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Realitätsflucht in eine andere Welt

honigbaer

Mitglied
Guten Abend,
Ich bin neu hier, w16, leide unter maladaptivem Tagträumen und würde mich sehr über Antworten freuen.
Ich hatte schon immer viel Fantasie, so habe ich mir mit 6 Jahren eine imaginäre Fantasiewelt erschaffen. In dem Alter ist das gesund, nur existiert diese Welt auch noch nach 10 Jahren für mich.
Sie ist extremst detailliert, eben wie eine zweite Welt. Sie spiegelt das wider, was mir fehlt, darum brauche ich sie denke ich auch. Allerdings verbringe ich täglich teilweise mehrere Stunden in ihr.
Ich höre Musik, laufe hin und her und tauche ab. Auch vor dem Schlafen oder nach dem Aufstehen bin ich am Träumen, sowie wenn ich draußen spazieren gehe. Ich habe mehrmals vergebens versucht, ohne sie auszukommen, aber es ist wie eine Sucht. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen wie es wäre, wenn ich mal nicht mit imaginären Freunden reden würde. Ohne könnte ich gar nicht mehr einschlafen.
In dieser Welt habe ich mehr Spaß und fühle ich mich wohler. Aber mir ist bewusst, dass ich mich lieber auf die Realität konzentrieren sollte. Und ich glaube, dass sie meine sozialen Interaktionen sehr beeinträchtigt, da die imaginären Menschen meine tatsächlichen Kontakte ersetzen.
Ich möchte endlich aus dieser Welt raus, nicht mehr mit ihr meine Probleme kompensieren. Ich muss auch sagen, dass sie teils auch sehr sehr gewalttätig ist, dort lasse ich eben Emotionen raus. Aber ich kann das nicht mehr.

Ich bezweifle es zwar, aber vllt. kennt das ja jemand hier oder kann mir Tipps geben. Ich wäre sehr dankbar.

Viele Grüße, schönen Tag noch
 
G

Gelöscht 120235

Gast
Hallo,
Tagträume sind absolut nichts ungehöriges oder ungewöhnliches. Sie gehören zu uns, wie die Angst, die Trauer... . Es sind Ausdrücke unserer Seele.
Kompliziert wird es, wenn die Seele erkrankt ist und die Tagträume Suchtcharakter annehmen ( es ist eine verhaltensbasierte ( verhaltensabhängige) Sucht), die das Potential entwickeln zu vermag, das reale Leben so einzuschränken, dass es ohne die Tagträume nicht mehr als realisierbar und sinnvoll erscheint.
Gerade, weil sich bei Dir eine gewaltorientierte Komponente in den Tagträumen finden lässt, solltest Du dringend etwas dagegen unternehmen. Ich lege mal einen Link mit dem Manuskript einer Rundfunksendung unten an, wo Du sicher manche Information besser erklärt bekommst.
In Deinem Fall würde ich Dir eine Therapie empfehlen, gerade wegen der Gewaltorientierung. Diese hat eine Ursache, welche Du nicht kennst und daher nicht beseitigen / aufarbeiten kannst. Du weißt auch, dass Du die Träume nie im realen Leben ausleben kannst / darfst , so dass die Tagträumen zu einem " reales Leben"- Ersatz in Dir werden. ob es dabei Ansätze zu einer Aufarbeitung gibt, vermag ich nicht zu sagen, es kann unbedingt auch eine Verstärkung - wie bei jeder Sucht- bedingen.

Hier der Link:
Gruß Odysseus
 

grisou

Sehr aktives Mitglied
Ich kenne so intensive Tagträume. Wie du schreibst, die haben mir immer das gegeben, was die reale Welt mit nicht geben konnte.

Magst du mehr erklären über den Gewaltaspekt? Gegen dich selbst oder gegen andere?

Heute tauche ich nur noch selten ab. Ich bin in der Realität angekommen.

Mit Therapeuten habe ich nie darüber geredet, mir war immer klar, ich kann nur überleben, wenn ich in zwei Welten leben und macht das jemand kaputt, zerbreche ich. Aber das war nur mein Weg.
 

honigbaer

Mitglied
Hallo,
Tagträume sind absolut nichts ungehöriges oder ungewöhnliches. Sie gehören zu uns, wie die Angst, die Trauer... . Es sind Ausdrücke unserer Seele.
Kompliziert wird es, wenn die Seele erkrankt ist und die Tagträume Suchtcharakter annehmen ( es ist eine verhaltensbasierte ( verhaltensabhängige) Sucht), die das Potential entwickeln zu vermag, das reale Leben so einzuschränken, dass es ohne die Tagträume nicht mehr als realisierbar und sinnvoll erscheint.
Gerade, weil sich bei Dir eine gewaltorientierte Komponente in den Tagträumen finden lässt, solltest Du dringend etwas dagegen unternehmen. Ich lege mal einen Link mit dem Manuskript einer Rundfunksendung unten an, wo Du sicher manche Information besser erklärt bekommst.
In Deinem Fall würde ich Dir eine Therapie empfehlen, gerade wegen der Gewaltorientierung. Diese hat eine Ursache, welche Du nicht kennst und daher nicht beseitigen / aufarbeiten kannst. Du weißt auch, dass Du die Träume nie im realen Leben ausleben kannst / darfst , so dass die Tagträumen zu einem " reales Leben"- Ersatz in Dir werden. ob es dabei Ansätze zu einer Aufarbeitung gibt, vermag ich nicht zu sagen, es kann unbedingt auch eine Verstärkung - wie bei jeder Sucht- bedingen.

