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Gelöscht 63394
Gast
Ja, okay, bis zu einem gewissen Grade verstehe ich das, was du schreibst. Natürlich wird da keiner sagen: es ist toll, dass man noch nie jemanden hatte; andererseits: willst du jetzt dein gesamtes Leben in Frage stellen? Man ist doch im Leben nicht nur dazu da, eine Beziehung zu haben.
Das Leben bietet mehr Facetten als nur das.
Siehe dir deine Biografie an. Wenn man viel umzieht, den Freundeskreis faktisch laufend wechselt, sich z.T. gar nichts ergibt: na ja, es ist kein Wunder, dass da einiges auf der Strecke bleibt. Das ist aber nicht nur bei dir so, sondern auch bei mir und einigen anderen. Aber es ist an dir, mehr Stabilität in das Ganze reinzubringen und ich denke, dann wirst du im Laufe der Zeit auch das finden, was du willst. Zum anderen hast du ja vor, dir Hilfe zu suchen und auch im Zuge dessen wird es dir besser gehen.
Die meisten Menschen suchen Stabilität.
Weißt du, wenn ich selbst z.B. immer am selben Ort wohnen würde, was ja nun nach wie vor bei vielen Leuten der Fall ist, würde ich auch niemanden erwählen, der mir beim ersten oder zweiten Treffen schon unmissverständlich zu verstehen gibt, dass er dauernd umzieht. Okay, ich selbst sehe das nun auch differenzierter, weil ich mehrmals umgezogen bin. Ich wohnte in Frankreich, in den USA, in England, bin innerhalb meiner Deutsch mehrfach umgezogen, habe fast 2 Jahre in NRW gelebt usw. Seit einem Dreivierteljahr lebe ich jetzt wieder in meiner Heimatstadt und habe mir geschworen, dass ich nicht wieder umziehe, weil eigentlich das letzte Viertel meiner 20er ein Fehler war...
Ich weiß heute, dass ich mir mehr Stabilität hätte schaffen müssen - gerade weil ich bipolar bin, weil ich schon früher Burnout-Züge hatte, weil ich einst schwerst suizidal gefährdet war usw.
Seitdem ich den festen Wohnsitz habe und den Leuten das auch klar vermittele, dass sich daran nichts ändern wird und ich über 10.000 in dieses Haus hier gesteckt habe usw., nehmen mich die Leute endlich ernst.
Ich weiß ja selbst, dass es eigentlich nicht stimmt; aber wenn jemand permanent seine Wohnsituaton verändert, wird das häufig als sprunghaft, instabil, sich nicht festlegen könnend deklariert. Natürlich stimmt das nicht - aber bei vielen ist das noch nicht angekommen, dass es oftmals rein berufliche Gründe hat. Aber selbst wenn einige es kapieren, dann wird es auch wieder so dramatisch hingestellt: ja, du gehst für deinen Beruf über Leichen, bist total egoistisch usw.
Na ja, ich kenne beide Seiten bzw. kann beides irgendwo nachvollziehen.
Mir hat mal die Frau eines befreundeten Arbeitskollegen gesagt: es braucht normalerweise 3-4 Jahre, damit man an einem "neuen Ort" wirklich ankommt, dort einen Freundeskreis, Partner usw. hat. Ich sehe das nicht so viel anders.
Und an manchen Orten funktioniert es ihrer Meinung nach auch gar nicht, z.B. wenn man die Mentalität des Ortes einfach nicht leiden kann oder die Aura des Ortes nicht stimmig mit den eigenen Vorstellungen ist. Hamburg, meine Heimat, hat natürlich für mich die richtige Aura und die richtige Mentalität.
Blättchen, du solltest darüber nachdenken, was du wirklich willst, wo du ankommen möchtest und dir danach dein Leben zurecht stricken. Es wird vielleicht nicht einfach, aber so mit Anfang 30 ist es immer noch leichter, als wenn du dich jetzt weiter durchquälst bis irgendwann über 40 oder 50 und dann fast gar nichts mehr geht oder du noch schlimmere Symptome entwickelst.
Du hast es in der Hand, dir dein Leben so zu gestalten, wie du es haben willst. Wer soll es dir sonst gestalten, wenn nicht du?
Ich behaupte, dass für den Partnerschaftsaspekt vielleicht einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt gekommen war. Das mit den Umzügen, den Arbeitsortswechseln ist nun mal ein Kreuz bzw. es brandmarkt dich in gewisser Weise...
Du wirst sehen, dass es anders werden wird, wenn du dir sicher sein kannst, dass ein Ort dein fester Standpunkt sein wird - für die nächsten Jahre. Das wird dir mehr Energie für alles geben. Man denkt sich beim ständigen Wechsel des Wohnorts doch sowieso nur: Ach, was soll ich jetzt irgendwo reininvestieren, wen ich in einem halben Jahr sowieso schon wieder weg vom Fenster bin - ist doch eh alles sinnlos.
