Hallo Annika,
es gibt unzählige geistige Behinderungen und auch sehr unterschiedliche Formen von Demenz, man kann also nicht pauschal sagen, dass jemand mit einer geistigen Behinderung unberechenbarer ist als jemand, der an einer Demenz leidet.
Aber wenn man schon pauschalisiert, dann hätte ich es jetzt eher genau andersherum eingeschätzt und habe es im Verwandten- und Bekanntenkreis auch anders als Du erlebt: die Menschen mit geistiger Behinderung, die ich kenne, sind eigentlich sehr berechenbar und lieben ihre Gewohnheiten, man muss sich nur auf ihre Denke einlassen können. Bei Menschen, die an Demenz erkrankt sind, wechselt die Tagesform, wechselt das Maß des Abdriftens, wechselt die Gedankenwelt. Darauf kann ich mich nur schwer einstellen.
Bei einer meiner Verwandten (erwachsen, Down Syndrom) weiß ich, dass sie ungefähr 20 Minuten extrem knatschig wäre und mich sehr, sehr doof fände, wenn ich gestern mit ihr ein bestimmtes Mittagessen abgesprochen hätte und ihr heute sagen müsste, dass es eine bestimmte Zutat nicht gab und wir etwas anderes essen müssen. Und wenn sie fertig geknatscht hätte, würde sie sich mit mir in die Küche stellen und Gemüse schnippeln "Zwiebel Du... die beißt mich."
Beim dementen Vater einer Freundin könnte ich nicht einschätzen, ob er mit den Schultern zuckt und fragt, ob er für das andere Essen was schnippeln soll oder weint und schreit und den ganzen Nachmittag aus der Spur ist oder ob es ihn gerade nicht die Bohne interessiert, weil er so einen Tag hat, an dem er gerne sonnig lächelnd den Inhalt seiner Windel an den Wänden und Möbeln verteilen möchte.