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Meine Seele verwelkt!

tomatenbaum

Mitglied
Hallo Leute,

eigentlich tut es mir jetzt schon leid, daß ich Euch - wer immer Ihr seid - mit meinem Schmerz belaste. Aber ich weiß gerade nicht mehr weiter, muß einfach mal etwas aufschreiben.

Mein Leben ist völlig aus den Fugen. Ich bekomme mein Studium nicht fertig, fühle mich völlig vereinsamt und hoffnungslos. Irgendwann hatte ich hier schon einmal erwähnt, daß meine Freundin mich verlassen hat. Es ist nur das, ich fühle mich so verlassen. Wie der letzte Mensch.

Mir fehlt nicht mehr viel zu meinem Diplom, doch das türmt sich vor mir bis zum Himmel. Ich war bei einer Psychologin (Psychoanalytische Psychotherapie habe ich schon seit Jahren hinter mir), um Rat zu holen, wie ich denn meine letzten Scheine zusammenbekomme. Die hat sich hingestellt und gemeint, daß ich an einem ADHS im Erwachsenenalter leide, und daß ich auch wahrscheinlich hochbegabt sei - sonst wäre ich bei meiner seelischen Konstitution gar nicht so weit gekommen. Nun gut, sie war nicht die Erste, die diese Vermutung äußerte. Also alles gecheckt, nachgedacht, Ritalin probiert. Nehme ich jetzt seit Wochen. Tatsächlich geht es mir damit eigentlich prima. Aber die geschärfte Wahrnehmung bringt mich um. Wenn ich meine Lebenssituation schon vorher manchmal als irgendwie traurig empfunden habe, ging das immer noch irgendwie. Mal hier eine depressive Episode, mal da ein paar Monate Zurückgezogenheit. Nun sehe ich klar. Und es ist furchtbar. Ich bin so alleine. Wenn ich abends weggehe, komme ich immer öfter weinend nach Hause, noch einsamer als vorher. Ich trinke nicht und tanze sehr viel und gerne. Meine Freunde und Bekannten finden mich witzig, etwas nervig, schlau, liebenswert und so weiter. Glaube ich jedenfalls. Etliche Menschen halten große Stücke auf mich. Und ich kann den Erwartungen nicht gerecht werden, die sie an mich haben. Heute Abend ist eine Katastrophe passiert, ich habe bei einem Freund eine Frau getroffen, für die ich mich interessiert habe. Die hat mir ins Gesicht gesagt, ich sei nicht ihr Typ und sowieso emotional kalt. Ich bin nicht kalt! Meine Seele brennt!
Meine Exfreundin hat mich verlassen, weil ich nicht cool genug sei.
Irgendwie finden mich Frauen immer nur "nett" - davon verhungere ich. Ich will auch keine Affaire oder pathologische Beziehung führen, ich suche Stabilität. Und finde sie nicht.

Und mein Studium... Mir wird langsam immer klarer, daß ich das, was ich studiert habe, gar nicht machen will, jedenfalls nicht für immer und professionell. Ich bin ein meinem Fach exzellent. Aber ich will nicht!

Mein ganzes Leben und Streben dreht sich um Einsamkeit, Gefühle von Fremdheit, Außenseitertum und gesellschaftliche Ablehnung. Ich habe das Gefühl, daß mein Leben in Einsamkeit wertlos ist. Ich habe Angst, einfach zu sterben. Einzugehen wie eine Blume, die man nicht gießt. Nicht, daß ich mich umbringen würde. Das halte ich für dumm, weil man damit ja auch die Hoffnungen und jede Chance auf Glück aufgibt.
Es ist nur so, daß ich seelisch verhungere. Wenn ich alleine irgendwo hingehe, sehe ich Menschen. Lächele. Werde angelächelt. Und doch kann ich mit all dem nichts anfangen, fühle mich wie in einer Käseglocke gefangen, ganz nah und doch in unerreichbarer Ferne.
Und dann gehe ich wieder nach Hause, weine, schreibe diesen Text und denke über meinen Tod durch soziale Deprivation nach.

