@ Rhenus: Danke für deine Gedanken. Die Frage, was Glück überhaupt ist, muss ich mal schauen – vielleicht kurz, sonst wird wahrscheinlich der Rahmen gesprengt. Dass die Heilsversprechen nicht beweisbar sind, dürfte jedem klar sein - darum geht es nicht. Dass eigene Glück oder den Erfolg auf Kosten anderer aufzubauen - das lernen Kinder schon in der Schule. Diesem Gedanken stimme ich voll und ganz zu. Dass die Vernunftreligion Kants sich „nur“ gegen Funktionäre der Kirche wendet und nicht generell gegen den christlichen Glauben, mit diesem Einwand kann ich leben – vielleicht muss die Problemfrage daher etwas anders lauten und sich mehr auf die Kirche beziehen.
Und jetzt muss ich dich zitieren:
Bleibst du bei dem was du andeutest, dann wirst du zu der Überzeugung kommen müssen, dass ein versprochenes Glück durch eine Religion, die nach Kant eben eine Christliche ist, ein Trugschluss darstellen muss.
Du meinst, dass Kant in seiner Kritik den christlichen Glauben attackierte?
Ich denke dass man Kant nicht einfach zitieren darf, man muss ihn aus seinem Zeitgeist heraus, verstehend, zitieren.
Was er vorbrachte war schon starker Tobak.
Er hat es im Grunde nach ja getan, weil der Christliche Glaube nach der gängigen Kirchenlehre, einem Deutungsmonopol der Amtskirche unterliegt.
Also kam Kant eben und reduzierte das auf eine rein „Philosophische Religionslehre“.
Meine Vermutung ist, wenn Kant heute gelebt hätte, dass er noch vieles infrage gestellt hätte und so betrachte ich seine vorgetragene Frömmigkeit, als hinterfragbar.
Sie könnte vielleicht nur dem eigenem Schutz gedient haben.
Denn die Kirchen hatte sehr, sehr, große Macht zu dieser Zeit, die bis in die Existenz reichte.
Also mehr war nicht möglich!?
Denn ein so scharfer, logischer Geist sollte nicht wissen, dass er sich dann doch wieder auf einen bloßen Glauben, also der Annahme, beschränkt?
Geht man von einer reinen Moral und Ethik aus, so ist diese dem ständigen Wandel ausgesetzt, dass kann selbst die Kirche nicht verhindern und auch Kant hat sie akzeptiert.
So behaupte ich, dass es keine Frömmigkeit bedarf, sich an Moral und Ethik zu halten.
Ich sehe das eher juristisch, als Basis eines störungsfreien Zusammenlebens. Wozu es meiner Meinung nach keines Gottes bedarf.
Es hat etwas mit der Einsicht und der Vernunft des Menschen zu tun, wobei wir ja wissen, dass sie die Folge einer Evolution ist. Denn was die Bibel darüber behauptet, ist ja wohl Dichtung.
Kant sah das nicht!
Wie der sah das nicht? Der hat die Heilsversprechen doch als trügerisch verstanden. Ich verstehe dich ab hier nicht mehr.
Kant stellte das nicht den Worten nach infrage, das belegen seine Glaubensbekenntnisse.
Er stellte den aufgezeigten Weg, bzw. den vorgegebenen Weg der Staatskirchen infrage und das ist schon ein großer Verdienst.
Hätte Kant die Heilslehre als solche verleugnet, (die Belohnung kommt im Himmel) dann hätte er damit ja auch Gott verleugnet.
Es stellt sich aber in der Tat die Frage, wer oder wen meinte Kant mit Gott?
Für die Christen... na klar, Gott eben...
Für mich als jemand der hinterfragt, kann damit genauso gut die These sein, Gott ist Natur, bzw., Natur ist Gott!
Also keinen Gott als Person.
Wobei wir dann aber nicht mehr bei einem Gott der Kirchenlehre wären.
Und genau da setze ich an... Hat Kant etwas geschrieben, was von der Kirche zwar erst einmal zu Schlucken war, diese aber dann dachten, na ja, er ist ja Gottesgläubig... Also vereinnahmen wir ihn.
Doch hätte man seinen aufgezeigten Weg, Religion als das zu sehen, was es ist, nämlich Gesetz, und dazu seiner These nach absoluter Versachlichung und Logik folgend, dann hätte es doch keines Gottes bedurft.
