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Papi lieb

  • Starter*in Starter*in rose7
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rose7

Gast
ich habe vor 8 jahren, kurz bevor meine ehe auseinander ging- nach einer therapie, in der es um panikattacken ging, die ich hatte, angefangen, über meine ehe und meine kindheit zu schreiben(auf anraten meiner damaligen therapeutin). mir ist es immer ein bedürfnis gewesen, es anderen mitzuteilen, um zum nachdenken anzuregen, um klar zu machen, wie schlimme auswirkungen es haben kann, wenn man kinder schlägt....ich werde diese aufzeichnungen nach und nach abschreiben. wer lust hat, kann sie lesen, wer nicht, lässt es bleiben......
es gibt momente im leben, da denke ich, jetzt habe ich es endlich, nach so vielen jahren geschafft, aber dann gibt es erfahrungen, dass ich merke wie sehr die vergangenheit einen immer und immer wieder einholt...aber ich werde die hoffnung nicht aufgeben und ich weiß, dass ich eines tages glücklich sein werde, ich bin auf dem besten weg. und jede erfahrung bringt mich weiter....

"Papi lieb, papi ich bin lieb, papi lieb,....!" immer wieder schrie das kind-panik in den augen- diesen satz. der mann, der schlug, schlug hart, traf mit einem stock alles, was er an diesem wehrlosen kleinen kind treffen konnte. irgendwann war es dann wieder vorbei. zurück blieb das schluchzende kind und die schmerzenden striemen an arme und beinen. aber am schlimmsten war das gesicht, dass das kind nie vergessen würde. dieses grinsen beim schlagen. der mann , nur in unterhose und hemd bekleidet, schien freude daran zu haben. das war das schlimmste gefühl, schlimmer als die schmerzen.. das kind verkroch sich, baute eine weitere schicht seiner mauer um sich herum. diese mauer wurde höher und höher. eines tages-das wußte es-würde diese mauer es schützen.....

jetzt ist das kind eine frau eine frau, die in einer ehe lebt. was das wort wohl heißt? für die frau war es der wunsch, ihr leben mit jemanden zu teilen. teilen? ja, teilen. mit jemandem über alles sprechen können, gemeinsame sorgen besprechen-alles halt. mit jemandem lachen und weinen können- ohne scham und ohne scheu. einfach so sein wie man halt ist. die frau vergaß, dass sie nie gelernt hatte, wer sie war. es waren zu viele wünsche in ihrem kopf, zu viele regeln, einfach alles, was man ihr eingetrichtert hatte, was sie gelesen hatte, was sie geträumt hatte. und sie hatte viel geträumt. viel zu viel und viel zu lange. jetzt hatte sie das gefühl, dass sie nur noch aus träumen bestand. sie mußte auch lernen, dass der andere auch eine vergangenheit mitbringt und das alles dies eine rolle spielt. eine rolle, um miteinander zu leben.

