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Opferhaltung ablegen (Kann triggern!)

In unserer Gesellschaft ...
Es gibt nicht einen Grund, einem anderen Menschen Gewalt anzutun. Und so lange die Leute das nicht verstehen, wird es immer Gewalt geben, weil es immer eine Entschuldigung gibt.

Wenn es immer Gewalt geben wird, dann ist das ja schon richtig. Es muss aber nicht immer Gewalt gegen "mich" (oder die TE) geben.

Wenn sie sich WEHRT, dann ist das schon einmal ein richtiger Anfang. Wenn sie lernt, sich zu wehren, z.B. in einem Kampfsportkurs, dann überträgt sich diese Haltung auch auf ihre Geisteshaltung und ihre Ausstrahlung wird selbstbewußter!

Was das heißt? Sie ist nicht mehr so leicht "Opfer" -
 
@Findefuchs,
erst einmal, nicht das du dich wunderst, dass ich nicht zu allem schreibe, ich habe nur drüber gesehen, richtig lesen grad eher nicht. Doch was ich wahrnahm, dieser Unglaube.
Doch wer nie in einer solchen Situation war, weiß gar nicht wie viele Kräfte mobilisiert werden können, wenn akute Lebensgefahr droht. Nicht immer ist es mit erstarren verbunden, oft erst einmal Kampf, so wie du ihn geführt hattest, echt toll und Wahnsinns Energie freigesetzt - toll. Trotz allem war die Todesangst da, nicht unbegründet, auch wenn du es geschafft hast, das letzte, was er wollte abzuwehren.
Diese Kraft, die du aufgebracht hast und das bis zum Schluss, eine tolle Leistung. Wenn die anderen Menschen zweifeln, dann nur, weil sie keine Ahnung haben oder es für sie unvorstellbar ist, weil sie selbst nie so reagieren könnten.
Doch das was du empfunden hast, ist trotz allem nicht weiterverarbeitet, es ist noch im Modus gespeichert - Kampf oder Flucht. Trotz allem ist das Gehirn noch nicht fertig mit der Situation, es hat noch nicht umgesetzt, dass die Situation beendet ist. Es muss erst noch begreifen und erkennen, dass es heute anders ist, das es daraus ist und auf "Normal" umstellen kann. Es läuft noch immer auf Hochtouren. Nur eine Kleinigkeit und schon ist es im vollen Programm "Kampf" oder "Flucht" doch ein Dauerkampf strängt an, es und du brauchen Ruhe, weil ja nicht nur das Gehirn, sondern der ganze Körper in Bereitschaft ist.
Hast du für dich begriffen, welche Leistung du voll bracht hast? Hast du begriffen überlebt zu haben?
Viele andere Menschen können oder wollen es nicht erkennen. Viele wollen das es nicht da ist.

Viele mögen es auch nicht. Sie mögen nicht die Vorstellung, das auch Frauen sich bis zum letzten verteidigen können. Ich glaube vielen ist das unheimlich. Anders mögen auch viele die Vorstellung nicht, dass ein Mann hat sich nicht verteidigen können. Solche Gedanken machen das Bild kaputt, das Bild wie es zu sein hat.
Viel können mit dem Bild leben, (Kinder und Frauen)=schwach ; Männer=stark
Sollte dann sich eine Frau gegen einen starken Mann zur wehr setzen können, geht das bild kaputt. Bitte denke daran, wenn du auf solche Menschen triffst.

Trotz der ganzen Stärke braucht es Zeit, Geduld, Ruhe und noch einiges mehr für Sortierarbeit des Gehirns, dass es Ruhe finden kann.

Du hast viel geleistet, in diesem Fall und auch noch einiges mehr und du hast ein Recht dich zu schützen.

LG
Mittendurch
 
Ich danke euch für eure Teilnahme an meiner Geschichte und dir Mittendurch danke ich, dass du immer wieder Zeit und Muse findest, auf mich einzugehen. 🙂


@Tuesday

Vergessen und ausblenden ist nicht der Weg zur Heilung. Das Gehirn muss das Erlebnis/die Gefühle in die Persönlichkeit integrieren und ihm einen Sinn geben.