Wie kann ich Anschluß finden? In der Hochschule mag ich niemanden und umgekehrt so ähnlich. Die Kontakte, die ich habe, empfinde ich fast alle als unbefriedigend. Ich fühle mich nie angenommen, wie ich bin, habe immer das Gefühl, mich benehmen zu müssen, mich zusammenzureißen, weil ich fürchte, daß jeder wegrennt, wenn ich meine Seele zu sehr zeige. Ich bin kein böser Mensch. Einfach nur ein einsamer.

Wieso ist die Einsamkeit so unsexy? Wieso bleibt einsam einsam? Wieso? Was habe ich getan? Angeblich habe ich so gute Eigenschaften, wieso will mich niemand ganz? Ich will doch nur geliebt werden, habe doch auch so viel zu geben. Ich kann so zärtlich und fürsorglich sein, auch mitfühlend und tröstend. Aber wer ist für mich da? Wer sagt einfach nur "ja" und ist da, ohne daß ich immer Angst haben muß, daß er oder sie wegläuft?

Das war jetzt einiger unstrukturierter Text. Wer bis hier gelesen hat, dem danke ich aufrichtig und von ganzem Herzen.

Jetzt kann ich nicht mehr......
 

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S

Sternenhimmel

Gast
Hallo Tomatenbaum. Einsamkeit ist schlimmer als alles andere,ich kann Dich da sehr gut verstehen.Du beschreibst Dich als sehr offener und eigentlich doch sehr zurück gezogener Mensch.Ich lese Du tanzt gerne und viel.Tanzen das wäre doch für Dich ein guter weg der Einsamkeit zu entfliehen.Nutze es das Du es gerne machst.Verkrieche Dich nicht,gehe raus Tanze und Lerne Menschen kennen.Es wird sich bestimmt nicht von heute auf morgen klappen,aber es wäre eine Möglichkeit.Beim Tanzen kannst Du auch gut Frust abbauen.Lg catcry
 

Sara7

Aktives Mitglied
so, jetzt nehme ich dich erstmal ganz sanft und ganz warm in meinen arm...entspanne dich in meinen armen...lass die tränen laufen...atme...atme ganz tief ein und aus..in deinem rhythmus..nimm wahr was dein atem mit deinem körper macht...

lass jetzt einmal die zeit in meinen armen still stehen..sei einfach nur du...vllt kannst du einen zarten, wunderbaren, beruhigenden duft wahrnehmen....das leben liebt dich...


was du gerade da durchmachst ist etwas ganz wunderbares...ich weiß, du kannst es vllt nich glauben, aber du wachst gerade auf...

es ist wie eine geburt...die geburt deiner wahrheit...

du bist hochintelligent und hochsensibel...das erscheint dir momentan noch als belastung...aber eigentlich gehört das zu deinem sein, deiner einmaligen schönheit, deiner wahrheit und deinem aufwachen...

ich möchte dir dringend ein buch ans herz legen:

byron katie "lieben was ist"

es handelt von diesem aufwachen, dem SEIN, dem vermeintlichen einsam- sein und was die / deine wahrheit ist und wie du sie erkennst...beim lesen wirst du dich entdecken...sehr mittig sein, voller harmonie, erkennen was dein leben ist...

es ist kein esoterik-buch oder positiv-denken-ratgeber...es ist ein buch zur entdeckung deiner wahrheit...

ich gebe zu, dass es mein leben verändert hat und das ich es wieder und wieder lesen werde...

bitte gib mir doch bescheid, wie es auf dich gewirkt hat...ich habe das ganz starke gefühl, dass es auch für dich geschrieben wurde...

in liebe

sara7:p

p.s.: und dann könnte dir ein hypnose-therapeut richtig gute unterstützende hilfe geben...ich nenne sie "schuhlöffel für die seele" - natürlich ganz liebevoll... ;-))
 

tomatenbaum

Mitglied
Hallo Sara7,
hallo Catcry,

vielen Dank für Eure lieben Worte!