Also bitte... nur mal als Ansatz zum Nachdenken...
Wissen kann ich Kants Gedanken und Motivation nicht.
Und hier, ein Zitat von Kant:
[h=1]„Religion ist die Verehrung eines Wesens, vor welchem jedes andere seine Knie beugt und dessen Würde jedes andere Wesen sich als ein einziges unterworfen fühlt.“[/h]Bedeutet das tatsächlich, dass damit der Christliche Gott gemeint sei?
Kann es nicht das Wissen um ewige Vergänglichkeit bedeuten aus der Materie zu stammen zu der wir wieder werden?
Nur dieses wissen konnte Kant nur ahnen oder hypothetisch annehmen.
Er sah es nicht, weil er sie lediglich auf Ethik und Moral reduzieren wollte. Die natürlich die, der Christlichen ist.
Daher wird Kant verklärt dargestellt.
Es ist zu erwarten dass Kant in Wirklichkeit weiter gehen wollte und es aus gutem Grund, wegen des zu erwartenden Druckes, nicht tat. Ähnlich wie C. Darwin.
Ich ergänze mal:
Kant hatte großes Wissen um Naturgesetze, daher leite ich meine Äußerungen ab.
Er scheiterte aber mit seinem Werk. Das könnte ihn doch bewogen haben ebenso zu schreiben, wie man es hören wollte und damit doch noch seine Kernbotschaft unterzubringen.
Ich denke man kann sich kaum heute davon ein Bild machen, wie zu Zeiten Kants, die Kirchen eine macht hatten.
Da hätte er sich isoliert und Verfolgung ausgesetzt, wenn er geschrieben hätte, dass er an den Grundfesten des Glaubens gezweifelt hätte.
Doch Kant war ein Fan von Jean-Jacques Rousseau, der ihn inspirierte.
Sein abschreckender Lebensweg unter teilweiser Verfolgung und existenzieller Not, dazu seine Erkenntnisse, standen sich Pate bei Kants Werken.
Ab hier wieder!
Es gibt Zitate Kant's, die sich auf das einfache Glaubensbekenntnis stützen. Dazu muss ich nicht Philosoph sein, bemerke ich mal spöttisch.
Daher denke ich, er tat es, um sich den Rücken freizuhalten, wie eben Darvin auch.
Doch du wirst dich fragen müssen, was ist Moral, was ist Ethik.
Wie wird sie interpretiert? Was beinhaltet sie?
Ist sie beliebig?
Ist die Moral und Ethik der Religionen gut?
Wenn ja, welche? Die des alten oder neuen Testamentes? Die der anderen?
Was ist überhaupt mit anderen Religionen? Hat er sie überhaupt mit einbezogen?
Ob Kant in seiner Kritik auch andere Religionen mit einbezogen hat, ist für die kleine Hausarbeit irrrelevant.
Ja ok. Das kannst nur du entscheiden. Wenn es die Zeit zulässt, dann lese dazu einige Passagen von Rousseau... Er teilt meine Meinung... Pardon, ich teile seine Meinung...😱
Ich denke auch nicht über Religion(en) nach, sondern nur über die christliche Religion. Du hast aber völlig recht, ich muss schauen, welche Schriften des christlichen Glaubens ich angehen will – vermutlich das Neue Testament, aber was davon? Welche Teile davon, eignen sich besonders, um sie der kritischen Prüfung zu unterziehen, bzw. welche Teile scheinen eine Art Gebrauchsanweisung für den frommen Menschen zu geben?
Ist Moral und Ethik nicht auch an Wissen über Zusammenhänge geknüpft, was die Religionen nur unter Not zugeben bzw. in Sekten sogar heute noch verleugnen.
Auf jeden Fall! Haben mir schon viele gesagt, muss schauen, ob ich das verwurschteln kann, falls ich bei diesem Thema bleibe. Hast du ein konkretes Beispiels dafür?
Religionen, egal welche, sind immer zersplittert.
Da gibt es die, denen der Prunk und Protz nicht weit genug geht, die widerlich Reliquien sammeln und verehren, und die eben, die wie Kant, die Religion auf den Verstand des Gehirns und Herzens reduziert wissen möchten.
Letztere brauchen keine Kirchen, keine Repräsentanten und keine Mitbeter.
Warum zeigst du nicht Kant so auf wie er sich heute verhalten und sich geben würde?