Es gibt aber Übungen, um sich von diesen Gefühlen zu distanzieren.

Dann habe ich wahrscheinlich bisher zum Teil "falsch" an mir gearbeitet. Zugegeben, ich sehe es als eine Art Handicap an und ich versuche, nach vorne zu sehen und weiterzumachen. Dabei verdränge ich viel, bzw. schiebe es von mir, denke ich. Ich sage mir auch oft gedanklich leider viel zu oft "Stell dich jetzt nicht so an."

Hast du Übungen für mich, dir mir helfen könnten? Manchmal ist es so schlimm, wenn ich getriggert werde oder in einen Flasback rutsche, dass ich mich fast übergebe oder zumindest unter so heftigen Schmerzen im Unterleib leide, dass ich nur liegen kann.


Während eines solchen Erlebnisses wird der Verstand vollständig ausgeschaltet. Es besteht eine chemische blockade und wir "denken" nur noch mit unserem Urgehirn und handeln aus unseren Gefühlen heraus.

Bei einem Flashback passiert genau das wieder. Der Verstand wird blockiert und wir sind völlig in unseren Gefühlen. Da hilft es dann, den Verstand wieder zu aktivieren. Rechenaufgaben lösen, geometrische Muster malen, Baupläne zeichnen ...

Auf einem Bein stehen. Das Gehirn muss dann andere Teile aktivieren, um das Gleichgewicht wieder herzustellen, sonst fällt man um.

Das beste Mittel gegen eine Panikattacke. Geht auch in einer Menschenmenge. Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagern.

Danke für die Tipps und Erklärungen. Das ist sehr hilfreich für mich. Wenn ich in eine Panik verfalle oder einen Flasback habe, habe ich bisher nicht an sowas gedacht. Aber, es ist total logisch und hört sich sehr gut an. Ich hasse es, dann so "weggetreten" zu sein.


Du hängst emotional noch immer sehr an diesem Täter. Das soll kein Vorwurf sein. Ist nur ein Hinweis.

Natürlich ist es Mist, dass er nicht aus dem Verkehr gezogen wird und keine Strafe bekommt. Wenn du auf diesem Weg bleibst, wird es für dich kein Entkommen und damit keine Integration geben. Zur Ruhe kannst du erst kommen, wenn du genau dieses Thema mit dem Täter abgeschlossen hast.

Ja, stimmt irgendwie. Ich denke sehr oft an ihn. Weil das alles so ungeklärt geblieben ist und ich bin zurückgeblieben, nach allem, was er mir angetan hat. Ich wünsche ihm alles Schlechte, ich habe so einen gigantischen Hass auf ihn. Und das schafft glaube ich diese Verbindung.


Gut, dann glaube daran, dass es einen Grund gibt, warum dieser Täter nie zur Rechenschaft gezogen wird und dass du ihn finden wirst.

Es ist übrigens egal, was das für ein Grund ist. In deiner Psyche muss es Klick machen. Das muss niemand sonst verstehen. Wenn jemand sagt, der wurde anschließend von Aliens entführt und kastriert und kann mit dem Gedanken abschließen, ist das gut und richtig.

Wieder ein ausgezeichneter Vorschlag von dir. Auch vielen Dank dafür! Ja, dieses "unabgeschlossene" macht mich so fertig. Ich bilde mir ein, dass wenn der Täter z. B. hinter Gitter gekommen wäre, dass ich dann besser mit allem abschließen könnte.


Das kann ich gut verstehen. In meiner früheren Beziehung wurde ich verletzend, um zu beweisen, dass ich nicht liebenswert bin und tief in mir gibt es immer die Angst, dass wenn mich jemand liebt, er früher oder später rausfinden wird, was für einem Mogelpaket er aufgesessen ist.

Perfekt formuliert. Exakt so fühle ich mich. Wenn mir meine besten Freunde sagen, dass ich ihnen wichtig bin und sie mich schrecklich gern haben, fange ich manchmal hinterher an zu weinen. Mir tut das immer emotional furchtbar weh.