Ich weiß nicht, wie weit Du (hier Sara7) fühlen kannst, wie es mir im Moment geht. Meine Seele kocht. Ich denke plötzlich Dinge zuende, die ich nicht zu denken gewagt habe. Ich wage Dinge zu fühlen, die ich schon verblaßt glaubte.

Es wirft mich um. Und doch gerade das jetzt in einer Phase, in der ich doch leisten soll. Lernen! Ich habe gar kein Konzept mehr. Es heißt, das Medikament helfe mir, das "Wichtige" zu erkennen und zu bearbeiten - das Wichtige, was ist das? Ist es das Lernen, die Leistung, das Verlangte? Oder sind es Gefühle und Eindrücke, Fetzen vergangenen Glückes, deren Vergänglichkeit mich einholt? Erinnerungen, zum Sterben schön. Vergangenes, zum Sterben traurig.
Ist das vielleicht in meinem Leben das Wichtige? Habe ich den schlimmen Verlust vor zwei Jahren nicht genug gespürt? Hole ich jetzt das nach, was ich versäumt habe? Wo soll ich anfangen? Die Fragen, sie werden immer mehr. Immer mehr weiß ich nicht mehr, wo der Weg hingeht. Immer mehr kommt mir mein bisheriger Weg als Umleitung um die Baustelle Leben vor.


was du gerade da durchmachst ist etwas ganz wunderbares...ich weiß, du kannst es vllt nich glauben, aber du wachst gerade auf...

es ist wie eine geburt...die geburt deiner wahrheit...
Ich habe Angst davor, daß es so ist. Begriffe wie Erwachen und neue Geburt, Neuanfang... Sie schleichen sich schon länger durch meine Gedanken, ich habe mich nicht getraut sie auszusprechen. Wenn es so ist, wo sind die vergangenen Jahrzehnte geblieben? Mein Leben? Verschwendet in zerfahrener Dunkelheit?

du bist hochintelligent und hochsensibel...das erscheint dir momentan noch als belastung...aber eigentlich gehört das zu deinem sein, deiner einmaligen schönheit, deiner wahrheit und deinem aufwachen...
Woher willst Du das wissen? Hochsensibel, hochintelligent - vielleicht bin ich gar nicht hochintelligent, wer weiß das schon... Kann schon sein. Aber alles, was hoch oder niedrig, breit oder dünn, eng oder weit ist - es ist anders. Abweichungen vom Mittelmaß werden von der Mehrheit verworfen, bekämpft, vernichtet oder, wenn dies nicht möglich ist, ausgegrenzt.
Mir hat das alles nur geschadet. Mein ganzes Leben wollte ich normal sein, so wie die Anderen. Normal leben, normal lernen, normale Erfolge haben, normal geliebt werden, normal sein, normal glücklich sein. Stattdessen ist mein Leben eine Aneinanderreihung von Extremen.

ich möchte dir dringend ein buch ans herz legen:
byron katie "lieben was ist"
Danke für die Empfehlung. Ich weiß nicht, ob ich im Moment auf solche Ansätze einlassen kann und will. The Work klingt auf den ersten Blick nicht schlecht, aber ich werde das Buch vorerst nicht lesen. Mir fehlt im Moment auch die Ruhe, muß ich gestehen.

