AW: wer glaub an paraphänomene?
Hallo,
erstmal finde ich es genial, hier so viele aufgeschlossene Leute zu finden, die nicht von vorneherein jede "übernatürliche" Erklärung eines "Para-Phänomens" ausschließen, die aber genug Skepsis besitzen, um reine esoterische Effekthascherei echten Phänomenen zu unterscheiden. Das ist meiner Meinung nach die Haltung, mit der man an diese Dinge herangehen sollte. Blinder Skeptizismus und blinde Esoterik-Gläubigkeit sind beide gleich weit vom gesunden Menschenverstand entfernt.
Aber darüber ist ja schon genug diskutiert worden. Mein Thema ist ein Phänomen, das sich quasi in meiner nächsten Nähe ereignet. Weiter oben hat mal jemand geschrieben, dass er Reinkarnation für unmöglich hält. Bis vor ein paar Wochen war genau das auch meine Meinung. Ich interessiere mich zwar für alles außergewöhnliche, aber wenn es um Dinge geht, die mit Religion, mit Seele, Tod usw. zu tun haben, halte ich mich raus. Ich bin leider kein sehr gläubiger Mensch und bisher war ich immer der Meinung, daß mit dem Tod alles zuende ist. Kein Himmel, keine Hölle, nichts. Allerdings gibt es da etwas, das mich an dieser ernüchternden Erkenntnis zweifeln lässt.
Ich habe einen Neffen, der jetzt 12 Jahre alt ist. Seine Familie ist des öfteren bei uns zu Besuch und umgekehrt. Als er noch ein Säugling war, kam ich einmal zufällig in den Raum, als meine Mutter seine Windeln wechselte. Ich erschrak richtig über ein grosses, rotes Muttermal, das er im unteren Brustkorbbereich hatte. Es war erhoben, unregelmäßig und erinnerte mich sofort an eine Wunde. Als ich meine Mutter darauf ansprach, meinte sie, die Ärzte auf der Geburtsstation hätten gesagt, sowas käme öfter vor, diese Geburtsmale würden aber im Laufe der Jahre "zurückgehen".
Jahre vorher hatte ich einen halbdokumentarischen Fernsehfilm über einen Jungen hier in Deutschland gesehen, der mit einem Geburtsmal am Hals auf die Welt gekommen war. Nachts hatte der Junge oft Alpträume von Männern, die ihn bedrohten und er schrie unverständliche Sachen. Und schließlich fing er an von einem "anderen Leben", einer "anderen Familie" zu erzählen. Schließlich kümmerte sich eine Kinderpsychologin um ihn, weil seine Eltern annahmen, dass er Wahnvorstellungen hatte. Die aber fand (angeblich, d.h. laut diesem Film) heraus, dass die unverständlichen Laute, die er im Traum von sich gab, tatsächlich Worte in einem Thai-Dialekt waren. Schließlich brachte sie ihn nach Thailand, wo er seine "frühere Familie", d.h., die Familie der Person, die er angeblich einmal gewesen war, wiederfand. Es stellte sich heraus, dass diese "frühere Person" durch einen Stich in den Hals gestorben war.
Obwohl der Film überhaupt nicht esoterisch oder effekthascherisch daherkam (damals gab es nur die öffentlich-rechtlichen Sender und die waren alle sehr seriös) und obwohl behauptet wurde, dass er auf Tatsachen beruhte, konnte ich mir damals natürlich nicht vorstellen, dass es sowas wie Wiedergeburt geben könnte. Wie sollte es denn angehen, dass irgendetwas den biologischen Tod überlebt? Woraus soll eine Seele bestehen? Vor allem die Sache mit dem Muttermal kam mir sehr suspekt vor, denn wenn wir einmal annehmen, daß die Filmemacher mit ihrer Erklärung recht hatten, müsste es dann nicht viel mehr Neugeborene mit auffälligen Malen geben?
Damit wieder zurück zu meinem Neffen und der Aussage der Ärtze, dass solche Geburtsmale "nichts ungewöhnliches" sind. Natürlich habe ich damals noch nicht gleich nur aus dem Mal geschlossen, dass mein Neffe wie der Junge im Film wiedergeboren war, das war immer noch unvorstellbar. Und schließlich SIND Muttermale ja nichts ungewöhnliches. Auch die folgenden Dinge, von denen ich die meistens nur aus zweiter Hand erfuhr, hielt ich immer nur für Zufälle oder mit normalen Mitteln erklärbar:
- mein Neffe hatte als Kleinkind oft schlimme Alpträume, ich habe ihn selber einmal im Schlaf schreien gehört, als er noch ganz klein war. Er hatte so ziemlich das genaue Gegenteil einer schlimmen Kindheit, ist wohlbehütet und hat eigentlich keinen Grund irgendetwas von irgendjemandem zu befürchten. Trotzdem erzählte seine Mutter uns später, dass er im Tarum von "bösen Männern" verfolgt wurde.
- er hatte und hat ein für Kinder ungewöhnliches Verständnis für den Wert des Lebens und die Bedeutung des Todes. Von klein auf weigerte er sich strikt, Fleisch und und Fisch zu essen, weil er den Gedanken nicht ertragen kann, dass die Tiere dafür getötet und geschlachtet werden (meines Wissens nach hat niemand ihm das irgendwie drastisch dargestellt oder auch nur im Scherz gesagt). Als wir einmal im Restaurant sassen, fing ich eine Fliege, die sich auf mein Mittagessen setzten wollte, mit der hohlen Hand. Er war davon ganz fasziniert und sagte "jetzt ist der ihr Leben zuende"
- einmal überraschte (und beängstigte) er seine Mutter mit der Aussage "Sterben ist gar nicht so schlimm, da kommt man auf sone helle Scheibe".