Hallo Findefuchs,

ich hatte mal einen Account hier, und Du hast mir sehr hilfreiche Sachen geschrieben.

Nun habe ich Dich hier wiedergefunden, und ich hätte nicht gedacht, dass das alles Dir passiert ist - wo Du anderen so gute Ratschläge geben kannst.
Vielleicht kann ich ja ein wenig helfen, vielleicht auch nicht. Therapeutin bin ich nicht, nur eine Frau, die das Problem, das Du mit Männern hast aus ähnlichen Gründen allgemein mit "Menschen" hat.
Also auch mit Frauen. Mein Mann nennt mich deshalb "dissozial" - und er ist deswegen auch oft ärgerlich. Ich weiß aber seit der Therapie, dass ich deshalb so bin, weil ich nie eine Grenze haben durfte, dass ich mich jetzt gegen jeden abschotte und in jedem einen Feind sehe.

Wenn ich also das absichtlich so mache, dann versuche ich erst meine GRENZEN zu definieren. Wenn ich DAS gelernt habe, dann könnte ich evtl. weiter gehen. Sieh es bei Dir doch auch so: Du hast Angst, dass so etwas noch einmal passiert.
Tue etwas, das Dir SICHERHEIT gibt: Geh in einen Kampfsportverein z.B. und lerne etwas.

Verstehst Du, was ich meine? Versuche, an der Wurzel das Problem anzugehen, nicht die Folgen zu therapieren.
Ich glaube nicht mehr, dass eine Therapie notwendig helfen muss.

Viel Erfolg
Gast

Danke für deine lieben Worte Gast, wer auch immer du mal hier warst 🙂. Ja, das sagen mir viele, dass ich immer einen guten Rat weiß und mich gut einfühlen kann und mir dann so schreckliche Dinge passiert sind. Aber vielleicht gelingt es mir gerade deswegen so gut, keine Ahnung.

Deinen Tipp finde ich auch super. Mir ist bei deinem Beitrag aufgefallen, dass ich bisher extrem selten MEINE Grenzen überdacht und festgelegt habe, sondern MEISTENS überlege, wie ich leben und handeln kann, ohne ANDEREN zu sehr auf den Schlips zu treten oder zu einer möglichen Belastung zu werden, mit der man keine schöne Zeit hat.


@ Das Gefühl

Ach lieber Das Gefühl, dein Beitrag hat mich sehr berührt und bewegt. Ich hoffe, ich habe nicht zu viel in dir ausgelöst oder aufgewühlt, es war keinesfalls meine Absicht.


Meine Geschichte ist mit Deiner natürlich nicht vergleichbar. Aber es gibt ganz viele liebe und auch hochsensible Männer. Und das habe ich verstanden. Und ich habe verstanden, dass Offenheit und auch Lebensfreude (und sei sie sogar nur gespielt) immer auf Resonanz trifft. Das hat mir ein Traumatherapeut sehr deutlich gemacht. Und er hatte Recht. Nur weiß ich natürlich, dass es ein langer und harter Weg ist. Und gerade Menschen, die noch keine Schutzmechanismen und keine Aufarbeitung gemacht haben, können mit Offenheit und Freude nichts anfangen. Da wirkt mein Geschriebenes wie Hohn, kann wütend machen. Aber auch ich habe das Recht, zu erzählen.

Ich wurde gemobbt und fertig gemacht und habe viel Gewalt erfahren. Und trotzdem habe ich immer die Nähe zu anderen Menschen gesucht und beziehe meine Kraft aus Freundschaften und zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich habe nie aufgehört zu suchen.

Mir sagen viele, ich bin ein angenehmer, freundlicher Mensch mit dem man gerne über alles mögliche redet und der einen tollen Humor hat. Oft fühle ich mich aber überhaupt nicht danach. Und trotzdem ist es vielleicht dennoch der Wunsch nach Nähe und Bindungen, die einem eine positive Ausstrahlung geben.