Ich habe Angst, daß das, was ich gerade erlebe, keine depressive Phase ist. Vielleicht ist es eine, aber dann von einer bisher ungekannten Qualität. Ich kenne depressive Phasen, Phasen der Antriebs- und Lustlosigkeit, Wochenlanges Deckenanstarren, in wohliger Verharrung daliegen, das Haus nur nachts verlassend, die Gedanken gefrohren. So ist es gerade nicht.
Es ist, als wenn plötzlich messerscharfe Klarheit mich überfällt und mich gnadenlos mit mir und meinem Leben konfrontiert.
Ich stehe vor einem Schrotthaufen - der aber glücklicherweise eine Menge brauchbarer Teile enthält. Vor der Riesenaufgabe, aufzuräumen und den Weg zu finden, meinen Weg. Und falls ich nicht auf meinem Weg war, werde ich auch noch mit der Erkenntnis konfrontiert werden, daß ich es war. Wenn dem so ist, wird es noch mehr Schmerz geben. Aber irgendwo am Ende, da ist Licht.
Da werde ich meine Hoffnung wieder strahlen lassen können. Die Hoffnung ist schon wichtig, die habe ich nie verloren. Ich weiß nicht, wieso, aber manchmal tue ich so, als hätte ich keine Hoffnung, aber das sind dann nur übersteigerte Phantasien. Ich habe Hoffnung.

catcry meinte:
Einsamkeit ist schlimmer als alles andere,ich kann Dich da sehr gut verstehen.Du beschreibst Dich als sehr offener und eigentlich doch sehr zurück gezogener Mensch.Ich lese Du tanzt gerne und viel.Tanzen das wäre doch für Dich ein guter weg der Einsamkeit zu entfliehen.Nutze es das Du es gerne machst.Verkrieche Dich nicht,gehe raus Tanze und Lerne Menschen kennen.Es wird sich bestimmt nicht von heute auf morgen klappen,aber es wäre eine Möglichkeit.Beim Tanzen kannst Du auch gut Frust abbauen.Lg catcry
Tja, Einsamkeit. Was ist das bloß? Ich sehe oft Menschen, auch gute Freunde. Und doch bin ich einsam. Ich kann sogar beim Sex einsam sein. Obwohl ich mich im Moment nach körperlicher Nähe sehne. Aber ich war nicht immer einsam. Eine Seelenverwandte habe ich in meinem Leben schon getroffen, doch ihr Weg hat sich von meinem irdischen getrennt.

Das Tanzen hilft mir kaum weiter. Ich bewege mich gerne und gehe gerne zu schönen Parties und in Discos. Aber die Auswahl ist schwer, ich ertrage die betrunken-selbstbewußt-kämpferischen Jugendlichen nicht. Vor allem nicht, wenn ich, wie so oft, ganz allein irgendwo bin. Ich habe kaum jemanden, der mit mir zusammen loszieht um überzuschäumen.

Mein gestriges Tief wurde übrigens ausgelöst durchs Tanzen. Da waren drei sehr sympathische Damen, jeder konnte ich ein Lächeln entlocken (und noch mehr Menschen, die seien mal der Einfachheit halber ausgespart). Die eine hat wunderbar getanzt, ich fühlte mich von ihr aber nicht sonderlich beachtet. Die zweite hatte ein wunderbares Gesicht und mir ähnlich getanzt. Sie hat mich mehrmals offen angelacht, vielleicht auch eine Zeitlang beobachtet. Die Dritte nun hatte einen wunderschönen Körper (nach meinem Geschmack!) und wirkte wirklich offen. Ich hätte sie am liebsten gleich eingepackt und für immer an ihr geknabbert in dem Moment. Sie hat mich sogar angesprochen, mit einer kleinen Bemerkung "Was ist das denn, solche Rausschmeißermusik!". Worauf ich hilflos und wahrscheinlich ablehnend wirkend sagte "Ach, ich fühle mich schon rausgeworfen heute".
Dann bin ich ganz traurig geworden und schnell mit meinem Auto nach Hause gefahren. Dann kam noch eine Auseinandersetzung mit meiner Verflossenen hinzu, bei der ich erkannt habe, wie wenig sie mir rein menschlich zu geben bereit oder in der Lage ist. Und das war der Anfang meiner Geschichte der letzten Nacht.
Jedenfalls war das, was mich in dem Moment so traurig gemacht hat, das Gefühl, nicht dazuzugehören, nicht "aktionsberechtigt" zu sein, das Gefühl einer Käseglocke um mich. Das fehlen einer Handlungsstruktur für solche Fälle sowie schreckliche Angst vor Zurückweisung.
Immerhin lebe ich mit der Rolle, gerne gesehen und verständnisvoll zu sein, aber als Mann fehlt mir ein "gewisser männlicher Charme" (so sagte man mir gestern!!), außerdem werde ich für Gefühlskalt eingeschätzt. Ich und gefühlskalt! Was soll ich tun? Ich will erkannt werden! Geschätzt werden! Geliebt sein und lieben dürfen. Ich habe so viel zu geben, aber wer will es nehmen?

