Ich danke euch für eure Teilnahme an meiner Geschichte und dir Mittendurch danke ich, dass du immer wieder Zeit und Muse findest, auf mich einzugehen.
🙂
@Tuesday
Vergessen und ausblenden ist nicht der Weg zur Heilung. Das Gehirn muss das Erlebnis/die Gefühle in die Persönlichkeit integrieren und ihm einen Sinn geben.
Es gibt aber Übungen, um sich von diesen Gefühlen zu distanzieren.
Dann habe ich wahrscheinlich bisher zum Teil "falsch" an mir gearbeitet. Zugegeben, ich sehe es als eine Art Handicap an und ich versuche, nach vorne zu sehen und weiterzumachen. Dabei verdränge ich viel, bzw. schiebe es von mir, denke ich. Ich sage mir auch oft gedanklich leider viel zu oft "Stell dich jetzt nicht so an."
Hast du Übungen für mich, dir mir helfen könnten? Manchmal ist es so schlimm, wenn ich getriggert werde oder in einen Flasback rutsche, dass ich mich fast übergebe oder zumindest unter so heftigen Schmerzen im Unterleib leide, dass ich nur liegen kann.
Während eines solchen Erlebnisses wird der Verstand vollständig ausgeschaltet. Es besteht eine chemische blockade und wir "denken" nur noch mit unserem Urgehirn und handeln aus unseren Gefühlen heraus.
Bei einem Flashback passiert genau das wieder. Der Verstand wird blockiert und wir sind völlig in unseren Gefühlen. Da hilft es dann, den Verstand wieder zu aktivieren. Rechenaufgaben lösen, geometrische Muster malen, Baupläne zeichnen ...
Auf einem Bein stehen. Das Gehirn muss dann andere Teile aktivieren, um das Gleichgewicht wieder herzustellen, sonst fällt man um.
Das beste Mittel gegen eine Panikattacke. Geht auch in einer Menschenmenge. Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagern.
Danke für die Tipps und Erklärungen. Das ist sehr hilfreich für mich. Wenn ich in eine Panik verfalle oder einen Flasback habe, habe ich bisher nicht an sowas gedacht. Aber, es ist total logisch und hört sich sehr gut an. Ich hasse es, dann so "weggetreten" zu sein.
Du hängst emotional noch immer sehr an diesem Täter. Das soll kein Vorwurf sein. Ist nur ein Hinweis.
Natürlich ist es Mist, dass er nicht aus dem Verkehr gezogen wird und keine Strafe bekommt. Wenn du auf diesem Weg bleibst, wird es für dich kein Entkommen und damit keine Integration geben. Zur Ruhe kannst du erst kommen, wenn du genau dieses Thema mit dem Täter abgeschlossen hast.
Ja, stimmt irgendwie. Ich denke sehr oft an ihn. Weil das alles so ungeklärt geblieben ist und ich bin zurückgeblieben, nach allem, was er mir angetan hat. Ich wünsche ihm alles Schlechte, ich habe so einen gigantischen Hass auf ihn. Und das schafft glaube ich diese Verbindung.
Gut, dann glaube daran, dass es einen Grund gibt, warum dieser Täter nie zur Rechenschaft gezogen wird und dass du ihn finden wirst.
Es ist übrigens egal, was das für ein Grund ist. In deiner Psyche muss es Klick machen. Das muss niemand sonst verstehen. Wenn jemand sagt, der wurde anschließend von Aliens entführt und kastriert und kann mit dem Gedanken abschließen, ist das gut und richtig.
Wieder ein ausgezeichneter Vorschlag von dir. Auch vielen Dank dafür! Ja, dieses "unabgeschlossene" macht mich so fertig. Ich bilde mir ein, dass wenn der Täter z. B. hinter Gitter gekommen wäre, dass ich dann besser mit allem abschließen könnte.
Das kann ich gut verstehen. In meiner früheren Beziehung wurde ich verletzend, um zu beweisen, dass ich nicht liebenswert bin und tief in mir gibt es immer die Angst, dass wenn mich jemand liebt, er früher oder später rausfinden wird, was für einem Mogelpaket er aufgesessen ist.
Perfekt formuliert. Exakt so fühle ich mich. Wenn mir meine besten Freunde sagen, dass ich ihnen wichtig bin und sie mich schrecklich gern haben, fange ich manchmal hinterher an zu weinen. Mir tut das immer emotional furchtbar weh.
Hallo Findefuchs,
ich hatte mal einen Account hier, und Du hast mir sehr hilfreiche Sachen geschrieben.
Nun habe ich Dich hier wiedergefunden, und ich hätte nicht gedacht, dass das alles Dir passiert ist - wo Du anderen so gute Ratschläge geben kannst.
Vielleicht kann ich ja ein wenig helfen, vielleicht auch nicht. Therapeutin bin ich nicht, nur eine Frau, die das Problem, das Du mit Männern hast aus ähnlichen Gründen allgemein mit "Menschen" hat.
Also auch mit Frauen. Mein Mann nennt mich deshalb "dissozial" - und er ist deswegen auch oft ärgerlich. Ich weiß aber seit der Therapie, dass ich deshalb so bin, weil ich nie eine Grenze haben durfte, dass ich mich jetzt gegen jeden abschotte und in jedem einen Feind sehe.
