ich sprach nicht von nachweisen und gerichtsverhandlung. sondern davon, dass männer sich mit zwangsprostituierten vergnügen. und die wissen, was sie tun. es ist ihnen egal.
Und das ist die Mehrheit der Freier? Ich hab in einer Doku eine Ex-Zwangsprostituierte gesehen, die gesagt hat, die Freier lässt du natürlich nicht merken, was abgeht, bei denen machst du einen auf fröhlich.
die studentin, die sich mit einem großzügigen spender ein schönes leben macht? da fängt es schon damit an, dass es eine freie entscheidung ist. ich denke, die frauen, die das machen, könnten auch als bedienung arbeiten oder an der kasse. die entscheiden sich für das einfache, schnelle geld. und die hobbyhuren, auch da ist es das gleiche. das ist eine freie entscheidung. nur wo haben wir diese frauen denn? ist das der große teil?
Das weiß ich nicht. Ich sehe nur, dass es viele Zwischenformen gibt und viele Frauen, die sie ausüben. Ich denke da z.B. an Cam-Sex im Internet, Frauen, die sich da eine Fangemeinde aufbauen. Sugar Girls dürfte es dank Internet auch mehr geben als früher. Für BDSM gibt es riesige Communities und die dominanten Frauen da dürften keine Probleme haben, mit Dominanz Geld zu verdienen, wenn sie es wollen. Und diese Dinge werden mehr und mehr gesellschaftsfähig. Und ich finde das gut. Und frage mich, ob man das mit der knallharten Zwangsprostitution in einen Topf werfen und verbieten muss.
ist das wirklich ein entweder oder?
Ich denke, ja, das ist es. Wie willst du denn das eine verbieten und das andere erlauben? Dann müsstest du ja kontrollieren, was "auf Zimmer" passiert. Dass auch wirklich nur massiert oder dominiert wird, und nicht penetriert. Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll. Und hier wurde ja das nordische Modell empfohlen. Ich lasse mich gern korrigieren, aber ich glaube kaum, dass es in Schweden offiziell Dominas gibt.
geht es nicht darum, so viele frauen und natülrich auch männer, jungs vor schaden zu bewahren?
Natürlich geht es darum, auch darum, aber ebenso wie es im Straßenverkehr nicht nur darum geht, Unfälle zu vermeiden (dann müsste man Autos abschaffen), geht es hier nicht nur darum, Menschen vor Schaden zu bewahren. Die Frage ist, wieviele Menschen hinderst du mit einem Verbot an der Auslebung ihrer Persönlichkeit und an der freien Berufswahl (Grundrechte), im Verhältnis zu den Menschen, die du damit vor Schaden schützt (Grundrechte Menschenwürde und Recht auf körperliche Unversehrtheit)? Und schaffst du es damit wirklich, sie zu schützen? Und gäbe es andere Möglichkeiten, diesen Schutz herzustellen? Anders gefragt, ist ein Verbot notwendig, angemessen und geeignet?
Und die Eindrücke und Bilder, die du von den Vorgängen, von den Freiern und von Männern im Allgemeinen hast, decken sich nicht mit denen, die ich aus Medien oder im privaten Umfeld gesammelt habe. Lies zum Beispiel mal im Forum sexworker.at, da wird was ganz anderes geschildert.
dann sag mal welche berufe du damit meinst, damit man das mal vergleichen kann. ich wüsste keinen job, der so sehr in die intimsphäre eines menschen eindringt. im wahrsten sinne des wortes.
Rettungsassistenten und Notärzte zum Beispiel, die mit den schrecklichen Bildern bei Autounfällen und Bahnsuiziden fertig werden müssen. Schauspieler, die sich in andere Menschen hineinversetzen müssen, auch mal in Serienmörder oder Folteropfer. Altenpfleger und Krankenschwestern, die auch nah am Körper anderer Menschen arbeiten und ihnen den Hintern säubern müssen. Psychotherapeuten, Polizisten und Sozialarbeiter, die sich ebenfalls von ihren Klienten (oder ihrer Klientel) abgrenzen müssen, um den Job überhaupt auf Dauer machen zu können. Natürlich ist nichts davon exakt deckungsgleich, aber das sind alles Berufe, in denen Menschen entweder auch viel von sich geben müssen, die Tätigkeit nahe an die seelische Substanz geht, und/oder es mit mitunter unangenehmen, ekligen Verrichtungen am Körper anderer Menschen kommt.