Natürlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Aber bei aller Hoffnung und Liebe sollte man nicht vergessen, auch die Vernunft zumindest zu Wort kommen zu lassen.
Ja, wenn man sich liebt, dann hilft man sich. Aber das geht auch in getrennten Wohnungen. Und sollte auf Gegenseitigkeit beruhen und nicht nur darin, dass einer stets nur Hilfe fordert, ohne eigene Änderungsbereitschaft.
Etwa die Finanzen. Klar, du könntest jetzt erst mal seine Mahnungen zahlen. Kurzfristig wäre ihm dann geholfen. Mittel- und langfristig aber nicht. Denn das "geliehene" Geld würde anschließend zwischen euch stehen, zudem bestünde die Gefahr, dass er sich daran gewöhnt, dass du seine Rechnungen zahlst, wenn sein Geld auf sonderbare Weise verschwunden ist und er gar nicht mehr erst versucht, die Rechnungen aus eigener Kraft zu zahlen.
Besser wäre es daher, sich gemeinsam mit ihm hinzusetzen und mal z.B. die Abbuchungen auf seinen Kontoauszügen anzusehen. Mal zu schauen, was er im Monat für was ausgibt und wo Einsparpotenzial läge. Ggf. dass er dir die Kontokarte und den Zugang fürs Onlinebanking gibt (falls er dir soweit vertraut), sodass du die Rechnungen überweist und ihm wöchentlich z.B. 100€ bar für seine Lebensmitteleinkäufe gibst (oder was auch immer nach Abzug der typischen Rechnungen pro Woche über bleibt). Dann ist am Ende des Geldes auch nicht mehr so viel Monat übrig, sondern nur noch so viel Woche und er würde vielleicht mal lernen, mit weniger auszukommen.
Oder eben Sauberkeit in der Wohnung. Ich denke, die wird schon einen Zustand haben, bei dem er schlicht auch gar nicht weiß, wo er mit putzen anfangen soll. Da wird er Hilfe brauchen. Etwa indem ihr jedes Wochenende ein anderes Zimmer zusammen ausmistet und grundreinigt. Sodass er am Ende eine saubere Wohnung hat, die sich leichter sauber halten lässt als wenn er gar nicht erst weiß, wo er anfangen soll zu putzen. Oder dass du ihm beibringst, wie er seine Wäsche selber mit der Waschmaschine wäscht. Ein Wäscheständer wäre doch ein tolles Weihnachtsgeschenk.
Liebe sollte schon auf Gegenseitigkeit beruhen. Ich selber bin tendenziell auch eher chaotisch. Aber aus Liebe passe ich mich dem höheren Ordnungswunsch meines Partners an und sorge dafür, dass zumindest die gemeinschaftlich genutzten Räume aufgeräumt und sauber bleiben (mein Privatraum darf dafür chaotischer bleiben). Denn Liebe kann einem auch die Energie geben, an sich selbst zu wachsen und Dinge, die einen selber an sich stören (etwa eigene Unordentlichkeit) dem anderen zuliebe zu ändern. Es wäre im vorliegenden Fall doch für alle besser, wenn der Freund sich ändert/verbessert, anstatt dass die TE ein Downgrade in Sachen Ordnungsgewohnheiten durchmacht. Was sie sich von ihm wünscht, ist doch nichts, was nicht zumutbar wäre.