Wenn ich also das absichtlich so mache, dann versuche ich erst meine GRENZEN zu definieren. Wenn ich DAS gelernt habe, dann könnte ich evtl. weiter gehen. Sieh es bei Dir doch auch so: Du hast Angst, dass so etwas noch einmal passiert.
Tue etwas, das Dir SICHERHEIT gibt: Geh in einen Kampfsportverein z.B. und lerne etwas.
Verstehst Du, was ich meine? Versuche, an der Wurzel das Problem anzugehen, nicht die Folgen zu therapieren.
Ich glaube nicht mehr, dass eine Therapie notwendig helfen muss.
Viel Erfolg
Gast
Danke für deine lieben Worte Gast, wer auch immer du mal hier warst
🙂. Ja, das sagen mir viele, dass ich immer einen guten Rat weiß und mich gut einfühlen kann und mir dann so schreckliche Dinge passiert sind. Aber vielleicht gelingt es mir gerade deswegen so gut, keine Ahnung.
Deinen Tipp finde ich auch super. Mir ist bei deinem Beitrag aufgefallen, dass ich bisher extrem selten MEINE Grenzen überdacht und festgelegt habe, sondern MEISTENS überlege, wie ich leben und handeln kann, ohne ANDEREN zu sehr auf den Schlips zu treten oder zu einer möglichen Belastung zu werden, mit der man keine schöne Zeit hat.
@ Das Gefühl
Ach lieber Das Gefühl, dein Beitrag hat mich sehr berührt und bewegt. Ich hoffe, ich habe nicht zu viel in dir ausgelöst oder aufgewühlt, es war keinesfalls meine Absicht.
Meine Geschichte ist mit Deiner natürlich nicht vergleichbar. Aber es gibt ganz viele liebe und auch hochsensible Männer. Und das habe ich verstanden. Und ich habe verstanden, dass Offenheit und auch Lebensfreude (und sei sie sogar nur gespielt) immer auf Resonanz trifft. Das hat mir ein Traumatherapeut sehr deutlich gemacht. Und er hatte Recht. Nur weiß ich natürlich, dass es ein langer und harter Weg ist. Und gerade Menschen, die noch keine Schutzmechanismen und keine Aufarbeitung gemacht haben, können mit Offenheit und Freude nichts anfangen. Da wirkt mein Geschriebenes wie Hohn, kann wütend machen. Aber auch ich habe das Recht, zu erzählen.
Ich wurde gemobbt und fertig gemacht und habe viel Gewalt erfahren. Und trotzdem habe ich immer die Nähe zu anderen Menschen gesucht und beziehe meine Kraft aus Freundschaften und zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich habe nie aufgehört zu suchen.
Mir sagen viele, ich bin ein angenehmer, freundlicher Mensch mit dem man gerne über alles mögliche redet und der einen tollen Humor hat. Oft fühle ich mich aber überhaupt nicht danach. Und trotzdem ist es vielleicht dennoch der Wunsch nach Nähe und Bindungen, die einem eine positive Ausstrahlung geben.
@ Noch nicht
Aber es gibt noch etwas, das nicht wenigen Menschen schwer, oft sogar sehr schwer fällt - meistens aufgrund von bestimmten Kindheitserlebnissen: Eine unbändige (!!) Wut! Eine enorme Wut!
Sie gehört - meistens, (fast?) immer - auch dazu und ist in ihrer Bedeutung für die "Genesung" nicht zu überschätzen.
Ich bin so voller Hass und Wut gegen den Täter und auch oft gegen die Männerwelt allgemein (es tut mir leid), dass ich Angst habe, daran zu zerbrechen, weil ich gleichzeitig furchtbare Angst habe.
@Harle
Danke für deine Erklärungen. Ja, ich war in diesem Moment sehr instinktgesteuert und habe nur noch funktioniert. Mein Gehirn hat da irgendwie die Kontrolle übernommen, weil ich vermutlich zu überfordert war mit der Situation.
@ Mittendurch
Dein Beitrag hat mir klar gemacht, dass ich wirklich
überlebt habe. Und ja, irgendwie ist was dran. Ich bin eine Frau, die gekämpft und alles gegeben hat, um es zu schaffen und wegzukommen und vielleicht untergrabe ich damit klassische Rollenbilder oder rühre Komplexe an. Ich bin in dieser Nacht über mich hinausgewachsen und manchmal frage ich mich, ob es nicht zu viel war. Dass irgendwas in mir jetzt gebrochen oder aufgebraucht ist. In ganz schlimmen Zeiten, wenn ich wieder richtig weit unten bin und das Gefühl habe, nichts auf die Reihe zu bekommen, da denke ich mir oft, dass es vielleicht besser wäre, es nicht geschafft zu haben. :wein:
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So allgemein geht es mir heute echt richtig mies. Habe kaum Bezug zu mir und wünsche mir, gar nicht hier zu sein oder denke mir, dass viele Mühen keinen Sinn machen. Ist auch alles aktuell wieder viel zu viel für mich. Unglaublich viel Stress in der Familie und ich denke sehr viel in letzter Zeit über meine Gewalterfahrungen nach.