Nachtschatten
Neues Mitglied
Hallo zusammen!
Ich arbeite jetzt seit etwas mehr als 2 Jahren in einem mittelständischen Unternehmen. Das Team, in dem ich arbeite, besteht aus 3 Personen: meiner Kollegin A (Anfang 60), meinem Kollegen B (Ende 50) und mir (w, 25). Es ist mein erster Job nach dem Studium, ich war und bin eigentlich immer noch fachlich blutige Anfängerin.
Während meines Studium war ich ungefähr 2 Jahre wegen Sozialer Phobie in verhaltenstherapeutischer Behandlung. Diese sozialen Ängste bestehen bei mir schon seit meiner frühen Jugend (vielleicht auch noch länger?). Die Therapie hat mir leider nicht so sehr weitergeholfen, auch wenn ich mir über einige meiner Muster jetzt mehr bewusst bin.
Dadurch, dass ich zusätzlich ein sehr introvertierter Mensch bin, verschwimmt in meinem inneren häufig die Grenze zwischen dem, wer ich nunmal wirklich bin und dem, was die Soziale Angst aus mir macht. Diesen Unterschied zu erkennen, fällt mir häufig schwer.
Jetzt ist es so, dass zwischen meiner Kollegin A und mir irgendwie ein langwieriger Konflikt wegen meiner ruhigen Art herrscht. Sie war in meiner allerersten Arbeitswoche noch im Urlaub, da war ich also mit Kollege B alleine. Auch, wenn man innerhalb einer Woche natürlich längst nicht alles weiß, hatten sich da meine grundsätzlichen Fragen bezüglich grober Arbeitsabläufe etc. schon geklärt und ich hatte alles schön mitgeschrieben. Das ist bei uns auch nicht übermäßig kompliziert, sondern eher das fachliche. Außerdem ist er mit mir natürlich durch das gesamte Büro gegangen und hat mich jedem kurz vorgestellt, das war also auch abgehakt.
In meiner zweiten Arbeitswoche kam sie dann dazu. Ich habe mich bemüht freundlich und offen zu sein, auch wenn ich natürlich trotzdem eher ruhig und schüchtern bin und jetzt nicht groß private Themen angesprochen habe. Damit fühle ich mich auch einfach erst nach einiger Zeit wohl. Sie hat das aber auch nicht getan. Am Ende dieser Woche sprach sie mich dann auf einmal an und sagte wörtlich: „Du interessierst dich hier ja auch für überhaupt nichts.“ Das begründete sie damit, dass ich so still wäre und gar nichts fragen würde etc. (eben auch mal Dinge außerhalb des beruflichen).
Ich war ehrlich gesagt geschockt. Erstens darüber wie sie so ein wertendes Urteil nach nur einer Woche über mich fällen konnte und dann darüber in was für einem Tonfall dies geschah. Das hat meine sozialen Ängste massiv getriggert. Bin ich denn wirklich so falsch auf der Welt?
Im Laufe der Zeit gab es immer wieder Situationen, in denen wir Konflikte hatten. Es war sehr häufig so, dass mir Kollege B etwas in ihrer Abwesenheit erklärt hatte (sie arbeitet Teilzeit und ist nicht immer da) und ich es dann so machte und dann von ihr den Anschiss kassierte, dass das ja alles ganz falsch sei und warum ich denn nicht fragen würde. Das hatte wirklich nichts mehr mit konstruktiver Kritik zu tun. Dabei hatte ich ja gefragt, nur nicht sie. Das wollte sie aber auch nicht hören. Irgendwann warf sie mir vor, sie für dumm zu halten, weil ich meistens Kollegen B fragen würde. Das stimmt nicht, ich halte sie fachlich für eine sehr fähige Mitarbeiterin, wir kommen nur menschlich so gar nicht miteinander zurecht.
Nach ihrem ersten Anranzer in meiner zweiten Woche, habe ich sie aber wirklich nicht mehr wirklich was gefragt. Ich war mega gehemmt und bin es bis heute noch häufig, wenn auch nicht mehr ganz so schlimm, was die Kommunikation behindert. Klassisches Vermeidungsverhalten. Das war vermutlich taktisch nicht so schlau, aber sie und Kollege B sind beide seit fast 20 Jahren im Unternehmen. Rein fachlich macht es also eigentlich keinen Unterschied, wen ich frage und ist es nicht irgendwo verständlich, dass ich mich eher demjenigen zugewandt habe, der mich freundlich und mit Respekt behandelt hat? Ich wollte und will doch eigentlich einfach nur alles so gut es geht richtig machen.