@ Noch nicht

Aber es gibt noch etwas, das nicht wenigen Menschen schwer, oft sogar sehr schwer fällt - meistens aufgrund von bestimmten Kindheitserlebnissen: Eine unbändige (!!) Wut! Eine enorme Wut!
Sie gehört - meistens, (fast?) immer - auch dazu und ist in ihrer Bedeutung für die "Genesung" nicht zu überschätzen.

Ich bin so voller Hass und Wut gegen den Täter und auch oft gegen die Männerwelt allgemein (es tut mir leid), dass ich Angst habe, daran zu zerbrechen, weil ich gleichzeitig furchtbare Angst habe.

@Harle

Danke für deine Erklärungen. Ja, ich war in diesem Moment sehr instinktgesteuert und habe nur noch funktioniert. Mein Gehirn hat da irgendwie die Kontrolle übernommen, weil ich vermutlich zu überfordert war mit der Situation.


@ Mittendurch

Dein Beitrag hat mir klar gemacht, dass ich wirklich überlebt habe. Und ja, irgendwie ist was dran. Ich bin eine Frau, die gekämpft und alles gegeben hat, um es zu schaffen und wegzukommen und vielleicht untergrabe ich damit klassische Rollenbilder oder rühre Komplexe an. Ich bin in dieser Nacht über mich hinausgewachsen und manchmal frage ich mich, ob es nicht zu viel war. Dass irgendwas in mir jetzt gebrochen oder aufgebraucht ist. In ganz schlimmen Zeiten, wenn ich wieder richtig weit unten bin und das Gefühl habe, nichts auf die Reihe zu bekommen, da denke ich mir oft, dass es vielleicht besser wäre, es nicht geschafft zu haben. :wein:

________________________________________________________________

So allgemein geht es mir heute echt richtig mies. Habe kaum Bezug zu mir und wünsche mir, gar nicht hier zu sein oder denke mir, dass viele Mühen keinen Sinn machen. Ist auch alles aktuell wieder viel zu viel für mich. Unglaublich viel Stress in der Familie und ich denke sehr viel in letzter Zeit über meine Gewalterfahrungen nach.
 
Liebe Findefuchs,
ich habe in deinem Thread gelesen, vor allem deine, so sehr offene und mutige Beiträge, und mir ist dabei etwas aufgefallen:

in der Gewaltsituation hast du verzweifelt um dein Leben gekämpft, das real bedroht wurde und gleichzeitig eine unmittelbare, sehr starke Todesangst erlebt .. Solche Angst habe ich auch schon mal erleben müssen und weiß, dass dabei die Wahrnehmung sich unglaublich verschärft, da der ganze Organismus in höhste Alarmbereitschaft verstezt wird und alles, was mit ihm, in ihm und um ihn herum geschieht, sehr schnell und intensiv einschätzen will/muss, um daruf entsprechend, d.h. lebenserhaltend, zu reagieren.

Deine Beschreibungen zeigen diesen Zustand ganz deutlich. Es ist ein Ausnahmezustand, und man kommt sich selbst in ihm beinah fremd vor, da dabei die ursprünglichsten, stark intuitiven Selbsterhaltungs - Menchanismen sich "einschalten" und eigenes Verhalten machtvoll steuern.

Ich kann es mir vorstellen, dass diese verschärfte Wahrnehmung, dir auch den Hass und die Verachtung des Täters enorm spüren lies, welche aber wahrscheinlich der ganzen Welt und allen Menschen galt, doch in diesem Moment von ihm leider auf dich projiziert und gewaltsam abreagiert wurde.

So intensiv durch die Bedrohung von dir wahrgenommen, könnten diese destruktive Gefühle vermutlich in dich eindringen und von dir tief verinnerlicht werden und vielleicht ist es das, was (außer der Erinnerung an die Todesangst) dich immer noch so sehr belastet, - weil du sie auch gegen dich richtest..?

Wenn es tatsächlich so wäre, dann ist es vielleicht entlastend, dir dessen tief bewusst zu werden, dass es fremden Gefühle sind, die du, wie eine (noch nicht ausgeheilte) Infektion in dir trägst! Sie gehören nicht dir! Deine eigenen Gefühle dir selbst und der Welt gegenüber sind ganz anders!