die sehnsucht brennt, die sehnsucht nach liebe, die sie ein leben lang so intensiv gespürt hat. körperlich, es tat immer so weh, sie nicht spüren zu dürfen.dieses grenzenlose vertrauen, das man wohl urvertrauen nennt. ihre mauern sind zu hoch. sie will, sie will einfach fallen,fallen in starke arme, fallen in diese grenzenlose liebe, aber es geht nicht. dort ist niemand, der sie fallen lässt. dort ist nur kälte, kälte, die er gelernt hat. im umgang mit anderen.liegt es an ihr, dass sie verachtet wird? sie sehnt sich doch nur nach diesen starken armen. sein vorwurf ist, sie sei doch stark, eine starke gebildete frau. er erkennt nicht diese mauern. diese mauern, die sie schützen vor weiteren verletzungen. warum kommen und finden sie nicht zueinander? die vergangenheit holt sie ein. sie hat angst, sehr große angst."verlassenheit" heißt für sie "stark sein". zusammensein heißt "schwach sein". dagegen muss sie sich wehren. sie will kein opfer mehr sein...
morgens im bett. er kuschelt mit dem kind, flüstert zärtliche worte. sie liegt da und starrt an die decke, wehrt sich gegen diese eifersucht, es ist auch ihr kind, es braucht diese liebe. aber warum gibt es niemanden für sie, der ihr einfach nur sagt, dass er da ist, dass sie geliebt wird.sie spürt diese verachtung jeden tag in seinen augen. sie weiß nur nicht warum. was hat sie getan, warum soll sie wieder opfer sein. sie versucht sich zu wehren, wird wieder hart, er nennt es stark. die mauern sind hoch, umgeben sie, um sie zu schützen. gleichzeitig merkt sie wut. die wut auf ihn, der sie gar nicht verstehen will oder wenigstens zuhören. sie ist krank heißt es. vielleicht heißt krank, sich selbst zu finden. dann ist sie gerne krank. sie will aus diesem schmerz heraus. und sie weiß, dass sie es eines tages geschafft hat. aber sie wird dann wieder alleine sein. es bringt ihr keiner bei wie man liebt....
 

Hallo rose7,

schau mal hier: Papi lieb. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Hallo Rose7 🙂

ich finds super schön, dass Du Dich immer gerne austauschen willst.
Auch um des verstehens wegen, bleibt doch immer etwas fürs eigene haften. Nicht war?

es bringt ihr keiner bei wie man liebt....
Dabei kann ich sehr gut nachfühlen.

Ich finde; die beste Erziehung ist die, die man nicht spührt...
Mit liebe (er-) ziehen.

Liebe Grüße
Knut
 
Hallo,

Wir könnten fast Zwillinge sein.
Gibt nur einen Unterschied,meine Mutter war nicht gut zu mir
sie tat meiner Seele weh.
Sonst ist es,als wenn es mein Leben beschreibt.
Ich gehe gerade den gleichen Weg.

Toll, dass es dich gibt.Ich freue mich, das ich das lesen konnte.
Viele Liebe Grüße die Hoffnungslose
 
hi hoffnungslose,

die aufzeichnungen sind schon 8 jahre her und ich kann dir sicher sagen, es wird besser. man muss sich nur immer wieder bewusst machen, dass man kein opfer mehr sein will. leider sucht man sich oft noch partner aus, die ähnliches erlebt haben, selbst vielleicht nicht so reflektieren wie unsereins---halt bindungsunfähig sind. aber ich lerne mit jeder krise und mit jeder erfahrung. ich möchte dir sagen, dass du es auch schaffen wirst. und vertraue darauf, dass wir eine ungeheure kraft haben, dadurch, dass wir solches erlebt haben....und wenn wir uns bedingungslos selbst lieben, so wie wir sind, werden wir uns auch einen partner aussuchen, der uns auch liebt, so wie wir sind... mit kanten und ecken, die jeder mensch hat..und uns nicht auch noch unsere vergangenheit vorwirft, denn auch das ist mir passiert....
 
Sie war 10 jahre alt und verliebte sich das erste mal in einen jungen. das gefühl war tief, sie spürte dieses glücksgefühl am ganzen körper. es ging ihr gut, sie liebte. liebte er sie auch? sie sah ihn an, glück strömte durch ihren körper, ließ sie alle schmerzen vergessen. das gefühl-darauf kam es an. später dann mit 14 war er auch verliebt. jetzt war er für sie auf einmal nicht mehr interessant. eine beziehung machte ihr angst, das hieß nähe. da war kein vertrauen in menschen, die vorgaben sie zu lieben.auf das gefühl kam es ihr an, es musste gar nicht erwidert werden, sie war glücklich, wenn SIE liebte. es war dann alles so leicht, so unbeschwert...