Naja, jedenfalls schaukelte sich das Ganze mit immer mehr Situationen immer weiter hoch. Ich war total verunsichert und unbeholfen und wollte gar nicht mehr wirklich zur Arbeit fahren, weil ich nicht wusste, was ich jetzt wahrscheinlich wieder falsch gemacht habe. Mir war morgens immer speiübel und einmal musste ich mich sogar übergeben. Ich war so überfordert von der Sache und wusste mir nicht anders zu helfen als mit meinem Vorgesetzten während unserer monatlichen Zwischengespräche während der Probezeit darüber zu reden. Sie war davon natürlich überhaupt nicht begeistert, was ich irgendwo verstehen kann. Trotzdem gab es mehrere Gespräche unter Anleitung unseres Vorgesetzten und die Situation hat sich zwischenzeitlich etwas gebessert. Sie hat sich zumindest um ihren Ton bemüht und ich habe versucht, etwas gesprächiger zu sein. Ich konnte wieder innerlich einigermaßen ruhig zur Arbeit fahren und meinen Kram erledigen. Auch, weil ich fachlich sicherer wurde.
Jetzt ist es in letzter Zeit so, dass ich mich wieder vermehrt von ihr kontrolliert fühle. Meine unbewusste Strategie besteht inzwischen daraus, ihr einfach Recht zu geben und es so zu machen wie sie sagt – auch, wenn es objektiv total unsinnig ist. Das gibt ihr aber natürlich das Gefühl, im Recht zu sein und irgendwie mache ich mich da ja dann zum Teil selbst dumm, wenn ich ihr sozusagen Recht gebe, dass ich etwas „falsch“ machen wollte.
Teilweise rutschen mir auch reflexartig kleine Lügen raus, nur um keinen Anschiss von ihr zu bekommen (ich habe z. B. ein elektrisches Gerät ausgesteckt, um ein anderes anzuschließen. Sie kam nach ca. 5 Minuten zu mir in den Raum nur um mich etwas schockiert zu fragen, ob das erste Gerät denn schon vollständig abgekühlt gewesen wäre, denn ansonsten dürfte man es auf gar keinen Fall ausstecken. Dabei hat das Gerät keine aktive Kühlung oder so, es kühlt einfach dadurch runter, dass es nicht länger beheizt wird. Was soll also der Stromanschluss bringen? Ich habe dann als sie weg war, extra in die Bedienungsanleitung des Geräts geschaut, da ich dann dennoch verunsichert war, und da stand auch nichts davon, dass man es nicht ausstecken dürfte, wenn es noch nicht ganz runtergekühlt ist. Trotzdem habe ich zu ihr in dem Moment reflexartig gesagt, dass es schon runtergekühlt war, damit ich ihrem Anschiss, der zweifelsohne gefolgt wäre, entgehe). Eigentlich versuche ich immer ehrlich zu sein, weshalb mich diese kleinen Lügen irgendwie belasten, auch wenn dadurch effektiv eigentlich kein Schaden entsteht. Nur, wenn die rauskommen sollten, stehe ich natürlich als unehrlich dar, was ja dann auch stimmen würde. Bei wirklichen Fehlern stehe ich dazu. Also, wenn ich wirklich irgendeinen Bockmist baue, der Konsequenzen hat und ich dafür hauptverantwortlich bin.
Gibt es hier jemanden, der schonmal etwas ähnliches erlebt hat? Wie kann ich mein Gehirn stoppen, sich in diesen „Schutzmechnismus“ zu begeben und weiterhin einfach ehrlich sagen, was Sache ist, auch wenn ich weiß, dass sie da jetzt wieder aus der Hose springen wird? Und wie kann ich lernen, von solcher „Kritik“ nicht so überrumpelt zu sein und dann souveräner zu reagieren? Meistens stottere ich da einfach nur irgendetwas vor mich hin, weil ich so überfahren davon bin. Ich habe einfach da oft das Gefühl, gar nicht Herr über mich selbst zu sein, sondern dass ich handele und im Nachhinein denke „Warum hast du das denn jetzt gesagt?“ oder wahlweise auch „Warum hast du da nichts gesagt?“.
Ich hoffe, ihr konntet mir einigermaßen folgen und es war nicht zu wirr. Es gäbe noch so viel mehr zu der Situation zu sagen, aber das hier ist schon lang genug.
Danke schonmal für eure Anregungen und vielleicht habt ihr auch noch ganz andere Gedanken zu dem Thema. Falls etwas unklar ist, gerne nochmal nachfragen.