Meine Kraft ist zum Glück noch nicht am Ende. Nur die Angst vor der verwelkten Seele, die bleibt.

Ich habe das Gefühl, daß alles "Sinnvolle" sinnlos ist, solange ich einsam bin. Wozu brauche ich ein materiell abgesichertes Leben, wenn ich das Leben nicht akzeptieren kann? Wenn ich keine Perspektive habe?

Und das ist es auch, wovor ich Angst habe: Daß ich dieses Semester wieder nichts zustande bringe, weil ich mich "ablenke", also um Anderes kümmere. Daß ich nicht die Kraft finde, mich "zusammenzureißen" und mich auf das "Wesentliche" zu konzentrieren.
Nur: Ist "das Wesentliche" denn wirklich das Wesentliche? Ist es vielleicht doch so, daß ich meine Seele erst in Ordnung bringen muß?
Oder ist das doch nur Aufschieberei?
Kommt das Glück "dann von ganz allein"? Oder ist das nur eine floskel der Leistungsgesellschaft, mit der man die Menschen auf Kurs halten will?
Früher sagte man mir immer "Ach, das kommt später! Später wirst Du eine Freundin haben, beliebt sein, heiraten, Kinder kriegen etc." - aber es ist schon später, und nichts geht!
Soll ich das Glück zu einer Jenseitsvorstellung erklären? Nein, das will ich doch nicht!
Außerdem habe ich Glück schon erlebt. Richtiges Glück. Keine lange Zeit. Aber es war die Zeit, in der ich mich am liebsten aufgelöst und mit allem vermischt hätte, eine Zeit ohne Grenzen. Daher weiß ich leider auch, wonach ich mich so sehne.

Vielen Dank fürs Lesen!
 

lostsoul

Mitglied
hallo tomatenbaum...

ich weiß gerade gar nicht genau was ich schreiben soll. denn mit all meinen worten würde ich deine nur wiederholen. du sprichst mir mit deinen geschriebenen worten förmlich aus der seele. ich kann total gut nachvollziehen wie es dir geht.

du hast geschreiben:

"Mir hat das alles nur geschadet. Mein ganzes Leben wollte ich normal sein, so wie die Anderen. Normal leben, normal lernen, normale Erfolge haben, normal geliebt werden, normal sein, normal glücklich sein. Stattdessen ist mein Leben eine Aneinanderreihung von Extremen."

aber was ist denn "normal"? wer sagt was normal ist? ich möchte eigentlich gar nicht normal sein. denn normal bedeutet in der gesellschaft unterzugehen. ich möchte mit meinen eigenheiten anerkannt werden. ohne ablehnung, weil ich angeblich nicht "normal" bin. ich verstell mich immer, weil ich weiß, dass mich niemand mit meinem komplexen seelenleben akzeptieren würde. aber genau das macht einsam. was bringt mir der größte freundeskreis, wenn mich niemand versteht. ich habe lieber EINEN seelenverwandten als 1000 oberflächliche freundschaften.

ich denke was sara7 geschrieben hat:

"was du gerade da durchmachst ist etwas ganz wunderbares...ich weiß, du kannst es vllt nich glauben, aber du wachst gerade auf...

es ist wie eine geburt...die geburt deiner wahrheit..."

kommt dem schon sehr nahe. aber ich frage mich dennoch was passiert, wenn ich "ankomme"?! oder wird es überhaupt dazu kommen?

ich würde mich freuen mehr von dir zu lesen. du kannst dich sehr gut ausdrücken und ich merke, dass ich nicht alleine bin.