- von klein auf plagen ihn unbestimmte Ängste, vor allem, dass er plötzlich von seinen Eltern getrennt wird oder er von zuhase weg muss
- einmal sollte er in eine röhrenförmige Rutschbahn steigen und darin herunterrutschen. Nachdem er sich weigerte, hob seine Mutter ihn hinein, um ihm zu zeigen, dass es da nichts zu befürchten gab. Er hat sich stark gewehrt mußte aber runter. Danach war er tagelang böse auf sie, und als er wieder mit seiner Mutter redete, sagte er ihr, sie wäre gar nicht seine echte Mutter. Seltsamerweise nennt er die Ärmste oft bei ihrem Vornamen statt "Mama", als wäre sie nur eine Bekannte.
Wie gesagt, all das lässt sich noch mit ganz normalen Mitteln "wegerklären". Ich muss dazu sagen, dass ich nie mit ihm über den Film, sein Geburtsmal oder über Wiedergeburt allgemein gesprochen habe, ganz einfach weil ich befürchtete, dass seine Eltern mich dann überhaupt nicht mehr mit ihm reden ließen (ich weiß ja selbst wie verrückt sich das anhört). Soviel ich weiß, beschäftigen weder sein Vater noch seine Mutter sich mit derlei abgefahrenen Dingen. Deshalb habe ich dem Jungen wie seinen Eltern gegenüber auch nie ansatzweise angedeutet, dass ich mich dafür interessiere. Umso erstaunlicher war es, dass er mich eines Tages selbst darauf ansprach.
Es war vor ein paar Jahren, auf einer Geburtstagsfeier, wir räumten gerade ein paar Tische und Stühle um. Kurz vorher hatte er mit seiner Mutter gestritten, und er sagte, zwar beiläufig, wie im (schlechten) Scherz wörtlich: "In mein früheres Leben bin ich ermordet worden, von..." und dann sagte er den Namen seiner Mutter (wobei letzteres wohl nur auf den vorangegangenen Streit zurückzuführen ist). Ich habe versucht, mir nichts anmerken zu lassen, weil mein erster Gedanke war, dass er meine "Theorie" zu seinem Geburtsmal irgendwie herausgefunden hatte und mich jetzt auf den Arm nehmen wollte. Leider habe ich mit dieser Reaktion wohl verhindert, dass er mir mehr erzählte.
Vor zwei Wochen dann habe ich zum ersten Mal mit der Mutter meines Neffen über die erstaunlichen Parallelen zu dem Film, den ich da vor Jahren gesehen hatte gesprochen. Sie war vorbeigekommen, um sich ein Schüleraustausch-Formular aus dem Englischen übersetzen zu lassen, erzählte mir dann aber, daß ihr Sohn in der Schule Probleme hatte. Dazu muß ich sagen: mein Neffe ist ein aufgeweckter, intelligenter Junge und wirkt nicht im geringsten labil oder gestört, höchstens ein wenig scheu. Ich erklärte mir die schlechten Noten damit, dass er jetzt in die Pubertät kommt.
Dann erzählte mir seine Mutter, dass er manchmal abwesend wirkt. Er hat immer noch diese Trennungsängste (seit einiger Zeit befürchtet er wohl, seine Eltern plötzlich zu verlieren) und äußert die Befürchtung "in einer anderen Welt zu verschwinden". Deshalb hatte sie ihn in ihrer Verzweiflung zu einem Kinderpsychiater gebracht (sie befürchtet, daß er Wahnvorstellungen hat, obwohl er, wie gesagt, auf mich immer völlig normal wirkt). Als ich mich vorsichtig nach dieser "anderen Welt" erkundete, sagte sie, diese sei, nach Aussage des Kindes "genau wie unsere", nur gebe es uns (also seine Familie und Freunde) da nicht. Sie war völlig verzweifelt und suchte nach einer Erklärung.
Und dann hab ich ihr eine zugegebenermassen extrem unwahrscheinlich klingende Alternativerklärung gegeben. Besser gesagt, ich habe die Parallelen ihres Falles mit anderen aufgezählt: inzwischen hatte ich nämlich von Ian Stevenson gehört, einem amerikanischen Wissenschaftler, der sich schon seit 40 Jahren auf sehr wissenschaftlicher Basis und ohne den geringsten Esoterik-Firlefanz mit ähnlichen Fällen angeblicher Reinkarnation beschäftigt. Natürlich war das ziemlich starker Tobak und das Gespräch war damit erstmal beendet. Aber immerhin beeindruckten sie diese Parallelen so, dass sie mir noch etwas verriet: manchmal redet mein Neffe scheinbar in einem gestelzten, altmodischen Deutsch, mit Ausdrücken, die er nirgendwo in seinem Umfekld hätte aufschnappen können. Meinem Einwand, dass er sich das vielleicht angeleden haben könnte, entgegnete sie, dass er so gut wie niemals Bücher lese.
So. Gut, sich das ganze mal von der Seele zu reden. Das war erst das zweite Mal, dass ich jemandem was davon erzähle. Was meint ihr: mache ich mir was vor, konstruiere ich hier nur ein Luftschloss oder könnte etwas an der Sache dran sein? Ich würde mich verdammt gerne mal mit meinem Neffen über die Sache unterhalten, oder in Erfahrung bringen, was er seinem Kinderpsychiater so erzählt. Aber ich befürchte, dass seine Mutter jetzt erstmal alle Verbindungen zu mir abbricht, weil sie befürchtet, dass ich den Jungen in seinen "Wahnvorstellungen" noch bestärke...?