Ich glaube, wenn man das richtig begreift und unterscheidet, kann es leichter gelingen, sich nach und nach von fremden Inhalten zu distanzieren und den ureigenen Empfindungen mehr Platz und Macht zu geben.

Ich hoffe, dich mit meinen offenen Gedanken nicht beunruhigt zu haben, doch es schien mir wichtig sie dir mitzuteilen und anzubieten. Ob und wie weit sie zutreffen, kannst du nur selbst erkennen.

Ich wünsche dir vom Herzen alles Gute! 🙂
L.G. Lenja
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Findefuchs,

es gibt so vieles was ich Dir sagen möchte und jetzt ist alles weg.
Ich habe ähnliches erlebt und es hat mich viele Jahre meines Lebens gekostet.
Ich hatte iwie schon immer das Problem das Männer nur Sex von mir wollten und ich mich sofort ausgenutzt und abgewertet gefühlt habe, sobald nur ansatzweise eine Annäherung kam.
Vor 10 Jahren dann Vergewaltigung.
Daraufhin hab ich mich sehr sehr zurück gezogen und abgeschottet.Hatte nur Kontakt zu meiner Thera und 1 einer Freundin, letzteres auch nur selten. Die Angst war bei Männern am grössten, aber es war eine generelle Angst vor allen Menschen und aus der Wohnung rauszugehen. Einmal die Woche einkaufen war die Hölle sonst bin ich nur Nachts rausgegangen, weil da niemand mehr draussen war.
Natürlich war ich auch in Therapie.

Das waren so in etwa 6Jahre. Dann aufeinmal kam iwie der grosse der Knall und ich habe warum auch immer mich ein Jahr lang sexuell richtig ausgetobt. Manche Frauen reagieren auf sexuelle Gewalterfahrungen mit Rückzug manche mit Promiskuität.
Darum soll es aber jetzt nicht gehen.

Die gute Erfahrung die ich in diesem Jahr aber gemacht habe ist: Das ich mich nicht mehr ausgenutzt fühle und auch nicht gebrochen und missbraucht sobald mich einer nur anguckt.
Und plötzlich ist es auf einmal anders herum. Nicht das ich die Männer benutze, das waren von vornherein klare Absprachen ohne gegenseitigen Beziehungswunsch oder grosse Gefühle.
Mir ist auf einmal aufgefallen wie nervös die mir gegenüber sind und das die genauso viel Angst haben.
Das hat sogar nicht mehr in das Bild vom potentiellen Täter gepasst, das ich vorher hatte.
Wenn mich einer angefasst hat ohne meine Einwilligung und sei es nur das er zu dicht neben mir stand, hab ich das deutlich kund getan. Ich hab in diesem Jahr einfach umgelernt. Gelernt mich zu wehren und das die Welt nicht ganz böse ist, wie ich glaubte.
Irgendwie hatte sich meine Perspektive verrückt bzw. endlich gerade gerückt 😀
Dieses eine Jahr hat mir genauso viel Stärke und Kraft gegeben wie die vielen Jahre Einsamkeit und Unabhängigkeit zuvor.
Heute habe ich eine glückliche und vorallem die erste wirklich gleichberechtigte Partnerschaft meines lebens.
Mit 100%iger Sicherheit bist Du mindestens genauso stark, wenn nicht noch stärker!
Du hast mit einer der schlimmsten Erfahrungen die es gibt gemacht und Du hast überlebt!
Nicht nur die Gewalttat selbst sondern auch die ganzen letzten Jahre. Das hat unser aller Respekt.
Das heisst das Du stark bist und Du wirst Deinen Weg finden, davon bin ich absolut überzeugt!