Lieben Gruß, lostsoul
 

tomatenbaum

Mitglied
Hey Lostsoul,

danke für Deinen Kommentar. Darauf antworte ich gerne!
Merke gerade, daß mir diese Diskussion hier auch hilft. Es ist wirklich gut zu wissen, mit seinem Mist doch nicht der Einzige zu sein.

ich weiß gerade gar nicht genau was ich schreiben soll. denn mit all meinen worten würde ich deine nur wiederholen. du sprichst mir mit deinen geschriebenen worten förmlich aus der seele. ich kann total gut nachvollziehen wie es dir geht.
Das ist sehr schön. Also ist meine Seele nicht allein. Es klingt vielleicht banal, wenn ich das so schreibe, aber ich bin hier hergekommen, um der Hoffnung, nicht wirklich allein zu sein, eine Chance zu geben. In der Hoffnung, verstanden zu werden.

aber was ist denn "normal"? wer sagt was normal ist? ich möchte eigentlich gar nicht normal sein. denn normal bedeutet in der gesellschaft unterzugehen. ich möchte mit meinen eigenheiten anerkannt werden. ohne ablehnung, weil ich angeblich nicht "normal" bin. ich verstell mich immer, weil ich weiß, dass mich niemand mit meinem komplexen seelenleben akzeptieren würde. aber genau das macht einsam. was bringt mir der größte freundeskreis, wenn mich niemand versteht. ich habe lieber EINEN seelenverwandten als 1000 oberflächliche freundschaften.
Normal ist dort, wo die Gauss'sche Glockenkurve ihren Gipfel hat. Die Mitte der Normalverteilung.
Ich glaube auch nicht, daß ich so ganz normal sein wollen würde, wenn ich es mir aussuchen könnte. Was ich meinte, war eher das Streben nach weniger Abweichung. Nicht die Aufgabe der Individualität. Wenn man stark abweicht, ist man automatisch einsamer.

Das mit dem Verstellen kenne ich so gut! Es klingt gemein, wenn ich es schreibe, aber manchmal habe ich das Gefühl, mein Inneres zurückhalten zu müssen, auch in einer Beziehung, um mein Gegenüber nicht zu überfordern. Wenn ich es gemein formuliere, weil ich mich einmal wieder völlig unverstanden fühle, spreche ich auch schonmal von "mangelnder seelischer oder emotionaler Kapazität". Das ist hart, aber irgendwie ist es so. Bei vielen Leuten habe ich das Gefühl, daß ich sie, wenn ich wirklich offen wäre, einfach in Verwirrung und Überforderung ertrinken ließe.
Ich denke und fühle so schnell und so viel und manchmal so komplex mit so komplexen Assoziationsketten, da wird es sicher für viele schwierig, mitzukommen. Aber ich weiß, daß es Menschen gibt, die mitkommen. Nur sind die so schwer zu finden.

Wo findet man Seelenverwandte, wenn man sie braucht? Ich habe erst zwei getroffen, glaube ich. Und nur mit einer habe ich mich vertragen. Seelenverwandtschaft und tiefes Verständnis bedeuten ja noch nicht, daß man sich mag und verträgt...

ich denke was sara7 geschrieben hat:

...

kommt dem schon sehr nahe. aber ich frage mich dennoch was passiert, wenn ich "ankomme"?! oder wird es überhaupt dazu kommen?
Tja, ankommen wird man wohl nie. Der Moment der Vervollkommnung ist wohl der Tod. Und der muß warten. Solange man lebt, ist man auf einem Weg, denke ich.
Aber es wäre schön, wenn der Weg schon Freude und Glück an seinem Rande bärge.

ich würde mich freuen mehr von dir zu lesen. du kannst dich sehr gut ausdrücken und ich merke, dass ich nicht alleine bin.
Na, das läßt sich einrichten, wie Du siehst. Habe mich auch über die Rückmeldungen gefreut. Und darüber, daß ich nicht ausgelacht wurde. Ich habe immer Angst, daß ich verletzt werde, wenn ich etwas offener bin. Daher treibe ich mich ja auch hier in der Anonymität herum.
Danke dafür, daß Du meine Ausdrucksweise magst. Das freut mich. Und wenn Du merkst, nicht allein zu sein, merke ich das auch.
Und ich bin sogar gar nicht weit weg, sehe ich gerade.