Nachschatten
Ich arbeite jetzt seit etwas mehr als 2 Jahren in einem mittelständischen Unternehmen. Das Team, in dem ich arbeite, besteht aus 3 Personen: meiner Kollegin A (Anfang 60), meinem Kollegen B (Ende 50) und mir (w, 25). Es ist mein erster Job nach dem Studium, ich war und bin eigentlich immer noch fachlich blutige Anfängerin.
Während meines Studium war ich ungefähr 2 Jahre wegen Sozialer Phobie in verhaltenstherapeutischer Behandlung. Diese sozialen Ängste bestehen bei mir schon seit meiner frühen Jugend (vielleicht auch noch länger?). Die Therapie hat mir leider nicht so sehr weitergeholfen, auch wenn ich mir über einige meiner Muster jetzt mehr bewusst bin.
Dadurch, dass ich zusätzlich ein sehr introvertierter Mensch bin, verschwimmt in meinem inneren häufig die Grenze zwischen dem, wer ich nunmal wirklich bin und dem, was die Soziale Angst aus mir macht. Diesen Unterschied zu erkennen, fällt mir häufig schwer.
Jetzt ist es so, dass zwischen meiner Kollegin A und mir irgendwie ein langwieriger Konflikt wegen meiner ruhigen Art herrscht. Sie war in meiner allerersten Arbeitswoche noch im Urlaub, da war ich also mit Kollege B alleine. Auch, wenn man innerhalb einer Woche natürlich längst nicht alles weiß, hatten sich da meine grundsätzlichen Fragen bezüglich grober Arbeitsabläufe etc. schon geklärt und ich hatte alles schön mitgeschrieben. Das ist bei uns auch nicht übermäßig kompliziert, sondern eher das fachliche. Außerdem ist er mit mir natürlich durch das gesamte Büro gegangen und hat mich jedem kurz vorgestellt, das war also auch abgehakt.
In meiner zweiten Arbeitswoche kam sie dann dazu. Ich habe mich bemüht freundlich und offen zu sein, auch wenn ich natürlich trotzdem eher ruhig und schüchtern bin und jetzt nicht groß private Themen angesprochen habe. Damit fühle ich mich auch einfach erst nach einiger Zeit wohl. Sie hat das aber auch nicht getan. Am Ende dieser Woche sprach sie mich dann auf einmal an und sagte wörtlich: „Du interessierst dich hier ja auch für überhaupt nichts.“ Das begründete sie damit, dass ich so still wäre und gar nichts fragen würde etc. (eben auch mal Dinge außerhalb des beruflichen).
Ich war ehrlich gesagt geschockt. Erstens darüber wie sie so ein wertendes Urteil nach nur einer Woche über mich fällen konnte und dann darüber in was für einem Tonfall dies geschah. Das hat meine sozialen Ängste massiv getriggert. Bin ich denn wirklich so falsch auf der Welt?
Im Laufe der Zeit gab es immer wieder Situationen, in denen wir Konflikte hatten. Es war sehr häufig so, dass mir Kollege B etwas in ihrer Abwesenheit erklärt hatte (sie arbeitet Teilzeit und ist nicht immer da) und ich es dann so machte und dann von ihr den Anschiss kassierte, dass das ja alles ganz falsch sei und warum ich denn nicht fragen würde. Das hatte wirklich nichts mehr mit konstruktiver Kritik zu tun. Dabei hatte ich ja gefragt, nur nicht sie. Das wollte sie aber auch nicht hören. Irgendwann warf sie mir vor, sie für dumm zu halten, weil ich meistens Kollegen B fragen würde. Das stimmt nicht, ich halte sie fachlich für eine sehr fähige Mitarbeiterin, wir kommen nur menschlich so gar nicht miteinander zurecht.
Nach ihrem ersten Anranzer in meiner zweiten Woche, habe ich sie aber wirklich nicht mehr wirklich was gefragt. Ich war mega gehemmt und bin es bis heute noch häufig, wenn auch nicht mehr ganz so schlimm, was die Kommunikation behindert. Klassisches Vermeidungsverhalten. Das war vermutlich taktisch nicht so schlau, aber sie und Kollege B sind beide seit fast 20 Jahren im Unternehmen. Rein fachlich macht es also eigentlich keinen Unterschied, wen ich frage und ist es nicht irgendwo verständlich, dass ich mich eher demjenigen zugewandt habe, der mich freundlich und mit Respekt behandelt hat? Ich wollte und will doch eigentlich einfach nur alles so gut es geht richtig machen.