Den Zeitpunkt wann du wieder aktiv wirst, den bestimmst allein und nur allein Du!
und nur wenn Du Dir alle Zeit nimmst die du brauchst und wieder genug Kraft geschöpft hast.
Nur dann kann Deine Seele all ihre Bruchstücke wieder zusammen setzen und heilen.
Manche brauchen ihr ganzes Leben dazu, manche ein paar Jahre, manche ein paar Monate.
ich bin aber überzeugt das man so eine furchtbare Gewalterfahrung wie du sie erlebt hast nicht mit noch mehr Druck und Härte austreiben kann.
Nimm Dir soviel Zeit wie möglich. Tu was Dir gut tut. Irgendwann wird die Erinnerung ohnehin verblassen und es treten neue Wünsche und Ziele und auch Anforderungen ins Leben. Weder das leben noch die eigenen seelische Entwicklung bleiben jemals stehen, auch wenn es einem manchmal so vor kommt.

alles Gute
 
Liebe Lenja,

ich danke dir für deine Gedanken. Ja, du hast es perfekt getroffen, in dem Moment haben mein Instinkt und mein Körper alles übernommen und ich habe nur noch funktioniert. Das war im nachhinein so unheimlich, weil ich mich tatsächlich total fremd gefühlt habe, als wäre ich eine ganz andere oder als wäre ich fremdgesteuert. Meine Gedanken kamen gar nicht mehr hinterher, aber mein Körper/Instinkt hat sofort reagiert. Gleichzeitig war alles so "überreal" und alle äußeren Einflüsse und Regungen des Täters sind über mich ungefiltert hereingebrochen und ich habe es ganz genau wahrgenommen. Ich hätte ungelogen eine Stecknadel fallen hören können.

Ich weiß nicht, ob ich die Gefühle des Täters übernommen habe und noch in mir trage. Darüber muss ich mal genauer nachdenken, bisher ist mir dieser Gedanke noch nie gekommen. Ich denke, dass ich mich zum Teil aber auch selbst so ablehne, weil ich leider zu den Betroffenen gehöre, denen man später Mitschuld oder alleinige Schuld eingeredet hat oder es zumindest unbewusst so rübergebracht hat.

Ich war vorher schon Männern sehr unsicher gegenüber und hatte leichte Probleme ihnen zu vertrauen und mich auf sie einzulassen. Dann ist dieser schreckliche Übergriff passiert und ich habe seitdem Angst, dass es wieder passiert. Und habe Panik, dass es in der männlichen Natur liegt, so zu sein, obwohl ich vom Kopf her weiß, dass das gar nicht sein kann, weil viele Männer Grenzen respektieren.

Aber wie oft werden Frauen zum Sex "überredet" oder ein Mann meint ihnen einreden zu müssen, dass sie verklemmt sind oder andere Frauen das auch machen? Das ist ja auch schon eigentlich übergriffig.


Lieber Gast,

ich danke dir dafür, dass du mich an deiner Geschichte hast teilhaben lassen, sie macht mir Mut und lässt mich hoffen, dass man doch irgendwann bei sich angekommen ist und eine glückliche Beziehung haben kann. Ich wünsche es mir sehr, diese Erfahrung zu machen, Männer nicht mehr oder gar nicht mehr so bedrohlich wahrzunehmen.

Darf ich dich fragen, welche Einflüsse oder Erlebnisse in deinem Leben stattgefunden haben, damit dieser "große Knall" passiert ist?
 
Ich überlege mir gerne etwas bezüglich der Übungen.

Was ist für dich dein stärkster Sinn? Wenn du an Erlebnisse zurückdenkst, möglicht schöne in dem Fall, was fällt dir da zuerst ein? Wie es gerochen hat? Welche Geräusche da waren? Welcher Sinn ist am Aktivsten bei dir?

Zu diesem Sinn sollte dann auch die Übung passen. Darum frage ich.
 
Hallo liebe Findefuchs,
darf ich Tuesday mal kurz was in privater Angelegenheit fragen, hat aber mit dem Thema zutun. 🙂

Also. Könnte hiermit die Äußerung "Sie haben eine massive Blockade der beiden Hirnhäften" was zutun haben?

Meinten die damit tatsächlich die beiden Gehirnhälften? Damit kenne ich mich nicht aus. Das ist Neurologie.

