Vor den Wahlen macht man sich gerne stark für solche Sachen, insbesondere, wenn
andere die Kosten dafür bezahlen müssen. Auch 12,80 € reicht bei Weitem nicht, um
im Alter gut leben zu können. Die Zahl der Rentner wird in den nächsten Jahren deut-
lich steigen, damit auch die Ausgaben für die Renten, Gesundheit und Unterbringung
der Menschen, die nicht mehr alleine leben können.
Kein Problem, weil wir bis dahin die bedingungslose Mindestrente haben?
Kommt drauf an, was du als "gut leben" bezeichnest. Mit genügend Einzahlungsjahren, kommt man bei 12 € Mindestlohn auf einen Rentenbetrag deutlich über jeglicher Grundsicherung.
Ich finde in der Diskussion sollte man nicht übersehen, dass es hier um den
Mindestlohn geht. Also um das Worst Case Szenario im Lohnbereich. Und nicht um das Standardszenario, in dem jeder von Berufseintritt bis Ende verbleibt.
Wenn Geschäfte wie H&M Lohndumping betreiben, ist der Mindestlohn sicher eine Maßnahme, aber dadurch wird nicht jeder fair bezahlt. Stell dir vor morgen bekommt der studierte Ingenieur 12 €. Ist dann alles ok, weil er ja den Mindestlohn bekommt? Nein, er wird ausgebeutet, weil seine Arbeit mehr wert ist.
Der Gesetzgeber kann Löhne nicht so "hoch zwingen", dass ausnahmslos jeder fair bezahlt wird. Er kann ein Minimum festsetzen, um die zu schützen, die sich am schlechtesten wehren können und am ärmsten sind. Dem Rest muss er Werkzeuge in die Hand geben, damit diese Arbeitgebern auf Augenhöhe begegnen können (Stichwort: Gewerkschaften, Kündigungsschutz, Arbeitnehmerrechte etc.).
Ich sehe es im Grunde mit Bedenken wenn vom Staat immer mehr Eingriff gefordert wird. Der Mindestlohn ist richtig und einer Erhöhung auf 12 € sinnvoll. Es muss aber der Mindestlohn bleiben. Es wäre nicht sinnvoll den Mindestlohn zb auf 17 € zu heben oder für jeden Job individuelle Mindestlöhne vorzuschreiben. Der Staat sollte den Rechtsrahmen gestalten und nicht von oben alle Löhne diktieren.