Naja, ich denke mal, dass ihr das alles einfach zu viel war. Weißt du, ständig für die Gefühle eines anderen verantwortlich zu sein, das ist super anstrengend. Erst recht, wenn man wie sie mit einem eigenen Schicksalsschlag zurecht kommen muss.
Bei euch kam einfach viel zusammen. Deine Probleme. Ihre Probleme. Dazu, dass ihr vermutlich beide Macken habt, die man gut ignorieren konnte, solange man in getrennten Wohnungen lebte, nicht mehr aber in einer gemeinsamen.
Du hast leider ein paar Fehler gemacht. Du hast die Therapie nur noch halbherzig gemacht, weil du in ihr ein bequemeres Antidepressiva gefunden hattest. Deine Probleme im Angesicht ihrer Krankheit erfolgreich kleinreden konntest - und damit eine unangenehme Auseinandersetzung mit ihnen vermeiden, die aber für einen echten Fortschritt nötig gewesen wäre. Du hattest deine Firma auf Eis gelegt und auch wenn es gewiss gut gemeint war, dass du "immer für sie da sein wolltest", so hast du sie damit wohl innerlich erdrückt. Und während sie lernen musste, mit ihrer eigenen Wut auf ihr Schicksal umzugehen, musste sie auch noch die deinige mitkontrollieren, weil du das nicht (in ausreichendem Maße) konntest/kannst. Kurz: du bist eben nicht mehr der Mann gewesen, den sie einst kennenlernte. Mit eigenen Hobbys und Interessen, eigener Firma, kurz: einem eigenen Leben.
Irgendwann ist es ihr dabei zuviel geworden und sie hat sich getrennt. Das muss mit der Kollegin gar nicht so viel zu tun gehabt haben. Die hat sie vermutlich nur in der Entscheidung bestätigt, die sie selbst längst getroffen hat. Weißt du, bei mir ist auch nicht immer alles rosa in der Beziehung und es kam auch schon vor, dass eine Kollegin mir zur Trennung riet. Aber solange noch Hoffnung auf Besserung besteht, hofft man in der Regel lieber weiter. Tatsächlich trennen tut man sich nur dann, wenn die Hoffnung stirbt, etwa weil die Therapie derart langsam fortschreitet, dass größere Besserungen erst in 15 Jahren zu erwarten sind.
Dazu hast du den Fehler gemacht, das Ende nicht zu akzeptieren. Dachtest wohl an die ganzen Ex-Back Strategien, die so im Internet herumschwirren und dich glauben lassen, dass ein paar Wochen Kontaktsperre und Besserung vorspielen das Wunder vollbringen würde. Nur sind Frauen nicht doof und merken das. Und weil du so darauf fokussiert warst, sie zurückzuerobern, hast du die Chance verpasst, sie wirklich in Ruhe zu lassen und die Zeit wirklich dazu zu nutzen, dich zu ändern. Für dich, dass es mit der nächsten besser läuft, nicht, um sie zurückzukriegen. Aber genau diese echte Änderung wäre die einzige (kleine) Chance gewesen, dass sie sich - nicht nach 3 Monaten, eher einem Jahr - irgendwann doch neu in dich verliebt (und es dann nicht gleich an denselben Problemen wieder scheitert).
Mein Rat: stelle dich auf 2 Dinge ein: 1) sie wird nicht mehr zurückkommen und 2) wenn du wirklich an dir arbeitest, wird eine andere kommen. Wenn du es einmal geschafft hast, einen solch hübschen Engel aufzutreiben, kann das auch ein 2. Mal klappen. Und bis besagter neue hübsche Engel über deinen Weg fliegt, arbeitest du jetzt gaaaaaanz fleißig an dir und suchst dir neue Strategien, um SELBST mit deinen Gefühlen umgehen zu können. Dass es mit Engel 2.0 dann auch wirklich klappt und dir nicht Engel 7.0 erneut einen Trip in die innere Hölle beschert.