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Probleme im Lehrerberuf

  • Starter*in Starter*in Sokrates
  • Datum Start Datum Start
S

Sokrates

Gast
Liebe Teilnehmer!

Habe mich gefreut, beim Surfen auf dieses Forum gestoßen zu sein und möchte jetzt einfach mal meine Seele entleeren.
Also, ich bin Lehrer an einer Realschule und unterrichte die Fächer Deutsch, Geschichte, Musik und EWG (sowas wie Erdkunde und Politik). Mein Ref, welches ich im vorherigen Jahre abgeschlossen habe, lief im Großen und Ganzen recht beschissen, sprich ich bin mit einer wirklich miesen Schulleiterbeurteilung rausgegangen. Lag u.a. daran, dass ich Probleme hatte, in der Klasse eine wirklich konstruktive Lernatmosphäre herzustellen. Ich grüble und überlege, komm aber einfach nicht darauf, wo genau die Ursachen liegen. Naja, da ich nach dem Ref keine wirkliche Alternative hatte, habe ich an einer Gesamtschule in Hessen eine KV-Stelle angenommen. Da ging es dann als Fachlehrer mit vollen Lehrauftrag los. Versteht sich von selbst, dass das Jahr in Hessen kein Zuckerschlecken war, zumal ich nicht in der Lage war, in einer Hauptschulklasse zu bestehen. Hat aber, dass muss ich bei allem Pessimismus auch mal zugeben, in einigen Klasse ganz gut geklappt, aber immer nur, wenn mich die Kinder auch wirklich mochten.
Naja, kurz vor dem Sommer hatte ich das Glück, in der Nähe meines Wohnortes eine Stelle zu bekommen. Kleine Schule und auch ein total netter Schulleiter. Dort hat man mir dann die Klassenleitung von einer 9. Klasse übertragen. Da hatte ich dann schon Respekt vor, dachte aber, da gehe ich jetzt mal erhobenen Hauptes rein. Natürlich habe ich eine der richtig schweren Klassen bekommen, die zudem auch noch aus 33 Schülern besteht. Ich habe in meiner blinden Naivität nun versucht, den Schülern gleich zu Beginn möglichst viel Eigenverantwortung zu übertragen und sie an Entscheidungen wie z.B. die Sitzordnung teilhaben zu lassen. Leider stehe ich wieder einmal vor dem riesigen Problem, dass ich absolut nicht in der Lage bin, die notwendigen Disziplin in die Klasse zu bekommen. Wenn ich das versuche, reagiere ich total emotional. Die SChüler merken sofort, wie schnell ich angreifbar bin und nutzen das total aus.
Am Montag hatte wir dann Elternabend, der in einer totalen Katastrophe geendet ist, da sich die Eltern (verständlicherweise) ausgekotzt haben über die chaotische Lage in der Klasse. Und glaubt mir, liebe Leser, ich glaube, ich hab mich selten in meinem Leben so blamiert wie am Montag. Ich bin danach heim und hab geheult wie der Hund von Baskerville. Heute habe ich dann mit der Klasse gesprochen, und ganz klar, die sehen natürlich nur das meinige Versagen. Ich habe ihnen dann erklärt, dass ich gerne ein Ritual zu Stundenanfang hätte und sie dann über etwaige Alternativen abstimmen lassen. War ein riesiger Fehler, wie ich im Nachhinein gemerkt habe, da mich die Schüler wieder ausgespielt haben und selbstverständlich für einen Schwachsinn gestimmt haben.
Puh, im Moment fehlt mir die Kraft, der Mut und die Lust, aktiv an einer Veränderung zu arbeiten. Obwohl ich erst im 2. Jahr nach dem Ref bin, jetzt gerade mal die vierte SChulwoche ist, merke ich, wie kaputt ich bereits bin, da mir die Schule bis in die kleinsten Ritzen des Alltags nachgeht. Vor diesem Hintergrund überlege ich, welche Alternativen es zum Lehrerjob überhaupt noch gibt. Ein Lichtblick ist zumindest, dass mir der Schulleiter heute signalisiert hat, dass er mich aus der Klassenleitung herausnimmt.
So, lang geschrieben...... Würde einfach mal gerne hören, welchen Berufsanfängern es ähnlich geht bzw. ging. Was habt ihr gemacht? Wie ist es bei euch weitergegangen? Ich weiß ziemlich sicher, dass ich in dieser Form eigentlich nicht mehr weiter mein Leben verbringen will.
Wäre dankbar über Antworten. Tut einfach auch mal gut, Mitleidende zu hören!

