Dieses Gefühl sich wie ein Betrachter zu fühlen kenne ich auch...irgendwo ist jeder Mensch bis zu einem gewissen Grad ganz mit sich allein..aber man kann lernen sich mitzuteilen...Dazu muss man sich öffnen können, was vielen halt schwer fällt.
Ich denke es ist wichtig dieses Verhältnis: nach außen hin auf stark machen und sich innerlich schwach, zerbrechlich fühlen auch mal umzukehren...Meiner Erfahrung nach ist es wichtig innerlich einen starken Kern aufzubauen...etwas, was NIEMAND zerstören kann...denn dann kann man sich ruhig auch mal nach außen hin schwach geben und offen sagen: ich habe die und die Probleme...An sich ist dieser starke Kern bereits in jedem Menschen vorhanden..nur die meisten negieren aus diversen Gründen das Vorhandensein, können diesen Kern nicht erkennen oder wollen ihn nicht erkennen, finden aufgrund von Blockaden den Kontakt zu diesem Kern nicht etc.
Die Krux ist ja, dass die Denkhaltung unser Verhalten entscheidend mit beeinflußt und wer denkt oder erwartet, dass er innerlich schwach und zerstörbar ist der schwächt sich selber...Wir konstruieren und alle selber unsere eigene Realtität..und bei Konstruktionsfehlern schiessen wir uns oft selber ins Aus...lies mal die Story von dem Mann mit dem Hammer aus Watzlawicks: Anleitung zum Unglücklichsein...
Wer sich innerlich schwach fühlt, der baut Mauern um sich auf um seinen (vermeintlich) schwachen Kern zu schützen...und das führt in Einsamkeit.
Du solltest ggf. in einer neuen oder anderen Therapie mal versuchen diesem Gefühl der inneren Schwäche/Zerbrechlichkeit auf die Schliche zu kommen...ich denke du selber denkst dich zu zerbrechlich und schwach...sowas hat ja auch oft ne gewisse Funkion, gewisse funktionale Vorteile...es ist bequemer schwach zu sein...stark zu werden kostet Mühe....welchen Mühen bist zu bereit aufzuwenden um innerlich stärker zu werden, damit du authentisch stark bist?
Ein Mensch ist ständig in Entwicklung...die Welt, das Leben ist dynamisch und somit auch alle Strukturen, z.b. ein menschliches Leben auch...Siehst du dich selber statisch, dass heißt als ein unveränderbares Wesen an? Wenn ja hast du dich selber gedanklich in ne (gefährliche) Sackgasse gebracht...Wichtig ist es an sich zu glauben und zu sagen: ich KANN mich verändern und weiter entwickeln...das ist der Grundgedanke, der einen durchs Leben tragen kann...alles andere blockiert oft.
Die Wahrheit ist ja, dass jeder Mensch starke und schwache Anteile in sich hat...an seinen Schwächen arbeiten und seine Stärken ausbauen kann.
Als Kind warst du schwach und zerbrechlich und deinen Eltern auf gewisse Weise ausgeliefert..aber dieser Zustand ist VORBEI! Für immer...das solltest du erkennen. Damals war damals, heute ist heute und das ist gut so...schau nicht zu lange zurück und wenn, dann nur um zu erkennen: das war einmal und muß nicht für immer so sein.
Also konkrete Frage zu deiner (maßgeblichen) Zerbrechlichkeit: Worauf beruht dieses Gefühl, worauf denkst du läßt es ich zurückführen? Darauf, dass dir jemand mal in der Vergangenheit weh getan hat und dir indirekt beigebracht hat: du bist schwach und zerbrechlich? Ich denke ja...aber warum glaubst du immer noch an diese (funktionale für den Täter nützliche für dich schädigende) Message eines Gewalttäters? Ich vermute zu geringes Abgrenzungsvermögen...Du allein bestimmst wer du bist, ob du schwach oder zerbrechlich bist oder halt auch mal stark und widerstandsfähig. Z.B widerstandsfähig ggü vergangenen oder noch kommenden Verletzungen. Denk dich selber nicht zu schwach, sondern glaube an deine innere Stärke!
Tyra
P.S. Jetzt hab ich die Stärke so überbetont...wichtig ist halt seinen Freunden nix vorzuspielen...Menschen um sich zu haben bei denen man auch mal ruhig schwach sein darf, sich anlehnen und ausheulen kann...es ist falsch der Umwelt immer nur was vorzumachen, so zu tun als ob man stark und unfehlbar wäre..etc...sowas führt in psychische Erkrankung..wie ich es von meiner Schwester erlebt habe...ich lehne für mich zu viel Schauspielerei ab...jeder hat gute und starke und weniger gute und schwächere Tage und sollte das einfach akzeptieren und v.a. auch die Umwelt dazu bringen das zu akzeptieren..sonst baut man zu viel Druck auf, dem man auf Dauer nicht standhalten kann.
An sich ist es gut son Mitteldings zwischen stark und schwach zu werden...ich stelle mir immer vor, ich sei innen wie ne Art Flummi, zwar nachgiebig, aber unkaputtbar...Menschen, die sich wie ne Glas- oder Keramikkanne fühlen sind halt oft bröckliger. Diese Zersplitterungsmethapher rührt oft von dem Gefühl her dass irgendwas in einem zerbrochen scheint und dieses Zerbrechen wird als nur einseitig negativ angesehen. Klar hat es negative Aspekte aber auch positive, denn es zerbrechen hier ja auch unrealistische Kleinkindträume von einer ewig schönen Welt und an sich ist dieses Zerbrechen einer unrealistischen Vorstellung oder Menschenbildes oft wichtig und auch gut.
Und was mich immer so an dieser Zerbrechen-These stört ist dass man damit einem Täter oft zu viel Macht übergibt. Ich bin an sich nicht bereit irgendeinem Menschen so viel Macht über mich zu geben, als dass er mich zerbrechen könnte...daher halt mein Flummi-kern..rundherum gibt es da wohl zerbrechliche Zonen, aber die machen halt nicht den Hauptteil dessen aus, was mich ausmacht.