Hier der Link:
Gruß Odysseus
Vielen Dank für deine Antwort! Ich werde über eine Therapie nachdenken. Ich weiß nur nicht, inwiefern mir man da helfen kann, da das Phänomen ja noch nicht vollständig erforscht worden ist. Aber du hast vollkommen Recht. Ich kann erst da raus, wenn ich die Ursache kenne. Danke auch für den Bericht, den kannte ich sogar bereits.
Viele Grüße
honigbaer
 

honigbaer

Mitglied
Ich kenne so intensive Tagträume. Wie du schreibst, die haben mir immer das gegeben, was die reale Welt mit nicht geben konnte.

Magst du mehr erklären über den Gewaltaspekt? Gegen dich selbst oder gegen andere?

Heute tauche ich nur noch selten ab. Ich bin in der Realität angekommen.

Mit Therapeuten habe ich nie darüber geredet, mir war immer klar, ich kann nur überleben, wenn ich in zwei Welten leben und macht das jemand kaputt, zerbreche ich. Aber das war nur mein Weg.
Ich kenne so intensive Tagträume. Wie du schreibst, die haben mir immer das gegeben, was die reale Welt mit nicht geben konnte.

Magst du mehr erklären über den Gewaltaspekt? Gegen dich selbst oder gegen andere?

Heute tauche ich nur noch selten ab. Ich bin in der Realität angekommen.

Mit Therapeuten habe ich nie darüber geredet, mir war immer klar, ich kann nur überleben, wenn ich in zwei Welten leben und macht das jemand kaputt, zerbreche ich. Aber das war nur mein Weg.
Ich danke dir für deine Antwort. Ich bin froh, dass hier jemand ist, der sich in meine Lage hineinversetzen kann.

Die Gewalt ist hauptsächlich gegen andere gerichtet, im Sinne von schlimmen Taten.

Und wie genau hast du das geschafft, dass du der Welt entkommen bist? Hat sich etwas konkretes in deinem Leben geändert?

Ich habe einmal mit einem rein aus Zufall drüber geredet, bin aber nicht ins Detail gegangen. Der Arzt war höchst interessiert, wusste sich aber denke ich selbst nicht zu helfen.

Viele Grüße
 

Daoga

Urgestein
Die Phantasiewelt läßt sich durchaus real nutzen, nämlich wenn man Geschichten darüber schreibt oder sie in Form von Comics, Filmen, Videospielen umsetzen kann. Du wirst hier vermutlich viele finden, die so eine Phantasiewelt besitzen, weil die reale Welt eben doch oft ziemlich öde sein kann, vor allem wenn man sehr kreativ ist und keine andere Möglichkeit hat die Kreativität rauszulassen oder sich anderweitig zu beschäftigen (Internet und Smartphones - die großen Fresser von Zeit und Kreativität).
Für das reale Leben mußt Du Deine Phantasiewelt nicht aufgeben, Du kannst zweigleisig fahren und neue Erfahrungen, die Du real machst, in die Phantasie integrieren. Oder in der Phantasie Dinge üben, die Dir evtl. real zugute kommen könnten, z. B. Reaktionen in Notfällen. Du kannst Deine Phantasie ohne weiteres als Werkzeug benutzten, solange sie immer wieder an der Realität abgeglichen wird. Du mußt immer fähig sein, zwischen "realen" Phantasien und dem total abgehobenen (oder gewalttätigen, oder asozialen) Kram eine Grenze zu setzen. Letztere haben in der Phantasie zu bleiben und dürfen nicht in die Realität durchbrechen.
Ich kenne so intensive Tagträume. Wie du schreibst, die haben mir immer das gegeben, was die reale Welt mit nicht geben konnte.