Bis dahin,
viele Grüße
 

lostsoul

Mitglied
hallo tomatenbaum,

ich glaube das schlimme ist wirklich, zu denken, dass man alleine ist und niemand einen versteht. ich habe es bis jetzt noch nicht bereut mich hier angemeldet zu haben. eher das ich es noch nicht früher getan habe ;)

Das mit dem Verstellen kenne ich so gut! Es klingt gemein, wenn ich es schreibe, aber manchmal habe ich das Gefühl, mein Inneres zurückhalten zu müssen, auch in einer Beziehung, um mein Gegenüber nicht zu überfordern. Wenn ich es gemein formuliere, weil ich mich einmal wieder völlig unverstanden fühle, spreche ich auch schonmal von "mangelnder seelischer oder emotionaler Kapazität". Das ist hart, aber irgendwie ist es so. Bei vielen Leuten habe ich das Gefühl, daß ich sie, wenn ich wirklich offen wäre, einfach in Verwirrung und Überforderung ertrinken ließe.
Ich denke und fühle so schnell und so viel und manchmal so komplex mit so komplexen Assoziationsketten, da wird es sicher für viele schwierig, mitzukommen. Aber ich weiß, daß es Menschen gibt, die mitkommen. Nur sind die so schwer zu finden.
ich weiß genau was du meinst. und ich finde es nicht gemein formuliert. wahrscheinlich empfinden nur leute es als eine gemeinheit, die du damit ansprichst. viele menschen können und wollen gar nicht das seelenleben anderer verstehen.
wenn ich mich anpasse, dann merke ich, dass ich akzeptiert werde aber mein innerstes wehrt sich dagegen und sobald ich wieder zuhause bin oder allein bin, merke ich wieder diese, ich nenn es mal "gefangenheit".

Wo findet man Seelenverwandte, wenn man sie braucht? Ich habe erst zwei getroffen, glaube ich. Und nur mit einer habe ich mich vertragen. Seelenverwandtschaft und tiefes Verständnis bedeuten ja noch nicht, daß man sich mag und verträgt...
ich habe auch nur zwei stück. das eine ist mein ex-freund, der jetzt mein bester freund ist, aber leider haben wir meistens andere ansichten, von banalen dingen, dass wir uns öfters streiten. und das andere ist meine arbeitskollegin die fast doppelt so alt ist wie ich. aber sie versteht mich. und das weiß ich zu schätzen. ich glaube das mit den seelenverwandten ist wie mit der liebe. man kann sie nicht suchen. entweder es passiert oder eben nicht.

Tja, ankommen wird man wohl nie. Der Moment der Vervollkommnung ist wohl der Tod. Und der muß warten. Solange man lebt, ist man auf einem Weg, denke ich.
Aber es wäre schön, wenn der Weg schon Freude und Glück an seinem Rande bärge.
meine arbeitskollegin sagt immer, und ich denke das auch teilweise, dass das leben die vorbereitung ist, die probe auf das was danach kommt. und wir werden getestet. warum allerdings eine so schwere wege bestreiten müssen, keine ahnung.