Bei der Dissoziation sind implizites und explizites Gedächtnis durch eine chemische Blockade voneinander getrennt.

Auch einzelne Persönlichkeiten sind durch Dissoziation voneinander getrennt, wobei es da meines Wissens nach noch keine neurologischen Studien gibt, was genau bei einem Wechsel im Gehirn stattfindet. Durch bildgebende Verfahren weiß man nur, dass das Gehirn auf unterschiedliche Teile im Gehirn zugreift, wenn unterschiedliche Persönlichkeiten vorne sind.



Bei mir war leider der erwachsene Verstand ausgeschaltet und ich habe nur kleinkindlich gefühlt und gehandelt.

Klingt für mich, als wären deine Gefühle stark dissoziiert. Das Innere Kind ist ja keine Person, die in der Brust wohnt, sondern ein Paket an Gefühlen. Diese Gefühle beeinflussen unser Handeln.

Sagen wir, jemand wurde als Kind von einem weißen Spitz gebissen. Und dieser jemand trifft zwanzig Jahre später unvermittelt in einer einsamen Hofeinfahrt auf einen weißen Spitz.

Die Information über das Treffen geht zuerst ins implizite Gedächtnis (wo unsere Gefühle gespeichert sind). Sofort kommen die Gefühle von damals hoch und das implizite Gedächtnis meldet: Achtung Gefahr!

Gleichzeitig wird die Begegnung aber auch an das explizite Gedächtnis geschickt. Dort ist der Verstand. Da sortiert das Gehirn, vergleicht Erfahrungen miteinander.

Wurde ein Erlebnis völlig integriert, heißt das nichts anderes, als dass eben dieser Teil vom Gedächtnis sozusagen eine kleine Notizkarte angelegt hat, auf der die Erfahrung vermerkt ist. Und die wurde mit vielen anderen Erlebnissen verbunden. "Ich treffe jede Woche auf dem Hundeplatz einen weißen Spitz, der total lieb ist." - "Hunde, die bellen, beißen nicht." - "Ich habe Pfefferspray in der Tasche und kann mich wehren." - "Meine Tante hat mir gestern erzählt, sie hat sich einen ganz lieben, süßen Hund gekauft. Das ist dieser weiße Spitz."

Also meldet das explizite Gedächtnis "alles okay, keine Gefahr".

Nun kann das Kindheitserlebnis so im impliziten Gedächtnis abgelegt worden sein, dass keine vollständige Information ans explizite Gedächtnis weitergegeben wurde. Somit konnte keine Notiz angelegt werden. Dann kann es passieren, dass das implizite Gedächtnis diese Gefahrenmeldung weitergibt und das Gehirn in den Überlebensmodus schaltet, indem es die Verbindung zum expliziten Gedächtnis kappt. Und damit stehen alle diese Informationen "ich geh auf den Hundeplatz, das ist der liebe Hund meiner Tante" nicht zur Verfügung.

Das Gehirn hat jetzt nur noch die Wahl zwischen "Flucht", "Angriff", "Erstarren".

Das ist das, was bei einem Trauma passiert. Und das ist eben das, was bei einem Flashback passiert. Und diese Blockade nennt sich Dissoziation.

Ziel der Stabilitätsübungen ist es, diese Blockade aufzuheben und den Zugang zum expliziten Gedächtnis wieder zu öffnen.

Das tut man am besten, indem man einen der Sinne anspricht und der Erfolg ist eben am größten, wenn man den Sinn nimmt, der bei einem Menschen am stärksten ausgeprägt ist. Daher meine Frage.

Bei der Multiplen Persönlichkeit werden nicht nur Gefühlspakete aktiviert, sondern an denen hängen Erfahrungen und aus diesen hat sich eine Identität gebildet. Diese einzelnen Persönlichkeiten sind durch Blockaden voneinander getrennt, daher die Amnesien. Und da arbeitet man eben daran, diese Trennungen aufzulösen.

Ich hoffe, ich konnte deine Frage beantworten.
 
Ich überlege mir gerne etwas bezüglich der Übungen.

