehrenwerte Leute. Und wenn die Probleme haben, einen Job zu finden, dann ist das System schuld, da hast du recht.
Danke
🙂
Was man da machen soll? Keine Ahnung. Ich wünschte, ich würde Politik und VWL studieren, dann hätte ich da vielleicht genauere Vorschläge.
Und, ganz wichtig, nochmal: ich rede hier nicht vom IQ oder dass die Leute nichts in der Birne haben. Ich rede davon, dass man sie nicht genug fördert.
Ich nehme als Beispiel nochmal den Halbbruder. Er hat wie schon gesagt die Mittlere Reife im dritten Anlauf nicht geschafft, aber anscheinend eine künstlerische Ader. Hätte man das nie viel früher entdecken "müssen"? Ihm wäre viel erspart geblieben.
Förderung sollte was ganz Individuelles sein, findest Du nicht?
Warum ein Kind bis zur 10. Klasse mit mathematischen Formeln quälen, wenn die geistigen Fähigkeiten einfach nicht vorhanden nicht - ohne dass ich das jetzt negativ meine.
Warum kann man nicht sehen, dass ein Kind eher praktisch begabt ist um dann gezielt mit Förderung anfangen.
Grundlegend sollten Menschen lesen, schreiben und rechnen können, Grundrechnen. Danach sollte es individuell gestaltet werden.
Meine Meinung.
Vielleicht hat der “krass ey”-Junge das Potenzial in sich, der zweite Goethe zu werden. Aber aufgrund einer schlechten Erziehung ist ihm diese Chance vergönnt. Deswegen muss man ihn, meiner Meinung nach, halt richtig fördern. Und ihm Zugang zur Bildung eröffnen.
Warum Goethe? Ich finde man sollte nicht zu hoch greifen. Es kann nicht jeder ein Goethe oder Steven Hawkins sein.
Da fällt mir grad ein: stell Dir mal vor Steven Hawkins wäre keine Ausnahme, sondern die Regel - ICH würde arg alt aussehen neben ihm, wie die meisten Menschen. Aber stell Dir mal vor man würde das von uns verlangen? Ich wäre der Oberversager.
Darum geht es eben auch. Man kann nicht nur die Rahmenbedingungen anklagen, sondern muss auch die “Fehler” der Menschen selbst betrachten und diese auszubessern versuchen.
Ist es ein Fehler binomische Formeln nicht zu begreifen?
Ein Fehler ist Frustabbau durch Gewalt, als Beispiel. Aber warum haben so viele junge Menschen Frust? Bringen sich wegen der Schule gar um?
Ich muss mal wieder Bhutan hier rein bringen. Der dortige König hat den Begriff "brutto-GLÜCKS-Produkt" erfunden und es wird jedes Jahr JEDER einzelne Bürger nach seiner Zufriedenheit, nach seinem "Glück" gefragt. Dann versucht man heraus zu finden, WAS einen Menschen unglücklich macht und sucht nach Lösungen.
Bhutan, eines der ärmsten Länder der Welt und dennoch viel zufriedenere Menschen als hier.
Das sollte zu Denken geben.
Wir entfernen uns immer mehr von unserer angeborenen Emotionalität, von unseren Ursprüngen, von dem was mensch wirklich braucht um sich rund zu fühlen.
Klar, und du kritisierst hier jetzt den Kapitalismus allgemein. Da stimm ich dir ja auch zu, grundsätzlich.
Danke. Es ist das System. Es produziert nicht nur "asozial auffällige Menschen", sondern Menschen die immer mehr unter Depressionen und Ängsten leiden. Es produziert oberflächichen Reichtum, aber auch Armut und mehr und mehr seelisches Leid. Und es produziert gefühltkalte, nach Geld geiernde unglückliche Wesen die wie ein trauriger Hamster rennen wie verrückt und dennoch nicht von der Stelle kommen.
Soll DAS "Leben" sein?
Aber selbst, wenn wir ein anderes System hätten, fänd ich es trotzdem schön, wenn reflektierte Leute durch die Welt laufen. Und Schule und ein gutes Elternhaus ist dafür erstmal nicht schlecht.
Ich wünsche mir auch Menschen die reflektieren, aber auch unter den unauffälligen, gebildeten Menschen finde ich nur sehr, sehr selten einen dieser Menschen.
Das macht mich sehr traurig, mein Ernst.
🙁