Sinn geben nur feste Strukturen, Planbarkeit, Stabilität.... 😉
Damals in meiner NRW-Zeit habe ich mir ab der Hälfte der Zeit auch keine große Mühe mehr gegeben, da noch so viel an Land zu ziehen. Ich wusste, dass es dort nicht mehr lange weitergehen wird.
Weißt du, mir ist das damals, wo ich öfter umgezogen bin, mehrmals um die Ohren geflogen: du bist instabil, du bist unzuverlässig, du bist das, du bist jenes. Ich weiß selbst, genau wie du, dass es so eigentlich nicht stimmt und ich trete heute so auf, dass die Leute das bei mir nicht mehr irgendwo bezweifeln.
Wenn du für dich den richtigen Wohnort gefunden hast, ne neue Stelle dir aufbaust für die Arbeit, wenn du neue Hobbies angehst usw., wirst du anders auf die Leute wirken. Sich den Alltag, das Leben neu einrichten. Ich brauchte in Hamburg auch erst mal meine Zeit.
Jetzt mache ich halt die beiden neuen Jobs... dann gehe ich zum Schachverein... habe durch Anzeigen, Facebookgruppen/groops.de z.T. neue Leute, knüpfe an alte Kontakte an... mache regelmäßig Sport, gehe zu Konzerten usw. Auch bei mir in der Nachbarschaft haben sich schon Sachen ergeben, was ich vorher so nicht für möglich gehalten habe.
Beim Verein z.B. , in der Nachbarschaft etc. nehmen die mich heute alle ernster. Ich gehe wirklich jedes Mal zum Verein, sage selten, außer wegen Krankheit, was ab, bin für die Leute da, engagiere mich etc. Das macht einen ganz anderen Eindruck als früher.
An manchen Tagen habe ich zwar auch schon gedacht, v.a. wenn ich von 7-18/19 Uhr aus dem Haus bin, und dann noch Schach oder ein Treffen, dass es vielleicht bissl viel ist, aber ich muss das ja nicht jeden Tag so machen. 🙂
Man backt in der Regel erst mal kleine Brötchen. Ich habe halt nur bei der Reaktivierung meiner alten Kontakte angefangen, dann bin ich zu der Vereinssache übergegangen, im Laufe der Zeit jetzt ergeben sich bei den Arbeitsstellen neue Kontakte usw.
Wobei ich sagen muss: ich muss momentan viel Energie in die eine Arbeitsstelle setzen, weil das Institut, das ich leite, im Aufbau ist... und der Hintergrund etwas prekär aussieht momentan, sprich in anderen Worten: ich muss das Ganze aus der S**** ziehen. Aber es heißt: ich kann meine vollen kognitiven Ressourcen einsetzen und ziehe natürlich aus dem Produkt etwas. 😉
Du brauchst definitiv etwas, das dir Energie gibt, wo du sagst: das will ich jetzt immer so machen. Ob es nun der Berufskram, Sport, andere Hobbies, neue Menschen, Tiere usw. sind...
Die Frage ist: willst du dort, wo du jetzt bist, bleiben? Oder willst du dir einen Job ganz woanders aufbauen?
Leopardin, danke für deinen Beitrag!
Ich weiß, dass mir die viele Umzieherei nicht gut getan hat. Leider weiß ich nicht mal wo ich bleiben möchte. Wo ich herkomme, wohnt nur noch eine Freundin. Sie kommt allerdings ursprünglich auch woanders her und wird dorthin früher oder später zurückkehren. An Familie habe ich nur meine Mutter. Es ist meine Heimat, aber es gibt dort nicht so viele Möglichkeiten wie in einer Großstadt. Auch neue Leute kennenlernen ist daher schwer. In einer Großstadt kann man über Hobbys eher neue jüngere Leute kennenlernen. Auf dem Land wohnen eher Familien.
Ich bin ziemlich verzweifelt, weil ich gar nicht mehr weiß, wo ich überhaupt ansetzen soll. Mir fehlt der Antrieb, es erscheint mir alles sinnlos und hoffnungslos. Hätte ich nur das Problem der Partnerlosigkeit, könnte ich versuchen daran etwas zu ändern. Aber es hängt alles zusammen. Und jegliches Soziale, sei es neue Freunde finden oder einen Partner, wird nicht funktionieren, wenn ich selber nicht weiß, wo ich hin gehöre. Dazu kommt auch noch das Problem mit dem Job. Ich bin eigentlich hochqualifiziert, aber durch mein instabiles Privatleben ist meine Seele krank geworden. Und diesen Beruf kann ich auch nicht mehr weitermachen. Es hakt an allen Ecken und Enden. Und dabei stehe ich ganz allein da. Ich will mir auch Hilfe suchen. Teilweise habe ich aber Angst davor, es nicht einmal zu einem Arzttermin zu schaffen. An manchen Tagen liege ich nur im Bett und habe auch keine Lust etwas zu essen und zu trinken.
Ich hatte so etwas schon mal und jetzt denke ich, es hat sich nicht gelohnt, dass ich damals irgendwann wieder Hoffnung gefasst habe. Der Weg, den ich gegangen bin, hat mich hierher geführt.