mit 16 wurde ihre liebe stark erwidert und sie ließ es zu. sie schwebte die erste zeit, aber die verlustängste waren auch sehr groß. eifersucht tat sehr weh.. später dann konnte sie die liebe nicht mehr ertragen, wollte sich daraus berfreien, aber er machte es ihr unmöglich zu entkommen. seine schwäche, sich selbst zu demütigen vor ihr, machte es alles noch schlimmer. sie beendete dann doch die beziehung, denn ihre große liebe trat in ihr leben. Ralf (namen geändert) er war stark,älter, nahm sie väterlich in seine starke arme- nur er liebte sie nicht, er stellte nur besitzansprüche. es funktionierte, weil es das starke gefühl der liebe für sie gab.dann benutzte er sie als frau, und sie ging fort, weil diese "sonderbare2 lieb sie sonst zerstört hätte.
und der nächste kam, er sah ihrer großen liebe ähnlich. sie liebte, aber er gab ihr keine geborgenheit, sie wußte, er geht fremd, so war es auch.
er ging, und sie flog fort in ein anderes land, um abstand zu bekommen. sie wurde zum ersten mal stark- stark ohne mann- ohne verliebt zu sein! es war ein tolles gefühl. von da an,liebte sie nur noch, ohne mit jemandem eine beziehung zu führen. nähe war weit weg gerückt. die angst, erneut opfer zu werden, war zu groß. sie war opfer einer kindheit, die ihr liebe und vertrauen entsagte.
sie hätte gerne eine mutter gehabt. eine mutter zum reden und zum lieben. damals wußte sie noch nicht, wie weh es tut, keine gehabt zu haben. "liebt mich doch so wie ich bin," schrie das kind"vertragt euch doch bitte, streitet doch nicht immer"! sie wanderte stundenlang auf friedhöfen umher, es war so schön ruhig, sie wollte alleine sein. sie war traurig, aß nichts mehr, magerte ab, aber es wurde von ihrer mutter gar nicht bemerkt. sie hatte immer das gefühl, sie müsse erst sterben, damit man überhaupt merken würde, dass sie dagewesen ist.dazu hatte sie nicht den mut.vor dem tod hatte sie schreckliche angst.sie wollte kein opfer von ihm sein.
das leben fing ihr an, spaß zu machen, als sie berufstätig war. sie arbeitete mit kindern. kinder mochte sie, sie merkte,sie verstand die kinderseelen. sie wollte den kindern helfen, sie konnte sich hineindenken in viele traurige einsame kinderseelen. sie gab ihnen liebe. und sie verliebte sich selbst abends weiter. einfach so, wegen des gefühls. so war das leben angenehm.
ehe:
und wieder wurde sie abgewiesen von ihm. sie weiß gar nicht warum. warum macht sie ihn nur so wütend? liegt es an ihr oder an ihm? sie will mit ihm reden, er lässt es nicht zu. er hasst sie, sie spürt es ganz deutlich. er will weg von ihr. sie hat angst vor den gefühlen, die dann auf sie zukommen.das alleinsein.aber sie weiß, sie ist stark. nur das kind?wird ihr gemeinsames kind auch stark sein? es liebt seinen papa so. sie hat angst, dass er durchdreht und versucht, es ihrwegzunehmen. manchmal glaubt sie, er ist verrückt.gefangen, auch in seiner vergangenheit.sie konnte und sollte ihm nicht helfen.vielleicht ist er auch nur eifrsüchtig auf ihre "stärke". sie hat im gefühl, dass er nur liebt, wenn sieschwach ist, ihn um liebe anbettelt.sie ist traurig, aber kann auch nicht mehr weinen.sie will auch nicht mehr weinen. sie hat so viel schon geweint.wenn er nicht da ist, ist sie glücklich.am telefon ist seine stimme zärtlich, sie genießt es zu glauben, geliebt zu werden. wie schön wäre es , diese nähe spüren zu dürfen. sie darf es nicht, sie wird abgelehnt. sie hat wieder das gefühl, opfer zu sein. sie will kein opfer mehr sein. opfer seiner schlechten laune, seiner bedürfnisse, seiner wünsche, einfach von allem.sie will sie selbst sein. sie will leben, gefühle ausleben dürfen-leben dürfen.
in unserem alter gibt es das nicht mehr-sagt er. sie glaubt und will es nicht glauben.sie spürt diese liebe in sich, sie weiß es, sie merkt, dass andere männer sie nett finden, sie ist nicht so unmöglich, wie er sie darstellt.
sie liebt sich- verdammt noch mal- ja, ich liebe mich und du brauchst mich nicht zu lieben. es gibt und wird menschen geben, die mich lieben.. wenn ich schlecht bin, so sagt mir, warum ich schlecht bin. ich möchte lernen, aus meinen fehlern lernen.
ihn kotzt alles an hier, aber was sagt er ihr nicht. sie ist so müde geworden, ihm zu gefallen, nach liebe zu betteln.bitte gib mir die kraft, auch diesmal stark zu sein.bitte lass ihn nichts unüberlegtes tun. davor, nur davor hat sie angst.bitte lass das kind aus dem spiel. sie liebt es so. es ist so einfach, dieses kind zu lieben.
sie hört ein lied:"you can`t break out...." es macht sie so verdammt traurig. warum können sie sich nicht einfach lieben. warum hilft ihnen keiner...
 
