Es gab sehr lange ein extremes Machtungleichgewicht und zwar zu Gunsten der Männer. Inzwischen gleicht sich das immer mehr an und viele Frauen sind keine schüchternen Mäuschen mehr, die warten, bis der Mann sie auswählt. Das, womit hier einige ein Problem haben ist Gleichberechtigung, steht ja auch sehr plakativ in einigen Beiträgen, in denen als Problem dargestellt wird, dass Frauen mit Männern "konkurrieren". Und das ist sehr unattraktiv und wäre für mich ein absolutes no go in einer Partnerschaft. Ich weiß, dass es Frauen gibt, die das anders sehen aber das werden glücklicherweise immer weniger. Bei modernen emanzipierten Frauen habt ihr mit solchen Einstellungen wenig Chancen. Das zu erkennen , zu reflektieren und zu bearbeiten wäre der sinnvolle Weg, nicht sich immer weiter in Frauenhass zu suhlen und alten Verhältnissen nachzuhängen. Das könnt ihr tun, wird euch aber immer weiter von einer Partnerschaft entfernen.
Was bitte hat das Machtungleichgewicht mit dem Ungleichgewicht der Verteilung Männer/Frauen auf dem Onlinedating Markt zu tun? Richtig...garnichts.
Wir wissen alle, dass Bettgeschichten primär das sind, was die allermeisten Männer online suchen und genau hierfür wurden übrigens historisch betrachtet auch diese Apps entwickelt. Deswegen verfügen ja diese Apps über das denkbar einfachste System "mag ich" oder "mag ich nicht". Klar hat man nebensächlich die Möglichkeit, sein Profil auszufüllen. Kaum jemand liest das durch auf diesen Apps. Es geht rein um die optische Auswahl "Jo, find ich attraktiv" oder "Ne, geht garnicht" oder vielleicht noch "naja, notfalls den auch".
In der Praxis erhalten Apps, auf denen Frauen den ersten Schritt machen sollen ja eben deswegen nicht den erwünschten Zulauf - nicht einmal von Frauen selbst - weil Frauen oftmals den ersten Schritt nicht machen wollen oder nicht wissen, wie sie es machen sollen. Das widerspricht den grauen Mäusen die du ansprichst. Viele Frauen, die ich kenne, sprechen auch im echten Leben nicht an, weil sie immernoch auf die Tradition setzen, der Mann möge den ersten Schritt machen. Das widerspricht ja deiner Theorie.
Jetzt haben wir hier ein absolut unausgewogenes Männer-Frauen Verhältnis und dazu kommt noch, dass die meisten Männer dort aus genau dem Grund angemeldet sind, den sich die Programmierer der App ursprünglich auch mal ausgedacht haben: Schnelle Kontaktaufnahme. Lustigerweise lassen sich ja viele Frauen auch darauf ein, und beklagen hinterher, der böse Mann wollte ja doch nur das eine. Resultat: Ja, Frauen haben mehr Quanität zur Auswahl, aber über Qualität reden wir hier jetzt mal grad garnicht. Viele Typen dort sind halt nun mal nicht in erster Linie ernsthaft an den Frauen interessiert, sondern daran interessiert, möglichst schnell jemanden kennenzulernen. Das war offline früher schon und heute auch in Clubs oder Diskotheken der Fall. Dort ist es so laut, dass Unterhaltungen kaum möglich sind. Und auch nicht gewollt. Das selbe gilt Online. Es ist kaum möglich, und auch nicht von den Machern dieser Apps gewollt. Man will hier schnelle Kontaktvermittlung. Etwas anderes sind Partnervermittlungen, wo sich ja viele nicht tummeln, weil sie teuer sind.
Was die Gleichberechtigung betrifft, stimmt auch nicht was du sagst. Denn auf diesen Apps herrscht auch aus finanzieller Sicht keine Gleichberechtigung. Das fängt schon damit an, dass Männer zahlen müssen. Frauen oftmals nicht. Offline? Ja da ist es genauso. In Clubs kommst du als Single Mann schwerer rein als als Single Frau. Auch hier erhalten Frauen schon immer Vorteile. Nur erwähnt das heute kaum noch jemand. Es gab früher sogar Angebote, dass Frauen gratis rein kommen oder ein Gratis Getränkt erhalten. Wieso? Weil in Clubs sonst massiver Männerüberschuss herrscht und dann geht keiner mehr hin.
Weiteres Phänomen ist, dass Frauen früher wie heute - und da hat sich rein garnichts verändert - von mehr Männern umworben werden. Bereits im Mittelalter berichten Minnesänger von Männern, Rittern, die um Frauen buhlen. Und damals war Gleichberechtigung noch nicht erfunden. Also auch da hat sich nichts verändert.
Was sich verändert hat sind sicher die Ansprüche. Und jetzt wirds spannend. Denn früher waren Frauen durchaus auf den Ernäherer angewiesen, heute nicht mehr. Heute schauen Frauen auf die gleichen Aspekte, wie Männer. Und das macht es problematisch. Man suchte früher als Frau oft einen Ernährer. Heute sucht man den zwar nicht mehr direkt, aber heute suchen noch immer viele Frauen einen Mann, zu dem sie hinaufschauen können. Aus dem Grunde wirst du statistisch selten den Müllwerker finden, der mit der Ärztin zusammen ist und auch selten den Sachbearbeiter, der mit der Börsenmaklerin zusammen ist. Umgekehrt schon eher. Und das macht es erheblich komplexer als früher, denn durch die tatsächlich am Arbeitsmarkt willkommene Gleichberechtigung, die es Frauen ermöglicht, Karriere zu machen und Geld zu verdienen (was ich begrüße und gut finde) gibt es kaum noch Männer, zu denen Frauen hinaufschauen können. Und jetzt wirds kompliziert. Und die Auswahl gering.