@PrincessPinar
Du und Holger habt in den letzten Wochen mehrere sehr folgenreiche Entscheidungen getroffen und werdet sie weiterhin treffen.
Ich persönlich mag darüber nicht urteilen, denn die Katastrophe, die passiert ist, ist so groß, dass sie mein Vorstellungsvermögen übersteigt und ich faktisch nicht nachvollziehen kann, wie man danach fühlt und handelt und miteinander umgeht.
Was ich mir aber vorstellen kann: wenn jemand stirbt, noch dazu ein Kind, noch dazu unter unerwarteten und tragischen Umständen, wird das nicht mehr gut, nie wieder. Damit umzugehen ist für viele Menschen mehr, als sie schaffen können.
Hinzu kommt, dass Trauer komplex ist. Es scheint so, als habe Holger für sich eine Perspektive und eine Richtung gefunden, mit dem Verlust seiner Tochter umzugehen. Du bist bereit ihn zu unterstützen, das ist gut für ihn und für euch.
Aber lasst zur Hölle doch Gabi in Frieden. Lasst sie ebenso für sich Perspektiven finden oder auch nicht. Vielleicht schafft sie das gar nicht, vielleicht braucht sie noch viel mehr Zeit im Standbye-Modus, weil sie derzeit noch kaum gradeaus denken kann, vielleicht ist Holger im Umgang mit dem Tod des Kindes schon drei Schritte gegangen, sie noch keinen einzigen. Vielleicht sind beide grundverschieden in der Bewältigung und in dieser ungeheuerlichen Tragödie, vielleicht steht so viel zwischen ihnen, so viele ausgesprochenen und unausgesprochene Vorwürfe, so viel Verzweiflung und Hass, dass es ohnehin kein Miteinander mehr geben kann. Deswegen: lasst sie in Ruhe. Erwartet keine Absolution, fordert nichts. Du schon gar nicht, denn du bist kein Teil dieser Paarbeziehung und warst auch kein Teil des Familienkonstrukt aus Eltern und Kind.
Was eure Affäre oder Beziehung oder wie auch immer ihr das definiert angeht: ich weiß selbst nicht, was "besser" oder "richtig" ist.
Im Normalfall finde ich Ehrlichkeit gut, aber die Situation ist so schwierig und kompliziert. In meinem Kopf ist die Vorstellung, dass eine Frau, die nach dem Tod ihres Kindes in stationärer, psychiatrischer Behandlung ist, von ihrem Mann die Nachricht bekommt, er möchte sich trennen und mit der gemeinsamen Freundin, Patin des verstorbenen Kindes, neu anfangen, sehr, sehr furchtbar. Aber vielleicht wird sie noch furchtbarer, wenn ihr damit wartet und Holger ihr in einem Jahr Bescheid gibt und sie dann erfährt, wann das alles begonnen hat. Ich weiß es wirklich nicht.