"ich gehe raus". er ist weg, ein bier trinken, weil sie stört. er dachte, sie sei im bett. er macht ihr zum vorwurf, dass sie anwesend ist. wie viel schläge muss sie noch ertragen? warum ist dort immer noch die angst."papi lieb, papi lieb, ich will wieder lieb sein!". ich gehe aus dem zimmer und bin still und lieb.- nur bitte, sei nicht mehr böse. sie kann es kaum noch ertragen.sie will auch von ihm manchmal nicht mehr geliebt werden, nur verständnis.nur reden und sagen können, was sie fühlt. ohne schuldzuweisung, ohne anklage. er hasst sie. sie will sich aber nicht hassen. bitte rede wenigstens mit mir- als freund. ich fühle mich so alleine.

"lass mich in ruhe, sonst raste ich aus!"warum habe ich auch bei ihm immer das gefühl, er wäre nur glücklich, wenn ich tot wäre. ich will aber nicht sterben. ich will leben. lasst mich doch alle in ruhe.

"mama, ich hasse dich", es sind die worte ihres kleinen kindes, er bekommt ja alles mit. auch bei ihm hat sie manchmal das gefühl, er ist gegen sie.
er will zu seinem vater halten, zumindest glaubt er, das zu müssen."wenn ihr euch scheiden lasst, dann geh ich mit papa". sie hat angst, auch ihr kind wird eines tages weg sein. sie wird immer alleine sein.
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sie ist traurig. aber die traurigkeit ist kein leid mehr für sie. es ist irgendetwas anders geworden als sonst.sie ist stark in dieser traurigkeit, in diesem leid, in ihren gedanken. sie fühlt sich eins mit dieser welt. sie steht zwar irgendwo abseits- aber sie versucht, ihre rolle zu akzeptieren. sie ist ein gefühlvoller, von der vergangenheit geprägter mensch. sie ist vielleicht auch etwas besonderes. sie liebt und hat angst, aber sie weißdass sie einen sinn hat. sie ist da, um diese liebe zu leben, warum weiß sie nicht, aber sie spürt, dass es jemanden gibt, der ihr diese aufgabe zugeteilt hat.der sie trotz allem beschützt. das leid, diese einsamkeit hat einen sinn. ihre tränen sind versiegt, weil sie stark für andere sein kann.sie ist nicht mehr abhängig von seiner liebe. wichtig ist, dass SIE IHRE liebe an menschen weiter gibt. sie muss gar nicht mehr wieder geliebt werden. sie braucht es nicht mehr.
sie fällt in die arme der welt und nicht in die arme eines mannes. aber es ist gut so, sie will nicht mehr jemand anderes sein.
"she is crazy", ein lied. ist sie auch verrückt? vielleicht, aber viele waren verrückt.sie hat eine aufgabe zu erfüllen. diese liebe wird sie auch an die kinder bei ihrer arbeit weitergeben-jedenfalls wird sie es versuchen. sie liebt sie alle.
eines tages wird sie allein sein, aber die angst davor ist nicht mehr so groß, sie begibt sich in die hand dieser kraft , die da ist, die sie spürt, die sie so deutlich spürt wie nie zuvor.
sie war nie gläubig, aber was ist das, ist das nicht glaube, zu spüren, dass es einen sinn hat, zu leben, zu leiden- und zu lieben, mit dieser wahnsinnigen kraft zu lieben. liebe und leid, sie versteht jetzt diesen zusammenhang, es liegt so nah beieinander. sie versteht es jetzt, und ihre tränen versiegen.
angst durchfließt ihren körper, weil sie nicht weiß, was diese gefühle alles sollen, aber sie spürt auch diese neue kraft, die sie einsam macht, aber gleichzeitig auch so verdammt stark.