Wenn er das Wissen von heute hätte.
Ansonsten ja, ich werde mich auch nicht auf Kant beziehen, sondern mehrere Kritiker mit einfließen lassen. Es geht nicht ausschließlich um ihn. Ich will ihn nur mit drin haben, weil das Seminar nach einer seiner großen Fragen benannt ist.
@ Nordrheiner: Hey 🙂. Ja, der Dozent antwortet im Moment nicht (Semesterferien). Mir ist das völlig bewusst – meine Rede. Die Note steht absolut im Fokus und ich werde nichts überstürzen. Ich denke aber, dass unser Dozent sehr fähig ist und mich keinesfalls irgendwo hineinpressen wird. Ich werde jetzt die Richtung festlegen und dann nach seinen Vorstellungen abändern. Ich denke, es lohnt sich also, auch ohne die Rücksprache schon mal anzufangen. Das bringt mich ja auch so weiter.
Also ja, Schriften und Infos über den vernunftorientierten Glauben wären sicherlich gut, wenn sie einer vernünftigen Quelle entspringen. Mein größeres Problem sind aber die Schriften des religiösen Glaubens. Welche konkreten Zitate soll ich überprüfen? Welche Hoffnungsbilder aus dem Neuen Testament laden dazu ein, Kritik zu üben, sie als Heilsversprechen zu entlarven? Welche Stellen sind als gefährlich einzustufen, weil sie unreflektierte Menschen dazu verleiten, sich beispielsweise als gut zu betrachten, weil sie einmal im Monat die Kirche besuchen oder 5 Euro im Monat an „Brot für die Welt“ spenden.
Wenn ich das so rauslese, findet ihr die Problemfrage nicht mal so schlecht oder? Außer GastF, der mich falsch verstanden hat?
Nein, niemals schlecht. Problemfragen sind sogar sehr gut, sie kommen heute nur leider selten vor...
Ich wundere mich sogar über die angepasste Jugend.
Denn es ist das ureigene Recht der Jugend alles infrage zu stellen... Es ist Auftrag der Evolution.
Ich muss also noch ziemlich jung sein, denke ich gerade... 🙄🙂
Also hole Kant in die Gegenwart der Religionen, wobei Religionen alle etwas gemein haben. Sie verlangen absolutistischen Gehorsam und Anerkennung dessen, der die Regeln aufstellt, keinen Widerspruch, ultimativ keinen Widerspruch und Strafen.
Dabei arbeiten sie mit den perfidesten Ängsten die ein Mensch haben kann. Angst vor Schmerz, Angst vor verlassen sein und Angst vor Isoliertheit und Entzug von Liebe.
Bei Beachtung der Regeln, lediglich eine in Aussicht gestellte Besserstellung (Belohnung) gegenüber anderen. Dessen tatsächliche Erfüllung jedoch niemand weiß.
Es ist so als wenn der Arbeitgeber sagt, arbeite bis zu deinem Rentenalter und dann sehen wir weiter, was dir zusteht... Aber bis dahin, lasse flink die Finger gehen... 🙂
Nun denke ich gerade an die Jungfrauen die einem als Mann versprochen werden in einer Religion... ob ich nicht doch... 😉
Nur ob dann das Thema stimmt?
"Wege zum Glück (Verheißung?)- Führen religiöse Hoffnungsbilder zur Entmündigung?"
Ich überlege gerade Glück und Entmündigung passen irgendwie nicht zusammen...
Denn Glück kann ich hier auf Erden nur haben. Ich interpretiere die Bibel eher so dass es ein ewiges Leben geben solle.
Ist das nicht fade?
Weiß doch jeder, dass man das nicht schätzt, was man im Überfluss hat.
Ich kenne nichts, was kostbar sei, was man beliebig hat.
Dann noch:
"Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit."
Das sind doch eher weltliche Dinge oder geht das Werben um die Mädels im Himmel wieder los? Eifersucht, Ehe, Trennung?
Wobei sich das ja widerspricht, wenn es keinen Sex gibt, warum Keuschheit? Warum Friede, wo doch jeder zufrieden sei.
Also ich mache mich jetzt nicht lustig darüber, ich stelle nur dar, wie weltlich die Bibel in einigen Passagen geschrieben steht.
Als wenn das Leben nach dem Tod nur eine Fortsetzung sei.
Was meine Fähigkeiten so etwas zu glauben massiv überfordert.😉