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Ratlos zum Beziehungsstatus

Ich würde vermuten, dass da auch viel Vermeidung eine Rolle gespielt hat, die Red Flags nicht sehen zu wollen. Wenn ein Mann dieses Alters solch ein Bohei um sein Vorleben macht, man von der noch erhaltenen Familie nichts mitbekommt, dort nicht eingeführt wird, an klassischen Familienfesten wie Weihnachten außen vor gehalten wird.. dann bedarf es schon dicker Nerven, nicht unruhig oder gar misstrauisch geworden zu sein.

Mit Mitte 50 möchte man aber vermutlich auch einfach mal angekommen sein, zur Ruhe kommen und genießen. Allerdings sollte das nicht soweit gehen, dass man nur noch auf das Prinzip Hoffnung setzt, dass es irgendwie schon werden wird.

Ich würde akzeptieren, dass es jetzt ist wie es ist und versuchen, nach vorne zu schauen. Ich schrieb bereits, dass dazu das eigene soziale Netzwerk jetzt gefragt ist. Dort würde ich versuchen, meine Wunden zu lecken. Du hast jetzt das Ende mit Schrecken - und das ist gut so. Keinesfalls würde ich versuchen, da noch künstlich etwas retten zu wollen, wo m. E. nicht mehr viel zu retten ist.
 
Oh man liebe Gelee,
Ich kann sehr gut verstehen wie du dich fühlst. Bin auch in so einer fehlende Augenhöhebeziehung gelandet.
Zwar ist es bei mir kein Verheirateter, aber einige Dynamiken die du beschrieben hast kenne ich auch. Bevormundung, Gaslighting und für ihn gelten immer anderer Regeln...mal weil er ein Mann ist, mal einfach ohne Grund.
Es ist nicht leicht für jede, da rauszukommen. Und ich denke mir gerade, das du vielleicht Glück hast, das er sich so feige ohne Worte aus der "Affäre " verkrümelt hat.

Ich wünsche dir viel Kraft, diese womöglich permanente Trennung gut zu verarbeiten.
Dann kann der Mann zu dir finden, der gerne auf Augenhöhe mit dir ist und zu eurer Verbindung steht.
 
Wir haben uns nicht online kennengelernt. Datingportale waren nie meins - hab's aber auch nie versucht.
Irgendjemand schrieb, dass er mir seiner Ehe emotional noch nicht durch war. Den Eindruck hatte ich auch, aber leider auch erst viel zu spät. Das Thema Ehe war zum Teil abendfüllender Gesprächsstoff. Da hat man gemerkt, wieviel Schmerz in ihm ist. Gar nicht mal, weil ich das Gefühl hatte, er liebe sie noch, sondern eher in Richtung, dass er sich getäuscht fühlte. Er ist ein überaus vorsichtiger Mensch und misstrauisch. Ich hatte oft den Eindeuck, er würde sich vom Leben betrogen fühlen. Seiner Frau (er hat nicht abfällig über sie gesprochen), seinen Kollegen - er fühlte sich im Stich gelassen.
Den Prozess des merkens, was da passiert, habe ich nur langsam wahrgenommen und mich viel zu spät rausgenommen. Er hat sich aufgefangen gefühlt. Ich mich nicht. Das immerhin hat er eingesehen. Die Trinkerei wurde fortlaufend weniger. Er verbrachte seine Urlaube fortan mit mir und die waren immer schön. Ergo haben auch Streitereien und Missstimmung deutlich abgenommen.

Was ich selbst unterschätzt hatte war, dass ich eben gar nicht stark genug war für so viel Ballast und den damit einhergehenden Druck, den ich mir selbst machte. Ich habe ihn viel gestützt. Wollte, dass er sich gut fühlt und seinen Wert erkennt.
Egal, ob im Alltag als auch zu Anlässen, wie seine Geburtstage oder Weihnachten (Geschenke oder eine schöne Zeit).
Mir ist durchaus klar, dass ich das zugelassen habe. Deutlich wäre meinerseits gewesen, ich hätte nicht wieder und wieder Dinge angesprochen, sondern wäre gegangen. Aber er hatte ja nun auch wirklich an sich gearbeitet.
Unter'm Strich war es ihm aber zu viel Arbeit, mich aufzufangen und entgegen zu kommen. Mir zu helfen mein Vertrauen zu ihm aufzubauen. Keineswegs bedeutete dies, dass er zu allem ja und amen sagen musste. Tat er ja auch (erst recht) nicht. Bitten/ Erwartungen hat man an ihn nicht zu stellen. Und weil ich es trotzdem tat, ist er jetzt sang und klanglos aus meinem Leben verschwunden. Das ist hart. Mir würde auch nicht einfallen, ihn auf der Straße zu grüßen, falls wir uns über den Weg liefen.

Kürzlich, also bevor das Ticket- und Vertrauensthema aufkam, war er sauer wegen eines Ereignisses. Beim Versuch ihn zu besänftigen, nahm er wohl an, dass ich ihn nicht verstehe. Da sagte ich zum ihm, "Hey du, wir sind im selben Team", und lächelte.
An seinem Gesichtsausdruck konnte ich sehen, dass er das nicht so sah.

Ich war naiv und verblendet (so verliebt) und dann die Knöpfe, die auch meine Mutter schon gedrückt hatte. Das wird mir eine Lehre sein.

Seinen Abgang finde ich einfach nur unbegreiflich, mies und würdelos.
 
Vielen Dank DodgeChallenger!
Beim Lesen Deiner Nachricht fühle ich mich erleichtert oder verstanden.
Er konnte unfassbar lieb, anhänglich und wohltuend sein. Er hat auch für mich Dinge getan.
Nur diese alten Verletzungen, die sich tief eingebohrt und mein Vertrauen in ihm so empfindlich geschwächt haben, die wollte er nicht angehen. Er habe damit nichts zu tun oder ich sollte mal überlegen, woher das kommt etc.
Da ist man erstmal sprachlos und desorientiert. Aber anstatt mich zu bewegen bin ich explodiert. Und nun habe ich seelischen Missbrauch betrieben.
Ich glaube, das Zugeben der Dinge, die passiert sind, hätten ihn geschwächt (nach seinem Empfinden).
Und nun mit den Tickets, dem er zunächst zugestimmt hätte, wurde er dann doch wieder schroff und knallt mir alle möglichen Dinge um die Ohren, warum er das nicht ok findet und wie schrecklich ich mit ihm war.

Das ist nicht sortiert in meinem Kopf. Und entgegen einiger Meinungen (die ja nachvollziehbar sind), kann ich nicht einfach gar nicht daran denken.
Das müsste ich erstmal verarbeiten.
 

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