ENDE
 
Zuletzt bearbeitet:
danke an alle, die sich die mühe gemacht haben, dies alles zu lesen.
kurz nach den aufzeichnungen trennten mein mann und ich uns und ich lebe heute mit meinem kind alleine.
ich bin bei weitem nicht mehr so in diesen gedanken verstrickt wie damals, aber in beziehungen holt mich meine vergangenheit immer noch ein. leider gerate, ja gerate ist das richtige wort, ich an partner( denn ich suche sie ja nicht, da ich mir etwas anderes wünsche), die nicht sehr einfühlsam und liebevoll auf meine "schwächen" eingehen. ich begebe mich oft noch in diese opferrolle und lasse nähe nicht immer zu. aber es gelingt mir schon besser!
ich gehöre nicht zu denen, die sagen, in unserem alter kann man sich nicht mehr ändern. nein, ich sage, wir können uns bewusst machen, warum wir so sind, warum wir so handeln, welch weg hinter uns liegt---und dann können wir versuchen, daran zu arbeiten.
für mich weiß ich, dass ich IHN finden werde. jemanden, der mich liebt, so wie ich bin. sensibel, emotional, anlehnungsbedürftig, aber auch stark durch die vergangenheit.
und ich möchte allen, die ähnliches erlebt haben und ähnlich denken oder irgendwo in diesem prozess noch drin sind, hoffnung machen.
der schmerz der vergangenheit geht, es kommen immer wieder andere schmerzen, aber durch krisen reift man. nur so kann man es im leben schaffen und nicht resignieren....ganz lieben gruß
 
Hallo,

ich bedaure deine unschönen KIndheitserlebnisse sehr und kann gut mitfühlen was in dir vorgeht und ich finde es supergut, dass du damit angefangen hast dich mit den traumatischen Erlebnissen deiner Kindheit auseinanderzusetzen. Ich habe das Gleiche auch hinter mir und bin froh eines Tages zu meinem gewalttätigen Vater gesagt zu haben: ich bin nicht mehr lieb und unterwerfe mich und winsle um Gnade, sondern wehre mich, wende mich ab und lass dich allein zurück..etc....Dieser entscheidende Punkt und Denkumschwung muss einfach mal im Leben eines Gewaltopfers kommen um sich nachhaltig (!!) von einem Gewalttäter abzugrenzen und ablösen zu können. Seine Eltern kann man sich ja leider net aussuchen...du hattest da so wie ich und viele andere totales Pech...und viel Leid erfahren, wichtig für dich ist dir aber eines Tages zu sagen: o.k. was passiert ist, ist passiert und sowas wird mir niemals wieder passieren..ich ziehe die Konsequenzen aus diesem Erlebnis und sehe zukünftig zu, dass ich mich vor erneuten Übergriffen effektiv schütze. Das klingt jetzt so leicht daher gesagt..aber dieser Schritt ist schon hart und erfordert innere Härte sich selber ggü..sich zu verbieten an Illusionen und falschen Hoffnungen nach einer heilen Welt und der väterlichen Anerkennung oder Einsicht, dass er falsch gehandelt hat, ist ziemlich heftig..aber wie ich denke der einzig richtige Weg um sich aus einem schiefen Abhängigkeitsverhältnis und einem vergangenen Trauma herauslösen zu können. Rosa Brille ab..genau hinschauen, auch wenn das Bild was man sieht einen erschreckt, mitten in seine tiefste Angst tauchen und sich ihr stellen und dann v.a. HANDELN.