Was ist für dich dein stärkster Sinn? Wenn du an Erlebnisse zurückdenkst, möglicht schöne in dem Fall, was fällt dir da zuerst ein? Wie es gerochen hat? Welche Geräusche da waren? Welcher Sinn ist am Aktivsten bei dir?

Zu diesem Sinn sollte dann auch die Übung passen. Darum frage ich.


Vielen lieben Dank, dass du dir etwas überlegen willst 🙂.

Puh, sehr schwer zu sagen, was mein stärkster Sinn ist. Ich habe nach deinem Beitrag mir Zeit genommen, immer mal wieder darüber nachzudenken und habe mich gefragt:

- Bei welcher Empfindung fühlst du dich am wohlsten?
- Welche Sinne werden bei dem, was du gerne machst, am meisten angesprochen?
- Welche Sinne waren bei schönen Erinnerungen beteiligt?

Es fällt mir immer noch schwer, eine eindeutige Antwort zu finden, deswegen erzähle ich mal ein bisschen und vielleicht findest du oder auch die anderen einen Sinn, der sich für die Übungen am besten eignen würde:

Ich bin ein sehr visueller Mensch. Selbst wenn ich mich erinnere oder mir etwas ins Gedächtnis rufe, sind das als erstes Bilder und visuelle Eindrücke. Ich liebe Filme, Serien und Videospiele und Farben. Ich bin glücklich, wenn ich meine Lieblingstiere beobachten kann oder mit Freunden in der Sonne sitze und z. B. grille. Ich liebe es, mir Fotografien anzusehen und mir vorzustellen, wie dieser Moment und die Umgebung zum Zeitpunkt der Aufnahme waren. Ich stehe auch total auf Tierdokumentationen im Fernsehen.

Auf der anderen Seite ist mir fühlen auch sehr wichtig. Wenn ich ein Tier streichle oder in einem kuscheligen Bett liege und lese. Ich liebe das Gefühl von Wind, Sonne oder Regen auf meiner Haut. Oder frisch geduscht zu sein.

Und ja, dann Musik. Mit Musik kann ich mich wirklich beruhigen oder eine Art Ventil finden oder ablenken. Ich bin ja auch Synästhetikerin und für mich hat Musik eine ganz besondere Bedeutung. Wobei Synästhesie auch wieder etwas visuelles ist?
 
Ich bin ein sehr visueller Mensch. Selbst wenn ich mich erinnere oder mir etwas ins Gedächtnis rufe, sind das als erstes Bilder und visuelle Eindrücke. Ich liebe Filme, Serien und Videospiele und Farben. Ich bin glücklich, wenn ich meine Lieblingstiere beobachten kann oder mit Freunden in der Sonne sitze und z. B. grille. Ich liebe es, mir Fotografien anzusehen und mir vorzustellen, wie dieser Moment und die Umgebung zum Zeitpunkt der Aufnahme waren. Ich stehe auch total auf Tierdokumentationen im Fernsehen.

Auf der anderen Seite ist mir fühlen auch sehr wichtig. Wenn ich ein Tier streichle oder in einem kuscheligen Bett liege und lese. Ich liebe das Gefühl von Wind, Sonne oder Regen auf meiner Haut. Oder frisch geduscht zu sein.

Ach ist das schön!🙂🙂
Mir ergeht es genauso. Wenn ich morgens aufwache und noch nicht so wirklich weiß, wie ich mich fühle, reiße ich das Fenster auf und beobachte die Vögel, Bäume und den Wind in den Wipfeln. Mich kannst Du im Wald aussetzen. Ich fühle mich geborgen und frei. Es ist so etwas wie Urvertrauen, dass ich sonst so schmerzlich vermisse.

Mir kommt es so vor, als ob es die Verfeinerung/Verstärkung von Imaginationstechniken ist. Ich visualisiere nicht nur, ich spüre. Ich glaube, dass das sehr hilfreich ist.

Achja, lieben Dank für Deine Nachfrage. Es ist wirklich alles gut. Dein Schreiben hat mich positiv bestärkt.🙂
Liebe Grüße
 

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