Ich finde es sehr beklemmend, wie leichtfertig hier mit dem Schuldbegriff umgegangen wird. Was passiert ist, ist ein unfassbares Unglück und für die gesamte Familie eine Katastrophe, mit der die Eltern des verstorbenen Mädchens sich auseinandersetzen müssen, solange sie leben.
Die Schuldfrage ist vielleicht naheliegend, weil augenscheinlich auch Fehler passiert sind. Aber diese Fehler, die da gemacht wurden, sind menschlich. Das hätte zigtausenden Menschen passieren können. Man hat den Kindersitz bereits hundert Mal festgemacht, das Klicken beim Einrasten sogar im Ohr, es sollte nicht passieren, klar, aber es kann jedem passieren, man denkt, er sitzt fest, man denkt, man hat gehört und gespürt, wie er in der Fixierung einrastet, aber hat sich geirrt. Man ist vielleicht in Eile, man hat Stress und Zeitnot, das Kind quengelt, man hat nachts kaum geschlafen, weil das Kind ständig wach war, ist unkonzentrierter als sonst, was weiß ich. Ausgerechnet an diesem Tag und auf dieser Fahrt, verschätzt man sich auch noch in der Kurve mit der Geschwindigkeit, hat vielleicht nicht erkannt, dass die Straße noch nass ist oder die Situation einfach nicht richtig eingeschätzt, was auch nicht selten vorkommt unter Autofahrer*innen. In 99,9% der Fällen geht es gut, man kriegt die Kurve noch, puh, haarscharf.
In dem Fall ging es nicht gut. Ich kann mir nur ganz, ganz entfernt und sehr vage vorstellen, wie schwer das auf Gabi lasten muss. Die Folgen ihrer Fehler haben zum Tod ihres Kindes geführt. Das hat niemand gewollt. Wie soll man damit weiterleben und vor allem nach so kurzer Zeit?
Ich finde die Erwartungen und Forderungen an sie, was ein offizielles Schuldeingeständnis und das Aufsichnehmen der Schuld betrifft, sehr schwierig. Eigentlich unmöglich und menschlich unterirdisch. Auch wenn Holgers Trauer und alles, was ihm helfen könnte, natürlich nicht vom Tisch zu wischen ist. Ich finde, er darf sich wünschen und darauf hoffen, dass Gabi Fehler eingesteht, aber es verlangen und einfordern? Nein, das geht nicht. Vor allem auf so forsche, unreflektierte Art und Weise.
Schuld ist eines der ältesten, größten und kompliziertesten Themen der Welt.
Mich erschreckt es, wie hier mit dem Begriff und seiner Bedeutung umgegangen wird.