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Probleme mit Selbstwert?

Derand

Neues Mitglied
Durch ein längeres und dann abgebrochenes Studium und eine späte Ausbildung bin ich jetzt schon ein älterer Berufseinsteiger (anfang 30) und in einer Situation die mir zu schaffen macht.
Ich arbeite der Verwaltung (Bereich Wirtschaftsrecht) und die dortige Leitung ist recht jung. Dazu noch weiblich. Das sollte keine Rolle spielen, tut es aber, wenn ich ehrlich bin.
Genauer gesagt ich habe zwei Chefinnen.
Eine der beiden ist Mitte 20 mit abgeschlossenem Studium, die andere ist gerade einmal 27 und hat einen Doktortitel. Beide sind unheimlich selbstbewusst, ich würde sagen arrogant, immer super aufgestylt im Businessdress (seht her: wir sind die seriösen Chefs! Eine der beiden natürlich mit der modischen großen Hornbrille mit dicken Rand und Siegelring am kleinen Finger), betont feminin und versuchen dann möglichst locker rüberzukommen, so als ob es ganz selbstverständlich wäre (was es für die beiden wohl auch ist) in so jungen Jahren so viele Leute unter sich zu haben.
So nach dem Motto, "ja wir sind die Elite, aber deshalb sind wir trotzdem Menschen!". Sie legen aber sehr viel wert darauf, zu zeigen, dass sie das sagen haben und eben über uns stehen. Beide haben ihr eigenes Büro mit Sekretärin und fahren einen noblen Firmenwagen. Wie viel mehr als ich sie verdienen, will ich gar nicht wissen. Sie haben uns dann auch ihren Lebenslauf gegeben um sie „besser kennen zulernen“ zu können und weil sie ja auch unsere Lebensläufe studieren. Lebensläufe von Karrierefrauen, viele Auslandssemester, Stipendien, Eliteuniversitäten, englischsprachige Publikationen und so ganz nebenbei hat die ältere von beiden noch Kunstgeschichte und Germanistik mit Abschluss studiert.
Zu Beginn habe ich sie einmal „falsch“ angesprochen, ich habe den Doktortitel vergessen. Daraufhin korrigierte sie mich in einem super-arroganten Tonfall: „Ich muss für einen Moment unterbrechen. Ich habe in Rechtswissenschaften promoviert. Mhhh... es ist bekannt, was ‚promoviert’ bedeutet? Also ich besitze einen Doktortitel. Es heißt demnach Frau Doktor (Nachname) und nicht einfach nur Frau (Nachname).“ Autsch.


Vor allem eine Sekretärin der jüngeren Chefin, die seit vielen Jahren dort arbeitet wird von ihr wie ein kleines Dummerchen und von oben herab behandelt. Die Chefin Duzt sie, während sie mit ihren 40+ Jahren ihre Chefin natürlich Siezt. Das scheint ganz normal zu sein. Die Sekretärin grüßt sie am morgen sehr höflich und die arrogante Lady geht ohne ein Wort an sie zu richten oder sie anzusehen an ihr vorbei in ihr Büro.
In letzter Zeit war die Sekretärin dann auch häufiger krank und ich musste mit einspringen. Ich durfte Kaffee kochen, Akten einsortieren und Anrufer aufschreiben. Sie lässt mich auch Termine für sie bei der Maniküre ausmachen, weil sie das schick und stilvoll findet so was einen Untergebenen erledigen zu lassen, sagte sie. Und sie meinte das nur so halb im Spaß. Und für mein Selbstwertgefühl geht es den Bach runter. Ich mache die nervige, niedere Arbeit und mein Selbstwert sinkt: jedes mal wenn ich eine Anweisung von einer der beiden bekomme, jedes mal wenn ich gelobt werde oder wenn ich kritisiert werde, jedes mal wenn ich ins Büro zitiert werde.

Kürzlich wurde beschlossen uns das Internet für private Zwecke zu sperren. Und zwar nur in unserer Abteilung, alle anderen haben weiterhin freien Zugang. Die Chefinnen wollten das so. Da bekamen wir nicht nur eine eMail sondern die beiden sind persönlich auf uns zugekommen und haben es uns erklärt mit ihrem lockeren Grinsen im Gesicht. Sie haben das sehr genossen, denn jede hat uns extra in ihr Büro kommen lassen und jede hat es uns gesondert erklärt. Aber falls wir dringend mal ins Internet müssten, könnten wir uns an eine von den beiden wenden und sie würden es uns dann für die kurze Dauer entsperren lassen. Toll, ich darf sie also darum bitten, mir das Internet zu entsperren, wenn ich es begründen kann, wieso ich es nutzen muss. Wie demütigend geht es noch.

Habe ich ein schlechtes Selbstwertgefühl oder Probleme mit Autoritäten? Ich sehe es so: ich bin über 30 und habe einen anspruchslosen Job und 2 Chefinnen die jünger sind als ich, selbstbewusste, erflolgreiche Karrierefrauen, die mehr verdienen, und attraktiv aussehen, Miss Perfects, die ihre Macht genießen.
 