Gruß, Sokrates
 
Lieber Sokrates,
ich wußte nach meinem Referendariat (Deu/Kunst Sek I), dass ich das nicht auf Dauer machen konnte...ich habe dann noch mal was anderes studiert.
Allerdings habe ich während (nicht wegen!) des Referendariats getrunken (ich bin trockene Alkoholikerin) und hatte darum wenig persönliche Autorität - Alkohol schwächt eben ungeheuer. Und die Atmosphäre an der Schule war mausoleumsartig, die Ref-Kolleginnen konnten nicht glauben, dass ich es dort aushielt.

Das war vor 20 Jahren, und damals schon hatten Sek I-Schülerinnen einen fürchterlichen Ruf und gingen über Tische und Bänke.
Und meine Fachleiterin hatte es immer drauf mit "Sie müssen über die Sache faszinieren..."
Geht nicht, wenn man nicht wirklich hinter der Sache steht.
Wenn man unsicher und schwach ist.

Dann muß man erst daran was tun!
Und das solltest du.
Ich nehme mal an, dass du auch sonst im Leben eher ein unsicherer Mensch bist, zumindest nicht der "geborene Lehrer" - und dass es die gibt, wissen wir beide.

Ich empfehle dir: Therapie. Sonst brennst du bereits als Berufsanfänger aus.

Ich gehe einmal wöchentlich zu Übungsabenden in "gewaltfreier/einfühlsamer Kommunikation", das ist ein lernbares Konzept, das auch viel Selbsterfahrung bewirkt. Schau mal auf der folgenden Seite, ob es in Deiner Nähe GfK gibt (kostet nichts).
www.gewaltfrei.de

In meiner Gruppe sind nämlich Lehrer, die sagen, dass sie anders an die Sachen rangehen, seit sie sich damit beschäftigen.
Irgendwo hier im Forum habe ich auch mal einen Thread dazu gesehen, der ist aber versandet.

Ich weiß, wie schwer du es hast und wie furchtbar es ist, da jeden morgen hinzugehen. Höhle der Löwen - dabei sind es Kinder, denen keiner sagt, wo es langgeht...aber das weißt du eben auch noch nicht.

Solidarische Grüße, CC
 
Hallo Sokrates,

nachdem Du hier kein Einzelfall bist, habe ich Dir nachstehend zu Deiner Problematik den Thread eingestellt, dort kannst Du ergänzend Antworten finden.
Ansonsten wünsche ich Dir viel Kraft, Mut und Zuversicht für Deinen Weg, wie er auch aussehen mag, ob evtl. eine Neuorientierung in Frage kommt oder doch beim derzeitigen Stand der Dinge auszuharren.

link:http://[U]www.hilferuf.de/forum/beruf/index2.html

[/U]
Lg
april 07
 
Hallo Sokrates,

zu deinem eigentlichen Problem kann ich leider nicht viel sagen. Aber ich weiß eine Seite, auf der sich Lehrer austauschen. Vielleicht magst du ja auch dort einmal vorbeischauen. Möglicherweise bekommst du dann Tipps, die dir weiterhelfen können.

http://www.4teachers.de/

Dir alles Gute
Sisandra
 
Hallo,

ich bin zwar keine Betroffene, habe aber trotzdem eine Frage: Könntest du dir vorstellen, evtl. eine Grundschulklasse zu unterrichten? Ich denke, daß es dort noch Schüler gibt, die für einen sensiblen Lehrer sehr dankbar wären.

Alles Liebe,
Sehnsüchtige
 
Liebe Teilnehmer!

Vielen Dank für eure Rückantworten. Tut gut, was von anderen zu hören!!

Gruß, Sokrates
 
Hallo Sokrates!

Ich kann Deine Entscheidung, nicht auf Dauer im Schuldienst verbleiben zu wollen, gut nachvollziehen, halte sie vielleicht sogar für empfehlenswert.

Zumindest in Deutschland scheint es mir nicht möglich zu sein, sinnvollen Unterricht zu geben. Die Rahmenbedingungen sind nicht gegeben. Gute Pädagogen können sich nicht verwirklichen sondern müssen sich durch den Tag kämpfen und verkommen zum Dompteur. Du kennst das ja zur Genüge.

Im Augenblick empfehle ich Dir sehr, Dich nach einer Alternative umzusehen.
 

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