Naja, jedenfalls schaukelte sich das Ganze mit immer mehr Situationen immer weiter hoch. Ich war total verunsichert und unbeholfen und wollte gar nicht mehr wirklich zur Arbeit fahren, weil ich nicht wusste, was ich jetzt wahrscheinlich wieder falsch gemacht habe. Mir war morgens immer speiübel und einmal musste ich mich sogar übergeben. Ich war so überfordert von der Sache und wusste mir nicht anders zu helfen als mit meinem Vorgesetzten während unserer monatlichen Zwischengespräche während der Probezeit darüber zu reden. Sie war davon natürlich überhaupt nicht begeistert, was ich irgendwo verstehen kann. Trotzdem gab es mehrere Gespräche unter Anleitung unseres Vorgesetzten und die Situation hat sich zwischenzeitlich etwas gebessert. Sie hat sich zumindest um ihren Ton bemüht und ich habe versucht, etwas gesprächiger zu sein. Ich konnte wieder innerlich einigermaßen ruhig zur Arbeit fahren und meinen Kram erledigen. Auch, weil ich fachlich sicherer wurde.
Jetzt ist es in letzter Zeit so, dass ich mich wieder vermehrt von ihr kontrolliert fühle. Meine unbewusste Strategie besteht inzwischen daraus, ihr einfach Recht zu geben und es so zu machen wie sie sagt – auch, wenn es objektiv total unsinnig ist. Das gibt ihr aber natürlich das Gefühl, im Recht zu sein und irgendwie mache ich mich da ja dann zum Teil selbst dumm, wenn ich ihr sozusagen Recht gebe, dass ich etwas „falsch“ machen wollte.
Teilweise rutschen mir auch reflexartig kleine Lügen raus, nur um keinen Anschiss von ihr zu bekommen (ich habe z. B. ein elektrisches Gerät ausgesteckt, um ein anderes anzuschließen. Sie kam nach ca. 5 Minuten zu mir in den Raum nur um mich etwas schockiert zu fragen, ob das erste Gerät denn schon vollständig abgekühlt gewesen wäre, denn ansonsten dürfte man es auf gar keinen Fall ausstecken. Dabei hat das Gerät keine aktive Kühlung oder so, es kühlt einfach dadurch runter, dass es nicht länger beheizt wird. Was soll also der Stromanschluss bringen? Ich habe dann als sie weg war, extra in die Bedienungsanleitung des Geräts geschaut, da ich dann dennoch verunsichert war, und da stand auch nichts davon, dass man es nicht ausstecken dürfte, wenn es noch nicht ganz runtergekühlt ist. Trotzdem habe ich zu ihr in dem Moment reflexartig gesagt, dass es schon runtergekühlt war, damit ich ihrem Anschiss, der zweifelsohne gefolgt wäre, entgehe). Eigentlich versuche ich immer ehrlich zu sein, weshalb mich diese kleinen Lügen irgendwie belasten, auch wenn dadurch effektiv eigentlich kein Schaden entsteht. Nur, wenn die rauskommen sollten, stehe ich natürlich als unehrlich dar, was ja dann auch stimmen würde. Bei wirklichen Fehlern stehe ich dazu. Also, wenn ich wirklich irgendeinen Bockmist baue, der Konsequenzen hat und ich dafür hauptverantwortlich bin.
Gibt es hier jemanden, der schonmal etwas ähnliches erlebt hat? Wie kann ich mein Gehirn stoppen, sich in diesen „Schutzmechnismus“ zu begeben und weiterhin einfach ehrlich sagen, was Sache ist, auch wenn ich weiß, dass sie da jetzt wieder aus der Hose springen wird? Und wie kann ich lernen, von solcher „Kritik“ nicht so überrumpelt zu sein und dann souveräner zu reagieren? Meistens stottere ich da einfach nur irgendetwas vor mich hin, weil ich so überfahren davon bin. Ich habe einfach da oft das Gefühl, gar nicht Herr über mich selbst zu sein, sondern dass ich handele und im Nachhinein denke „Warum hast du das denn jetzt gesagt?“ oder wahlweise auch „Warum hast du da nichts gesagt?“.
Ich hoffe, ihr konntet mir einigermaßen folgen und es war nicht zu wirr. Es gäbe noch so viel mehr zu der Situation zu sagen, aber das hier ist schon lang genug.
Danke schonmal für eure Anregungen und vielleicht habt ihr auch noch ganz andere Gedanken zu dem Thema. Falls etwas unklar ist, gerne nochmal nachfragen.
Nachschatten