Zu Beginn habe ich sie einmal „falsch“ angesprochen, ich habe den Doktortitel vergessen. Daraufhin korrigierte sie mich in einem super-arroganten Tonfall: „Ich muss für einen Moment unterbrechen. Ich habe in Rechtswissenschaften promoviert. Mhhh... es ist bekannt, was ‚promoviert’ bedeutet? Also ich besitze einen Doktortitel. Es heißt demnach Frau Doktor (Nachname) und nicht einfach nur Frau (Nachname).“ Autsch.

Du kannst sie ansprechen, wie du willst. Den Doktortitel muss man nicht nennen, wenn man nicht will, auch wenn das viele gerne so hätten. Allerdings ist es üblich ihn zu nennen, um zu zeigen, dass man die Leistung die dahinter steckt anerkennt. Ich finde es auch sehr arrogant, jemanden darauf hinzuweisen. Sie kann ja stolz drauf sein, aber muss es niemandem unter die Nase reiben. Ich hatte mal eine Lehrerin, die jeden angemeckert hat, wenn er sie ohne Titel angesprochen hat. Hat dann auch jeder gemacht, wer will sich schon unbeliebt machen bei seinem Lehrer oder in deinem Fall bei der Vorgesetzten.


Habe ich ein schlechtes Selbstwertgefühl oder Probleme mit Autoritäten? Ich sehe es so: ich bin über 30 und habe einen anspruchslosen Job und 2 Chefinnen die jünger sind als ich, selbstbewusste, erflolgreiche Karrierefrauen, die mehr verdienen, und attraktiv aussehen, Miss Perfects, die ihre Macht genießen.

Ich würde nicht sagen, dass du deswegen ein Problem mit Autoritäten hast. Du hast nur ein Problem mit diesen Autoritäten. Es ist nachvollziehbar, dass man nicht gerne unter jemandem arbeitet, der seine Machtposition ständig zur Schau stellt. Dummerweise hast du gleich zwei davon, die sich immer schön gegenseitig pushen können. Auch wenn sie vielleicht besser mit ihren Angestellten umgehen könnten, so haben sie nun mal durch ihre Abschlüsse mehr erreicht als du und damit musst du leider leben.

Das heißt ja auch nicht, dass sie ihren Job über alles lieben. Wahrscheinlich haben die wiederum jemanden über sich, der ihnen das Leben schwer macht. Du bist jedenfalls kein schlechterer Mensch, nur weil dein Abschluss weniger wert ist. Wenn du deine Arbeit soweit zufriedenstellend erledigst, gibt es auch keinen Grund, sich unsicher zu fühlen in der Gegenwart der zwei Damen.
 
Hmm....

wärst Du eine Frau, die sich über das überhebliche Verhalten ihrer männlichen Chefs beschweren würde... Du hättest früher nicht viel Gehör gefunden. Heute scheint man da schon etwas empfindlicher zu werden....

... und was Du beschreibst: Frauen als Chefs können eben auch A********* sein!

High Hopes
 
AW: Der Doktor Titel ist bestandteil des Namens und muß immer genannt werden!

[...]

Wenn man das Internet befragt, bekommt man mal wieder sowohl die eine, als auch die andere Antwort. Bei Wikipedia steht zumindest, dass der Doktorgrad in der Regel nicht als Bestandteil des bürgerlich-rechtlichen Namens angesehen werde und man ihn daher nicht nennen müsse.

Ich selber spreche Leute mit Doktortitel grundsätzlich auch so an, da ich den Titel als Verdienst ansehe. Wenn ich aber jemanden sehe, der jeden extra darauf aufmerksam macht, dass der Titel ja genannt wird, würde es eher dazu führen, dass ich ihn aus Protest nur noch mit gewöhnlicher Anrede anspreche.

Bin für jede vernünftige Quelle (also nicht Wikipedia) offen, die etwas zum Thema Doktoranrede zu bieten hat.
 
Zuletzt bearbeitet:
Bist du neidisch auf die jüngeren Führungskräfte, weil sie ein abgeschlossenes Studium vorzuweisen haben, während du deins abgebrochen hast? Wärst du lieber die hochnäsige Frau Dr. mit hohem Gehalt und Luxuskarosse als Firmenwagen? Wenn du nicht damit klar kommst, dass sie ihren Doktortitel raushängen lassen und du den beiden Zicken unterstellt bist, würde ich über einen Stellenwechsel nachdenken.
 
das ist schwer, aber da muss man mit leben. nutz sie als inspiration und fang ein fernstudium an oder so. so würd ich das machen.
 
natürlich hast du die!
warum dir das selbst nicht auffällt, ist ein rätsel.
Polier mal an deinem ego, und lass deine chefinnen in ruhe chefs sein.
so ist das nun mal.

(ich sag jetzt mal nix dazu, was deine einstellung gegenüber jungen frauen als vorgesetzte angeht....)
 
AW: Der Doktor Titel muß qua Gesetz in den Ausweis eingetragen werden!

[...]