Es ist nicht o.k. dauerhaft an seiner Vergangenheit zu leiden...ewig traurig zu sein..oder einsam zu bleiben aufgrund Traumaerfahrungen..wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen andere Menschen und v.a. auch Nähe.
Oft verfallen unabgegrenzte Gewaltopfer in sone Art Helfersyndrom..weil sie keine Liebe für sich finden opfern sie sich für andere auf etc..vor dieser Falle möchte ich dich warnen!! Ich wäre früher ne Zeitlang fast in derselben Denkfalle gelandet.
Du hast ein Anrecht darauf so geliebt zu werden wie du bist..nimm dir dieses Recht und verwechsle Liebe auf keinen Fall mit Aufopferung!

Im Leben findet man an sich, wenn man an den richtigen Stellen sucht,sehr leicht Menschen, die einen achten und gut behandeln und tatsächlich lieben. Das war jedenfalls meine Erfahrung..wozu ich sagen muss, dass ich stets sehr bedacht vorgehe bei allem was ich tue...es bis heute schwer habe in Sachen Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen...aber an sich ist das oft ein Vorteil...wer mein Partner sein will, der muss halt gewisse Tests bestehen...Meine erste echte Beziehung hatte ich erst mit 23 Jahren..die Zeit vorher brauchte ich einfach um mir klar zu machen was ich wollte. Vor einer Heirat bin ich dann aus freiheitlichen Gründen zurückgeschreckt...und daher ist diese Beziehung nach 7 Jahren vorbei gewesen. Heute lebe ich unverheiratet + glücklich in einer festen Partnerschaft, habe keine eigenen Kinder, bin aber mit Leib und Seele Tante..zum Glück hat meine Schwester diesen Reproduktionsjob übernommen und ich kann meine Muttergefühle unverbindlich austoben....naja relativ unverbindlich...die Liebe zu meiner indirekten genetischen Nachkommenschaft ist schon sehr verbindlich 😉

Da ich mich recht früh auseinandergesetzt hatte mit dem was da zu Hause bei mir mit devoter Mutter und gewalttätigem herrschsüchtigen Vater so abgelaufen war, ich mich rasch abgegrenzt hatte und ein solides Selbstbewusstsein ausgebildet habe, immer ziemlich bewusst damit umgegangen bin mir zu überlegen was ich will oder nicht will..also ne eigenen Meinung zu bilde, was essenziell im Leben ist, hatte ich bei meiner Partnerwahl an sich Glück. Ich brauche Liebe ganz klar, aber nicht um jeden Preis und keine perverse Liebe wie meine Mutter sie gelebt hat mit einem gewalttätigen Pascha. Alleinsein muss man eh nicht fürchten...JEDER Mensch ist ohnehin immer in gewissem Maße alleine und einige Menschen IN Partnerschaften oft einsamer als ich in meinen Zeiten in denen ich als Single unterwegs war, wie ich oft festgestellt habe. Ich hab halt gewisse Qualitätsansprüche an eine Beziehung und einen Partner und ich kenne keine Verlustängste oder sowas was mich dazu korrumpieren könnte mich mit weniger als einer für mich befriedigenden und insgesamt guten = selbstredend gewaltfreien und achtsamen Beziehung zufrieden zu geben.