Mit Therapeuten habe ich nie darüber geredet, mir war immer klar, ich kann nur überleben, wenn ich in zwei Welten leben und macht das jemand kaputt, zerbreche ich. Aber das war nur mein Weg.
Nicht nur Deiner. Ohne meine Phantasie aus täglichem Ausgleich zur Realität würde ich auch ziemlich schnell ausflippen. Wie ein Videospiel, das man im Kopf spielt statt am Computer daddelt. (Kein Wunder, daß viele süchtig werden nach Computerspielen. Die haben nie gelernt, sich diesen Kick selber zu basteln, ganz ohne Technik.)
 

honigbaer

Mitglied
Die Phantasiewelt läßt sich durchaus real nutzen, nämlich wenn man Geschichten darüber schreibt oder sie in Form von Comics, Filmen, Videospielen umsetzen kann. Du wirst hier vermutlich viele finden, die so eine Phantasiewelt besitzen, weil die reale Welt eben doch oft ziemlich öde sein kann, vor allem wenn man sehr kreativ ist und keine andere Möglichkeit hat die Kreativität rauszulassen oder sich anderweitig zu beschäftigen (Internet und Smartphones - die großen Fresser von Zeit und Kreativität).
Für das reale Leben mußt Du Deine Phantasiewelt nicht aufgeben, Du kannst zweigleisig fahren und neue Erfahrungen, die Du real machst, in die Phantasie integrieren. Oder in der Phantasie Dinge üben, die Dir evtl. real zugute kommen könnten, z. B. Reaktionen in Notfällen. Du kannst Deine Phantasie ohne weiteres als Werkzeug benutzten, solange sie immer wieder an der Realität abgeglichen wird. Du mußt immer fähig sein, zwischen "realen" Phantasien und dem total abgehobenen (oder gewalttätigen, oder asozialen) Kram eine Grenze zu setzen. Letztere haben in der Phantasie zu bleiben und dürfen nicht in die Realität durchbrechen.

Nicht nur Deiner. Ohne meine Phantasie aus täglichem Ausgleich zur Realität würde ich auch ziemlich schnell ausflippen. Wie ein Videospiel, das man im Kopf spielt statt am Computer daddelt. (Kein Wunder, daß viele süchtig werden nach Computerspielen. Die haben nie gelernt, sich diesen Kick selber zu basteln, ganz ohne Technik.)
Danke für die Antwort. Interessante Sicht. Allerdings wüsste ich nicht, wie ich meine Welt positiv nutzen könnte, denn dann wäre es nicht mehr diese eine Welt, aus der ich wie im Titel beschrieben unbedingt raus möchte. Es ist nichts, was ich mir mal eben, wenn mir langweilig ist, vorstelle. Es ist eine zweite Realität, die ich Tag für Tag lebe. Die Tage und all das hängen zusammen. Ich kenne die Thematik meiner Phantasien und kann nichts positives daran finden.
Trotzdem vielen lieben Dank! Schönen Tag noch
 

Schroti

Urgestein
Ich möchte endlich aus dieser Welt raus, nicht mehr mit ihr meine Probleme kompensieren. Ich muss auch sagen, dass sie teils auch sehr sehr gewalttätig ist, dort lasse ich eben Emotionen raus. Aber ich kann das nicht mehr.
In dem Maße, in dem du dich in der echten Welt auf inspirierende Kontakte einlässt, wird die Notwendigkeit dieser falschen Welt schwinden.
(Und wenn du das erste Mal glücklich verknallt bist, verflüchtigt sie sich ganz.)
 

Daoga

Urgestein
Da es Deine Phantasie ist, kannst Du sie jederzeit ändern. Stell Dir einfach vor, Du bist ein Programmierer und änderst ein paar Programme oder Parameter an Deiner Phantasiewelt. Ein paar Blümchen hier und ein paar Insiderwitze dort. Deine Welt ist so positiv wie Du sie machen willst. Aber auch für Negativphantasien gibt es Abnehmer. Da wo das indizierte Zeug läuft. In Gedanken jemanden einen Kopf kürzer machen hat im RL noch niemandem geschadet.
A propos, spielst Du Computerspiele? Wenn nein, probier das mal. Mehr Ablenkung im RL bedeutet, weniger Zeit in der Phantasie zu verbringen.
 

grisou

Sehr aktives Mitglied
Ich danke dir für deine Antwort. Ich bin froh, dass hier jemand ist, der sich in meine Lage hineinversetzen kann.
es ist wohl ein thema, über das nicht so viele reden. mein eindruck, darum meint man, man sei allein damit.

Die Gewalt ist hauptsächlich gegen andere gerichtet, im Sinne von schlimmen Taten.
bei mir ist die gewalt vor allem gegen mich gerichtet. wenn ich abtauche in einer welt, kann ich mich damit richtig fertig machen. dsa wiederholen von früheren erfahrungen.

Und wie genau hast du das geschafft, dass du der Welt entkommen bist? Hat sich etwas konkretes in deinem Leben geändert?
ich bin achtsamer gegenüber mir selbst und kann offener kontakt aufnehmen mit anderen.

ist es bei dir auch so? also wenn ich zum beispiel bei einer feier bin, dann spielt sich viel in meinem kopf ab und ich lebe quasi in der parallelwelt und das ist realer für mich. ich habe lebhafte erinnerungen an das, was ich da erlebt habe, kaum welche an die realität.

Ich habe einmal mit einem rein aus Zufall drüber geredet, bin aber nicht ins Detail gegangen. Der Arzt war höchst interessiert, wusste sich aber denke ich selbst nicht zu helfen.
ich denke, es ist einfach nicht sehr bekannt und gut erforscht und die meisten wissen nicht so genau, was da gemeint ist.
 

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