Na, das läßt sich einrichten, wie Du siehst. Habe mich auch über die Rückmeldungen gefreut. Und darüber, daß ich nicht ausgelacht wurde. Ich habe immer Angst, daß ich verletzt werde, wenn ich etwas offener bin. Daher treibe ich mich ja auch hier in der Anonymität herum.
Danke dafür, daß Du meine Ausdrucksweise magst. Das freut mich. Und wenn Du merkst, nicht allein zu sein, merke ich das auch.
Und ich bin sogar gar nicht weit weg, sehe ich gerade.
freut mich, dass du dich freust ;) und die leute die dich auslachen würden, die sind einfach nur arme seelen, die es nicht besser wissen.
gar nicht so weit weg? woher kommst du denn?

lieben gruß, lostsoul
 

tomatenbaum

Mitglied
hallo tomatenbaum,
wenn ich mich anpasse, dann merke ich, dass ich akzeptiert werde aber mein innerstes wehrt sich dagegen und sobald ich wieder zuhause bin oder allein bin, merke ich wieder diese, ich nenn es mal "gefangenheit".
Das kann ich gut nachvollziehen. Nicht, daß ich das Theaterspiel perfekt beherrschte, aber immerhin kann ich schon Kontakte knüpfen und Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen.
Das Problem ist nur: Was ist mir das alles wert, wenn es auf Verstellung, auf Theater basiert? Was bringt es mir, wenn eine Schale, die ich mir überwerfe, gemocht wird? Nur eine Schale akzeptiert wird?
Davon habe ich doch gar nichts. Es sei denn, ich schlage die Brücke zwischen der Schale und mir mittels Vorstellungskraft.

:.-)
 

lostsoul

Mitglied
Was ist mir das alles wert, wenn es auf Verstellung, auf Theater basiert? Was bringt es mir, wenn eine Schale, die ich mir überwerfe, gemocht wird? Nur eine Schale akzeptiert wird?
das problem an der sache ist, dass man durch dieses verstellen zwar nicht alleine ist aber dennoch einsam. ich kann mich unter tausenden von menschen sowas von einsam fühlen. das ist unglaublich...


Ich habe das Gefühl, daß alles "Sinnvolle" sinnlos ist, solange ich einsam bin. Wozu brauche ich ein materiell abgesichertes Leben, wenn ich das Leben nicht akzeptieren kann? Wenn ich keine Perspektive habe?
das sehe ich genauso. was bringt einem all das materielle, wenn ich mein glück, mein leid, mein leben mit niemandem teilen kann der mich versteht, der mich will so wie ich bin...

Mein ganzes Leben und Streben dreht sich um Einsamkeit, Gefühle von Fremdheit, Außenseitertum und gesellschaftliche Ablehnung. Ich habe das Gefühl, daß mein Leben in Einsamkeit wertlos ist. Ich habe Angst, einfach zu sterben. Einzugehen wie eine Blume, die man nicht gießt. Nicht, daß ich mich umbringen würde. Das halte ich für dumm, weil man damit ja auch die Hoffnungen und jede Chance auf Glück aufgibt.
Es ist nur so, daß ich seelisch verhungere. Wenn ich alleine irgendwo hingehe, sehe ich Menschen. Lächele. Werde angelächelt. Und doch kann ich mit all dem nichts anfangen, fühle mich wie in einer Käseglocke gefangen, ganz nah und doch in unerreichbarer Ferne.
Und dann gehe ich wieder nach Hause, weine, schreibe diesen Text und denke über meinen Tod durch soziale Deprivation nach.
kenne ich zu gut...

ich würde gerne mehr schreiben aber meine gedanken kreisen heute um so viele andere dinge...sorry.
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Aber wer ist für mich da? Wer sagt einfach nur "ja" und ist da, ohne daß ich immer Angst haben muß, daß er oder sie wegläuft?
Hallo Tomatenbaum,

die Antwort auf deine Frage ist ziemlich einfach und schlicht: Du selbst. Du kannst einfach "ja" zu dir sagen und bleibst dir garantiert erhalten.

Jetzt mal meine Frage: Für wen warst du denn schon mal ansatzweise "da", zu wem hast du "ja" gesagt, wer musste niemals Angst haben, dass du ihm oder ihr wegläufst?

If you want a friend, be a friend. :)

Anders gesagt: Der soziale Kontakt, den du vermisst ist eine von beiden Seiten zu öffnende Tür.

Gruß, Werner
 

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