Also, meine Nachforschungen haben ergeben, daß es extra ein Gesetz gibt, welches vorschreibt, daß der Doktor-Grad (nicht Titel) in allen Ausweispapieren anzugeben ist und daraus wird auch die rechtliche Verpflichtung ihn grundsätzlich zu nennen abgeleitet, was aber genau besehen strittig ist.
Das heißt erst in neuester Zeit wird überhaupt daran gerüt und bis vor kurzen war allgemeines Übereinkommen und so selbstverständlich, daß der Doktograd zum Namensbestandteil wird, daß man es nicht nötig fand dafür ein eigenes Gesetz zu schaffen!

Seit altersher gehört der akademische Doktorgrad also fest zum Nahmen und einer unerlaubten Weglassung kommt einer Beleidigung gleich, genau so wie in anderen Länder z.B. der "Hatschi" (Teilnamebestätigung der Pilgerfahrt nach Meka) dazu gehört.


Ich finde dies auch schön, weil man die Menschen durch eine aussagekräftige Titelei auch viel besser einordnen kann und gleich ein Anknüpfungspunkt für ein Kennenlerngespräch hat, z.B. "Wo haben Sie den Ihren Doktor gemacht?"


In Österreich nennt man sogar auch niedere akademische Grade und verwendet auch andere Berufs, oder Rangbezeichnungen als Namensbestandteil, wie Magister, Bakelaurius, Assessor, Obergefreiter, Regierungsrat usw.


Übrigens muß man beim Herrn Professor nicht nur zusätzlich den Doktor nennen und bei Leuen mit mehreren Doktorgraden reicht ein einfaches Doktorchen aus. Ist doch grüßzügig, nicht?

wie Du schon sagtest: es ist strittig. Wenn es so klar wäre, dass der Doktorgrad zum Namen gehört, wäre eine gesetzliche Regelung nicht nötig.
Der Grad kann auf Antrag in den Ausweis eingetragen werden. Wenn er zum Namen gehören würde, müsste er eingetragen werden.
Im Standesamt wird er seit 2009 nicht mehr mit aufgenommen. Das Feld, wo früher die Titel eingetragen wurden, ist heraus genommen worden.

Allerdings ist letztens jemand deswegen vor Gericht gezogen und hat gewonnen. Der Doktorgrad musste in die Geburtsurkunde seines Kindes eingetragen werden. Aber das heißt nicht, dass die Standesämter jetzt verpflichtet sind, automatisch die Titel einzutragen. Was auch nicht gemacht wird. (kann ich bestätigen 😀 )

Einen interessanten Artikel findest Du hier

RECHTSANWLTE ZIMMERLING
IV. Resümee
Es verbleibt somit bei der Erkenntnis, daß der Doktorgrad zwar "anredefähig" ist, daß indes der Promovierte keinen Anspruch auf Anrede mit dem Doktorgrad hat. Sofern allerdings im Arbeitsverhältnis der Arbeitgeber den akademischen Grad des Arbeitnehmers verwendet, muß er ihn in der korrekten Form verwenden, sofern nicht sich der Arbeitgeber auf berechtigte Interessen berufen kann. Fragen der Höflichkeit sind vorliegend nicht zu diskutieren.[SUP]17[/SUP]



Also ist Dein Text mit der unerlaubten Weglassung nicht so ganz korrekt. Was soll passieren, wenn ich den Titel weg lass? Höflichkeit hin oder her..das steht hier nicht zur Diskussion
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Der Doktor Titel muß qua Gesetz in den Ausweis eingetragen werden!



Seit altersher gehört der akademische Doktorgrad also fest zum Nahmen und einer unerlaubten Weglassung kommt einer Beleidigung gleich, genau so wie in anderen Länder z.B. der "Hatschi" (Teilnamebestätigung der Pilgerfahrt nach Meka) dazu gehört.
?

Das ist Ansichtssache. Mein Bruder hat einen Dr.-Titel, einen sehr guten sogar und findet es ziemlich albern, wenn ihn jemand gebraucht.



Ich finde dies auch schön, weil man die Menschen durch eine aussagekräftige Titelei auch viel besser einordnen kann und gleich ein Anknüpfungspunkt für ein Kennenlerngespräch hat, z.B. "Wo haben Sie den Ihren Doktor gemacht?"

Bla, bla. Wenn man keine anderen Anknüpfungspunkte hat, dann kann man es auch bleiben lassen.



Übrigens muß man beim Herrn Professor nicht nur zusätzlich den Doktor nennen und bei Leuen mit mehreren Doktorgraden reicht ein einfaches Doktorchen aus. Ist doch grüßzügig, nicht?

Ehrlich? Ich nenne solche Titel gar nicht. Weil sie mir egal sind und es ist mir auch egal, wenn jemand eingeschnappt ist, weil er sie nicht genannt bekommt.

Wer will mich dazu zwingen? Und wie?

Ich rede jeden mit Herr / Frau.... an und damit hat es sich.
 
wie Rainer schon sagt:

"von Alters her"

nur hat er nicht begriffen, dass die Steinzeit vorbei ist. Und eine Ehefrau von einem Doktor ebenfalls mit "Frau Doktor" anzureden, ist der größte Schmarren überhaupt.
 

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