Wie sieht es mit dir aus? Frag dich das, denke über einige Dinge nach und verschaff dir darüber Klarheit, was du willst und dann geh auf dieses Ziel zu.
Für viele ist die Mithilfe eines Verhaltenspsychologen bei der Verarbeitung sehr günstig...ich sehe Therapien als sone Art Verarbeitungsbeschleuniger an für Menschen die interessiert daran sind gut und gründlich und relativ rasch zu verarbeiten und weg vom Leid voran ins Leben zu kommen. Therapie liegt natürlich nicht jedem..da man dabei schon zur Sache geht und in die Niederungen der menschlichen Seele hinabsteigt...buah..grusel...😀 😉 Aber im Ernst: die Konfrontation mit unschönen Realitäten ist oft hart, aber im Grunde kann sie nichts weicher machen..Die Welt und Realität ist was sie ist und wir müssen uns ihr anpassen..umgekehrt läuft es nicht..die Welt passt sich nicht an uns an. Gewalt ist ein Anthropologikum..ist halt oft und überall in einem Menschenleben vertreten, was wir lernen müssen und lernen können ist angemessen mit ihr umzugehen.

Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei deiner Verarbeitung und hoffe sehr für dich, dass du eines Tages ähnlich positive Entwicklungsschritte wie ich machen kannst. Ich denke sowas ist jedem möglich, denn wo ein Wille ist finden sich immer Wege und nicht umsonst ist der Mensch, JEDER Mensch, (also auch du!) ein evolutionäres Eliteprodukt mit der Fähigkeit sein Leben lang dazuzulernen und sich weiter zu entwickeln, sich anzupassen, nach Schicksalsschlägen wieder aufzustehen und groß zu werden. Essenziell ist dabei der Glaube an sich selber...damit hat man es grundsätzlich geschafft, denn bekanntermaßen kann der Glaube oft Berge versetzen.

Gruß
Tyra

Thema Vertrauen: Urvertrauen ist nur ein Grundvertrauen..wenn es mal kaputt ist, ist es kaputt...leider..aber das heißt nicht, dass man nicht wieder lernt genügend Vertrauen ggü Menschen aufbauen zu können. Blind sollte man eh nie vertrauen...ein bissel Anstrengung, Wachsamkeit, Achtsamtkeit muss immer sein im Leben..auch wenn das Energie kostet, genügend geschulten (!) Beobachtungssinn etc...und es leichter wäre sich einfach so vertrauensselig zurückzulehnen...Menschen sind nunmal Raubtiere..zwar kultur- und moralfähig, aber ob sie sich anständig benehmen und nicht zu egoistisch werden ist halt NIE garantiert...niemals! Das solltest du an sich doch gelernt haben, oder? Auch ich habe das auf sehr harte Tour durch einen gewaltätigen Vater erlernen müssen, aber halt Konsequenzen draus gezogen, meine Erwartungshaltung angepasst und runtergeschraubt....so als Schutz vor neuen Enttäuschungen... Um mich vertrauensselig zur vollkommenen Entspannung und zum Wohlfühlen zurückzulehnen genügt mir ein einfaches Schaumbad. Ich akzeptiere menschlichen Egoismus, kann mich anderen Egoismen ggü abgrenzen und STOPP sagen....auch in einer Beziehung...das ist wichtig..man muss immer mal wieder ein wenig um die Grenzen streiten..auf gute Art und Weise versteht sich, halt BeziehungsARBEIT leisten damit man nicht zu kurz kommt mit seinen Ansprüchen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Danke Tyra für die vielen worte....ich habe eine analyse hinter mir( 10 jahre her) und bin auch teilweise noch in therapeutischer behandlung (verhaltenstherapie), wenn es wieder tiefschläge in meinem leben gibt. meinem vater hab ich übrigens verziehen...nicht wörtlich, aber für mich. in dieser beziehung habe ich frieden geschlossen.
aufpassen muss ich, wie du schreibst, in beziehungen. hier muss ich mehr versuchen, muster, verhaltensweisen, die aus früherer zeit herrühren, abzulegen...so wie du es beschreibst. lieben gruß
 

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